Demenz ist ein neurologisches Krankheitsbild, das durch den Abbau und Verlust kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Es beginnt häufig mit sich wiederholenden Gedächtnislücken. Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz erkennen Betroffene oftmals ihre Liebsten nicht mehr. Sprachstörungen, Beeinträchtigungen des Bewegungsablaufs und teilweise auch psychiatrische Störungen gehören oft zum Krankheitsbild. Doch es gibt Möglichkeiten, das Risiko für eine Demenz zu verringern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Demenzprävention, von Risikofaktoren bis hin zu konkreten Maßnahmen, die jeder ergreifen kann, um seine geistige Gesundheit zu schützen.
Demenz: Eine wachsende Herausforderung
In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die beiden häufigsten Formen sind die Alzheimer-Demenz und die sogenannte vaskuläre Demenz.
Ursachen: Wie entsteht eine Demenz?
Es gibt verschiedene Arten von Demenz, die teilweise auch unterschiedliche Ursachen haben.
Alzheimer-Erkrankung: die häufigste Form von Demenz
Rund 70 Prozent aller Demenzerkrankten haben eine Alzheimer-Demenz. Die Erkrankung ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sich im Gehirn verschiedene Moleküle ablagern und ansammeln, sogenannte Amyloid-Plaques und Tau-Proteine. Außerdem kommt es zu einem Untergang der Nervenzellen, dem Verlust ihrer Verbindungen (Synapsen) untereinander und zu einer Schrumpfung des Gehirns insgesamt. Warum genau ein Patient oder eine Patientin an Alzheimer erkrankt ist, bleibt meist unklar. Ein kleiner Teil der Alzheimer-Demenzen - insbesondere, wenn sie vor dem 65. Lebensjahr auftreten - ist genetisch bedingt. Bei den meisten Fällen spielen die Gene aber vermutlich nur eine untergeordnete Rolle.
Vaskuläre Demenz durch Gefäßschäden
Bei der vaskulären Demenz weiß man bereits mehr über die Ursachen: Schädigungen in den Hirngefäßen führen hier zur Erkrankung. Für die Gefäßschäden kann ein langjähriger Bluthochdruck verantwortlich sein. Es können aber auch winzige Einblutungen in den Hirngefäßen eine vaskuläre Demenz auslösen. Die vaskuläre Demenz macht etwa 15 Prozent aller Demenzen aus.
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Seltenere Demenzformen
Es existieren noch eine Reihe anderer Demenzformen, die aber deutlich seltener als die Alzheimer-Erkrankung und die vaskuläre Demenz auftreten. Die häufigste unter diesen selteneren Formen ist die Lewy-Body-Demenz, bei der sogenannte Lewy-Körperchen nachweisbar sind und die auch mit Parkinson-Beschwerden einhergeht. Weitere seltenere Demenzformen sind die frontotemporale Demenz und Demenzen, die als Folge anderer Krankheiten wie seltenen Lebererkrankungen oder einer HIV-Infektion (Humanes Immunschwächevirus) entstehen können. Häufig kann es auch zu Mischformen kommen. So liegen etwa manchmal eine Alzheimer- und eine vaskuläre Demenz gleichzeitig vor.
Risikofaktoren: Was das Risiko für Demenz steigert
Es gibt keinen absolut sicheren Weg, um das Entstehen einer Demenz zu verhindern. „Man kann nichts falsch und alles richtig machen und doch eine Demenz entwickeln. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn man eine starke genetische Veranlagung für die Entwicklung einer Demenz hat. Das ist aber glücklicherweise recht selten“, sagt Professor Stefan Remy, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg.
Forschende haben 12 Faktoren ausfindig gemacht, die vorbeugend wirksam sein können gegen das Vergessen. Die Ergebnisse wurden aus Daten weltweit errechnet. Da sich die Lebensumstände, also die Ausgangslage in den Regionen unterscheiden, sind wohl nicht alle Faktoren in allen Ländern gleich bedeutend. In der sogenannten Livingston Studie kommt die internationale Expertenkommission zur Demenzprävention (International Commission on Dementia Prevention, Intervention ad Care) in der Zeitschrift Lancet zu dem Schluss, dass es neben genetischen und weiteren unbekannten und damit nicht vermeidbaren Ursachen auch etliche veränderbare Risikofaktoren für eine Demenz gibt. Die Vermeidung aller schädigenden Faktoren könnte bis zu 40 Prozent des Risikos senken und dazu beitragen, den kognitiven Abbau zu bremsen.
