7 Stufen der Alzheimer-Demenz: Ein umfassender Überblick

Demenz ist ein neurologisches Krankheitsbild, das vor allem durch den fortschreitenden Verlust der kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Das Wort Demenz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "ohne Geist" oder "weg vom Geist". Es handelt sich um ein Syndrom, das unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft etwa 70 Prozent aller Demenzkranken. Schätzungsweise leben in Deutschland 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Es ist wichtig zu verstehen, dass Demenz keine normale Alterserscheinung ist, auch wenn sie im höheren Alter häufiger auftritt.

Demenzformen: Ein Überblick

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Demenz.

Primäre Demenz

Bei der primären Demenz liegt die Ursache in einer Erkrankung des Gehirns selbst. Man unterscheidet zwischen neurodegenerativen und vaskulären Demenzen.

Neurodegenerative Demenzen

Bei neurodegenerativen Demenzen gehen Nervenzellen im Gehirn allmählich verloren. Zu dieser Gruppe gehören:

  • Alzheimer-Demenz: Die häufigste Form der Demenz, bei der Betroffene zunehmend vergesslicher und desorientierter werden.
  • Frontotemporale Demenz: Hier sterben vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich ab, was zu Veränderungen der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens führt.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Ähnlich der Alzheimer-Demenz, jedoch mit zusätzlichen Symptomen wie Halluzinationen und motorischen Störungen.
  • Parkinson-Demenz: Demenzsymptome, die im Zusammenhang mit einer Parkinson-Erkrankung auftreten können.

Vaskuläre Demenzen

Vaskuläre Demenzen entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu Schädigungen und Absterben von Nervenzellen führen. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Der Verlauf von Demenz im Detail

  • Multi-Infarkt-Demenz: Verursacht durch mehrere Schlaganfälle.
  • Morbus Binswanger: Eine Form der vaskulären Demenz, die schleichend beginnt und sich schubweise verschlimmert.

Sekundäre Demenz

Sekundäre Demenzen entstehen als Folge anderer Grunderkrankungen oder durch äußere Einflüsse, wie z.B.:

  • Depressionen
  • Alkoholsucht
  • Medikamentenmissbrauch
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Mangelernährung
  • Vergiftungserscheinungen

Die 7 Stadien der Alzheimer-Demenz nach Reisberg

Ein häufig genutztes Modell zur Einteilung der Demenz-Stadien ist die Reisberg-Skala, auch bekannt als Global Deterioration Scale (GDS). Sie beschreibt den Verlauf der Alzheimer-Krankheit in sieben Stadien, wobei die Symptome von leichter Vergesslichkeit bis hin zum vollständigen Verlust der Kontrolle über den Körper reichen. Es ist wichtig zu beachten, dass der Verlauf der Demenz individuell ist und nicht bei allen Menschen die gleichen Symptome auftreten oder die Krankheit gleich schnell fortschreitet.

Stadium 1: Keine Beeinträchtigung

In diesem Stadium sind keine Einbußen im Bereich der kognitiven Fähigkeiten erkennbar. Die Person hat keine Gedächtnisprobleme.

Stadium 2: Sehr leichte kognitive Beeinträchtigung

Die individuelle Gehirnleistung ist geringfügig gemindert. Betroffene vergessen Namen oder verlegen häufig Gegenstände. Die Person hat das Gefühl, Gedächtnislücken zu haben. Da die Symptome in diesem Stadium denen einer leichten Vergesslichkeit gleichen und auch durch den ganz normalen Alterungsprozess bedingt sein können, ist eine Diagnose zu diesem frühen Zeitpunkt eher schwierig.

Stadium 3: Leichter kognitiver Rückgang

Die kognitiven Einschränkungen fallen noch relativ gering aus, nehmen aber allmählich zu. Freunde, Familienangehörige oder Arbeitskollegen bemerken erste Schwierigkeiten. So leiden Betroffene immer häufiger unter Wortfindungsstörungen, haben Schwierigkeiten beim Beschreiben von Gegenständen oder vergessen regelmäßig Namen und Termine. Oftmals ist auch die allgemeine Leistungsfähigkeit vermindert und es besteht eine Neigung zu depressiven Verstimmungen. Schwierigkeiten bei der Durchführung komplexer Aufgaben. Es kommt zu beginnenden Defiziten des Gedächtnisses und der Konzentration.

