Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Erkrankung manifestiert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die sowohl motorischer als auch nicht-motorischer Natur sein können. Einige dieser Symptome sind gut sichtbar, während andere im Verborgenen bleiben und somit die Diagnose erschweren können. Dieser Artikel soll Betroffenen und ihren Angehörigen helfen, den Alltag mit Parkinson besser zu bewältigen, indem er zehn praktische Tipps und Strategien aufzeigt.
Verständnis der Parkinson-Symptome
Ein wichtiger erster Schritt ist das Verständnis der vielfältigen Symptome der Parkinson-Krankheit. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, bestimmte Symptome der Parkinson-Krankheit oder anderen Ursachen zuzuordnen.
Schlafprobleme
Verschiedene Schlafprobleme können der Parkinson-Krankheit zugeordnet werden.
Stimmveränderungen
Parkinson kann bewirken, dass das Stimmvolumen geringer und die Sprache undeutlicher wird. Diese Probleme treten bei der Koordinierung des Atems auf. Zudem ist es schwierig, immer im selben Tempo zu sprechen, worunter die Verständlichkeit leidet. Menschen, die singen, erfahren oft, dass ihre Musikalität von der Parkinson-Krankheit angegriffen ist.
Verlust des Geruchssinns
Die Mehrheit der Parkinson-Patienten leiden am Verlust des Geruchssinnes.
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Kognitive Probleme
Einige Parkinson-Patienten leiden unter Gedächtnisverlust, Schwierigkeiten mit Multitasking oder Konzentrationsproblemen.
Orthostatische Hypotonie
Parkinson-Patienten leiden oft an orthostatischer Hypotension, einem plötzlichen Blutdruckabfall beim Stehen. Dies tritt auf, wenn der Patient von einer sitzenden oder liegenden Position in eine aufrechte Position wechselt oder zu lange aufrecht steht. Die Symptome eines Blutdruckabfalls sind Schwindel, extremes Schwächegefühl und Sehstörungen (z. B. ‚schwarzer Schleier‘ vor den Augen). Normalerweise regelt das vegetative Nervensystem den arteriellen Blutdruck, auch bei einer Haltungsänderung.
Dystonie
Dystonie ist eine Bewegungsstörung. Die Koordination unserer Bewegungen im Gehirn ist bei Dystonie-Patienten gestört, wodurch unfreiwillige, unkontrollierbare Muskelkontraktionen und Verkrampfungen auftreten.
Parkinson-Maskengesicht
Das Sprechen und Schlucken kann schwieriger werden, der Patient kann leiser und monotoner sprechen. Die Gesichts- und Halsmuskulatur wird schwächer und verliert an Beweglichkeit.
Teilnahmslosigkeit
Viele Parkinson-Patienten leiden an Apathie (Teilnahmslosigkeit). Dies führt zu einer verminderten Lebensqualität für Patienten und Angehörige.
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Nebenwirkungen von Medikamenten
Nebenwirkungen sind zwar keine Krankheitssymptome, können aber sehr unangenehm sein.
Tipps für den Alltag mit Parkinson
Die Parkinsonerkrankung kann verschiedene Lebensbereiche einschränken. Wie stark diese Einschränkungen sind, hängt von der Ausprägung der Symptome und der Parkinsonform ab. Eine individuelle Behandlung ist aus diesem Grund essenziell, um die Lebensqualität zu steigern. Die richtigen Parkinson-Hilfsmitteln können einen Teil dazu beitragen, den Alltag für Betroffene zu erleichtern.
1. Kompensationsstrategien für Gangstörungen
Menschen mit Parkinson leiden unter anderem unter Gangstörungen: Sie gehen schlurfend oder trippelnd, frieren mitten in der Bewegung ein, sind unkoordiniert, taumeln und stürzen sogar. Das ist im Alltag eine große Belastung. Dabei gibt es eine Reihe von Strategien, die den Bewegungsablauf beim Gehen flüssiger machen können. Viele Betroffene kennen jedoch nur wenige oder keine dieser mentalen Kniffs.
