Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine vielseitige und seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde geschätzte Heilpflanze. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, findet man sie heute in fast jedem Garten. Ihre zitronig duftenden, hellgrünen Blätter sind nicht nur in der Küche, sondern auch in der Medizin beliebt. Schon die alten Römer und Griechen kannten die Heilkraft der Zitronenmelisse als beruhigendes Frauenkraut.
Die Geschichte der Zitronenmelisse als Heilpflanze
Schon Plinius der Ältere, Dioskurides, Rhazes, Serapion und Avicenna wussten um die beruhigende Wirkung der Melisse, die "Trübsinn und Kummer beseitigt". Sogar Karl der Große ordnete ihren Anbau in allen Klostergärten an. Die Zitronenmelisse hat also eine lange Tradition als Heilpflanze.
Botanische Eigenschaften der Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die eine Höhe von 30 bis 80 Zentimetern erreichen kann. Ihre hellgrünen Blätter sind breit oval bis herzförmig, fein gezähnt und leicht behaart. Beim Zerreiben der Blätter entfaltet sich ein intensiver, zitroniger Duft. Die kleinen, weißen bis hellgelben Blüten erscheinen von Juni bis August und ziehen zahlreiche Bienen an. Das Wort "Melisse" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Biene".
Die Stängel der aus dem Orient stammenden Zitronenmelisse sind stark verzweigt, dünn, vierkantig und spärlich behaart. Die Drüsenhaare verströmen beim Zerreiben einen starken, leicht süßlichen Zitronengeruch. Die Blätter sind ei- bis herzförmig und haben einen regelmäßig grob gezähnten Rand. Im Juli und August stehen die unauffälligen, kleinen, bläulich weißen Lippenblüten zu 3 bis 12 in den Blattachseln.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Die Blätter der Zitronenmelisse enthalten eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, die für ihre gesundheitlichen Vorteile verantwortlich sind. Zu den wichtigsten gehören:
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- Ätherische Öle (Citral, Citronellal, Geraniol, Linalool)
- Gerbstoffe (ca. 4 %)
- Flavonoide
- Rosmarinsäure
- Kaffeesäure
- Triterpene
Diese Inhaltsstoffe wirken beruhigend, schlaffördernd, antiviral, krampflösend und entzündungshemmend. Das ätherische Öl der Melisse entfaltet im Körper gleich mehrere Effekte. Es wirkt - besonders auf nervöse und ängstliche Menschen - leicht beruhigend und angstlösend. Dadurch kann Melisse auch beim Einschlafen helfen. Zweitens kann es die Muskulatur im Darm entspannen und damit Blähungen und Völlegefühl lindern. Drittens haben Experimente im Labor gezeigt, dass Zitronenmelisse Herpes-simplex-Viren bekämpft.
Anwendungsmöglichkeiten der Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse kann auf vielfältige Weise angewendet werden, sowohl innerlich als auch äußerlich.
Innerliche Anwendung
- Tee: Zitronenmelissentee ist eine einfache und effektive Art, die positiven Wirkungen der Pflanze zu nutzen. 1-2 Teelöffel frische oder getrocknete Zitronenmelissenblätter in eine Tasse geben und mit heißem Wasser übergießen. Den Tee 10-15 Minuten ziehen lassen, abseihen und genießen. Empfohlen werden bis zu drei Tassen täglich vor den Mahlzeiten.
- Kapseln und Tinkturen: Bei der Einnahme von Zitronenmelisse in Form von Kapseln oder Tinkturen sollte man sich an die Dosierungshinweise des Herstellers halten. Das Zusammenspiel mit anderen Kräutern verstärkt oft die Wirkung der Melisse (z.B. Kamille, Linde und Holunder).
- Melissengeist: Eine alkoholische Flüssigzubereitung, die neben Melissenblättern beispielsweise Orangenschalen, Ingwerwurzel, Nelken, Zimtrinde und Angelikawurzel enthält.
Äußerliche Anwendung
- Salbe: Zitronenmelissensalbe wird häufig zur Behandlung von Lippenherpes und Insektenstichen eingesetzt. Umschläge mit Melissentee oder Melissengeist können die Beschwerden bei Rheuma, Nervenschmerzen, steifem Nacken, Prellungen, Quetschungen, Blutergüssen oder Milchstau bei stillenden Müttern lindern.
