Morbus Parkinson, auch bekannt als Parkinson-Krankheit oder Parkinson-Syndrom, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Diese Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Der Verlauf der Parkinson-Erkrankung ist individuell verschieden, und die Symptome können sich im Laufe der Zeit verstärken. Es ist wichtig zu verstehen, dass Parkinson derzeit nicht heilbar ist, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.
Was ist Parkinson? Definition und Ursachen
Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Dopamin produzierende Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion, den Basalganglien, abgebaut werden. Dieser Dopaminmangel führt zu den charakteristischen motorischen Symptomen. Die genaue Ursache für den Abbau der Nervenzellen ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt.
Es gibt verschiedene Formen von Parkinson:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Dies ist die häufigste Form, bei der die Symptome ohne erkennbare Ursache auftreten. Sie betrifft etwa drei Viertel der Fälle.
- Familiäre Parkinson-Syndrome: Diese Form ist genetisch bedingt und wird durch einen Defekt in einem einzelnen Gen ausgelöst.
- Symptomatische Parkinson-Syndrome: Hier treten die Parkinson-Symptome als Folge einer anderen Ursache auf, wie z.B. durch Medikamente, Giftstoffe, bestimmte Krankheiten oder mechanische Gewalteinwirkungen.
- Atypische Parkinson-Syndrome: Diese Form tritt im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen auf, bei denen nicht nur die Substantia nigra, sondern auch andere Teile des Gehirns betroffen sind.
Anzeichen und Symptome von Parkinson
Parkinson äußert sich durch eine Reihe von Symptomen, die sich in motorische und nicht-motorische Symptome unterteilen lassen. Die ersten Anzeichen können unspezifisch sein und sich über Jahre hinweg entwickeln, bevor die typischen motorischen Symptome auftreten.
Motorische Symptome (Kardinalsymptome)
Die vier Hauptsymptome von Parkinson, auch Kardinalsymptome genannt, sind:
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- Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Dies gilt als Hauptsymptom und betrifft jeden Parkinson-Patienten. Sie äußert sich in verlangsamten Bewegungen, eingeschränkter Mimik, leiser Sprache und Schwierigkeiten bei der Feinmotorik.
- Rigor (Muskelsteifheit): Erhöhter Muskeltonus führt zu Steifigkeit und Schmerzen. Es kann zu ruckartigen Bewegungen kommen (sog. Zahnradphänomen).
- (Ruhe-)Tremor (Zittern): Zittern oder wiederholte Bewegungen, oft in körperlichem Ruhezustand. Typisch sind schnelle Bewegungen der Finger (sog. Pillendrehen).
- Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Verminderte Körperstabilität und reflexartige Ausgleichsbewegungen können zu Unsicherheiten beim Stehen und Gehen führen.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen können auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten, darunter:
- Depressionen: Viele Menschen mit Parkinson leiden unter Depressionen, die durch den Leidensdruck der Krankheitssymptome, das Wissen um das Fortschreiten der Krankheit und neurochemische Veränderungen verursacht werden können.
- Schlafstörungen: Schlafprobleme sind häufig und können durch die Erkrankung selbst oder die medikamentöse Behandlung entstehen.
- ** vegetative Störungen:** Gesteigerte Talgproduktion, Blasenfunktionsstörungen, Temperaturregulationsstörungen, Sexuelle Dysfunktion, Bewegungsstörungen im Magen-Darm-Trakt, Kreislaufregulationsstörungen, Dysphagie.
- Geruchsstörungen: Viele Parkinson-Patienten haben einen verminderten oder verlorenen Geruchssinn.
- Verstopfung: Verdauungsprobleme sind ein häufiges Symptom.
- Schmerzen: Muskelsteifheit und andere Symptome können zu Schmerzen führen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Im späteren Verlauf der Erkrankung kann es zu Gedächtnisstörungen und Demenz kommen (Parkinson-Demenz).
