Migräne: Den richtigen Neurologen finden und die Diagnose verstehen

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken gehen oft mit Übelkeit, Erbrechen und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen einher. Um eine effektive Behandlung zu gewährleisten, ist eine korrekte Diagnose unerlässlich. Dieser Artikel beleuchtet, wie Neurologen Migräne diagnostizieren und welche Untersuchungen dabei zum Einsatz kommen können.

Die Bedeutung der Diagnose

Eine fachkundige Diagnose ist entscheidend, um andere Ursachen der Kopfschmerzen auszuschließen und die richtige Behandlung einzuleiten. Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, daher ist es wichtig, sich einem Experten anzuvertrauen, wenn Anzeichen für eine Migräne vorliegen.

Das Arzt-Patienten-Gespräch: Der Schlüssel zur Diagnose

Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu. Der Arzt wird sich nach verschiedenen Aspekten der Kopfschmerzen erkundigen:

  • Zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
  • Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf? Werden die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschrieben?
  • Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung, also zum Beispiel bekannte Migränefälle in der Familie? Welche Triggerfaktoren (Stress, Schlafmangel, unregelmäßiger Tagesrhythmus, Wetterumschwünge, bestimmte Medikamente, etc.) können identifiziert werden?
  • Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen (z. B. Bewegung/körperliche Aktivität)?
  • Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern? In welcher Dosis?

Zusätzlich wird sich der Arzt nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit erkundigen, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen.

Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise, wenn sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

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Neurologische Untersuchung

Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Ziel ist es unter anderem, andere schwere Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei der Migräne mit Aura, die mit neurologischen Ausfällen einhergehen kann, ist eine solche Abgrenzung wichtig, da die Symptome zum Beispiel auch mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall sind (migranöser Infarkt).

Weitere Untersuchungsverfahren

In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Verdacht bezüglich einer anderen Erkrankung besteht, können zudem noch weitere Untersuchungsverfahren angewandt werden.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie). Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen.

Wie läuft die MRT-Untersuchung bei Migräne ab?

Sollten Personen mit Klaustrophobie zu kämpfen haben, können sie vorher ein Beruhigungsmittel verabreicht bekommen. Wenn Kontrastmittel zum Einsatz kommen, muss man vorab angeben, ob Probleme mit den Nieren vorliegen. In der Regel erfolgt deswegen eine Bestimmung der Blutwerte, bevor Migräne-Patienten zum MRT gehen.

Eine Kernspintomographie macht mittels Schnittbildern Strukturen des Körpers erkennbar, indem sie Magnetwellen nutzt - die Person wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen.

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Elektroenzephalographie (EEG)

Die EEG (Elektroenzephalographie) ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig. Für die Messung bekommen Patienten ein Netz mit Elektroden auf den Kopf gesetzt.

Computertomographie (CT)

Im Gegensatz zu den beiden anderen bildgebenden Verfahren, die bei Patienten mit Migräne eingesetzt werden können, kommt es durch ein CT (Computertomographie) zu einer Strahlenbelastung (Röntgenstrahlen). Deswegen ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren. Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll.

Wie läuft ein CT ab?

Man liegt in der Regel in Rückenlage, manchmal auch auf dem Bauch, auf einer schmalen Liege. Um diese befindet sich eine ringförmige Öffnung (keine Röhre), in die man hineingefahren wird - Personen mit Platzangst müssen hier keine Sorgen haben, da das Gerät einen relativ großen Durchmesser hat. Die Messung ist schmerzfrei, falls es einem doch unangenehm wird, kann man mit den Arzthelfern über eine Gegensprechanlage reden.

Migräneformen

Stellt der Arzt die Diagnose Migräne, analysiert er sie im weiteren Verlauf näher und ist in der Lage, eine bestimmte Migräneform festzustellen. Dadurch ist eine noch spezifischere Behandlung der Beschwerden durchführbar.

