Alois Alzheimer: Zitate und Erkenntnisse zur "Krankheit des Vergessens"

Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer, ist eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen. Sie ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten, der das Gedächtnis, das Denken, die Orientierung und das Sprachvermögen beeinträchtigt. Die Krankheit manifestiert sich oft in Zitaten wie "Ich habe mich sozusagen verloren" (Auguste Deter) oder "Ich segele in die Dunkelheit" (Iris Murdoch), die die Ängste und Verwirrung der Betroffenen widerspiegeln.

Alois Alzheimer und die Entdeckung der Krankheit

Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 in Marktbreit geboren. Er studierte Medizin an den Universitäten Würzburg und Tübingen. 1888 arbeitete er als Assistenzarzt an der "Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main.

Der Fall Auguste Deter

Dr. Alzheimer behandelte die 51-jährige Patientin Auguste Deter im November 1901 in der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt. Ihr Mann brachte sie verzweifelt in die Klinik. Sie hatte Gedächtnisprobleme, war misstrauisch, aggressiv und weinerlich. Sie erinnerte sich kaum an ihren Vornamen. Auf die Frage nach ihrem Namen antwortete sie: „Auguste.“ Auf die Frage nach ihrem Familiennamen antwortete sie wieder: „Auguste.“ Und auf die Frage nach dem Namen ihres Mannes zögerte sie und antwortete schließlich: „Ich glaube… Auguste.“

Alzheimer vermutete biologische Ursachen für den geistigen Verfall seiner Patientin. Das Verhalten der Patientin beschäftigte Alzheimer so sehr, dass er sich nach ihrem Tod 1906 ihre Krankenakte und Gewebeproben nach München schicken ließ, wo er inzwischen an der Königlich Psychiatrischen Klinik arbeitete. Zwar war damals auch schon ein Krankheitsbild namens „Altersblödsinn“ bekannt, das bei älteren Menschen auftrat. Doch Auguste Deter war erst 56 Jahre alt, als sie starb.

Die pathologischen Befunde

Nach dem Tod von Auguste Deter im Jahr 1906 untersuchte Alzheimer ihr Gehirn. Er entdeckte auffällige Veränderungen:

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  • Ausgedünnte Hirnrinde: Jene Teile der Hirnrinde, die für Gedächtnis, Orientierung und Gefühlsleben zuständig sind, waren stark ausgedünnt.
  • Plaques: Außerhalb der Zellen waren massenhaft seeigelförmige »Plaques« zu erkennen, winzige Klümpchen aus ähnlichen Proteinen.
  • Neurofibrillen: In ihrem Inneren haben sich feine Proteinfäden, sogenannte Neurofibrillen, gebildet.

1907 veröffentlichte er seine Entdeckung in der Schrift „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“.

Alzheimer stellte seine Forschungsergebnisse im gleichen Jahr auf der 37. Versammlung der Südwestdeutschen Irrenärzte in Tübingen vor.Zu seiner Enttäuschung wurden seine Erkenntnisse zunächst überhaupt nicht ernst genommen. Denn damals ging man noch davon aus, dass „Altersblödsinn“ keine biologischen Ursachen habe, sondern auf einen unzüchtigen Lebenswandel zurückzuführen ist.

Sein Vorgesetzter Dr. Emil Kraepelin nahm die Krankengeschichte von Auguste Deter 1910 in einem Lehrbuch auf und nannte sie die „Alzheimersche Krankheit“. Die von Alois Alzheimer vor über 100 Jahren entdeckten Veränderungen im Gehirn von Auguste Deter bilden bis heute die Grundlage der aktuellen Alzheimer-Forschung.

Frühe Symptome und Diagnose

Zu der überaus aufwendigen und entsprechend kostspieligen Alzheimer-Diagnostik gehören außer der Computer-Tomographie und Messungen der Gehirnströme (EEG) Laboruntersuchungen aller Art, psychiatrische Erhebungen sowie allerlei Wahrnehmungstests, die in jüngster Zeit entwickelt wurden. Untersuchungen des Gesichtssinnes beispielsweise ergaben, daß bei Alzheimer-Kranken schon im Frühstadium subtile Sehstörungen auftreten. So konnten sie etwa auf Testbildern mit gestrichelten Linien abgebildete Gegenstände nicht identifizieren; überdies hatten sie Probleme bei der Farbwahrnehmung oder dem Erkennen perspektivischer Zeichnungen. Auch Irritationen des Riechorgans, etwa Geruchshalluzinationen, gelten als frühzeitiger Hinweis auf die Krankheit - alles Befunde, die wegen fehlender Behandlungsmöglichkeiten freilich nur einer »Botschaft des Todesengels« gleichen, wie die Hamburger »Zeit« formulierte.