Die 12 identifizierten Risikofaktoren sind:
- geringe Bildung in jungen Jahren (7 Prozent)
- unbehandelte Schwerhörigkeit (8 Prozent)
- Hirnverletzungen (3 Prozent)
- Bluthochdruck (2 Prozent)
- Alkoholkonsum (1 Prozent)
- Adipositas mit BMI über 30 (1 Prozent)
- Rauchen (5 Prozent)
- Depression (4 Prozent)
- Soziale Isolation (4 Prozent)
- Bewegungsmangel (2 Prozent)
- Luftverschmutzung (2 Prozent)
- Diabetes (1 Prozent)
Die Faktoren 2 bis 6 sind wirksam, wenn sie bereits im mittleren Lebensalter berücksichtigt werden. Die Vermeidung der Faktoren 7 bis 12 kann in jedem Lebensalter zur Risikoreduktion beitragen, auch im höherem Lebensalter.
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Weitere Risikofaktoren sind:
- Bluthochdruck und Diabetes: Statistisch gesehen steht Bluthochdruck in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz. Der hohe Druck kann die Gefäße schädigen und so eine vaskuläre Demenz begünstigen. Auch Diabetes mellitus kann das Risiko für eine Demenz erhöhen. Hier können Gefäßschädigungen durch den erhöhten Blutzuckerwert eine Rolle spielen. Generell ist wichtig, den Blutdruck auf ein akzeptables Maß zu senken und die Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu haben.
- Blutfette und Übergewicht: Auch erhöhte Blutfettwerte und Adipositas - also deutliches Übergewicht - sollten aus Präventionssicht Beachtung finden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, erhöhte Werte zu senken und Adipositas zu behandeln.
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum: Rauchen geht mit einem erhöhten Demenz-Risiko einher, ebenso übermäßiger Alkoholkonsum. Beim Alkoholkonsum steigt das Risiko allerdings erst deutlich an, wenn tatsächlich ein jahrelanger Missbrauch stattgefunden hat.
Ein gesunder Lebensstil als Schutzschild
„In den allermeisten Fällen hat man es schon ein Stück weit unter Kontrolle, das Risiko für das Entstehen einer Demenz zu verringern“, sagt Stefan Remy. Das Vermeiden der genannten Risikofaktoren ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten, um das Risko einer Demenz zu reduzieren. Es gibt auch die Möglichkeit, mit einem gesunden Lebensstil die Vitalität des Körpers zu steigern, um Demenz vorzubeugen. Die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig. Es gibt Hinweise, dass eine gesunde Lebensweise das Risiko einer Demenz senken kann: So könnten sich damit etwa 40 Prozent aller Demenzfälle vermeiden oder verzögern lassen. Auch unabhängig von der Demenzprävention zahlt sich ein gesunder Lebensstil jedoch aus.
Sport und Bewegung
Wie viel körperliche Aktivität braucht es, um sich vor Demenz zu schützen? „Es gibt da nicht einen bestimmten Schwellenwert. Am besten richtet man sich nach den Empfehlungen für körperliche Bewegung und ruhig auch ein wenig nach dem eigenen Gefühl“, sagt Neurowissenschaftler Remy. Die WHO empfiehlt für Erwachsene bis 64 Jahren mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Damit ist beispielsweise schnelles Walken oder langsames Joggen gemeint. „Das kann man in etwa als Orientierung sehen“, so Remy. „Körperliche Bewegung grundsätzlich ist für das Gehirn eine Vitalitätskur, auch wenn es weniger als die empfohlenen 150 Minuten sind.“ Bewegung senkt hohen Blutdruck und hilft, frisches Blut ins Gehirn zu schicken. Außerdem bilden sich durch die Bewegung Muskeln, die Hormone produzieren. Im Tierversuch zeigte sich, dass diese sogenannten Myokine bis ins Gehirn wandern. Dort sorgen sie zum Beispiel dafür, dass bestimmte Wachstumsfaktoren vermehrt freigesetzt werden.
