Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ist eine zentrale Einrichtung, die bedeutende naturwissenschaftlich ausgerichtete Hallesche Universitätssammlungen unter einem Dach vereint. Es beherbergt Sammlungen von Weltrang und bietet Einblicke in die Vielfalt der Natur. Mit seinen umfangreichen Sammlungen und vielfältigen Aktivitäten ist das ZNS ein wichtiger Ort für Forschung, Lehre und Wissenstransfer.
Ein Haus voller Geschichte und Vielfalt
Die naturkundlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg blicken auf eine über 250 Jahre währende Sammlungs- und Wissenschaftstätigkeit zurück. Seit 2009 sind sie im ZNS zusammengeführt. Das denkmalgeschützte Magazinhauptgebäude am Domplatz 4 im Zentrum von Halle (Saale) wurde im Jahr 1839 erbaut und beherbergt bereits die Zoologische Sammlung mit speziellem Schau- und Lehrmagazin. In naher Zukunft werden auch die Haustierkundliche Sammlung, die Geiseltalsammlung und weitere naturwissenschaftliche Sammlungen den Standort beziehen. Geplant ist zudem, den Gebäudekomplex um die Mühlpforte 1 zu erweitern, um aus vier weiteren derzeitigen Außenlagern Sammlungen v.a. der Geologie, Paläontologie und Mineralogie, die sich seit 2020 in kustodialer Obhut des ZNS befinden, zu bündeln.
Über einen Zeitraum von mehr als 250 Jahren wurden viele Millionen Objekte zusammengetragen, wissenschaftlich bearbeitet und hinterlegt. Sie sind ein Archiv der Natur und ein unwiederbringliches Zeugnis der Artenvielfalt (Biodiversität) und Geologie unserer Erde. Die größten Sammlungsanteile kommen aus der Zoologie, der Haustierkunde und aus den Geowissenschaften. Weltbedeutung erlangten unter anderem die umfangreiche zoologische Sammlung, die haustierkundliche Sammlung, die Geiseltal-Sammlung mit ihren Eozänfossilien und die geowissenschaftlichen Sammlungen.
Die Sammlungen im Detail
Zoologische Sammlung
Die Zoologische Sammlung zählt zu den wichtigsten Forschungskollektionen Deutschlands und ist die älteste und umfangreichste ihrer Art in Sachsen-Anhalt. In Umfang und thematischer Breite wird sie in Mitteldeutschland nur von den Sammlungen der Naturkundemuseen in Berlin, Dresden und Görlitz übertroffen. Deutschlandweit ist sie unter den 15 größten zoologischen Sammlungen einzuordnen. Gleichzeitig gilt sie als Zentrum der Biodiversitätsforschung in Sachsen-Anhalt.
Sie beinhaltet umfangreiche, gut dokumentierte historische Sammlungsteile aus dem 19. Jahrhundert, Ausbeuten von zahlreichen Expeditionen nach China, Kuba und in die Mongolei sowie große Kollektionen heimischer bestandsgefährdeter Vogel- und Säugetierarten. Die Zoologische Sammlung umfasst mit ihren ca. 2,5 Millionen Objekten alle Tiergruppen, von Schwämmen über Korallen bis hin zu Weichtieren, Krebsen, Spinnen, Insekten und Wirbeltieren. Das Material stammt zum großen Teil aus Südamerika, Zentralasien und Mitteleuropa. Bemerkenswert ist der hohe Anteil stark bedrohter oder bereits ausgestorbener Arten sowie von sogenannten Typusexemplaren.