Lesen Sie auch: Wie effektiv ist NeuroNation?

Stadium 4: Mäßiger kognitiver Rückgang

Die Demenz wird für Angehörige immer augenfälliger, denn der:die Erkrankte leidet nun unter kognitiven Einschränkungen, die über eine normale Vergesslichkeit weit hinausgehen. Insbesondere das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, aber auch wichtige Ereignisse aus der persönlichen Vergangenheit geraten zunehmend in Vergessenheit. Es kommt zum allmählichen Rückzug aus dem sozialen Leben und das Risiko für Depressionen nimmt zu. Vergessen kürzlich stattgefundener Ereignisse. Schwierigkeiten bei Rechenaufgaben, etwa beim Rückwärtszählen in größeren Schritten. Probleme bei komplexen Tätigkeiten, wie der Planung einer Essenseinladung. Lücken im Gedächtnis, die die eigene Vergangenheit betreffen. Betroffene nehmen zunehmend wahr, dass sie vergesslicher werden und etwas mit ihnen nicht stimmt.

Stadium 5: Mittelschwerer kognitiver Verfall

Es liegt eine mittlere bis mäßige Demenz vor. Es kommt häufig zu Denk- und Gedächtnislücken, die den Alltag erschweren und Hilfestellung durch Dritte erforderlich machen. Beispielsweise wissen Betroffene häufig nicht mehr, welcher Wochentag gerade ist und wo sie sich befinden. Auch Verwandte und Freund:innen werden nicht immer erkannt. Gedächtnis- und Denklücken machen sich bemerkbar, und die Betroffenen beginnen, Hilfe bei alltäglichen Aktivitäten zu benötigen. Sie können sich oft nicht mehr an ihre eigene Adresse erinnern und verlieren die Orientierung in Bezug auf Zeit und Ort. Das eigenständige Auswählen wettergerechter Kleidung fällt ihnen schwer, und selbst einfaches Kopfrechnen bereitet große Schwierigkeiten.

Stadium 6: Schwerer kognitiver Verfall

Ärzt:innen ordnen die Demenzerkrankung in Stadium 6 ein, handelt es sich um eine schwere bzw. fortgeschrittene Demenz. Das Denk- und Wahrnehmungsvermögen ist stark vermindert und die Persönlichkeit verändert sich drastisch. Hilfe bei alltäglichen Handlungen ist spätestens jetzt unverzichtbar. Selbst engste Verwandte werden nicht mehr erkannt, es kommt zu Misstrauen, Wahnvorstellungen und starken Stimmungsschwankungen. Oftmals verlieren Betroffene auch die Kontrolle über Blase und Darm. Das Gedächtnis verschlechtert sich weiter. Ss kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen und die Betroffenen benötigen umfangreiche Hilfe bei den täglichen Aktivitäten. In dieser Phase, die der mittelschweren bis mittleren Alzheimer-Demenz entspricht, verschlechtert sich das Wahrnehmungsvermögen und auch die Persönlichkeit des Betroffenen verändert sich oft merklich bis drastisch. Hilfe wird bei fast allen alltäglichen Aufgaben benötigt, wie beim An- und Ausziehen oder beim Essen. Selbst kürzlich Geschehenes kann nicht mehr gespeichert oder abgerufen werden, und enge Familienmitglieder wie Partner, Kinder oder Geschwister werden nicht mehr erkannt. Der Alltag ist häufig geprägt von Wahnvorstellungen, Misstrauen, zwanghaftem Verhalten und starken Stimmungsschwankungen. Auf körperlicher Ebene treten Kontrollverlust über Blase und Darm sowie Veränderungen im Schlafverhalten auf.

