Die Schwangerschaft ist eine Zeit großer Veränderungen im Körper einer Frau. Diese Veränderungen können zu verschiedenen Beschwerden führen, darunter auch Schmerzen im Bereich der Symphyse, auch Schambeinfuge genannt. Die Symphyse ist die vordere Verbindung der beiden Beckenhälften und besteht aus Faserknorpel. Während der Schwangerschaft lockert sich diese Verbindung durch hormonelle Einflüsse, was zu Schmerzen führen kann.
Was ist die Symphyse?
Die Symphyse, auch Schambeinfuge genannt, ist ein "unechtes Gelenk" aus Knorpel in der vorderen Mitte des Beckenrings. Sie verbindet die rechte und linke Beckenhälfte miteinander. Die Symphyse ist bei jedem Menschen vorhanden und sorgt für eine gewisse Flexibilität im Beckenring.
Ursachen von Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft
Symphysenschmerzen treten vor allem in der Schwangerschaft auf. Verantwortlich dafür sind die Schwangerschaftshormone, insbesondere Relaxin und Progesteron, die vermehrt ausgeschüttet werden. Diese Hormone machen Bänder, Sehnen und Knorpel elastischer, um das Becken auf die Geburt vorzubereiten. Auch die Bänder, die die Symphyse umgeben, und die knorpelige Symphyse selbst werden durch den Einfluss der Hormone weicher. Der Symphysenspalt kann sich dadurch um drei bis vier Millimeter verbreitern, wodurch sich die Beckenknochen verschieben. Mediziner bezeichnen dieses Phänomen als Symphysenlockerung. Durch die Erweiterung der Schambeinfuge und die damit verbundene Instabilität des Beckens kommt es zu einem erhöhten Druck und Zug auf die empfindliche Knochenhaut, was Symphysenschmerzen auslösen kann. Alltägliche Bewegungen können dann zu einer schmerzhaften Verschiebung der Beckenknochen führen.
Eine Symphysenlockerung kann aber auch durch andere Faktoren verursacht werden, beispielsweise durch Sportarten, bei denen Scherkräfte auf die Symphyse einwirken, wie Eishockey, Fußball, Hürdenlauf, Rugby oder Reiten.
Symptome einer Symphysenlockerung
Symphysenschmerzen betreffen hauptsächlich das Schambein und die Symphyse selbst. Der Schmerz kann plötzlich und stechend sein oder auch anhaltend. Oft strahlen die Schmerzen bis in die Hüften, den unteren Rücken und die Beine aus. Auch Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder das Gefühl, dass das Becken instabil ist, können auftreten.
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Die Schmerzen äußern sich vor allem bei bestimmten Bewegungen, wie:
- Gehen
- Treppensteigen
- Aufstehen von einem Stuhl
- Umdrehen im Liegen
- Anheben eines Beins
- Beugen nach vorne
Manche Frauen verspüren auch ein knirschendes Gefühl im unteren Beckenbereich bzw. im Bereich des Schambeins, sobald sie sich bewegen. Direkter Druck auf die Symphyse wird oft als unangenehm empfunden.
Diagnose
Frauenärzte oder Hebammen können durch Abtasten feststellen, ob Rückenschmerzen durch eine Symphysenlockerung verursacht werden. Meist reicht schon eine Beschreibung der Schmerzen aus, um die Ursache zu erkennen.
Behandlung von Symphysenschmerzen
Bei Symphysenschmerzen stehen Schonung und Entlastung im Alltag an erster Stelle. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern und die Stabilität des Beckens zu verbessern.
Was Sie selbst tun können
- Vermeiden Sie schmerzauslösende Bewegungen: Dazu gehören ruckartige Bewegungen, Springen, schnelle Richtungswechsel, lange Schritte, Abspreizen oder Anheben eines gestreckten Beins und Treppensteigen.
- Schonen Sie Ihren Körper: Vermeiden Sie es, lange zu stehen oder zu sitzen. Legen Sie die Beine hoch, um das Becken zu entlasten.
- Machen Sie es sich bequem: Probieren Sie aus, wie Sie mit Kissen, zum Beispiel zwischen den Knien, bequem schlafen können. Beim Umdrehen im Bett sollten Sie die Knie gebeugt und geschlossen halten.