Laut Studien erkranken aktive Menschen daher zwischen 20 und 50 Prozent seltener an einer Demenz als Couchpotatos Experten empfehlen mindestens 150 Minuten moderate Aktivität (spazieren gehen, Wandern oder Nordic Walking) pro Woche oder 75 Minuten Sport bei hoher Intensität (Schwimmen Laufen oder Radfahren). Bei eingeschränkter Mobilität wird an drei oder mehr Tagen pro Woche zu Übungen geraten. Als geeignet wird aerobes Ausdauertraining, Krafttraining oder ein Multikomponententraining erachtet.
Ausgewogene Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung, die sich an den aktuellen Empfehlungen orientiert, geht mit einer besseren kognitiven Leistung einher, also mit einer besseren Denkfähigkeit. Das zeigen verschiedene Beobachtungsstudien. Klinische Studie ergeben hierzu jedoch kein einheitliches Bild. Fest steht, dass eine ausgewogene Ernährung das Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes senken kann. Weil diese Erkrankungen das Demenz-Risiko steigern, kann eine ausgewogene Ernährung so indirekt auch das Risiko für die Entwicklung einer Demenz reduzieren.
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Laut der WHO enthält sie die tägliche Aufnahme von mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse und höchstens 50 Gramm freiem Zucker. Weniger als 30 Prozent der aufgenommenen Energie sollte von Fetten stammen und der Salzkonsum sollte bei weniger als 5 Gramm pro Tag liegen. All dies erfüllt beispielsweise die sogenannte Mittelmeer-Diät, eine Ernährungsweise, die von der WHO auch zur Demenzprävention empfohlen wird. Die Mittelmeer-Diät steht vor allem auf fünf Säulen: Obst, viel Gemüse, wenig weißes Fleisch, Oliven und Knoblauch.
Hochverarbeitetes Fleisch wie Wurstprodukte, aber auch andere hochverarbeitete Produkte, denen oft größere Mengen Zucker oder Salz zugesetzt sind, gehören nicht zu einer gesunden Ernährung.
Gehirnjogging
Wer geistig aktiv ist, bleibt eher geistig flexibel und erhält oder steigert gar die Intelligenz. Dies ist eine weit verbreitete Vorstellung. Aber senkt geistige Aktivität auch das Demenz-Risiko? Womöglich ja, vielleicht hat geistige Aktivität aber auch keinen Einfluss auf das Demenz-Risiko. Denn bislang konnten wissenschaftliche Studien hier kaum einen Zusammenhang finden. Trotzdem listet die WHO in ihren Empfehlungen zur Demenzprävention zumindest auch die Möglichkeit auf, dass man mittels Gehirnjogging einer Demenz ein Stück weit vorbeugen kann. In der Praxis lässt sich das Gehirn auf ganz verschiedene Arten auf Trab halten, sei es durch eine geistig anspruchsvolle Arbeit, regelmäßige Denksportübungen oder das Erlernen einer Fremdsprache oder eines Instruments.
Auch Stefan Remy ist überzeugt davon, dass ein geistig aktives Leben vor Demenz schützen kann: „Die kognitive Vitalität stärken, indem man sich immer wieder neuen Dingen zuwendet und Bekanntes vertieft, das ist für das Gehirn ein Segen“, sagt der Neurowissenschaftler. Darüber hinaus empfiehlt er, soziale Kontakte zu pflegen, also soziale Aktivität: Freunde und Familie regelmäßig treffen, an Veranstaltungen teilnehmen und sich mit anderen austauschen.
Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention: Wie Mikronährstoffe helfen, Alzheimer vorzubeugen
Demenz-Prävention wird zur Schlüsselfrage unserer Zeit. Alzheimer und andere Demenzerkrankungen betreffen schon heute über eine Million Menschen in Deutschland - und die Zahlen steigen weiter. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang keine heilende Medikamententherapie. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig gegenzusteuern. Ein vielversprechender Weg liegt in der orthomolekularen Medizin. Durch gezielten Einsatz von Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Mikronährstoffen lässt sich die Gehirngesundheit aktiv unterstützen - und das Risiko für Demenz nachweislich senken.
Studien zeigen: Bestimmte Nährstoffe und Lebensstilfaktoren können nicht nur das Fortschreiten einer beginnenden Demenz verlangsamen, sondern auch präventiv wirken - vor allem, wenn sie frühzeitig und individuell abgestimmt eingesetzt werden.
