Nervenschmerzen und Schwitzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Schwitzen ist ein lebensnotwendiger Mechanismus des Körpers zur Temperaturregulation, auch Thermoregulation genannt. Diese wird durch den Hypothalamus im Gehirn gesteuert und durch das sympathische Nervensystem vermittelt. Sowohl übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) als auch vermindertes oder fehlendes Schwitzen (Anhidrose) können auf zugrunde liegende Erkrankungen oder Störungen hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen in Verbindung mit Schwitzen und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Die Rolle des Nervensystems bei der Schweißregulation

Das vegetative (autonome) Nervensystem, insbesondere der Sympathikus, spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation von Schwitzen und Hautfeuchtigkeit. Die Impulse werden über kleinkalibrige Nervenfasern (Small Fibres) zu den Schweißdrüsen in der Haut geleitet. Eine Störung dieses Systems kann zu einer fehlerhaften Schweißproduktion führen, entweder in Form von übermäßigem Schwitzen oder vermindertem Schwitzen.

Faktoren, die das Schwitzen beeinflussen

Neben dem Nervensystem gibt es eine Reihe von Faktoren, die Einfluss auf die Hautfeuchtigkeit und das Schwitzen haben:

  • Lebensalter und Geschlecht: Diese Faktoren können die Schweißproduktion beeinflussen.
  • Klima und Tageszeit: Die Umgebungstemperatur und der Zeitpunkt des Tages können das Schwitzen beeinflussen.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente können die Temperaturregulation beeinflussen und zu vermehrtem oder vermindertem Schwitzen führen.

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen

Die Hyperhidrose, oder das dauerhafte übermäßige Schwitzen, kann verschiedene Ursachen haben. Betroffene schwitzen nicht nur übermäßig viel, sondern auch an Körperstellen, die normalerweise selten in das Schwitzen einbezogen sind, wie beispielsweise die Unterarme, Ober- und Unterschenkel oder die Kopfhaut. Infolge des übermäßigen Schwitzens kann es notwendig sein, mehrmals täglich oder auch nachts mehrfach die Bekleidung zu wechseln.

Ursachen der Hyperhidrose

  • Erkrankungen: Störungen der Schilddrüsenfunktion, Infektionen oder Tumorerkrankungen können eine Hyperhidrose verursachen.
  • Medikamente: Psychopharmaka wie Neuroleptika oder Trizyclika können als Nebenwirkung vermehrtes Schwitzen auslösen.
  • Auslöser: Hohe Umgebungstemperaturen, psychische Anspannung, Emotionen, körperliche Aktivität und Mahlzeiten können plötzliches Schwitzen auslösen. So kann es zum Beispiel beim Essen zum Auftreten des Geschmacksschwitzens kommen.
  • Primäre Hyperhidrose: Bei der primären Hyperhidrose, auch als essenzielle oder idiopathische Hyperhidrose bekannt, kann keine zugrundeliegende Erkrankung oder äußere Ursache identifiziert werden. Diese Art der Hyperhidrose ist deutlich häufiger als die sekundäre Form und tritt meist während der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter auf. Charakteristisch für die primäre Hyperhidrose ist, dass das starke Schwitzen nachts nicht auftritt.

Formen der Hyperhidrose

  • Fokale Hyperhidrose: Das starke Schwitzen ist auf bestimmte Körperstellen begrenzt, typischerweise Kopf, Gesicht, Schritt, Hände und Füße.
  • Generalisierte Hyperhidrose: Das starke Schwitzen betrifft den gesamten Körper.
  • Nächtliche Hyperhidrose: Im Gegensatz zur primären Hyperhidrose kann bei der sekundären Hyperhidrose auch nächtliches Schwitzen auftreten. Man spricht dann von nächtlicher Hyperhidrose. Lässt sich keine Ursache für das nächtliche Schwitzen finden, sprechen Ärzte von idiopathischem Nachtschweiß.

Bromhidrose

Wird das starke Schwitzen von einem unangenehmen Geruch (ranzig, muffig, käsig etc.) begleitet, liegt eine sogenannte Bromhidrose vor.

