Japanische Enzephalitis: Impfung, Übertragung und Schutzmaßnahmen

Die Japanische Enzephalitis ist eine schwere Virusinfektion des Gehirns, die durch das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) verursacht wird. Die Krankheit wird hauptsächlich durch Stechmücken übertragen und ist in vielen Teilen Asiens verbreitet. Da es keine spezifische Behandlung gibt, ist die Impfung der beste Schutz, insbesondere für Reisende in Risikogebiete.

Was ist Japanische Enzephalitis?

Die Japanische Enzephalitis ist eine durch Mücken übertragene Viruserkrankung, die das Gehirn betrifft. Sie wird in erster Linie von Stechmücken, insbesondere der Gattung Culex, übertragen, die sich an Haustieren wie Wasservögeln oder Schweinen infizieren und das Virus dann auf den Menschen übertragen können. Japan ist das Land, in dem in den 1870er Jahren zum ersten Mal eine Epidemie der japanischen Enzephalitis beschrieben wurde. Seitdem gab es immer wieder neue Ausbrüche in Ländern Südostasiens.

Verbreitung und Risikogebiete

Das Virus ist vor allem in den ländlichen Gebieten und teilweise in Stadtrandgebieten Südostasiens verbreitet. Zu den Risikogebieten gehören unter anderem:

  • Südostasien (Indien, China, Sri Lanka, Vietnam, Nepal, Philippinen und Nordthailand)
  • Teile von China, Indien, Korea und Japan
  • Der West-Pazifik
  • Nordaustralien
  • Der äusserste Südosten Russlands
  • Teile Australiens
  • Die Pazifikinsel Guam

Die Krankheit tritt hauptsächlich in den Endemiegebieten der asiatisch-pazifischen Region auf, vor allem in der Regenzeit.

Symptome und Verlauf der Krankheit

Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome. Schätzungen zufolge treten in den Risikogebieten jährlich rund 67.900 Fälle mit Krankheitssymptomen auf. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Dunkelziffer, also nicht gemeldete Fälle, aber um das Zehnfache höher sein.

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Wenn Symptome auftreten, beginnen diese meist 5 bis 15 Tage nach der Infektion. Die Erkrankung beginnt oft mit grippeähnlichen Beschwerden wie:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Innerhalb von drei bis vier Tagen können sich schwerwiegendere Symptome entwickeln, darunter:

  • Bewusstlosigkeit
  • Lähmungen
  • Krämpfe
  • Meningismus (Nackensteifigkeit)
  • Verwirrtheit
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Bewusstseinsstörungen
  • Zittern und Muskelsteifigkeit

Etwa ein Viertel der von der Enzephalitis betroffenen Menschen stirbt an der Erkrankung. Von den Überlebenden leiden 30 bis 50 Prozent auch nach überstandener akuter Erkrankung noch an langfristigen neurologischen oder psychischen Folgen wie:

  • Motorischen Defiziten
  • Kognitiven und sprachlichen Defiziten
  • Wiederkehrenden Krampfanfällen
  • Krampfanfälle, Lähmungen der Gliedmaßen, Gangstörungen, aber auch geistige Behinderung und Verhaltensstörungen können die Folgen sein.

Kinder und ältere Menschen haben ein höheres Risiko, nach einer Infektion schwer zu erkranken. Jährlich erkranken etwa 70.000 Menschen.

Diagnose und Behandlung

Besteht der Verdacht auf eine Japanische Enzephalitis, kann die Diagnose durch den Nachweis von Antikörpern im Liquor (Hirnwasser) oder Blut erfolgen. Spezifische Antikörper deuten auf eine JEV-Infektion oder auf eine bereits erfolgte Impfung hin. Finden sich Antikörper im Liquor, spricht das für eine kürzliche Infektion des zentralen Nervensystems.

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Auch eine Virus-Isolierung oder der Nachweis von Virus-RNA aus Liquor oder Blut eignen sich als Diagnosemöglichkeiten. Diese Tests liefern aber trotz bestehender Infektion nicht immer positive Befunde. Grund hierfür ist, dass charakteristische Symptome in der Regel erst nach mehreren Tagen auftreten. Dann liegt meist bereits eine hohe Konzentration neutralisierender Antikörper vor, die in Kombination mit der mittlerweile rückläufigen Viruslast den Nachweis erschwert.

Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es keine spezifischen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich daher auf folgende Aspekte:

  • Überwachung des Hirndrucks
  • Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer zerebralen Durchblutung
  • Frühzeitiges Eingreifen bei drohenden Krampfanfällen
  • Vorbeugung von Komplikationen
  • Linderung der Symptome durch Schmerzmittel

Zudem sind Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.

Impfung gegen Japanische Enzephalitis

Der beste Schutz gegen Japanische Enzephalitis ist die Impfung. Seit April 2009 ist ein Impfstoff in der Europäischen Union und seit Sommer 2010 auch in der Schweiz zugelassen. Für die Impfung gegen Japanische Enzephalitis steht der in Europa zugelassene Impfstoff IXIARO® zur Verfügung. Dieser Impfstoff ist auch für Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensmonat zugelassen.

Impfschema

Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen im Abstand von 7 oder 28 Tagen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen. Für kurzfristige Reisen ist ein Schnellimpfschema möglich: zwei Impfungen im Abstand von 7 Tagen.

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  • Standard-Impfschema: Zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen.
  • Schnellimpfschema (Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren): Zwei Impfdosen mit einem Abstand von einer Woche.

Sowohl beim Standard- als auch beim Schnellimpfschema sollte die Grundimmunisierung mindestens eine Woche vor Reiseantritt abgeschlossen sein.