Was ist orthomolekulare Medizin? (Nach Linus Pauling)
Die orthomolekulare Medizin wurde in den 1960er Jahren vom zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling geprägt. Der Begriff bedeutet wörtlich „die richtigen Moleküle“ - gemeint ist die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Aminosäuren, Fettsäuren etc.), um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Pauling und Mitstreiter wie der Psychiater Abram Hoffer entdeckten früh, dass biochemische Ungleichgewichte und Nährstoffmängel zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen. Das Ziel der orthomolekularen Medizin ist es, diese Ungleichgewichte durch gezielte Nahrungsergänzung zu korrigieren und so eine optimale physiologische Umgebung im Körper zu schaffen. Besonders in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen - einschließlich neurodegenerativer Krankheiten - setzt die orthomolekulare Medizin auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten.
Orthomolekulare Psychiatrie beschäftigt sich speziell mit der Rolle von Nährstoffen für die mentale Gesundheit und Gehirnfunktion . Hierbei wird berücksichtigt, dass jeder Mensch eine einzigartige genetische Ausstattung und Biochemie besitzt, die den individuellen Nährstoffbedarf beeinflusst. So kann z.B. ein angeborener B-Vitamin-Stoffwechseldefekt einen höheren Bedarf an bestimmten Vitaminen erfordern. Orthomolekulare Therapeut*innen (oft Ärzte oder Heilpraktiker mit Zusatzwissen) erstellen daher personalisierte Nährstoffpläne, basierend auf Laborwerten und Anamnese, um Mängel auszugleichen und Schutzfaktoren zu optimieren.
Alzheimer verstehen: Pathophysiologie und Angriffspunkte für Mikronährstoffe
Alzheimer-Demenz ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, bei der über Jahrzehnte schleichend Gehirnzellen (Neuronen) absterben und geistige Fähigkeiten verloren gehen. Typisch sind Eiweißablagerungen im Gehirn - Beta-Amyloid-Plaques außerhalb der Zellen und Tau-Fibrillen innerhalb der Neuronen. Diese Veränderungen gehen mit chronischen Entzündungsreaktionen, oxidativem Stress, Störungen im Energiestoffwechsel und Synapsenverlust einher . Viele Faktoren tragen dazu bei, dass diese Pathologie entsteht: Genetische Veranlagung (z.B. APOE4-Gen), ein höheres Lebensalter, aber auch Lebensstil und Umweltfaktoren. Letztere sind zugleich Ansatzpunkte für Prävention: Durch positive Einflussnahme auf Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress und Nährstoffversorgung lassen sich die schädlichen Prozesse im Gehirn abschwächen.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass pathologische Veränderungen bei Alzheimer Jahrzehnte vor den ersten Symptomen beginnen . Diese lange stille Phase eröffnet ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:
- Antioxidativer Schutz: Das Gehirn verbraucht sehr viel Sauerstoff und Energie, wodurch viele freie Radikale entsteht. Oxidativer Stress schädigt Nervenzellen und fördert Plaquebildung. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen. In Alzheimer-Studien fand man tatsächlich oft niedrige Spiegel dieser Antioxidantien bei Patienten. Eine ausreichende Versorgung hiermit könnte die Hirnzellen resistenter machen und das Risiko kognitiven Abbaus reduzieren.
- Entzündungshemmung: Chronische Neuroinflammation (Entzündung im Gehirn) trägt wesentlich zur Alzheimer-Entstehung bei. Einige Nährstoffe wirken entzündungsmodulierend - z.B. Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) aus Fischöl, die als Vorstufe von entzündungsauflösenden Botenstoffen dienen. Auch Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe (z.B. Curcumin aus Kurkuma oder Resveratrol aus Trauben) haben antientzündliche Effekte im Nervensystem gezeigt.
- Homocystein und Gefäßgesundheit: Ein oft übersehener Risikofaktor ist der Aminosäurestoffwechsel. Hohe Homocysteinspiegel im Blut korrelieren mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko und verstärktem Gehirnabbau. Homocystein schädigt Gefäße und fördert Neurodegeneration, hemmt sogar die Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese) im Hippocampus. Ursache erhöhter Homocysteinwerte ist meist ein Mangel an B-Vitaminen (B₆, B₁₂ und Folsäure), die Homocystein abbauen. Fehlen diese Vitamine, kann Homocystein sich anreichern. B-Vitamine sind daher ein wichtiger Angriffspunkt: Studien zeigen, dass eine Homocystein-Senkung durch Vitamin B6, B12 und Folsäure den Hirnabbau bei gefährdeten Personen verlangsamen kann. Ein hoher Homocysteinwert ist ein Warnsignal und sollte durch entsprechende Vitamin-Gaben normalisiert werden.