Stadium 7: Sehr schwerer kognitiver Abbau

Dies ist das Endstadium der Demenz. Erkrankte können sich nicht mehr oder kaum noch verständlich machen und verlieren zunehmend die Kontrolle über ihren Körper. Sie leiden im Endstadium der Demenz unter Schluckbeschwerden, verkümmerten Reflexen und können letztlich den Kopf nicht mehr hochhalten. Da es im Endstadium der Demenz zur Nahrungsverweigerung kommen kann, drohen Erkrankte auch zu verhungern. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist in dieser Phase also unverzichtbar. Schließlich geht die Aufmerksamkeit gänzlich verloren und der Geist wird - sofern sich das beurteilen lässt - vollständig nach innen gerichtet. Im Endstadium der Krankheit verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, auf ihre Umwelt zu reagieren, ein Gespräch zu führen und schließlich auch ihre Bewegungen zu kontrollieren. Sie können zwar noch Wörter oder Sätze sagen, brauchen aber Hilfe bei der täglichen Körperpflege, z.B. beim Essen oder bei der Benutzung der Toilette. Sie können auch die Fähigkeit verlieren, zu lächeln, ohne Unterstützung zu sitzen und den Kopf hochzuhalten. Die Reflexe werden abnormal, die Muskeln werden steif, und das Schlucken ist beeinträchtigt. Stufe sieben markiert das tragische Endstadium der Krankheit: Betroffene können sich nicht mehr mit ihrer Umwelt verständigen und keine Unterhaltungen führen. Selbst grundlegende Fähigkeiten wie Lächeln, den Kopf gerade halten oder aufrecht sitzen gehen verloren. Die Muskulatur versteift sich zunehmend, und auch das Schlucken wird immer schwieriger.

Weitere Skalen zur Demenz-Einstufung: Die ADL-Skala

Neben der Reisberg-Skala kommen bei der Einstufung einer Demenzerkrankung auch weitere Skalen zum Einsatz, unter anderem die ADL-Skala. ADL steht für „Activites of Daily Living“, zu Deutsch: „Aktivitäten des täglichen Lebens“. Hierbei handelt es sich um alltägliche, wiederkehrende Tätigkeiten, deren Zweck die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse (physisch und psychisch) ist. Die Skala dient also der Messung der Alltagskompetenz von Patient:innen mit Demenzerkrankungen sowie ganz allgemein von Pflegebedürftigen.

Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung

Es gibt verschiedene ADL-Systeme, wobei die ADL-Skala nach Barthel - der sogenannte Barthel-Index - besonders weit verbreitet ist. Bei der Demenz-Einstufung nach Barthel werden verschiedene Kategorien mit 0, 5 oder 10 Punkten bewertet, der maximal erreichbare Score-Wert beträgt 100. Je höher die erreichte Punktzahl, umso selbstständiger ist die Person. Die Bewertungskategorien sind:

  • Essen
  • Baden
  • Körperpflege
  • An- und Auskleiden
  • Stuhlkontrolle
  • Urinkontrolle
  • Toilettenbenutzung
  • Bett-/Stuhltransfer
  • Mobilität
  • Treppensteigen

Allerdings ist die ADL-Skala allein nicht aussagekräftig, denn selbst aus einem Score-Wert von 100 ergibt sich lediglich, dass eine Person die genannten Aktivitäten selbstständig durchführen kann.

Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz

Es gibt mehrere Risikofaktoren, die das Risiko für die Entwicklung der Alzheimer-Demenz erhöhen können. Diese lassen sich in veränderbare und nicht veränderbare Faktoren unterteilen:

Nicht veränderbare Risikofaktoren:

  • Alter: Das Risiko für Alzheimer steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Betroffenen sind über 65 Jahre alt, und das Risiko verdoppelt sich alle fünf Jahre nach dem 65. Lebensjahr.
  • Genetik: Vererbung spielt eine wichtige Rolle. Wenn nahe Verwandte, wie Eltern oder Geschwister, an Alzheimer erkrankt sind, steigt das Risiko. Besonders das ApoE4-Gen ist mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden.
  • Geschlecht: Frauen haben ein höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, möglicherweise aufgrund biologischer Unterschiede oder längerer Lebenserwartung.
  • Familiengeschichte: Eine genetische Veranlagung kann das Risiko für die Entwicklung der Krankheit erhöhen. Wenn mehrere Familienmitglieder betroffen sind, ist das Risiko höher.