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Anhidrose: Vermindertes oder fehlendes Schwitzen

Das verminderte aber auch fehlende Schwitzen, d.h. die Anhidrose kann zum Beispiel auftreten im Rahmen von Nerven-Erkrankungen wie den Polyneuropathien. Dazu gehören auch Erkrankungen des vegetativen (autonomen) Nervensystems und Erkrankungen der kleinkalibrigen Nervenfasern in der Haut, Small Fibre Neuropathien. Infolge verminderten Schwitzens kann ein geringerer Schutz vor dem Überwärmen des Körpers bestehen.

Ursachen der Anhidrose

  • Nervenerkrankungen: Polyneuropathien, Erkrankungen des vegetativen Nervensystems und Small Fibre Neuropathien können eine Anhidrose verursachen.
  • Neuromuskuläre Erkrankungen: Bestimmte Formen der pathologischen Muskelermüdbarkeit (Myasthenie) und neurodegenerative Erkrankungen des Gehirns wie beispielsweise die Parkinson-Erkrankung können ebenfalls zu Anhidrose führen.
  • Medikamente: Anticholinergika können als Nebenwirkung vermindertes Schwitzen verursachen.

Polyneuropathie (PNP) und ihre Auswirkungen auf das Schwitzen

Eine Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Das periphere Nervensystem verbindet Organe und Gewebe mit dem zentralen Nervensystem und ist für die Weiterleitung von Reizen und Befehlen zuständig. Eine PNP kann sensible, motorische und vegetative Nerven betreffen und sich durch unterschiedliche Symptome äußern.

Auswirkungen auf das Schwitzen

PNP-Schäden an den autonomen Nerven können zu Störungen der Schweißregulation führen, entweder in Form von übermäßigem oder vermindertem Schwitzen.

  • Übermäßiges Schwitzen: Eine vegetative Polyneuropathie kann mit verstärktem Schwitzen in Verbindung stehen.
  • Vermindertes Schwitzen: Eine PNP kann auch zu vermindertem Schwitzen führen, was den Körper weniger vor Überhitzung schützt.

Ursachen der Polyneuropathie

Mediziner gehen heute von mehr als zweihundert möglichen Auslösern für eine PNP aus:

  • Diabetes mellitus: Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel kann die Nerven schädigen.
  • Alkoholsucht: Chronischer Alkoholmissbrauch, vor allem in Kombination mit vitaminarmer Ernährung, kann zu Nervenschäden führen.
  • Medikamente: Manche Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, können Nebenwirkungen auf das Nervensystem haben.
  • Umweltgifte: Schwermetalle wie Blei, Arsen und Thallium sowie Quecksilber und einige Lösungsmittel können das Nervensystem schädigen.
  • Genetische Veranlagung: Bei seltenen erblich bedingten Neuropathien wie der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) führt ein Gendefekt zur Entstehung einer PNP.
  • Fehlgeleitetes Immunsystem: Greift das Immunsystem körpereigene Zellen an, kann es zu Schäden am Nervensystem kommen, beispielsweise beim Guillain-Barré-Syndrom (GBS) oder der chronisch-inflammatorischen Polyradikuloneuropathie (CIDP).

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose einer PNP umfasst in der Regel folgende Schritte:

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  • Neurologische Untersuchung: Der Neurologe prüft die Funktion der Nerven, testet das Empfindungsvermögen und die Reflexe und führt Koordinations- und Gleichgewichtsübungen durch.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutprobe kann Aufschluss über den Langzeit-Blutzuckerspiegel, Vitamin-B12- und Folsäurewerte geben.
  • Elektroneurografie (ENG): Bei dieser Untersuchung wird ein Nerv gezielt gereizt und die Geschwindigkeit der Reizweiterleitung gemessen.
  • Elektromyografie (EMG): Diese Untersuchung misst, ob ein bestimmter Muskelabschnitt ausreichend starke Signale von den jeweiligen Nerven erhält.
  • Weitere Untersuchungen: Bei Bedarf können weitere Untersuchungsmethoden wie eine Nerven-Muskel-Biopsie, molekulargenetische Tests oder eine Hirnwasseruntersuchung veranlasst werden.