- Energiehaushalt und Insulinsignalwege: Das Gehirn von Alzheimer-Patienten weist Zeichen einer Insulinresistenz und mitochondrialen Dysfunktion auf - teils wird Alzheimer sogar als „Diabetes Typ 3“ bezeichnet. Die Neuronen können Glukose schlechter verwerten und „verhungern“ sozusagen inmitten von Überfluss. Hier könnten ketogene Ansätze helfen (siehe unten), aber auch Mikronährstoffe: B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen. Eine Meta-Analyse von 21 Studien ergab, dass z.B. Acetyl-L-Carnitin (ein Nährstoff zur Mitochondrien-Unterstützung) bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und mildem Alzheimer zu einer leichten Verbesserung von Kognition, Stimmung und Gehirnenergie führte .Auch NADH (ein Coenzym) zeigte in ersten klinischen Tests, dass es den Krankheitsverlauf stabilisieren und die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern kann . Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Verbesserung der Hirn-Energieversorgung durch orthomolekulare Nährstoffe ein aussichtsreicher Pfad ist.
- Neurotransmitter und Synapsen: Gewisse Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn). Zum Beispiel benötigt die Bildung von Acetylcholin (wichtig für Gedächtnis) ausreichend Cholin und Vitamin B5. Vitamin B1 (Thiamin) ist essenziell für die Glukoseverwertung im Gehirn; Thiaminmangel (Wernicke-Korsakow-Syndrom) führt zu schweren Gedächtnisstörungen. In kleinen Alzheimer-Studien verbesserten sich kognitive Funktionen unter hochdosierter Thiamin-Gabe. Orthomolekulare Therapie achtet daher auf eine optimale Versorgung aller neuralen Bausteine, um Neurotransmitterhaushalt und Synapsenfunktion zu unterstützen.
- Amyloid-Clearance: Ein Ziel ist auch, die Entsorgung von Amyloid-Proteinen zu fördern. Das Immunsystem im Gehirn (Mikroglia) sowie spezifische Enzyme sind daran beteiligt. Vitamin D hat sich hier als wichtig herausgestellt: Es moduliert die Immunabwehr und fördert in Laborversuchen die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen . Ein guter Vitamin-D-Status könnte somit helfen, Amyloid-Ablagerungen vorzubeugen oder zu vermindern. Zusätzlich wird diskutiert, dass Curcumin (Gelbwurz) an Amyloid binden und dessen Verklumpung hemmen kann (zumindest im Tierversuch). Pflanzliche Polyphenole generell unterstützen zelluläre Reinigungs- und Reparaturprozesse.
Zusammengefasst: Alzheimer entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel schädlicher Prozesse, die jedoch an vielen Stellen durch Nährstoffe positiv beeinflusst werden können. Orthomolekular bedeutet, alle Puzzleteile zu berücksichtigen: Oxidativen Stress reduzieren, Entzündungen dämpfen, Mitochondrien stärken, Gefäßgesundheit und Homocystein optimieren, Neurotransmitter unterstützen und schädliche Proteine abbauen. Kein einzelnes Vitamin wird Alzheimer verhindern - aber das orchestrierte Zusammenspiel vieler Mikronährstoffe plus eines gesunden Lebensstils kann ein robustes Schutznetz spannen, das den Ausbruch der Demenz verzögert oder im Idealfall ganz verhindert.
Wichtigste Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention (mit Studienlage)
In diesem Kapitel stellen wir die bedeutendsten Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe vor, die laut Forschung eine Rolle bei der Vorbeugung von Alzheimer-Demenz spielen. Dabei betrachten wir jeweils ihre Funktion im Gehirn, Anzeichen eines Mangels, sowie aktuelle Studienergebnisse zur Alzheimer-Prävention.
Zentrale Nährstoffe für die Gehirngesundheit:
- B-Vitamine (B₆, B₁₂, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor. Hohe Homocysteinwerte durch B-Vitamin-Mangel steigern das Demenzrisiko . Studien: Hochdosierte B-Vitamine verlangsamen Hirnschwund bei leichter kognitiver Störung .
- Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende „Brain Food“-Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen. Korrelieren mit niedrigerem Demenzrisiko (Fischesser erkranken seltener) . Beobachtung: Fischöl-Supplementierung war mit ~9% weniger Demenzfällen assoziiert (über 11 Jahre) .