  • Vestibuläre Migräne: Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können.
  • Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode.
  • Hemiplegische Migräne: Neben den typischen Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten (z. B. Kraftverlust) und teils auch (halbseitigen) Lähmungserscheinungen kommen.
  • Basilarismigräne: Diese spezielle Form findet sich vor allem unter jungen Erwachsenen.
  • Episodische oder chronische Migräne: Die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken entscheidet außerdem darüber, ob es sich um episodische oder chronische Migräne handelt. Bei chronischer Migräne treten Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate auf, wobei an mindestens acht Tagen migränetypische Symptome auftreten.

Die Rolle des Hausarztes, Neurologen und Schmerztherapeuten

Der Hausarzt fungiert als erste und zentrale Anlaufstelle bei Verdacht auf Migräne. Als Allgemeinmediziner verfügt er über fundierte Kenntnisse zu Kopfschmerzerkrankungen und kann eine initiale Diagnose stellen. Durch ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung differenziert er zwischen verschiedenen Kopfschmerzformen und leitet gegebenenfalls eine Basistherapie ein. Der Hausarzt kann unkomplizierte Migränefälle selbständig behandeln und sowohl Akutmedikation als auch prophylaktische Maßnahmen verordnen.

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Neurologen sind Fachärzte für Erkrankungen des Nervensystems und besitzen spezialisiertes Wissen zur Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen. Sie können differenziert zwischen Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz und selteneren Kopfschmerzformen unterscheiden. Der Neurologe führt eine umfassende neurologische Untersuchung durch und kann bei Bedarf weiterführende diagnostische Verfahren wie Blutuntersuchungen, MRT oder CT des Kopfes sowie ein EEG veranlassen. Diese Maßnahmen dienen primär dem Ausschluss sekundärer Kopfschmerzursachen.

Bei chronischer Migräne kann die Konsultation eines Schmerztherapeuten sinnvoll sein. Ihr multimodaler Therapieansatz umfasst die Kombination verschiedener Behandlungsstrategien, die Berücksichtigung psychischer Faktoren und die Behandlung von Medikamentenübergebrauch.

Vorbereitung auf den Arzttermin

Fachliche Unterstützung durch Spezialisten ist wichtig, jedoch vergehen oft mehrere Monate, bis Patienten einen Termin bekommen. Daher gilt es, die Zeit mit dem Arzt so gut wie möglich zu nutzen. Hilf dem Migräne-Arzt, indem du dein Beschwerdebild so genau wie möglich schilderst und alle notwendigen Unterlagen zum Termin mitbringst.

Um den Verlauf der Migräne zu dokumentieren, kann das Führen eines Migränetagebuchs sehr sinnvoll sein. Darin notiert man neben der Schmerzdauer und -stärke sowie des Schmerzcharakters auch individuelle Einflussfaktoren wie zum Beispiel wenig Schlaf, Stress oder ungeregelte Tagesabläufe. Bereite deine Krankengeschichte so ausführlich und vollständig wie möglich vor.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Migränebehandlung kann während einer Attacke (Akuttherapie) oder prophylaktisch vollzogen werden. Medikamente sind in diesem Zusammenhang dafür geeignet, die Beschwerden zu verbessern und einer möglichen Übelkeit entgegenzuwirken. Bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen helfen in vielen Fällen eine zeitnahe Einnahme von Schmerzmitteln (z.B. Nichtopioid-Analgetika). Bei schweren Symptomen können Triptane eingesetzt werden. Diese verengen u.a. die geweiteten Blutgefäße und greifen so in den menschlichen Stoffwechsel ein, um die Beschwerden nachhaltig zu lindern. Jedoch ist hier oberste Vorsicht geboten, da der übermäßige Gebrauch zu chronischen Kopfschmerzen führen kann.

Spezialisierte Anlaufstellen in Deutschland

Bei der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG), der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) sowie der regional zuständigen Ärztekammer können Adressen von Migräne-Spezialisten erfragt werden. Dazu müssen häufig nur in einer Suchmaske Postleitzahl, Wohnort und Behandlungsbereich (zum Beispiel „Schmerz“) angeklickt werden und man erhält eine Auswahl an Adressen, an die man sich wenden kann.

Fazit

Die Diagnose von Migräne erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine neurologische Untersuchung und gegebenenfalls weitere bildgebende Verfahren. Die enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Migräne-Patienten sollten sich nicht scheuen, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihre Lebensqualität zu verbessern.

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