Therapie der Polyneuropathie

Die Therapie einer PNP konzentriert sich auf die Behandlung der Grunderkrankung und die Linderung der Symptome.

  • Ursachenspezifische Therapie: Bei Diabetes mellitus ist eine optimale Insulintherapie wichtig, bei Alkoholsucht ein dauerhafter Alkoholentzug. Medikamente, die Nervenschäden verursachen können, sollten nach Möglichkeit umgestellt werden.
  • Symptomatische Therapie:
    • Medikamentöse Schmerztherapie: Antikonvulsiva, Antidepressiva und Opioide können die Schmerzen einer PNP lindern.
    • Physio- und Ergotherapie: Diese Therapien können helfen, geschwächte Muskelgruppen zu stärken und alltägliche Handgriffe zu trainieren.
    • Medizinische Fußpflege: Regelmäßige Fußpflege ist wichtig, um unbemerkte Wunden zu vermeiden.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Dieses Verfahren kann die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Hirn blockieren.

Autoimmunerkrankungen und Nachtschweiß

Bei einer Autoimmunerkrankung greift das körpereigene Abwehrsystem versehentlich Bestandteile des eigenen Körpers an. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen, darunter auch Nachtschweiß.

Ursachen von Nachtschweiß bei Autoimmunerkrankungen

Die genauen Ursachen für Nachtschweiß bei Autoimmunerkrankungen sind nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass die veränderte Aktivität des Immunsystems eine Rolle spielt. Fieber, das häufig bei Autoimmunerkrankungen auftritt, kann ebenfalls zu Nachtschweiß führen.

Beispiele für Autoimmunerkrankungen, die Nachtschweiß verursachen können

  • Takayasu-Arteriitis: Eine Gefäßentzündung vor allem der Hauptschlagader und ihrer Äste.
  • Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem die Gelenkinnenhaut angreift.
  • Granulomatose mit Polyangiitis (früher Wegener-Granulomatose genannt): Eine Entzündung der kleinen und mittleren Blutgefäße.
  • Riesenzellarteriitis (früher Arteriitis temporalis genannt): Eine Entzündung großer Blutgefäße, vor allem im Schläfen- und Augenbereich.

Diagnose von Schweißstörungen

Verschiedene Untersuchungsverfahren können helfen, eine Störung des Schwitzens nachzuweisen.

  • Farbumschlagtest: Substanzen werden auf die Haut aufgetragen, die im Kontakt mit Schweiß zu einem Farbumschlag führen.
  • Elektrischer Stimulationstest: Die Reaktion der Schweißdrüsen auf einen elektrischen Reiz an Händen und Füßen wird gemessen. Die Antwortstärke wird anhand der Änderung des Hautwiderstands beurteilt.
  • Stimulationstest an Armen und Beinen: Die Antwortzeit und das Ausmaß der Schweißproduktion nach Stimulation an Armen und Beinen werden getestet.

Behandlung von übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose)

In der Behandlung übermäßigen Schwitzens, der Hyperhidrose spielt die Suche nach der Ursache der Störung eine wichtige Rolle. Wenn die Störung der Schweißdrüsenfunktion Symptom einer Polyneuropathie ist, können weitere Störungen von Nervenfunktionen bestehen - wie bspw. Muskelschwäche, veränderte Berührungssensibilität oder Störungen der Koordinationsleistungen. Auch wenn keine auslösenden Faktoren wie Medikamente, Nahrungsinhalte oder psychische Stressfaktoren oder chronische Erkrankungen als Ursachen zu finden sind, gibt es eine Reihe von Massnahmen, mit welchen das Schwitzen eindämmt werden kann.

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  • Antitranspirante: Die Desensibilisierung der Schweißkanäle durch ein Antitranspirant kann helfen, die Schweißproduktion zu reduzieren. Der Wirkstoff Aluminiumchlorid wirkt als Adstringens und als Desensibilisator, d.h. er verhindert direkt in der Schweißdrüse die Produktion übermäßigen Schweißes.
  • Pflanzliche Mittel: Verschiedene pflanzliche Mittel können zur Linderung von übermäßigem Schwitzen eingesetzt werden.
  • Lokale Anwendungen: Lokale Anwendungen können helfen, die Schweißproduktion zu reduzieren.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente können zur Behandlung von Hyperhidrose eingesetzt werden.
  • Botulinumtoxin-Injektionen: Die Injektion von Botulinumtoxin (Botox) kann die Schweißdrüsenaktivität reduzieren.
  • Chirurgische Verfahren: In einigen Fällen können Schweißdrüsen operativ entfernt werden.

