Eine angepasste Ernährung kann das Risiko einer Parkinson-Erkrankung senken, ihren Verlauf verlangsamen und die Wirksamkeit von Medikamenten verstärken.
Die Rolle der Ernährung bei der Parkinson-Entwicklung
Bestimmte Ernährungsweisen sind mit einer geringeren Inzidenz, einem späteren Krankheitsbeginn und einem günstigeren Verlauf verbunden. Ein Beispiel hierfür ist die "Mediterranean DASH Intervention for Neurodegenerative Delay" (MIND-Diät), die sich von der klassischen mediterranen Ernährung unterscheidet, indem sie grünes Blattgemüse und Beeren betont, während bestimmte Milchprodukte, insbesondere Käse, kritischer gesehen werden. Der Grund dafür sind die enthaltenen Fette, die epidemiologisch ungünstiger zu sein scheinen. Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Blattgemüse und Beeren mit ihren Antioxidantien und Flavonoiden haben neuroprotektive Eigenschaften. Dies deckt sich mit den aktuellen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die Wert auf Nachhaltigkeit, regionale und saisonale Produkte legt. Studien haben gezeigt, dass die MIND-Diät mit einer um bis zu 50 Prozent geringeren Inzidenz von Alzheimer einhergehen kann.
Die Bedeutung des Darms
Der Darm spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Parkinson. Chronische Verstopfung stellt ein Risiko dar, später im Leben Parkinson zu entwickeln. Eine darmgesunde Ernährung ist für bereits Erkrankte wichtig, da sie häufig unter Verstopfung leiden, was die Lebensqualität und die Aufnahme von Medikamenten beeinträchtigt. Wenn sich der Darm nicht bewegt, wird das Medikament Levodopa im Dünndarm nicht ausreichend resorbiert.
Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten
Eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchten als Proteinquelle ist empfehlenswert. Beeren und Nüsse sind ebenfalls sinnvoll. Statt tierischer Fette sollten pflanzliche Öle wie Olivenöl bevorzugt werden. Rohkost und Ballaststoffe sind wichtig, erfordern aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Parkinson-Patienten trinken oft zu wenig. Bei der Mahlzeitenplanung ist zu beachten, dass Levodopa idealerweise mindestens eine halbe Stunde vor oder frühestens anderthalb Stunden nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser, eingenommen werden sollte. Bei fortgeschrittener Erkrankung mit Levodopa-Einnahmen alle drei Stunden sind diese Empfehlungen jedoch oft nicht praktikabel.
Individualisierung der Ernährungsempfehlungen
Die ideale Ernährung ist individuell und hängt vom Krankheitsstadium und dem Ansprechen auf Levodopa ab. In Phasen von Wirkungsschwankungen kann eine Mahlzeit eine Off-Phase auslösen. Levodopa benötigt freie Bahn in den proximalen Dünndarm. Daher sollten Patienten mit Wirkungsschwankungen mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen und eine Protein-Redistributionsdiät in Betracht ziehen, bei der die Proteine abends eingenommen werden, um tagsüber aktiver sein zu können. Auf Proteine sollten die Betroffenen jedoch nicht verzichten.
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Zucker und andere problematische Lebensmittel
Zucker, verarbeitete und frittierte Lebensmittel sowie rotes Fleisch werden in den Diäten als schädlich betrachtet. Parkinson-Patienten haben jedoch häufig Heißhunger auf Süßigkeiten, was auf die Dopaminfreisetzung durch Zucker oder Impulskontrollstörungen durch Dopaminagonisten zurückzuführen sein kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Parkinson-Patienten eine höhere Inzidenz von Diabetes haben und umgekehrt. Einige Patienten berichten, dass Levodopa zusammen mit Cola schneller wirkt, was auf den niedrigen pH-Wert und die Kohlensäure zurückzuführen sein könnte, die die Levodopa-Resorption erleichtern sollen. Es gibt jedoch keine Studien dazu.
Medikamentenpumpen
Es gibt eine neue Medikamentenpumpe zur subkutanen Infusion von Foslevodopa/Foscarbidopa, die erst seit kurzem in Deutschland auf dem Markt ist. Sie soll ähnlich wie die Pumpen für Apomorphin subkutan und Levodopa/Carbdopa intestinal die Aufnahme der Dopaminersatzstoffe vom oberen Gastrointestinaltrakt unabhängig machen und damit die Wirkungsschwankungen von Levodopa glätten.
Schluckstörungen
Bei Schluckstörungen ist die erste Frage, ob die Patienten auf Levodopa ansprechen. Schluckstörungen früh im Verlauf können auf ein atypisches Parkinson-Syndrom hindeuten. Wenn Schluckstörungen bestehen, sollten diese abgeklärt werden, zunächst mit einer Schluckendoskopie. Es gibt Schlucktrainings durch Logopäden und Schluckwecker. Studien haben gezeigt, dass EMST (expiratory muscle strength training) die Schlucksicherheit und Kaugummi-Kauen die Schluckfrequenz steigert. Die Kost kann angepasst werden, beispielsweise mit leichten und ballaststoffreichen Speisen wie Hummus.