Sieben wirksame Lauf-Strategien:
- Nutzen innerer Taktgeber: z. B. das Gehen nach einer Zählung im Kopf
- Nutzen äußerer Taktgeber: z. B. das Gehen im Rhythmus eines Metronoms
- Erleichterung der Balance: z. B. indem man weitere statt enge Kurven läuft
- Änderung des mentalen Zustands: z. B. durch Entspannungstechniken
- Handlungsbeobachtung und Visualisierung motorischer Vorbilder: z. B. das Nachahmen einer anderen Person beim Gehen
- Alternative Gehmuster: z. B. Springen oder Rückwärtsgehen
- Anwendung anderer Fortbewegungsmöglichkeiten: z. B. Radfahren
Es gibt keine Einheitslösungen: Unterschiedliche Kontexte erfordern unterschiedliche Strategien - und manche Personen sprechen besser auf eine Strategie an als andere. Daher gelte es, den Menschen alle verfügbaren Kompensationsstrategien zu vermitteln, zum Beispiel über eine spezielle Online-Lernplattform. Dies könnte jedem Parkinson-Patienten helfen, die für ihn am besten geeignete Strategie zu finden.
2. Hilfsmittel für den Alltag
Es gibt eine ganze Reihe von Hilfen, die das tägliche An- und Auskleiden erleichtern. Dazu gehören z.B. Strumpfanzieher, Knöpfhilfen oder Hilfen für die leichtere Handhabung von Reissverschlüssen. Nagelfeile und Bürsten mit dicken Griffen lassen sich besser greifen. Ein ergometrisch konstruiertes Eßbesteck und Becher mit Trinkhalm und Ausschnitt für die Nase sind hilfreich bei der täglichen Nahrungsaufnahme. Auch auf die selbständige Zubereitung von Speisen müssen Parkinson-Patienten nicht verzichten. Es gibt verschiedene Haushaltsgegenstände, die auch mit einer Hand zu bedienen sind. Mit einem rutschfesten Multibrett kann man sicher Gemüse schälen oder eine Dose öffnen. Weitere Hilfen für Beruf und Freizeit sind Schreib-, Aufsperr- und Greifhilfen.
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Spezielle Parkinson-Hilfsmittel können den Alltag erleichtern:
- Anti-Freezing-Stock: Hilft plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.
3. Wohnraumanpassung
Da das Bewegungsvermögen bei Parkinson-Patienten herabgesetzt ist, bleibt vor allem die Vermeidung von Stürzen sehr wichtig. Gestalten Sie daher den Wohnraum möglichst unkompliziert und sicher. Entfernen Sie Stolperfallen wie Teppichkanten oder herumliegende Kabel. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Angehöriger barrierefrei wohnen kann und mit einem Rollator sicher durch die Räume navigieren kann und keine hohen Türschwellen stören. Ermöglichen Sie Ihrem Familienmitglied einen einfachen Zugang zum Bad und zur Küche - vielleicht ist ein Treppenlift sinnvoll.
- Verstellbare Badmöbel: Zum Waschen und Zähneputzen, Rasieren und bei der Gesichtspflege steht man normalerweise vor dem Waschbecken. Diese Tätigkeiten können vielen Menschen im Sitzen evtl. leichter fallen. Dafür muss die Höhe des Waschbeckens und des Spiegels höhenverstellbar sein.
- Wasserfeste Sitzmöbel/Duschhocker: Duschen oder baden sollten wegen der verstärkten Schweiß- und Fettabsonderungen der Haut möglichst täglich vorgenommen werden.
- Beseitigung von Hindernissen: Bodenwellen und Türschwellen können zum Hindernis werden und Stürze verursachen. Im Treppenhaus helfen farbige Markierungen an den Vorderkanten der einzelnen Stufen bei der Orientierung.
4. Ernährungstipps
Eine richtige Ernährung kann die Lebensqualität verbessern, Symptome lindern und das allgemeine Wohlbefinden enorm steigern. Bei Parkinson ist es besonders wichtig, auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr zu achten und bestimmte Lebensmittel strategisch zu integrieren, um die Wirkung der Medikamente zu unterstützen und Nebenwirkungen zu minimieren.
- Eiweißzufuhr timen: Levodopa ist eines der Hauptmedikamente zur Behandlung von Parkinson. Allerdings kann die Wirkung von Levodopa durch Eiweiß beeinträchtigt werden. Konsumieren Sie eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte vorzugsweise abends. Levodopa sollte idealerweise mindestens in einem Abstand von einer halben Stunde vor, bzw. anderthalb Stunden nach dem Essen eingenommen werden.
- Mahlzeiten verteilen: Essen Sie kleinere, häufigere Mahlzeiten über den Tag verteilt, um die gleichmäßige Aufnahme von Nährstoffen zu gewährleisten.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee.
- Ballaststoffe: Essen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Erhöhen Sie die Ballaststoffzufuhr schrittweise, um Verdauungsprobleme wie Blähungen zu vermeiden. Erwägen Sie den Einsatz von probiotischen Lebensmitteln wie Kefir, Sauerkraut und anderen fermentierten Produkten, die die Darmflora unterstützen können.