Veränderbare Risikofaktoren:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte und Herzkrankheiten können die Gefahr für Alzheimer erhöhen.
  • Körperliche Inaktivität: Ein Mangel an Bewegung kann das Risiko steigern. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Gehirngesundheit und reduziert das Alzheimer-Risiko.
  • Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung, die reich an gesättigten Fetten und Zucker ist, kann das Risiko erhöhen.

Leben mit Demenz: Herausforderungen und Unterstützung

Der Verlauf einer Demenz ist schleichend und progressiv - beginnt also langsam und unauffällig, verschlimmert sich aber im Laufe der Zeit. Grundsätzlich verläuft die Erkrankung jedoch bei jedem Menschen individuell. Dabei kann es auch kürzere oder längere Phasen der Stabilität geben. Auf welche Art und in welchem Tempo eine Demenz verläuft, hängt nicht zuletzt von der Demenzform sowie von individuellen Faktoren (Alter, weitere Begleiterkrankungen etc.) ab. Gleiches gilt für die Antwort auf die Frage, wie in den einzelnen Demenz-Stadien die Lebenserwartung ist. Nach einer Alzheimer-Diagnose leben Menschen durchschnittlich noch sieben bis zehn Jahre, während andere Demenzformen auch mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen können.

Herausforderungen im Alltag

Die Herausforderungen im Alltag mit einem Demenzkranken sind sehr individuell. Sie hängen von der Persönlichkeit des Betroffenen, dem Stadium der Krankheit, den äußeren Lebensumständen sowie den Stärken und Schwächen der betreuenden Person ab. Entsprechend müssen auch die Lösungen für diese Probleme maßgeschneidert sein.

Ein fundiertes Wissen über die Krankheit schafft Sicherheit im Umgang und trägt dazu bei, Enttäuschungen und unnötige Resignation zu vermeiden. Angehörige sollten sich daher umfassend über Demenz informieren, um bestmöglich auf die Bedürfnisse des Betroffenen eingehen zu können.

Tipps für den Umgang mit Demenzkranken:

  • Persönliche Würde wahren: Menschen mit Demenz sollten so akzeptiert werden, wie sie sind, da eine Veränderung nicht möglich ist. Angehörige sollten die Bedürfnisse und die Wahrnehmung der Betroffenen respektieren und annehmen, während sie gleichzeitig lernen, Kritik und unnötige Zurechtweisungen zu vermeiden.
  • Eigenständigkeit wahren: Eigenständigkeit ist wichtig für das Wohlbefinden, sowohl bei Gesunden als auch bei Kranken. Deshalb sollte man den Betroffenen nicht alle Aufgaben abnehmen, nur weil sie schwieriger werden. Durch vereinfachte Kleidung, das Aufteilen von Aufgaben in einzelne Schritte und gezielte Unterstützung kann oft viel Selbstständigkeit bewahrt werden.
  • Kommunikation: Die Kommunikation mit Demenzkranken erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen. Es ist wichtig, einfache und klare Sprache zu verwenden, den Betroffenen ausreichend Zeit zum Antworten zu geben und Missverständnisse zu vermeiden. Nonverbale Signale wie Mimik und Gesten können dabei helfen, eine Verbindung herzustellen. Der Fokus sollte auf positiven, beruhigenden Aussagen liegen, um Sicherheit und Vertrauen zu fördern.
  • Emotionale Unterstützung: Seien Sie geduldig und unterstützen Sie den Patienten emotional, wenn er Frustration oder Angst ausdrückt.
  • Orientierungshilfen: Stellen Sie visuelle Hilfen wie Uhren, Kalender oder Fotos auf, um den Patienten bei der Orientierung zu unterstützen.
  • Selbstpflege nicht vergessen: Die Pflege eines Alzheimer-Patienten kann emotional und physisch anstrengend sein.

Neue Therapieansätze

Seit 2023 stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Diese bauen aktiv Amyloid-Plaques ab, Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen. Derartige Therapien können jedoch nur wirken, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Einsatz kommen. Voraussetzung ist eine frühe Diagnose, an der es in Deutschland oft mangelt.

tags: #7 #stufen #der #alzheimer #demenz