- Sehr starkes Schwitzen (Hyperhidrose)
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson kann schwierig sein, da es keinen spezifischen Test gibt. Eine erfahrene Neurologin oder ein erfahrener Neurologe ist jedoch in der Lage, die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen wie ein Puzzle zusammenzusetzen und so zur richtigen Diagnose zu gelangen. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:
- Anamnese (ausführliches Gespräch): Die Ärztin/der Arzt befragt die Patientin/den Patienten zu ihren/seinen Beschwerden, deren Dauer und Verlauf. Angehörige sind wichtige Informationspersonen. Sie können Veränderungen schildern, die dem/der Betroffenen selbst vielleicht nicht so bewusst sind.
- Neurologische Untersuchung: Die Ärztin/der Arzt untersucht die motorischen Fähigkeiten, Reflexe, Koordination und das Gleichgewicht der Patientin/des Patienten.
- Ausschluss anderer Erkrankungen: Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden.
- L-Dopa-Test: Die Gabe von L-Dopa, einem Medikament, das den Dopaminspiegel erhöht, kann helfen, die Diagnose zu bestätigen. Verbessern sich die Symptome unter L-Dopa, ist dies ein starkes Indiz für Parkinson.
Verlauf von Parkinson
Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung, d.h. die Symptome verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Der Verlauf ist jedoch individuell verschieden. Bei manchen Menschen schreitet die Krankheit langsam voran, während sie bei anderen schneller fortschreitet. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit verändern und neue Symptome können hinzukommen.
Die Hoehn & Yahr-Skala teilt Morbus Parkinson grob in fünf Stadien ein, die sich an motorischen Symptomen orientieren:
- Stadium 1: Symptome treten nur auf einer Körperseite auf.
- Stadium 2: Symptome treten auf beiden Körperseiten auf, aber das Gleichgewicht ist noch nicht beeinträchtigt.
- Stadium 3: Gleichgewichtsstörungen treten auf, aber die Patientin/der Patient ist noch selbstständig.
- Stadium 4: Die Patientin/der Patient benötigt Hilfe bei einigen Aktivitäten des täglichen Lebens.
- Stadium 5: Die Patientin/der Patient ist bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen.
Die UPDRS (Unified Parkinson's Disease Rating Scale) ist eine komplexere Skala, die auch nicht-motorische Symptome wie Verhalten, Denkleistung, Stimmung und Aktivitäten des alltäglichen Lebens berücksichtigt.
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Behandlung von Parkinson
Parkinson ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente können helfen, den Dopaminspiegel im Gehirn zu erhöhen oder die Wirkung von Dopamin zu imitieren. Die am häufigsten verwendeten Medikamente sind L-Dopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Hemmer.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, um die Symptome zu lindern. Die tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) eingesetzt werden, sollen Parkinson-Patienten drei Monate lang kein Fahrzeug führen.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Fähigkeiten für Aktivitäten des täglichen Lebens zu erhalten oder wiederzuerlangen.
- Sprachtherapie: Sprachtherapie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen umzugehen.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Bewegung hat einen günstigen Einfluss auf die Symptome und den Verlauf der Erkrankung. Sie steigert nicht nur das Wohlbefinden, sondern verbessert auch die motorische Koordination in Bezug auf Gangsicherheit, Körperhaltung und selbstständiges Bewegen.
Lebenserwartung bei Parkinson
Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Dank moderner Medikamente und Therapien können die Symptome oft gut kontrolliert werden, so dass die Lebenserwartung von Parkinson-PatientInnen heute vergleichbar mit der Allgemeinbevölkerung ist.
Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen können:
- Art der Parkinson-Erkrankung: Atypische Parkinson-Syndrome haben in der Regel eine schlechtere Prognose als das idiopathische Parkinson-Syndrom.
- Alter bei Krankheitsbeginn: Ein später Krankheitsbeginn kann mit einer kürzeren Lebenserwartung verbunden sein.