- Vitamine: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D und Vitamin B12.
- Vielseitige Ernährung: Setzen Sie auf eine bunte Vielfalt an frischen und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, um eine breite Palette an Nährstoffen zu erhalten.
- Zucker und verarbeitete Lebensmittel vermeiden: Diese können den Blutzuckerspiegel schnell erhöhen und dann schnell wieder abfallen lassen, was die Energiebilanz negativ beeinflusst und zu Müdigkeit führen kann. Außerdem fördern sie das Wachstum ungesunder Bakterienstämme im Darm.
Allgemeine Ernährungsempfehlungen:
- Essen Sie Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse täglich.
- Essen Sie Fisch ein- bis zweimal pro Woche, vorzugsweise fettreichen Fisch.
- Wenn Sie Fleisch essen, dann nicht mehr als 300 bis 600 g pro Woche.
- Eier können Ihren Speiseplan ergänzen, sollten aber bewusst eingeplant werden.
5. Bewegung und Sport
Mit der Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation rief die Organisation Parkinson's Europe 1997 den Welt-Parkinson-Tag ins Leben. Der 11. April ist der Geburtstag des Arztes James Parkinson, der 1817 erstmals die Symptome der nach ihm benannten Krankheit festhielt. In diesem Jahr rücken die Organisatoren des Welt-Parkinson-Tages die Vorteile der Bewegung und körperlichen Aktivität für Betroffene in den Fokus. Pflegende Angehörige können Übungen in den Alltag einbinden und so die Beweglichkeit des Patienten steigern.
6. Mentale Gesundheit und Entspannung
Mentale Einstellung verbessern: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation und Atemübungen sind hilfreich, um Ängste abzubauen sowie Motivation und Aufmerksamkeit zu steigern.
7. Unterstützung für Angehörige
Die Parkinson Erkrankung verändert auch Ihr Leben im großen Umfang. Sie verlangt von Ihnen täglich mit veränderten Verhaltensweisen des/der Erkrankten und den daraus resultierenden Problemen zurechtzukommen. Sie verändert auch die gemeinsame Zukunft. Alles, was Sie geplant haben, ist jetzt abhängig vom Wohlbefinden und Können des Erkrankten.
Tipps für Angehörige:
- Versetzen Sie sich immer in die Lage des anderen, versuchen Sie sein Denken, Handeln und Fühlen zu verstehen!
- Reden Sie miteinander, denn nur so können Sie gemeinsame Entscheidungen treffen und lernen, Ihre Wünsche und Bedürfnisse und die des anderen zu erkennen und zu akzeptieren.
- Helfen Sie dem/der Erkrankten nur dann, wenn er/sie darum bittet.
- Nehmen Sie dem/der Erkrankten nicht alles ab, sondern ermutigen sie ihn/sie, Aufgaben zu erfüllen und zu bewältigen.
- Nehmen Sie sich Auszeiten von der Krankheit. Nur wenn Sie Kraft haben und ausgeglichen sind, können Sie Ihre Aufgabe und den Alltag bewältigen.
8. Pflegegrad beantragen
Zu Anfang kommen Parkinson-Patienten noch gut alleine zurecht. Nehmen die Beschwerden zu, sind die Betroffenen allerdings auf die Pflege von außen angewiesen. Ihr Angehöriger kann bei seiner Pflegekasse einen Pflegegrad beantragen. Nach erfolgreichem Antragseingang beauftragt die Pflegekasse den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), der wiederum einen Gutachter zum Patienten schickt.
9. Anlaufstellen für Hilfe
Parkinson-Patienten und pflegende Angehörige können sich an verschiedene Anlaufstellen wenden, um Tipps oder Hilfe für den Alltag zu erhalten:
- Pflegestützpunkte
- Selbsthilfegruppen
- Behandelnder Arzt
10. Umgang mit Wesensveränderungen
Eine Wesensveränderung bei Parkinson ist nicht selten. Durch die Erkrankung wird die Gefühlswelt bei Parkinson auf den Kopf gestellt. Pflegende Angehörige berichten von depressiven Verstimmungen, Verwirrtheit und Aggressionen. Sollten Sie als pflegender Angehöriger Wesensveränderungen bemerken, die Ihre Lebensqualität oder die Ihres Angehörigen negativ beeinflussen, sollten Sie den behandelnden Neurologen darüber in Kenntnis setzen.