Einführung
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die individuell und bei jedem Betroffenen unterschiedlich verläuft. Die Ursachen sind bis heute ungeklärt und nicht heilbar. Neben der medizinischen Behandlung spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle für das körperliche und seelische Wohlbefinden von MS-Patienten. Die richtige Ernährung kann Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen, die Darmgesundheit fördern und den Energiehaushalt stabilisieren. In diesem Zusammenhang rücken auch Kräuter wie Zitronenmelisse in den Fokus, die potenziell positive Effekte auf den Krankheitsverlauf haben könnten.
Die Zitronenmelisse: Ein vielseitiges Heilkraut
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eines der ältesten und bekanntesten Heilkräuter, das in vielen Kloster-, Bauern- und Kräutergärten nicht fehlen darf. Bereits Plinius, Hildegard von Bingen und Paracelsus wussten sie zu schätzen. Die Pflanze wurde im Jahr 10 n. Chr. von den Arabern nach Europa gebracht. Wegen ihres zitronenartigen Geruchs wird sie meist „Zitronenmelisse“ genannt. Der botanische Name Melissa bedeutet Honigbiene, da die Blüten der Zitronenmelisse vorwiegend von Honigbienen bestäubt werden. Officinalis weist auf eine Heilpflanze hin.
Inhaltsstoffe und Wirkungen
Die ätherischen, extrem flüchtigen Öle der Zitronenmelisse machen sie so kostbar. Melisse wirkt entkrampfend, beruhigend, antibakteriell und virustatisch. Sie wird traditionell bei Herzbeschwerden, Magen-Darm-Leiden, Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen, Unruhezuständen, Kopfschmerzen, Depressionen und Erkältungen eingesetzt. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Melisse die Gehirnleistung verstärken und Demenzkranke unterstützen könnte. Auch die äußerliche Anwendung bei Lippenherpes ist klinisch belegt. Ein Inhaltsstoff der Pflanze, die Rosmarinsäure, wirkt gegen das Andocken des Virus an die Wirtszelle und verhindert so die Vermehrung von Herpes.
Anbau und Verwendung
Zitronenmelisse benötigt sonnigen bis Halbschatten und nicht zu feuchten Boden. Sie ist eine beliebte Bienenfutterpflanze. Auf dem Balkon kann man sie jedes Jahr neu anpflanzen. In der Küche kann man Zitronenmelisse vielseitig verwenden, um Süßspeisen, Getränke, grüne Salate oder Kartoffelsalat geschmacklich und optisch zu verfeinern.
Zitronenmelisse und Multiple Sklerose: Potenziale und Perspektiven
Obwohl es keine spezifischen klinischen Studien gibt, die die Wirksamkeit von Zitronenmelisse bei Multipler Sklerose belegen, deuten die bekannten Wirkungen und Inhaltsstoffe der Pflanze auf mögliche positive Effekte hin.
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Entzündungshemmende Eigenschaften
Multiple Sklerose ist durch chronische Entzündungsprozesse im Nervensystem gekennzeichnet. Zitronenmelisse enthält Inhaltsstoffe, die entzündungshemmend wirken können und somit potenziell zur Linderung von MS-Symptomen beitragen könnten.
Nervenschützende Wirkung
Catechine, die in Zitronenmelisse enthalten sind, können Nervenzellen schützen. Dies ist besonders relevant bei MS, da die Erkrankung mit einer Schädigung der Nervenfasern einhergeht.
Stressreduktion und Entspannung
Stress kann ein Auslöser für MS-Schübe sein. Zitronenmelisse wirkt beruhigend und kann helfen, Stress abzubauen. Dies kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.
Unterstützung der Darmgesundheit
Eine gesunde Darmflora ist wichtig für das Immunsystem und kann Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen. Zitronenmelisse kann zur Förderung einer gesunden Darmflora beitragen.
Antivirale Wirkung
Im Jahresbericht 2014 der Charité in Berlin wurde die Rolle des Epstein-Barr-Virus (EBV) bei Multipler Sklerose untersucht. Zitronenmelisse besitzt antivirale Eigenschaften und könnte somit potenziell bei der Bekämpfung von EBV-Infektionen unterstützend wirken.
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Anwendung von Zitronenmelisse bei MS
Zitronenmelisse kann auf verschiedene Arten in die Ernährung integriert werden:
- Tee: 2 TL getrocknete Zitronenmelissenblätter (oder die doppelte Menge frischer Blätter) mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Melissentee ist hilfreich bei Unruhe und Einschlafstörungen. Auch bei Menstruationsbeschwerden kann er lindern.
- In der Küche: Zitronenmelisse kann Süßspeisen, Getränke, Salate und andere Gerichte verfeinern.
- Ätherisches Öl: Zitronenmelissenöl kann zur Aromatherapie verwendet werden, um Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern.
Weitere unterstützende Maßnahmen bei Multipler Sklerose
Neben der Verwendung von Zitronenmelisse gibt es weitere Maßnahmen, die MS-Patienten ergreifen können, um ihr Wohlbefinden zu verbessern:
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst, gesunden Fetten und Ballaststoffen ist wichtig. Säurebildende Lebensmittel wie Fleisch, Zucker und industriell verarbeitete Produkte sollten reduziert werden. Empfehlenswert sind:
- Avocado: Reich an gesunden Fetten.
- Beeren: Voller Antioxidantien und sekundärer Pflanzenstoffe.
- Brokkoli: Liefert Eisen, Folsäure und Chlorophyll.
- Nüsse: Versorgen mit Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und Eiweiß.
- Haferflocken: Ballaststoffreich, gut für Darm und Energie.
- Eier: Eiweißreich, sättigend und entzündungshemmend.
- Joghurt: Fördert eine gesunde Darmflora.
- Tomaten: Lycopin wirkt antioxidativ.
- Fetter Fisch (Lachs, Hering): Wertvolle Omega-3- und -9-Fettsäuren.
Nahrungsergänzungsmittel
In Absprache mit dem Arzt können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein:
- Vitamin D: Sehr empfehlenswert, wenn wenig Sonnenlicht verfügbar ist.
- Magnesium: Wichtig für die Nervenfunktion.
Bewegung
Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die körperliche und geistige Gesundheit. Geeignet sind beispielsweise Yoga, Schwimmen oder Spaziergänge.
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Stressmanagement
Stress kann sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken. Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
Basische Ernährung
Eine basische Ernährung kann helfen, den Säure-Basen-Haushalt des Körpers auszugleichen und Entzündungsprozesse zu reduzieren.
Weitere Kräuter und Gewürze mit potenziell positiven Effekten bei MS
Neben Zitronenmelisse gibt es noch weitere Kräuter und Gewürze, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und Wirkungen potenziell positive Effekte bei Multipler Sklerose haben könnten:
- Grüner Tee: Enthält Catechine, die Nervenzellen schützen können.
- Kurkuma: Wirkt entzündungshemmend. Tipp: Immer mit etwas schwarzem Pfeffer und Fett kombinieren, um die Aufnahme zu verbessern.
- Ingwer: Wirkt entzündungshemmend und kann bei Verdauungsbeschwerden helfen.
- Zimt (Ceylon-Zimt): Kann den Blutzuckerspiegel regulieren und Entzündungen reduzieren.
- Knoblauch: Hat eine positive Wirkung auf die Blutgefäße und das Herz-Kreislauf-System.
- Basilikum: Besitzt entzündungshemmende Eigenschaften.
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