- Schweregrad der Symptome: Schwerere Symptome können das Risiko von Komplikationen erhöhen.
- Begleiterkrankungen: Das Vorliegen anderer Erkrankungen kann die Lebenserwartung beeinflussen.
- Komplikationen: Im späteren Verlauf der Erkrankung können Komplikationen wie Stürze, Lungenentzündungen oder Schluckstörungen auftreten, die die Lebenserwartung beeinträchtigen können.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Parkinson-Krankheit selbst in der Regel nicht tödlich ist. Die meisten Menschen mit Parkinson sterben an anderen Ursachen, wie z.B. Herzerkrankungen, Krebs oder Infektionen.
Leben mit Parkinson: Tipps für Betroffene und Angehörige
Parkinson kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich Unterstützung zu suchen und aktiv zu bleiben.
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Tipps für Betroffene:
- Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein: Eine konsequente Einnahme der Medikamente ist wichtig, um die Symptome zu kontrollieren.
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Körperliche Aktivität kann helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
- Ernähren Sie sich gesund: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
- Suchen Sie sich Unterstützung: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, Ihrer Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe.
- Bleiben Sie aktiv: Nehmen Sie an Aktivitäten teil, die Ihnen Freude bereiten, und pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte.
- Achten Sie auf Ihre psychische Gesundheit: Suchen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie unter Depressionen, Angstzuständen oder anderen psychischen Problemen leiden.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch: Indem Sie ein detailliertes Symptomtagebuch führen, können Sie genau darstellen, wie Ihr Befinden mit der Medikamenteneinnahme zusammenhängt. Darin halten Sie Ihre Symptome und deren Veränderung im Tagesverlauf für einige Tage oder Wochen schriftlich fest.
- Informieren Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt über Veränderungen: Teilen Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt alle Veränderungen Ihrer Symptome oder Ihres Befindens mit.
Tipps für Angehörige:
- Informieren Sie sich über die Erkrankung: Je besser Sie die Erkrankung verstehen, desto besser können Sie Ihren Angehörigen unterstützen.
- Seien Sie geduldig und verständnisvoll: Parkinson kann zu Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit führen.
- Bieten Sie praktische Hilfe an: Helfen Sie Ihrem Angehörigen bei Aufgaben, die er/sie nicht mehr selbstständig erledigen kann.
- Ermutigen Sie Ihren Angehörigen, aktiv zu bleiben: Unterstützen Sie Ihren Angehörigen bei der Teilnahme an Aktivitäten und sozialen Kontakten.
- Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit: Es ist wichtig, dass Sie sich auch um Ihre eigene Gesundheit kümmern, um Ihren Angehörigen optimal unterstützen zu können.
- Seien Sie eine wichtige Informationsperson für die Ärztin/den Arzt: Sie können sich vor dem Arzttermin überlegen, welche Veränderungen Ihnen bei Ihrer Angehörigen/Ihrem Angehörigem aufgefallen sind. Haben sich die körperlichen Symptome verschlechtert oder sogar gebessert? Haben Sie das Gefühl Ihre Angehörige/Ihr Angehöriger ist in letzter Zeit ängstlicher geworden und unternimmt weniger? Oder gibt es Situationen, in denen sie/er Dinge wahrnimmt, die nicht wirklich da sind?
Prävention von Parkinson
Da die genauen Ursachen von Parkinson noch nicht bekannt sind, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Parkinson beeinflussen können:
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum können das Risiko senken.
- Vermeidung von Umweltgiften: Der Kontakt mit Pestiziden, Lösungsmitteln und anderen Neurotoxinen sollte möglichst vermieden werden.
- Kaffeekonsum: Studien haben gezeigt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum das Risiko für Parkinson senken kann.
- Mediterrane Ernährung: Eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Olivenöl und Fisch kann das Risiko ebenfalls senken.