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Die Sammlung besitzt zwei Schaumagazine für Lehre und Weiterbildung im Ambiente des späten 19. Jahrhunderts, einschließlich der knapp 200 historischen Vitrinen. Einige Sammlungsteile sind in der internationalen Forschung sehr gefragt, darunter die historische Insektensammlung, die am besten dokumentierte und weltweit umfangreichste Sammlung mongolischer Wirbeltiere, die weltweit drittbeste Sammlung an kubanischen Vögeln, eine der drei besten Vogeleiersammlungen der Welt und das frühe Typenmaterial aus Südamerika, u.a. von Burmeister. Die wissenschaftliche Sammlung beinhaltet zudem eine Skelettsammlung vom Aussterben bedrohter Tiere mit teils erstaunlichen Serien von mehreren hundert Nachweisen von u. a. Fischottern, Bibern und Wildkatzen. Zu den musealen Besonderheiten zählen Riesenotter, Beutelwolf und der zentralasiatische Biber. Die Sammlung beteiligt sich regelmäßig an regionalen, nationalen wie internationalen Forschungsvorhaben und wird intensiv in der Objekt basierten Lehre eingesetzt.
Museum für Haustierkunde
Das Museum für Haustierkunde ist ebenfalls Teil des ZNS. Ein Pferd und ein Zebra flankieren den Eingang zum Museum.
Geiseltalmuseum
Das Geiseltalmuseum wurde 1934 als öffentlich zugängliche Schausammlung der Martin-Luther-Universität auf Betreiben von Prof. Dr. J. WEIGELT (1890-1948), dem damaligen Direktor des Geologisch-Paläontologischen Institutes, eröffnet. Seither ist es in der ehemaligen Kapelle des Kardinal Albrecht II. von Brandenburg (1514-1545) im Nordflügel der sogenannten Neuen Residenz untergebracht.
Die Dauerausstellung des Museums bietet einen Einblick in die eozäne Lebewelt des Geiseltals. Gezeigt werden Wirbeltiere, Wirbellose Tiere und Pflanzen in systematischer Abfolge. Außerdem existieren Erläuterungen zur Geologie des Geiseltales und zu den Fundumständen. Die umfangreichen wissenschaftlichen Sammlungen des Museums beherbergen bedeutende Wirbeltierfossilien, die von Wissenschaftlern aus aller Welt zu Studien- und Vergleichszwecken aufgesucht und untersucht werden. Zu den Besonderheiten der Geiseltalfossilien gehören z.B. die Farberhaltung von Käferflügeldecken, die strukturgetreue Weichteilerhaltung und die dreidimensionale Überlieferung von Knochen.
Die zum Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gehörende Geiseltalsammlung beinhaltet etwa 50.000 Fossilien aus den ehemaligen Braunkohle-Tagebauen des ca. 20 km südwestlich von Halle (Saale) gelegenen Geiseltals. In 80 Jahren Grabungsaktivität (1920er bis 2000er Jahre) wurden die Überreste einer mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt geborgen, die uns einmalige Einblicke in ein subtropisches Sumpfland-Ökosystem vor etwa 45 Millionen Jahren erlauben. Zu den herausragenden Funden zählen beispielsweise landlebende Krokodile, flugunfähige Riesenvögel oder hundsgroße Urpferdchen. Weltweit einzigartig macht viele Geiseltalfossilien auch ihre spektakuläre Erhaltung, die häufig nicht nur dreidimensional ist, sondern sogar Weichteile, Mageninhalte und Originalfarben umfasst. Da sich alle ursprünglichen Fundstellen heute unter Wasser im Geiseltalsee befinden, sind weitere Ausgrabungen nicht mehr möglich. Die Geiseltalsammlung enthält die einzigen tierischen Fossilbelege dieser weltbekannten Fossillagerstätte, was sie auch wissenschaftlich im internationalen Rahmen sehr wertvoll macht. Die Sammlung ist heute - als ‚National wertvolles Kulturgut‘ geschützt - Grundlage modernster Forschung.
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Forschung, Lehre und Wissenstransfer
Die Kernaufgaben des ZNS liegen in der Forschung zur Biodiversität und Domestikation, der universitären Lehre, dem Sammlungserhalt und der Öffentlichkeitsarbeit. Mit derzeit einem Dutzend Drittmittelprojekten sind die Sammlungen fest in die internationale Forschungslandschaft eingebunden. Die Sammlungen dienen der Forschung, der Lehre und dem Wissenstransfer.
