Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Der Beginn der MS ist oft durch einen sogenannten Schub gekennzeichnet. Die Diagnose MS kann zunächst beängstigend sein, doch ein erfülltes Leben ist möglich, wenn Betroffene die Erkrankung annehmen und aktiv gestalten.
Was ist ein MS-Schub?
Ein MS-Schub tritt auf, wenn innerhalb von mehr als 24 Stunden und mehr als 30 Tagen nach Beginn des letzten Schubs neue oder bereits bekannte Symptome auftreten. Die Dauer eines solchen Schubs kann zwischen Stunden, Tagen oder Wochen variieren, wonach die Beschwerden langsam abklingen. Es ist wichtig zu beachten, dass es bei MS keinen einheitlichen Krankheitsverlauf gibt, der auf alle Patienten zutrifft.
Symptome und Diagnose
Bei einem MS-Schub kommen mehrere Entzündungen an verschiedenen Stellen im Gehirn und Rückenmark akut zusammen. Diese Entzündungsherde können sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Es ist wichtig, bei plötzlich auftretenden neuen neurologischen Symptomen oder der Verstärkung bereits bekannter MS-Symptome einen Arzt, idealerweise den behandelnden Neurologen, aufzusuchen, da ein akuter MS-Schub immer ein Notfall ist, der innerhalb von zwei bis fünf Tagen behandelt werden sollte.
Behandlung des MS-Schubs
Für die Schubtherapie stehen vor allem Kortisonpräparate zur Verfügung, die die Entzündungen eindämmen sollen. Im akuten Schub werden sie über drei bis fünf Tage als Infusion verabreicht (Hochdosis-Schubtherapie). In manchen Fällen kann eine Blutwäsche (Plasmapherese) oder Immunadsorption erforderlich sein, insbesondere wenn die Kortisontherapie nicht ausreichend wirkt. Diese Verfahren werden in spezialisierten Zentren durchgeführt und sind in der Regel kostendeckend durch die Krankenkasse.
Therapieansätze bei Multipler Sklerose
Obwohl MS derzeit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
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Medikamentöse Therapie
- Schubtherapie: Kortisonpräparate zur Entzündungshemmung im akuten Schub.
- Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Anzahl der Schübe reduzieren sollen.
- Symptomatische Therapie: Medikamente zur Behandlung spezifischer Symptome wie Spastik, Schmerzen oder Fatigue.
Komplementäre und alternative Therapien
Viele MS-Betroffene greifen auf Mittel aus der Naturmedizin zurück, um ihre Beschwerden zu lindern. Johanniskraut kann beispielsweise bei depressiven Verstimmungen helfen. Homöopathische Mittel können begleitend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden, wobei die Auswahl der geeigneten Arzneien individuell erfolgen sollte. Es ist ratsam, den Einsatz solcher Mittel immer mit dem Arzt und einem Therapeuten zu besprechen.
Nicht-medikamentöse Therapien
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und zur Erhaltung der Beweglichkeit. Für pflegebedürftige Menschen mit MS bietet das Bobath-Konzept eine Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu fördern.
- Ergotherapie: Zur Anpassung des Alltags an die individuellen Bedürfnisse und zur Förderung der Selbstständigkeit.
- Logopädie: Bei Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Zur Bewältigung der psychischen Belastungen, die mit der Erkrankung einhergehen können.
Bedeutung von Sport und Bewegung
Früher wurde MS-Patienten oft von Sport abgeraten, doch heute weiß man, dass regelmäßige Bewegung die Lebensqualität verbessern kann. Sport kann Kraft, Ausdauer und Balance verbessern und möglicherweise auch positive Auswirkungen auf Fatigue, Depressionen und die geistige Leistungsfähigkeit haben.
Leben mit MS: Herausforderungen und Strategien
Die Diagnose MS kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich den Herausforderungen zu stellen und Strategien zu entwickeln, um ein möglichst selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen.
