Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis), eine Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, ist seit der Antike für ihre vielfältigen heilenden Eigenschaften bekannt. Jenseits ihrer traditionellen Verwendung als beruhigendes und blähungstreibendes Mittel rückt die Zitronenmelisse zunehmend in den Fokus der Alzheimer-Forschung. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Vorteile der Zitronenmelisse bei der Behandlung von Alzheimer-Symptomen und gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse.
Traditionelle Verwendung und Inhaltsstoffe
Zitronenmelisse wurde bereits in der Antike als Phytotherapeutikum gegen Ängstlichkeit, Schmerz, Aufregung und zur Schlafförderung verwendet. Sie regt die Aktivität der α-Wellen im Gehirn an, was zu Entspannung, gesteigertem Konzentrationsvermögen und gutem Schlaf führt. Die angstlösende Eigenschaft der Melisse steht im Zusammenhang mit der Hemmung des GABA(Gamma-Aminobuttersäure)-abbauenden Enzyms GABA-Transaminase und der damit einhergehenden Wirkungsverlängerung des dämpfenden Neurotransmitters GABA im Gehirn.
Die Blätter der Melisse enthalten ätherische Öle, die reich an antioxidativen Monoterpenen (z. B. Citral und dessen Isomere Geranial, Citronellal, Neral) sind, mit leichter Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung. Diese scheinen vorrangig für die neuroprotektive Wirkung der Zitronenmelisse verantwortlich zu sein. Rosmarinsäure, die ebenfalls in Melisse Blättern enthalten ist, wirkt nachweislich gegen β-Amyloid Ablagerungen im Gehirn.
Zitronenmelisse in der Alzheimer-Forschung
Verbesserung kognitiver Funktionen
Eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie untersuchte den Effekt eines Zitronenmelissenextrakts auf das Gedächtnis von Patienten mit einer moderaten Alzheimer-Erkrankung. Hierfür erhielten 42 Patienten 4 Monate lang entweder den Extrakt oder ein Placebo. Verglichen zur Placebogruppe entfaltete der Extrakt signifikante Verbesserung in der kognitiven Fähigkeit. Die Zitronenmelisse könnte einen wertvollen Beitrag zum Management einer leichten bis moderaten Alzheimererkrankung leisten.
Linderung neuropsychiatrischer Symptome
Eine weitere 24-wöchige placebokontrollierte Studie an 23 Alzheimer-Patienten untersuchte die tägliche Gabe von 500 mg Zitronenmelissenextrakt versus Placebo. In der Melissagruppe verbesserten sich die neuropsychiatrischen Symptome, während sie sich in der Placebogruppe verschlechterten. Die Resultate lassen einen positiven Effekt der Pflanze auf die Verschlechterung der Alzheimer-assoziierten neurologischen Symptome wie Aggressivität, Depression und Unruhe vermuten.
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Wirkung auf Acetylcholinrezeptoren
Britische Studien zeigen, dass altbekannte Kräuter wie Salbei und Zitronenmelisse tatsächlich Wirkung gegen Alzheimersymptome zeigen. Sie verursachen im Hirn ähnliche Effekte wie moderne Medikamente, die gegen die Alzheimersche Krankheit eingesetzt werden. Zwei der Kräuter werden bereits klinischen Tests unterzogen.
Das Team um Elaine Perry von der University of Newcastle testete die Wirkungsweise der Kräuter. Bei Alzheimer-Patienten vermindert sich die Zahl der so genannten Nikotin-Rezeptoren im Hirn - einer von zwei Rezeptortypen, an die der Botenstoff Azetylcholin andockt. Erhöht man die Menge an Azetylcholin im Hirn, so kann das Defizit oft ausgeglichen werden, und die Patienten erinnern sich besser.