Ausstellungen und Veranstaltungen
Das ZNS konnte mit Veranstaltungen und Sonderausstellungen bislang über 80.000 Besucher begeistern.
Aktuelle Ausstellungen
- „Artenwende - Biodiversitätswandel in Sachsen-Anhalt“: Diese Sonderausstellung widmet sich der Frage, wie sich der Klimawandel auf die Tierwelt in Sachsen-Anhalt auswirkt. Gibt es nur Verlierer, oder auch Gewinner? Welche Rolle spielen naturkundliche Sammlungen dabei, diese Phänomene zu verstehen?
- Ort: Zoologische Sammlung, Domplatz 4, 06108 Halle (Saale) und Dom zu Halle, Domstraße 3, 06108 Halle (Saale)
- Laufzeit: 23.10.2023 - 13.01.2024
- Öffnungszeiten Zoologische Sammlung: Mo-Sa | 14-18 Uhr, So, Feiertage | geschlossen, 24.-31.12.2023 | geschlossen, Der Eintritt ist frei.
- Öffnungszeiten Dom zu Halle: Di-Fr | 13-16 Uhr, Sa | 10-16 Uhr, So, Feiertage | geschlossen, 24.-31.12.2023 | geschlossen, Der Eintritt ist frei.
- Museum für Haustierkunde: Termine Mi, 11.10.2023 Mi, 08.11.2023 Mi, 13.12.2023 Mi, 10.01.2024 jeweils 17 Uhr, Adam-Kuckhoff-Straße 35a 06108 Halle (Saale), Der Eintritt ist frei.
Führungen und museumspädagogische Angebote
Ein neuer Service soll noch mehr Hallensern die Möglichkeit bieten, die Zentralen Naturkundlichen Sammlungen der Uni kennenzulernen - nun gibt es immer am Donnerstag Führungen zwischen 14 und 16 Uhr. Führungen ab fünf Personen können unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Abstands- und Hygieneregelungen durch die Sammlungen geplant und gebucht werden.
Neu ist auch das museumspädagogische Angebot "Junge Experten" für Kinder und Jugendliche: Das Projekt bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die verschiedenen Aufgabenbereiche einer naturwissenschaftlichen Sammlung kennenzulernen und sich als Nachwuchs-Präparator, Spezialistin für eine Tiergruppe oder Experte für Führungen auszutesten. Die Kinder werden dabei von einer Museumspädagogin fachlich und didaktisch angeleitet. "Ziel ist es, den Kindern die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit beizubringen, so dass sie ihr Fachwissen zum Beispiel bei Führungen oder gar in kleinen Publikationen weitergeben können. Sie sollen über die Zeit junge Experten auf ihrem Gebiet werden", so die Museumspädagogin Arila-Maria Perl.
Kooperationen
Das ZNS arbeitet mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen, um ein breites Spektrum an Informationen, Eindrücken und Perspektiven rund um das Thema „TIERE!“ zu bieten. Ein wichtiger Partner ist der Zoologische Garten Halle GmbH (Bergzoo Halle). Die diesjährigen Lichterwelten des Berzoos Halle laufen unter dem Motto „Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“ und strahlen bis in den Innenhof der Moritzburg (19.12.2023 - 24.02.2024).
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Besuch des ZNS
Das ZNS ist ein Ort, der für jeden etwas zu bieten hat. Ob Wissenschaftler, Studierende, Schüler oder interessierte Laien - hier kann man die Vielfalt der Natur entdecken und mehr über die Forschung erfahren, die im ZNS betrieben wird.
Kontakt:
- Telefon: +49 (0) 345 5526 455
Öffnungszeiten Zoologische Sammlung:
- Domplatz 4, 06108 Halle (Saale) (kein barrierefreier Zugang)
- Mo-Sa | 14-18 Uhr
- So, Feiertage | geschlossen
- 24.-31.12. | geschlossen
- Der Eintritt ist frei.
- Führungen finden immer donnerstags um 14 und 16 Uhr statt (ausgenommen gesetzliche Feiertage und die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr).
Das ZNS freut sich auf Ihren Besuch!
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