Kopfschmerzen sind weit verbreitet, und die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet über 200 Arten. Migräne, eine davon, betrifft etwa 14 % der Bevölkerung. Die gute Nachricht: Bei vielen Betroffenen lässt die Migräne im Laufe des Lebens nach.
Kopfschmerzarten und ihre Häufigkeit
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener betont, dass es im Wesentlichen vier häufige Kopfschmerzarten gibt:
- Spannungskopfschmerz: Betrifft 60 bis 70 % der Bevölkerung, ein dumpf-drückender Schmerz von mittlerer Intensität, oft mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln behandelbar.
- Migräne: Betrifft 14 % der Bevölkerung, wobei nur ein Drittel auf Analgetika anspricht. Die übrigen sind auf verschreibungspflichtige Migränemittel angewiesen.
- Kopfschmerzen als Begleiterscheinung: Treten bei fieberhaften Erkrankungen auf.
- Kopfschmerzen durch Alkoholgenuss: Der bekannte "Kater".
Migräne: Eine neurologische Erkrankung
Migräne ist mehr als nur ein "böser Kopf". Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken können von wenigen Stunden bis zu drei Tagen andauern und gehen oft mit Begleitsymptomen einher:
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit
- Ruhebedürfnis und Rückzugstendenz
Etwa 15-25 % der Migränepatienten erleben eine Aura vor dem Kopfschmerz, die sich durch neurologische Symptome wie Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen äußern kann.
Die Ursache der Migräne liegt in einer Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren im Gehirn und der Ausschüttung von schmerzvermittelnden Botenstoffen, die eine Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute auslösen. Eine genetische Veranlagung spielt ebenfalls eine Rolle.
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Migräne im Kindesalter
Die Migräne kann bereits im Kindesalter auftreten, wobei etwa 4 bis 5 % der Kinder betroffen sind. Vor der Pubertät sind Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen, danach tritt sie bei Mädchen häufiger auf. Migräneattacken bei Kindern können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden:
- Die Attacken sind oft kürzer und weniger charakteristisch.
- Bauchschmerzen, Übelkeit und Schwindel können stärker ausgeprägt sein.
- Die Schmerzen treten häufig beidseitig auf.
- Es gibt spezielle Migränevarianten wie die "Bauchmigräne".
Viele betroffene Kinder hören auf zu spielen oder zu lernen, sind blass und legen sich freiwillig hin, um zu schlafen. Die Diagnose kann schwierig sein, da Kinder ihre Empfindungen oft nicht genau beschreiben können.
Ab wann lässt die Migräne nach? Veränderungen im Laufe des Lebens
Migräne unterliegt im Laufe des Lebens Veränderungen. Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden im Alter, oft zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Bei manchen verschwindet die Migräne sogar ganz. Dies kann sich äußern durch:
- Verkürzung der Kopfschmerzzeiten
- Schwächer ausgeprägte Begleitsymptome
- Auraerscheinungen ohne Kopfschmerzen
Eine Erklärung für das Nachlassen der Migräne im Alter könnte sein, dass die Überaktivität der Hirnrinden, die bei Migräne nachweislich besteht, mit zunehmendem Alter abnimmt. Bei Frauen spielen möglicherweise auch die Wechseljahre eine Rolle, da der Wegfall der monatlichen Hormonschwankungen einen häufigen Trigger für Migräne beseitigt.
Vorsicht bei erstmaligem Auftreten im höheren Alter
Wenn migräneartige Kopfschmerzen im Alter zum ersten Mal auftreten, ist Vorsicht geboten. In diesem Fall sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen. Denn im Alter treten Kopfschmerzen häufiger als Folge anderer Erkrankungen auf (sekundäre Kopfschmerzen), wie z.B.:
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- Schlecht angepasste Brillengläser
- Schlafapnoe
- Bluthochdruck
- Neuralgien oder Neuropathien
- Nebenwirkungen von Arzneimitteln
Auch Spannungskopfschmerzen oder Clusterkopfschmerzen können im Alter auftreten. Ungewöhnlich starke oder anfallsartige Kopfschmerzen gehören in ärztliche Behandlung.
Migräne mit Aura im Alter
Bei älteren Menschen können visuelle Auraerscheinungen auch ohne Kopfschmerzen auftreten. Diese müssen nicht immer auf eine Migräne zurückzuführen sein. Es ist wichtig, ungewöhnliche Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Gleichgewichtsstörungen ärztlich abklären zu lassen, da sie auch Anzeichen für einen Schlaganfall sein können.
Behandlung von Migräne im Alter
Bei der medikamentösen Behandlung von Migräne im Alter sind einige Besonderheiten zu beachten:
- Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können die Wirksamkeit der Medikamente beeinflussen.
- Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen berücksichtigt werden.
- Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind zu beachten.
- Patienten mit Gefäßerkrankungen dürfen keine Triptane einnehmen.
Auch bei der Migräneprophylaxe im Alter weichen die Empfehlungen von denen für jüngere Patienten ab. Studien zur Wirksamkeit der Prophylaxe ab 65 Jahren gibt es nicht. Bei der Auswahl der Substanzen sollte auf mögliche Nebenwirkungen und den Gesundheitszustand des Patienten geachtet werden.
Was tun bei Migräne? Therapieansätze
Es gibt sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren für Migräne. In der Akuttherapie werden in der Regel Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen in Kombination mit Medikamenten gegen Übelkeit eingesetzt. Migränespezifische Medikamente sind die Triptane, die jedoch verschreibungspflichtig sind. Alle Medikamente wirken am besten, wenn sie frühzeitig eingenommen werden.
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Nachteil aller Schmerzmittel ist, dass sie bei zu häufiger Einnahme zu einer Chronifizierung der Migräne führen können. Daher sollten normale Schmerzmittel nicht häufiger als an 10-15 Tagen im Monat eingenommen werden, migränespezifische Medikamente höchstens an 8 bis maximal 10 Tagen.
Treten Migräneattacken häufiger als 3 oder 4 mal pro Monat auf oder halten die Attacken sehr lange an und sprechen nicht gut auf die Akuttherapie an, sollte eine medikamentöse Prophylaxe durchgeführt werden. Zum Einsatz kommen Medikamente, die sonst zur Behandlung von Bluthochdruck oder Epilepsie eingesetzt werden. Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium können eine gute Wirkung zeigen.
Eine wichtige Rolle spielen auch nichtmedikamentöse Verfahren wie regelmäßiger Ausdauersport, Muskelentspannungsverfahren und Biofeedback. Viele Patienten kennen bestimmte Auslösefaktoren für ihre Migräneattacken und können diese vermeiden.
Spezielle Therapie bei Kindern
Bei Kindern mit Migräne stehen zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen im Vordergrund, wie z.B. Entspannungsverfahren, physikalische Therapie und Biofeedback. Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt werden. Ab 12 Jahren sind auch Triptane als Nasenspray zugelassen.
Wichtig ist, dass Eltern und Kinder über die Therapiemöglichkeiten informiert sind und das Akutmedikament frühzeitig im Anfall eingenommen wird. Auch allgemeine vorbeugende Maßnahmen wie ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus, feste Mahlzeiten und ausreichend Bewegung sind wichtig.