- Gesichtswasser: Einen starken Zitronenmelissentee zubereiten und nach dem Abkühlen als Gesichtswasser verwenden für eine desinfizierende und reinigende Wirkung.
- Aromatherapie: Melissenöl kann für ein Massageöl bei Roemheld-Syndrom angewendet werden. Bei den Betroffenen verursachen übermäßige Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt funktionelle Herzbeschwerden wie Herzklopfen, Herzstolpern, Brustenge sowie Atemnot, Hitzewallungen und Angstzustände. Als schnelle Hilfe bei ersten Anzeichen von Lippenherpes können Sie auf die betroffene Stelle wenige Tropfen von reinem Melissenöl (100 Prozent) auftragen.
Zitronenmelisse Salbe bei Nervenschmerzen
Umschläge mit Melissentee oder Melissengeist können die Beschwerden bei Nervenschmerzen lindern. Die beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften der Zitronenmelisse können dazu beitragen, die Schmerzen zu reduzieren und die Entspannung zu fördern.
Weitere Anwendungsgebiete der Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse wird traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter:
- Nervöse Unruhe und Reizbarkeit
- Einschlafstörungen
- Herzklopfen und erhöhter Blutdruck
- Kopfschmerzen und Migräne
- Menstruationsbeschwerden
- Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Chronische Bronchialkatarrhe
- Erkältungen und Asthma
- Lippenherpes und Insektenstiche
- Hautunreinheiten
Zitronenmelisse in der Küche
Zitronenmelisse kann Salaten, Desserts und Getränken ein frisches Aroma verleihen. Sie kann auch zur Herstellung von Melissenöl, Melissenessig und Melissensirup verwendet werden.
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Anbau und Ernte der Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse ist eine wärmebedürftige Pflanze, die vom Frühling bis zum ersten Frost auch in Deutschland wächst. Sie wird häufig in Bauern- und Hausgärten kultiviert, wo sie zahlreiche Bienen anlockt. Die Blätter sollten am frühen Nachmittag geschnitten und anschließend zügig bei unter 40° C getrocknet werden, damit das ätherische Öl erhalten bleibt.
Worauf Sie bei der Anwendung von Melisse achten sollten
Wer allergisch gegen Melisse ist, sollte Zubereitungen mit dieser Pflanze meiden.
Vorsichtshalber sollten Sie Melisse etwa in Form von Melissentee nicht in größeren Mengen über einen längeren Zeitraum einnehmen, da die Pflanze sogenannte Pyrrolizidinalkaloide enthalten kann. Diese Verbindungen wirken giftig auf die Leber und teilweise auch krebserregend.
Besonders Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Kinder sollten Melissentee nur in Maßen trinken.
Für Babys und Kleinkinder sollte der Tee nur leicht dosiert beziehungsweise verdünnt werden.
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Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Medikamente einnehmen. Es kann zu Wechselwirkungen kommen mit:
- Medikamenten für die Schilddrüse
- Beruhigungsmitteln
- Medikamenten, die Einfluss auf das Hormon Serotonin haben
- Barbituraten
- Glaukom-Medikamenten
Besprechen Sie eine Einnahme von Melisse-Zubereitungen in diesen Fällen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das gilt auch, wenn eine Operation bevorsteht.
Vor der Anwendung von Melissenöl und anderen ätherischen Ölen sollten Sie außerdem immer die Verträglichkeit prüfen mit dem Armbeugentest: Geben Sie einen Tropfen des ätherischen Öls in die Armbeuge und verreiben Sie es vorsichtig. Wenn die betreffende Hautstelle in den darauffolgenden Stunden rot wird, zu jucken beginnt und vielleicht sogar Pusteln bildet, vertragen Sie das Öl nicht. Sie sollten es dann nicht anwenden!
Neben Melissentee können auch andere Kräutertees wie Fenchel-, Kamillen-, Pfefferminztee Pyrrolizidinalkaloide enthalten und sollten daher nur in Maßen getrunken werden. Das Gleiche gilt für Rooibusch-, Grün- und Schwarztee.
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