Für Patienten ab 3 Jahre besteht das Impfschema aus 2 Dosen (je 0,5 ml) im Abstand von 4 Wochen. Kinder im Alter zwischen 2 Monaten und 3 Jahren: 2 Impfstoffdosen mit 0,25 ml im Abstand von 4 Wochen, ab dem 3. Lebensjahr sind es 0,5 ml im Abstand von 4 Wochen.

Eine Auffrischimpfung wird nach 12 bis 24 Monaten empfohlen, wenn weiterhin ein Risiko besteht. Eine Auffrischimpfung (dritte Dosis) sollte innerhalb von 12-24 Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten. Personen, die dem Risiko einer JE-Infektion dauerhaft ausgesetzt sind (Labormitarbeiter oder Personen, die sich langfristig in einem Endemiegebiet aufhalten), sollten eine Auffrischimpfung 12 Monate nach der empfohlenen Grundimmunisierung erhalten. Falls erneutes Expositionsrisiko besteht ist eine weitere Auffrischimpfung nach 10 Jahren zu bedenken.

Vier Wochen nach der 2. Impfdosis betrug die Serokonversionsrate in den Zulassungsstudien 96,4 % (bei Personen ab 65 Jahren jedoch nur ca. 65%), nach 6 Monaten waren es noch ca. 95 % und nach 12 Monaten 83 %.

Wer sollte geimpft werden?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung vor allem bei Aufenthalten in den Endemiegebieten Südostasiens, Indien, Korea, Japan, China und im West-Pazifik sowie Nordaustralien.

Sinnvoll erscheint die Impfung laut jüngsten Angaben der Ständigen Impfkommission vom August 2020 vor allem bei Aufenthalten in den Endemiegebieten Südostasiens, Indien, Korea, Japan, China und im West-Pazifik sowie Nordaustralien.

Die Impfempfehlungen gelten für:

  • Säuglinge nach Vollendung des 2. Lebensmonats, Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Menschen, die mit vermehrungsfähigen JEV-Wildtypstämmen arbeiten, beispielsweise in Laboren.
  • Urlauber und Reisende

Wichtig für die Entscheidung ist außerdem das Alter der reisenden Person, wie lange sie sich im Endemiegebiet aufhalten möchte, in welcher Jahreszeit die Reise stattfindet und um welche Reiseroute es sich handelt. Bei einer kurzen Städtetour ist die Gefahr einer Infektion beispielsweise geringer als bei einem mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Land.

Nebenwirkungen der Impfung

Impfstoffe unterliegen in Europa sehr hohen Sicherheitsstandards und haben ein gutes Sicherheitsprofil, sie sind wirksam und gut verträglich. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich.

Passagere, leichte lokale und systemische Erscheinungen (und somit mögliche Nebenwirkungen der Impfung) wie Kopfschmerzen und Temperaturerhöhung sind in den ersten Tagen nach den Impfungen relativ häufig (ca. 20 %), ohne weitere Zunahme bei den nachfolgenden Impfdosen.

Häufige Nebenwirkungen:

  • Kopfschmerzen
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Druckgefühl, Rötung, Verhärtung, Schwellung und Juckreiz
  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Grippeähnliche Beschwerden
  • Nausea (Übelkeit)

Gelegentliche Nebenwirkungen:

  • Lymphadenopathie (Schwellung der Lymphknoten)
  • Vertigo (Schwindel)
  • Migräne
  • Schwindelgefühl
  • Dyspnoe (Atemnot)
  • Emesis (Erbrechen)
  • Diarrhoe (Durchfall)
  • Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen)
  • Ausschlag
  • Pruritus (Juckreiz)
  • Hyperhidrose (vermehrtes Schwitzen)
  • Muskuloskelettale Steifigkeit
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen)
  • Schüttelfrost
  • Unwohlsein
  • Asthenie (Kraftlosigkeit)
  • Erhöhte Leberenzymwerte

Seltene Nebenwirkungen:

  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen)
  • Parästhesie (Kribbeln, Taubheitsgefühl)
  • Neuritis (Nervenentzündung)
  • Dysgeusie (Geschmacksstörung)
  • Augenlidödem (Schwellung des Augenlids)
  • Palpitationen (Herzklopfen)
  • Tachykardie (beschleunigter Herzschlag)
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Erythem (Hautrötung)
  • Schmerzen in einer Extremität

Kontraindikationen (Impfverbote):

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, sonstige Bestandteile oder gegen die herstellungsbedingten Verunreinigungen Protaminsulfat, Formaldehyd, Rinderserumalbumin, Wirtszell-DNA, Natriummetabisulfit und Wirtszellproteine.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen nach der ersten Impfung
  • Akute ernsthafte, fieberhafte Infektionen.
  • Der Impfstoff darf unter keinen Umständen intravaskulär verabreicht werden.

In der Schwangerschaft besteht keine ausreichende Erfahrung, so dass eine individuelle Risikoabwägung stattfinden muss.

Kostenübernahme der Impfung

Reiseschutzimpfungen wie die gegen die Japanische Enzephalitis sind bei touristischen Reisen keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten aber, wenn der Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist und die Kriterien der Schutzimpfungsrichtlinie erfüllt sind. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, bevor Sie Leistungen in Anspruch nehmen. Die Satzung Ihrer Krankenkasse finden Sie im Krankenkassen-Profil.

Weitere Schutzmaßnahmen

Zusätzlich zur Impfung können folgende Maßnahmen helfen, Insektenstiche zu vermeiden:

  • Moskitonetze an den Fenstern und über dem Bett
  • Mückenschutzmittel
  • Geschlossene Kleidung wie lange Hosen und Hemden. Die Kleidung sollte hell sein, weil dunkle Farben Mücken anziehen.

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