Der Hippocampus und seine Funktion bei der Alzheimer-Krankheit

Einführung

Der Hippocampus, eine Hirnstruktur, die eng mit dem Gedächtnis verbunden ist, spielt eine zentrale Rolle bei der Alzheimer-Krankheit. Diese Struktur ist besonders anfällig für altersbedingte Veränderungen und die Auswirkungen von Stoffwechselstörungen. Im Laufe des Artikels werden wir die Funktionen des Hippocampus im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit untersuchen und die Forschungsergebnisse zu diesem Thema diskutieren.

Die Rolle des Hippocampus im Gehirn

Der Hippocampus ist ein phylogenetisch alter Teil der Großhirnrinde, der sich unterhalb des Temporallappens befindet. Er besteht aus drei grundlegenden Schichten, wobei die Pyramidenzellschicht die charakteristischste ist. Diese Schicht enthält große Nervenzellen. Der Hippocampus spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung des Langzeitgedächtnisses und der räumlichen Orientierung.

Hippocampusatrophie bei Alzheimer

Eines der Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit ist das gehäufte Auftreten von Neurofibrillenbündeln in der Pyramidenzellschicht des Hippocampus. Dieser pathologische Prozess korreliert stark mit einer Volumenverringerung des Hippocampus, die als Hippocampusatrophie bezeichnet wird. Strukturelle MRT-Scans haben sich als wichtiges Werkzeug zur Bestimmung des Hippocampusvolumens erwiesen. AI-Tools wie AIRAscore erleichtern die Bestimmung des Hirnvolumens.

Ursachen und Risikofaktoren

Mehrere Faktoren können zum Schrumpfen oder Atrophieren des Hippocampus beitragen:

  • Vaskuläre Veränderungen: Ein reduzierter Blutfluss oder vaskuläre Schäden im Gehirn können zur kognitiven Beeinträchtigung beitragen. Dazu gehören Mikroangiopathien, Schlaganfälle oder chronisch ischämische Veränderungen.
  • Neuroinflammation: Chronische Entzündungen im Gehirn werden zunehmend als potenzieller Beitrag zur Neurodegeneration und zum kognitiven Abbau erkannt.
  • Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck und ein hoher Blutzuckerspiegel können die Gedächtnisleistungen beeinträchtigen.
  • Amyloid-Beta-Proteinablagerungen: Diese Ablagerungen stehen im Verdacht, zum Absterben von Nervenzellen beizutragen und werden mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.

Forschungsergebnisse und Studien

Zahlreiche Studien haben die Rolle des Hippocampus bei der Alzheimer-Krankheit untersucht. Eine Studie untersuchte 283 ältere Erwachsene, die anfangs keine Anzeichen von Demenz oder kognitiver Beeinträchtigung zeigten. Andere Forschungsprojekte konzentrieren sich auf die Auswirkungen von Stoffwechselstörungen und Amyloidablagerungen auf die neuronale Plastizität im Hippocampus.

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Verbundprojekte und Forschungsinitiativen

Mehrere Verbundprojekte und Forschungsinitiativen widmen sich der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Stoffwechselstörungen, Amyloidablagerungen und der Funktion des Hippocampus. Diese Projekte zielen darauf ab, die Mechanismen aufzuklären, die zum kognitiven Abbau im Alter beitragen, und Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil zu geben.

Interventionen und Präventionsstrategien

Durch körperliche Aktivität und das Trainieren von kognitiven Gehirnfunktionen soll die Funktion des Hippocampus angeregt werden. Hierdurch könnte der schädliche Einfluss von Stoffwechselstörungen abgemildert werden. Es wird auch untersucht, wie sich Ernährungsformen - wie zum Beispiel fettreiche Ernährung - auf die Neubildung von Nervenzellen bei Erwachsenen und auf das Gehirn auswirken.

Neuronale Plastizität und Neurogenese

Der Hippocampus ist anfällig für Hypertonie und metabolische Dysfunktion und besitzt das Potenzial für adulte Neurogenese. Der Wachstumsfaktor Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) ist ein wichtiger Regulator neuronaler Plastizität im Hippocampus und anderen Bereichen des Gehirns. Die Expression von BDNF wird durch körperliche Aktivität im Hippocampus hochreguliert.

Die Rolle von Insulin und Amyloid-Beta

Einige Forschungsvorhaben untersuchen die Hypothese, dass die Ablagerung von Amyloid-beta im Gehirn direkt zur Insulin-Resistenz beiträgt und dass umgekehrt die Insulin-Resistenz die Amyloid-beta-Ablagerung und damit das Risiko für eine Alzheimer-Demenz erhöht. Es wird auch untersucht, ob die synaptische Signalwirkung vor allem im Hippocampus ein zentrales Bindeglied zwischen dem Metabolischen Syndrom und dem kognitiven Abbau im Alter ist und dass die Amyloidose ein wesentlicher Bindefaktor für kognitive Einschränkungen ist.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Nervenzellen im Gehirn, die für neue Erfahrungen zuständig sind, die Signale von Zellen, die Erinnerungen enthalten, stören und eigene Signale darüberlegen. Dadurch wird das Gedächtnis gehemmt. Ein Forschungsteam des DZNE hat Mäuse untersucht, bei welchen sich die gleichen Eiweiß-Stoffe (sogenannte Amyloid-Beta-Plaques) im Gehirn abgelagert hatten wie bei Menschen mit Alzheimer-Demenz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass die für das Erinnerungsvermögen zuständigen Zellen dieser Mäuse immer noch Aktivität zeigten.

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Klinische Bedeutung

Die Erkenntnisse über die Rolle des Hippocampus bei der Alzheimer-Krankheit haben wichtige klinische Implikationen. Die Messung der Hippocampusatrophie kann als sensitiver Marker für die Alzheimer-Krankheit dienen. Darüber hinaus könnten zukünftige Therapien darauf abzielen, die Aktivität bestimmter Netzwerke von Nervenzellen zu dämpfen oder zu verstärken, um das Gedächtnis wiederherzustellen oder belastende Erinnerungen zu überschreiben.

Der Einfluss von Hörverlust auf den Hippocampus

Wird im Alter das Gehör schlechter, reagiert das Gehirn darauf mit einem Umbau, der das Gedächtnis beeinträchtigen kann. Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben in einer Studie gezeigt, dass während der Anpassung des Gehirns an den zunehmenden Hörverlust die Expression plastizitätsbedingter Neurotransmitter im Kortex und Hippocampus stark verändert ist.

Strategien zur Verbesserung der Gedächtnisleistung

Es gibt verschiedene Strategien, um die Gedächtnisleistung bei Alzheimerpatienten zu verbessern. Dazu gehören:

  • Wiederholung von Informationen: Wenn Betroffene neue Informationen wenige Stunden später abrufen, reaktivieren sie deren Spur im Gehirn.
  • Lifelogging-Geräte: Kleine, am Körper getragene Kameras, die automatisch Fotos aufnehmen, können helfen, die nachlassende Gedächtnisleistung zu kompensieren und anzukurbeln.
  • Körperliche und kognitive Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität und kognitives Training können die Funktion des Hippocampus anregen und den schädlichen Einfluss von Stoffwechselstörungen abmildern.

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