Andere Lebensstilfaktoren
Aerobes Training und Krafttraining können den Verlauf von Parkinson günstig beeinflussen. Die Schwierigkeit besteht in der Motivierung, da Parkinsonkranke die Tendenz zur Inaktivität haben. Aktivierung und Strukturierung sind daher wichtig.
Aktuelle Forschung
Es gibt über 150 laufende kontrollierte Studien, die sich mit der Modifikation des Krankheitsverlaufs beschäftigen. Manche Studien suchen bereits Probanden mit bestimmten genetischen Varianten oder Mutationen, die mit vermehrten Alpha-Synuclein-Ablagerungen in Nervenzellen assoziiert sind. Diese Ablagerungen könnten ein Ansatzpunkt für neuartige Medikamente sein, die das Zusammenlagern der Alpha-Synuclein-Moleküle verhindern oder bereits bestehende Aggregate auflösen.
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Eine Studie hat gezeigt, dass die aggregierten Proteine aus dem Labor eine andere Struktur hatten, als alle aus Patientenmaterial generierten Aggregate. Zudem wurden Unterschiede zwischen den Proteinen der MSA-Patienten und der Parkinson-Patienten festgestellt. Die Struktur des Alpha-Synucleins bei Parkinson zeigte zum Teil deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Patienten, was damit zusammenhängen könnte, dass der Verlauf der Parkinson-Erkrankung von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich sein kann.
Forscher untersuchen auch den Einsatz von Alphablockern bei Parkinson, die eigentlich bei gutartiger Prostatavergrößerung (BPH) eingesetzt werden. Terazosin soll beispielsweise neben seiner Wirkung auf die Alpha-1-Rezeptoren auch die Phosphoglycerat-Kinase-1 hemmen, wodurch die Energieversorgung aller Körperzellen verbessert werden könnte.
Weitere Forschungsergebnisse
- Defekte in der RNA-Verarbeitung könnten die Auslöser von Fehlfaltungen sein.
- Medin-Ablagerungen in den Wänden von Blutgefäßen verringern die Elastizität von Blutgefäßen und sind ein Risikofaktor für vaskuläre Demenz.
- Entzündungsprozesse im Gehirn spielen eine Rolle bei Alzheimer und Parkinson.
- Zwei Proteine - Beta-Gluccocerebrosidase (GCase) und LIMP-2 - arbeiten in der Zelle zusammen und wandern zum Lysosom, das sich um die Entfernung von Zellabfällen kümmert.
- Das Enzym Parkin spielt eine wichtige Rolle bei der Parkinson-Krankheit.
- Synapsen ohne Bassoon sind schwächer und können sich nicht so leicht an Veränderungen anpassen, was aber für die Hirnplastizität essentiell ist.
Ernährungstipps für Parkinson-Patienten
- Gesunde Ernährung zur Vorbeugung von Mangelernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Kalorienaufnahme und eine ausgewogene Kost mit Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen.
- Ballaststoffe zur Verbesserung der Verdauung: Essen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Getreide und Obst und trinken Sie ausreichend Wasser (2,5 l am Tag).
- Berücksichtigung von Verdauungsproblemen: Bei Schluckstörungen kann eine Dysphagie- oder Breikost empfohlen werden. Vermeiden Sie Süßigkeiten, Puddings und Milchprodukte, da sie für dicken, zähen und schleimigen Speichel sorgen können. Bei Verstopfung helfen Flohsamen, geschroteter Leinsamen, Müsli, Trockenfrüchte, Sauerkrautsaft und Vollkornprodukte.
- Geruchs- und Geschmackssinn anregen: Verwenden Sie Gewürze und Kräuter in einem Mörser fein zermahlen und geben Sie einen kleinen Schuss Olivenöl zu zerkleinerten oder pürierten Speisen.
- Energiereiche Ernährung bei Gewichtsverlust: Essen Sie energiereiche Lebensmittel, auch Süßes in Maßen, um Ihre Kräfte und Fähigkeiten weitestgehend zu erhalten.
- Abwechslungsreiche Ernährung: Essen Sie Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier oder vegane Speisen.
- Wechselwirkungen mit L-Dopa beachten: Nehmen Sie L-Dopa auf leeren Magen ein (eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach dem Essen) und verteilen Sie die notwendige Eiweißmenge in kleinen Portionen über den Tag.
- Calcium und Vitamin D für die Knochengesundheit: Nehmen Sie täglich Milchprodukte ein, um ausreichend Calcium aufzunehmen und achten Sie auf eine ausreichende Vitamin D-Versorgung.
- Bewegungsmangel ausgleichen: Treiben Sie Sport, um die Anfälligkeit für Osteoporose zu verringern.
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