Perrys Team stellte fest, dass sowohl Zitronenmelisse (Melissa officinalis) und Wermut (Artemisia absinthium) als auch verschiedene Salbeiarten auf die Rezeptoren wirken. Chemische Substanzen im Wermutextrakt binden stark an beide Typen von Azetylcholin-Rezeptoren. Zitronenmelisse wirkte ähnlich.
Weitere therapeutische Anwendungen der Zitronenmelisse
Neben der potenziellen Wirkung bei Alzheimer und Demenz wird Zitronenmelisse auch bei anderen Beschwerden eingesetzt:
- Angststörungen und depressive Verstimmungen: Studien deuten darauf hin, dass Zitronenmelisse angstlösende und stimmungsaufhellende Effekte haben kann.
- Schlafstörungen: Zitronenmelisse wird traditionell als Einschlafhilfe verwendet und kann die Schlafqualität verbessern.
- Nervöse Magen-Darm-Beschwerden: Die krampflösenden Eigenschaften der Zitronenmelisse können bei Blähungen und anderen Verdauungsproblemen helfen.
- Herpes simplex labialis (Lippenherpes): Zitronenmelissenextrakte in Cremes und Salben können die Vermehrung von Herpesviren hemmen und zur Behandlung von Lippenherpes eingesetzt werden.
- Menstruationsbeschwerden: Zitronenmelisse kann krampflösende Effekte bei Menstruationsbeschwerden haben.
Anwendung und Dosierung
Zitronenmelisse ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter:
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- Tee: 1-2 Teelöffel getrocknete Zitronenmelissenblätter mit kochendem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen.
- Extrakte und Tinkturen: 2-3 ml, dreimal täglich.
- Ätherisches Öl: 2-3 Tropfen in einer Duftlampe verdampfen.
- Fertigpräparate: Alkoholische Auszüge als Tropfen oder Trockenextrakte in Form von Tabletten oder Dragees.
Die Dosierung variiert je nach Anwendungsform und Beschwerdebild. Es ist ratsam, einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren, um die individuelle Dosierung zu bestimmen.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Zitronenmelisse ist im Allgemeinen gut verträglich. In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten. Vorsicht ist geboten bei der Einnahme von Medikamenten, da Wechselwirkungen mit Schilddrüsenmedikamenten, Beruhigungsmitteln und anderen Medikamenten möglich sind. Schwangere und Stillende sollten Melisse nur in Maßen trinken.
Aromatherapie und Lichttherapie als ergänzende Behandlungen
Aromatherapie und Lichttherapie sind möglicherweise geeignete Therapieansätze zur Behandlung von Verhaltensanomalien bei Demenz. Wissenschaftler bewerteten drei Studien zur Aromatherapie und kamen zu dem Schluss, dass sich mit Zitronenmelisse und Lavendelöl effizient Unruhezustände behandeln lassen. Des Weiteren belegen drei Studien zur Lichttherapie positive Effekte bei Schlafstörungen. Beide Therapieformen sind in Hinblick auf Nebenwirkungen vergleichsweise unproblematisch. Im Gegensatz zu anderen alternativen Behandlungsmethoden liegen nur im Fall von Aroma- und Lichttherapie hinreichend aussagekräftige Studienergebnisse vor.
Fazit
Die Zitronenmelisse ist eine vielversprechende Heilpflanze mit potenziellen Vorteilen für die Behandlung von Alzheimer-Symptomen. Studien deuten darauf hin, dass sie die kognitiven Funktionen verbessern und neuropsychiatrische Symptome lindern kann. Darüber hinaus hat Zitronenmelisse beruhigende, krampflösende und antivirale Eigenschaften, die sie zu einem wertvollen Bestandteil der Naturheilkunde machen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die genauen Wirkmechanismen und die optimale Anwendung von Zitronenmelisse bei Alzheimer und anderen Erkrankungen zu untersuchen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Zitronenmelisse kein Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung ist. Bei Alzheimer-Erkrankung sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Zitronenmelisse kann jedoch in Absprache mit dem Arzt als ergänzende Therapie in Betracht gezogen werden.
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