- Achten Sie auf Ihre Haltung: Vermeiden Sie es, beim Anziehen das ganze Gewicht auf nur einem Bein zu haben. Setzen Sie sich stattdessen auf die Bettkante.
- Beckenbodentraining: Da die Beckenbodenmuskulatur zur Stabilität des Beckens beiträgt, kann Beckenbodentraining helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Sanfte Übungen: Ihre Hebamme oder Physiotherapeut kann Ihnen sanfte Übungen zeigen, die die Beckenmuskulatur kräftigen und die Durchblutung fördern. Vermeiden Sie jedoch Überanstrengung. Sanfte Sportarten wie Schwimmen, Wassergymnastik und Nordic Walking sind empfehlenswert.
- Akupunktur und Yoga: Einige Frauen empfinden Akupunktur oder bestimmte Yoga-Übungen als angenehm. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit dieser Methoden ist jedoch begrenzt.
Hilfsmittel
- Becken- oder Symphysengurt: Viele Schwangere mit Symphysenproblemen empfinden das Tragen eines Schwangerschafts-Stützmieders oder eines Beckengurts als angenehm, da er Druck auf das Becken ausübt und es stabilisiert. Es gibt Hinweise, dass ein fester Gurt aus unelastischem Material besser sein könnte. Ihr Arzt kann Ihnen bei starken Beschwerden ein Rezept für einen Beckengurt ausstellen. Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten.
- Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden. Schwangere sollten Schmerzmittel jedoch nie ohne ärztlichen Rat und nicht dauerhaft einnehmen - auch dann nicht, wenn sie rezeptfrei verkäuflich sind. Ibuprofen sollte nur in den ersten beiden Trimestern eingenommen werden und nur nach Rücksprache mit dem Arzt. In der Regel kann auf Paracetamol zurückgegriffen werden.
Ärztliche und therapeutische Maßnahmen
- Physiotherapie: Eine spezielle physiotherapeutische Behandlung kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Haltung zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
- Manuelle Therapie/Osteopathie/Craniosakraltherapie: Diese Behandlungsansätze können helfen, Blockaden im Beckenbereich zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern. Die Studienlage zur Wirksamkeit dieser Therapien ist jedoch noch schwach.
- Arbeitsunfähigkeit: In manchen Fällen kann es notwendig sein, dass der Arzt Sie arbeitsunfähig schreibt, um eine ausreichende Schonung zu gewährleisten.
Symphysenschmerzen während der Geburt
Während der Geburt weitet sich das Becken, weil die Symphyse noch zusätzlich etwas nachgibt. Bei Symphysenschmerzen ist die Rückenlage mit abgespreizten Beinen oftmals sehr unangenehm. Die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Beinen und der Vierfüßlerstand sind gute Positionen während der Wehen und auch für die Geburt, weil die Symphyse dabei nur wenig belastet wird. Auch die Rückenlage ist nicht zu empfehlen, da die Symphyse in dieser Position besonders belastet wird.
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Symphysenschmerzen nach der Geburt
Nach der Geburt können die Symphysenschmerzen vorübergehend zunehmen, doch nach einigen Wochen sind sie meist wieder verschwunden. Rückbildungsgymnastik unterstützt den Heilungsprozess und sorgt wieder für mehr Stabilität im Beckenring.
In sehr seltenen Fällen kann es bei einer schweren Geburt zu einem Riss der Symphyse (Symphysensprengung oder Symphysenruptur) kommen. Dann sind Ruhigstellung durch einen festen Gurt und Bettruhe erforderlich, damit der Knorpel wieder zusammenwächst. In sehr seltenen Fällen ist eine operative Stabilisierung der Symphyse durch einen Orthopäden erforderlich.
Vorbeugung
Einem Symphysenriss kann vorgebeugt werden durch:
- Einen gesunden Lebensstil
- Gewichtskontrolle
- Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur
Diese Maßnahmen sind nicht nur vor und während der Schwangerschaft empfehlenswert, sondern auch in der Zeit danach, um die Stabilität des Beckens zu fördern.
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