Psychische Aspekte von Schwitzen

Psychische Faktoren wie Stress, Angst und Panik können eine wichtige Rolle bei der Entstehung von übermäßigem Schwitzen spielen. Negative emotionale Faktoren wie ein erhöhter Leistungs- und Leidensdruck können zu starkem Schwitzen führen, wobei die Belastung längst chronisch geworden ist und Betroffene deshalb nahezu täglich begleitet. Daraus erwächst eine weitere psychische Belastung.

Teufelskreis von Schwitzen und psychischer Belastung

Starkes Schwitzen kann zu Unsicherheit, Schamgefühl und sozialem Rückzug führen. Diese negativen Gefühle können wiederum Stress und Angst verstärken und so einen Teufelskreis auslösen, der das Schwitzen weiter begünstigt.

Psychische Probleme durch starkes Schwitzen

Psychisch bedingtes Schwitzen und Depressionen beziehungsweise depressive Störungen können manchmal eine gegenseitige Abhängigkeit charakterisieren. So ist beispielsweise für Betroffene, die Antidepressiva einnehmen, gut zu wissen, dass diese Psychopharmaka starkes Schwitzen begünstigen können. Auf der anderen Seite kann starkes Schwitzen auch zu depressiven Störungen führen.

Behandlung von psychisch bedingtem Schwitzen

Bei psychisch bedingtem Schwitzen ist es wichtig, die zugrunde liegenden Ursachen anzugehen.

  • Stressbewältigung: Regelmäßig durchgeführte Entspannungstechniken, Yoga und sportliche Aktivität können helfen, Stress abzubauen und das emotionale Befinden zu verbessern.
  • Verzicht auf bestimmte Stoffe: Alkohol, Zigaretten und andere Drogen können die Schweißproduktion fördern und sollten vermieden werden.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Stress und Angst zu bewältigen und den Teufelskreis von Schwitzen und psychischer Belastung zu durchbrechen.

Was tun bei plötzlichen Schweißausbrüchen und Unwohlsein?

Plötzliche Schweißausbrüche und Unwohlsein sind Symptome, die viele Menschen zunächst unterschätzen. Oft werden sie mit Stress, Hitze oder harmlosen Kreislaufproblemen in Verbindung gebracht. Doch gerade in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen können diese Beschwerden ernsthafte Warnsignale sein.

Mögliche Ursachen

  • Herzinfarkt: Herzinfarkte äußern sich häufig durch plötzliche Schweißausbrüche in Kombination mit Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen.
  • Herzrhythmusstörungen: Herzrhythmusstörungen führen dazu, dass das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. Dadurch wird der Kreislauf instabil.
  • Weitere kardiologische Erkrankungen: Angina pectoris (Durchblutungsstörung des Herzmuskels), Bluthochdruckkrisen und Herzinsuffizienz können ebenfalls plötzliche Schweißausbrüche verursachen.
  • Stress und Angstzustände:
  • Hormonelle Veränderungen:
  • Infekte oder Fieber:
  • Unterzuckerung:

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie unter plötzlichen Schweißausbrüchen und Unwohlsein leiden und unsicher sind, ob Ihr Herz betroffen ist, sollten Sie nicht zögern, einen Kardiologen aufzusuchen.

Diagnose durch einen Kardiologen

Zur Abklärung setzt ein Kardiologe verschiedene Methoden ein:

  • Anamnese: Gespräch zu Symptomen und Risikofaktoren
  • EKG: Ruhe-, Belastungs- und Langzeit-EKG
  • Echokardiographie: Ultraschall des Herzens
  • Blutuntersuchungen: Herzmarker, Schilddrüse, Blutzucker
  • Langzeit-Blutdruckmessung:
  • Belastungstests:

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