Das Fortschreiten der Krankheit

Erst nach dem Hinscheiden des Patienten, auf dem Sektionstisch des Pathologen, kann die Verdachtsdiagnose gesichert werden - dabei zeigt sich: Das Gehirn des Alzheimer-Kranken, das gleichsam schon vor dem Tod seinen Geist aufgab, ist sichtbar geschrumpft, mitunter auf ein Drittel seines ursprünglichen Volumens; die Hirnkammern (Ventrikel) sind stark erweitert, die normalerweise engen Hirnfurchen klaffen spaltenbreit auseinander. Gewebsuntersuchungen offenbaren, daß in weiten Hirnregionen die Nervenzellen fast restlos abgestorben sind.

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Ursachen und Risikofaktoren

Die Frage, was die bizarren Veränderungen im menschlichen Zentralorgan auslöst, ist bislang so gut wie unbeantwortet. Für die Entstehung der Krankheit wurden, unter anderem, verantwortlich gemacht:

  • Toxine, vor allem Aluminium: in jeder absterbenden Hirnzelle eines Alzheimer-Kranken verzehnfacht sich der Aluminium-Gehalt.
  • Viren: US-Forscher hegen den Verdacht, daß ein noch unbekanntes, langsam wirkendes Virus ("slow virus") die Krankheit auslöst.
  • Hirnverletzungen: bei vielen Berufsboxern, die am sogenannten Punchdrunk-Syndrom litten, wurden im Hirngewebe ähnliche Veränderungen festgestellt wie beim Morbus Alzheimer; auffallend viele Alzheimer-Kranke haben, wie eine Studie ergab, früher in ihrem Leben Gehirnverletzungen erlitten.
  • Genschäden oder eine erbliche Disposition: britische Forscher haben bei der Untersuchung von sechs Familien, in denen das Alzheimer-Leiden gehäuft vorkommt, einen Gen-Defekt lokalisiert; er liegt auf dem Chromosom 21, das auch für andere erbliche Hirnkrankheiten wie etwa das Down-Syndrom (Mongolismus) verantwortlich ist.
  • Störungen des Hirnzell-Stoffwechsels: nach Ansicht des Heidelberger Stoffwechsel-Experten Professor Siegfried Hoyer sterben beim Alzheimer-Leiden die Hirnzellen vor allem an Glukose-Mangel; weil ihnen (womöglich aufgrund von Fehlern im Insulin-Haushalt) der Brennstoff ausgeht, verfeuern sie »hirneigene Substrate« und fressen sich so gleichsam selber auf.

Einige Wissenschaftler schließlich sehen im Morbus Alzheimer nichts weiter als eine katastrophal beschleunigte Form des normalen Hirnalterns; das Zentralorgan, meinen sie, gehe dabei sozusagen im Zeitraffer-Tempo zugrunde.

Forschungsergebnisse zeigen, dass sich bis zu 40 Prozent der Alzheimer-Erkrankungen vermeiden lassen.

Zu den Präventionsmaßnahmen gehören:

  • Ausreichend Bewegung: Das Gehirn wird bei körperlicher Aktivität besser durchblutet und es können sich sogar Nervenzellen neu bilden.
  • Geistige Fitness: Alzheimer-Symptome treten bei Menschen, die geistig aktiv sind, nachgewiesenermaßen später auf. Musizieren, Sprachen lernen, Abwechslung: All das hält das Hirn in Schwung.
  • Gesunde Ernährung: Sie hält das Gehirn länger fit und schützt vor Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck, die ihrerseits das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch Übergewicht hilft dem Körper nicht - im Gegenteil.
  • Soziale Kontakte: Sie wirken ebenfalls einer Demenz entgegen. Denn hier sind Konzentrationsfähigkeit, das Kurzzeitgedächtnis, die Sinne und das Sprachvermögen gefragt.
  • Ausreichend Schlaf: Bei Alzheimer sorgt unter anderem verklumptes Protein für die Zerstörung von Gehirnzellen. „Im gesunden Gehirn wird das schädliche Eiweiß durch eine Art Müllabfuhr im Tiefschlaf entsorgt“, heißt es in der Broschüre.
  • Nichtrauchen: „Rauchen ist bei Menschen über 65 Jahren der wichtigste beinflussbare Risikofaktor und erhöht das Erkrankungsrisiko um 60 Prozent.“

Auch medizinisch lässt sich vorsorgen: Denn ein unbehandelter Blutdruck kann genauso ein Treiber für diese Demenzerkrankung sein wie Diabetes. Eng verbunden mit der Alzheimer-Erkrankung sind auch Depressionen; sie können sowohl Symptom als auch Risikofaktor sein.

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Es gibt im Wesentlichen zwei Risikofaktoren, die wir nicht beeinflussen können: Das ist einmal das Altern. Aber auch die Gene spielen eine Rolle: „Mutationen können zum sicheren Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung führen“, heißt es in der Broschüre. „Das ist aber sehr selten der Fall. Weniger als 1 Prozent gehen darauf zurück. Darüber hinaus gibt es aber auch Genvarianten, die das Krankheitsrisiko erhöhen, aber nicht zum sicheren Ausbruch der Krankheit führen.“

Aktuelle Forschung und Therapieansätze

Die Forschung im Bereich der neurogenerativen Erkrankungen geht weiter, wie der US-amerikanische Verband PhRMA berichtete.