Fatigue bei MS
Ein häufiges und oft unterschätztes Symptom der MS ist die Fatigue, eine ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfbarkeit, die nicht durch Ruhepausen behoben werden kann. Fatigue kann sowohl motorische als auch kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen.
Umgang mit Fatigue
- Belastungsgrenzen erkennen und akzeptieren: Es ist wichtig, die eigenen körperlichen und geistigen Grenzen zu kennen und das Aktivitätsniveau entsprechend anzupassen.
- Prioritäten setzen: Aufgaben effizient angehen und gewohnte Tätigkeiten effizienter angehen.
- Aufgaben delegieren: Anstrengende Aufgaben an andere abgeben.
- Multitasking vermeiden: Routinetätigkeiten ohne Zeitdruck bevorzugen.
- Regelmäßige Pausen einlegen: Nach anstrengenden Aktivitäten ausreichend Ruhephasen einplanen.
- Körperliches Training: Durch gezieltes Training die Belastbarkeit erhöhen.
- Kognitives Training: Standardisierte kognitive Belastungstests durchführen, um die Aufmerksamkeitsleistungen zu verbessern.
- Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Medikamente wie Amantadin, Modafinil oder 3,4-Aminopyridin zur Linderung der Fatigue eingesetzt werden.
Kognitive Beeinträchtigungen
Neben der Fatigue können auch kognitive Beeinträchtigungen wie Aufmerksamkeitsstörungen, Gedächtnisstörungen und Probleme mit der Problemlösung auftreten.
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Umgang mit kognitiven Beeinträchtigungen
- Neuropsychologische Diagnostik: Zur Erfassung der individuellen Defizite und Stärken.
- Kognitives Training: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und anderer kognitiver Funktionen.
- Strategien entwickeln: Kompensationsstrategien für den Alltag entwickeln, z.B. Notizen machen, Kalender nutzen oder Routinen etablieren.
- Technische Hilfsmittel nutzen: Computerprogramme oder Apps zur Unterstützung der Kognition einsetzen.
Psychische Gesundheit
Die Diagnose MS und die damit verbundenen körperlichen und kognitiven Einschränkungen können die Psyche belasten und zu Depressionen, Angstzuständen oder anderen psychischen Problemen führen.
Unterstützung der psychischen Gesundheit
- Psychotherapie: Zur Bewältigung der emotionalen Belastungen und zur Entwicklung von Coping-Strategien.
- Selbsthilfegruppen: Zum Austausch mit anderen Betroffenen und zur gegenseitigen Unterstützung.
- Achtsamkeitstraining: Zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung und zur Förderung der Entspannung.
- Soziale Kontakte pflegen: Isolation vermeiden und soziale Unterstützung suchen.
Ernährung und Vitamin D
Es gibt zwar keine spezielle MS-Diät, aber eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Einige Empfehlungen umfassen eine vegane Ernährungsweise, eine antientzündliche Diät oder eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und vielen Proteinen. Hochdosierte Vitamin-D-Gaben können MS-Schübe vermindern und die MS-Aktivität verlangsamen.
Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass die medizinischen Wünsche des Patienten auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so die Selbstbestimmung. Sie entlastet zudem die Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
Forschung und Ausblick
Die Forschung an den Ursachen und der Behandlung von MS macht stetig Fortschritte. Wissenschaftler arbeiten daran, die Entstehung der Erkrankung besser zu verstehen, neue Therapieansätze zu entwickeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Sport als Therapieansatz
Aktuelle Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass Sport einen direkten Effekt auf das Gehirn hat und neuroprotektiv wirkt. Studien mit MS-kranken Mäusen haben gezeigt, dass regelmäßiges Laufen die Anzahl der Nervenzelluntergänge reduzieren kann. Auch beim Menschen konnten positive Effekte von Sport auf die Gehfähigkeit und andere motorische Funktionen nachgewiesen werden.
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