- Vitamin D: Hormonähnliches „Sonnenvitamin“, wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn. Mangel erhöht laut Beobachtungsstudien das Alzheimer-Risiko deutlich . Eine große Studie zeigte 40% geringere Demenzrate bei älteren Menschen mit Vitamin-D-Supplementierung .
- Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn. Bei Alzheimer häufig zu niedrige Spiegel gemessen . Ausreichende Versorgung könnte kognitive Verschlechterung verlangsamen.
- Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung. Tiermodelle deuten an, dass Magnesiumpräparate die Lernfähigkeit verbessern; epidemiologische Daten verknüpfen höhere Magnesium-Aufnahme mit besserer Hirnleistung im Alter.
- Zink & Selen: Spurenelemente, essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen. Ein Mangel an Zink oder Selen stört die Bildung neuer Neuronen und erhöht das Demenzrisiko .
- Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle). Erste Studien bei Demenz zeigen verbesserte Energieversorgung und leichte kognitive Vorteile .
- Lithium (Spurenelement): In sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn. Regionen mit lithiumarmem Trinkwasser verzeichnen mehr Demenz und Suizide. Mikrodosierungen Lithium könnten das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen .
B-Vitamine (B₆, B₉, B₁₂): Homocystein senken, Gehirn schützen
Die Vitamine B₆ (Pyridoxin), B₉ (Folat) und B₁₂ (Cobalamin) sind Schlüsselstoffe für das Nervensystem. Sie werden für die Myelinisierung (Schutzschicht der Nervenfasern), die DNA-Reparatur und die Bildung von Neurotransmittern benötigt. Besonders bekannt ist ihre Rolle im Homocystein-Stoffwechsel: Gemeinsam wandeln sie das Zellgift Homocystein in Methionin bzw. Cystein um. Ein Überschuss an Homocystein wirkt gefäßschädigend (Arteriosklerose) und ist neurotoxisch - es fördert die Apoptose (Zelltod) und stört die Entstehung neuer Gehirnzellen.
Im Rahmen der Demenzprävention wird empfohlen, bei Erwachsenen (insbesondere ab 50+) den Homocysteinwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht (>10-12 µmol/L), sollte nach Rücksprache mit dem Arzt eine B-Vitamin-Supplementierung erfolgen, typischerweise: Folsäure 400-800 µg, B₆ ca. 20 mg, B₁₂ ca. 500-1000 µg täglich. Oft werden Kombipräparate eingesetzt. Auch ohne Homocystein-Erhöhung kann eine moderate Supplementierung sinnvoll sein, wenn z.B. ein niedrig-normaler B₁₂-Spiegel (<300 pg/ml) oder wenig B-vitaminreiche Kost vorliegt (typisch bei vegetarischer/veganer Ernährung, hier insbesondere auf B₁₂ achten!). Da B-Vitamine wasserlöslich sind, werden überschüssige Mengen ausgeschieden; dennoch sollte eine hochdosierte Einnahme mit dem Therapeuten abgestimmt werden.
Vitamin B₁₂ sollte im Alter regelmäßig kontrolliert werden - schätzungsweise 10-30% der Senioren haben einen Mangel, der zu irreversiblen Nervenschäden führen kann. Ein unbehandelter B₁₂-Mangel kann demenzähnliche Symptome hervorrufen. Hier hilft ggf. eine gezielte hochdosierte Therapie (oral oder per Spritze).
Weitere Maßnahmen zur Demenzprävention
Neben den bereits genannten Aspekten gibt es weitere Faktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen können:
- Vermeidung von Kopfverletzungen: Auch vorerst unbemerkte kleine Schäden können in der Summe das Gehirn belasten. Verzicht auf Kopfbälle und ein Fahrradhelm schützen das empfindliche Gehirn.
- Soziale Interaktion: Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur selten Kontakt zu anderen hat - zum Beispiel, wenn er allein lebt, kaum Besuch bekommt oder nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Eine solche Isolation kann das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken. Gespräche, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten halten es wach und leistungsfähig.
- Vermeidung von Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen. Vor allem Feinstaub steht im Verdacht, das Demenzrisiko zu erhöhen.
- Ausgleich von Sehschwächen: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren. Studien zeigen: Menschen mit unbehandelten Sehschwächen haben ein deutlich höheres Risiko, an Demenz zu erkranken.