Medikamentöse Behandlungen

In dieser trostlosen Lage konzentrieren sich die Mediziner auf Versuche, die »schleichende Katastrophe im Gehirn« wenigstens zu bremsen und die Leidenssymptome der Kranken soweit wie möglich zu lindern. Dazu experimentieren sie derzeit unter anderem mit allerlei Medikamenten, die das schwindende Denkpotential im Hirn der Alzheimer-Patienten mobilisieren sollen. Einige dieser Mittel dienen dem Ziel, jene chemischen Botenstoffe zu stimulieren, die bei Alzheimer-Kranken mehr und mehr den Dienst versagen.

Eine Forschergruppe am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in Martinsried bei München hat eine körpereigene Substanz entdeckt, die Hirnzellen dazu stimulieren kann, neue Leitungsfasern zu entwickeln, was die Zellen zugleich vor dem Untergang bewahrt. Im Tierversuch mit hirngeschädigten Ratten erwies sich der »Nervenwachstumsfaktor« als wirksam. Ob er auch menschliche Gehirnzellen retten kann, ist noch fraglich. Inzwischen haben US-Forscher von der Harvard-Universität in Cambridge genetisch manipulierte Zellen, die den Wachstumsfaktor produzieren, in vorgeschädigte Rattenhirne implantiert - mit Erfolg. Doch derlei Experimente bleiben schon deshalb wenig beweiskräftig, weil sich der Morbus Alzheimer nicht auf Tiere übertragen läßt.

Andere Wissenschaftler schließlich, wie etwa der Heidelberger Stoffwechsel-Fachmann Hoyer, bemühen sich, die mangelhafte Ernährung der siechen Alzheimer-Zellen zu verbessern; schon im Frühstadium der Krankheit, so hat sich gezeigt, verbraucht das Gehirn der Patienten nur 50 Prozent der normalen Energiemenge.

Psychische und soziale Aspekte

Viele Kliniker, aber auch Patienten-Angehörige, sorgen sich allerdings mehr um die labile Gemütslage der Kranken, die häufig unter Depressionen, Verfolgungswahn (Paranoia), Erregungszuständen und quälenden Ängsten leiden. Eine US-Studie, soeben publiziert im »American Journal of Psychiatry«, bestätigt das Laien-Urteil: Bislang, konstatieren die Autoren, ignoriere die Seelenheilkunde die schweren psychischen Nebenfolgen der Krankheit; es sei höchste Zeit, ein sinnvolles Behandlungskonzept für die verstörten Patienten zu entwickeln. Vor »therapeutischem Nihilismus« warnen auch andere Experten; es sei weder moralisch vertretbar noch medizinisch sinnvoll, meinen sie, die Alzheimer-Kranken als ausgebrannte Fälle abzuschreiben.

Bislang tragen die Angehörigen die Hauptlast bei der Versorgung der schwierigen Alzheimer-Kranken, eine Bürde, die oft ganze Familien an den Rand der Erschöpfung treibt. Rund 90 Prozent der Patienten werden viele Jahre hindurch zu Hause gepflegt, in die Klinik kommen sie meist erst kurz vor ihrem Tod. Nach amerikanischem Vorbild sind in den letzten Jahren auch in der Bundesrepublik überall Selbsthilfegruppen entstanden, die dem Erfahrungsaustausch und der wechselseitigen Unterstützung dienen.

Berühmte Persönlichkeiten und ihr Umgang mit der Krankheit

An Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankten auch etliche berühmte Menschen, deren Familien sehr offensiv mit der Erkrankung umgingen - unter anderem um mehr Verständnis für das Leiden zu erreichen.

  • Ronald Reagan: Der ehemalige US-Präsident machte seine Alzheimer-Erkrankung 1994 öffentlich und trug damit maßgeblich zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei.
  • Iris Murdoch: Die britische Schriftstellerin beschrieb ihren Zustand mit den Worten "Ich segele in die Dunkelheit". Ihr Mann John Bayley schilderte die Krankheit in seinem Buch "Elegie für Iris".
  • Margaret Thatcher: Bei der ehemaligen britischen Premierministerin wurde Demenz diagnostiziert. Ihre Tochter Carol ging 2008 an die Öffentlichkeit, um die Erkrankung ihrer Mutter offiziell zu bestätigen.
  • Walter Jens: Der Schriftsteller und Rhetorik-Professor litt ebenfalls an Demenz. Sein Sohn setzte sich in einem Buch mit der Krankheit des Vaters auseinander.
  • Rudi Assauer: Der ehemalige Fußballprofi machte seine Alzheimer-Erkrankung 2012 öffentlich und beschrieb seine Ängste in seinem Buch "Wie ausgewechselt".

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