Hirntod durch Alkohol: Ursachen, Diagnose und Folgen

Der Hirntod ist ein Zustand, der den vollständigen und irreversiblen Ausfall aller Hirnfunktionen, einschließlich des Großhirns, Kleinhirns und Hirnstamms, kennzeichnet. Er wird nach neurologischen Kriterien als Tod des Menschen definiert. Obwohl der Hirntod meist mit schweren Schädel-Hirn-Traumata, Hirnblutungen oder Hirntumoren in Verbindung gebracht wird, kann er in seltenen Fällen auch durch eine schwere Alkoholvergiftung verursacht werden, insbesondere wenn es sich um gepanschten Alkohol handelt.

Was ist Hirntod?

Der Hirntod ist der irreversible Verlust aller Funktionen des Gehirns. Dies bedeutet, dass das Gehirn keinerlei Aktivität mehr zeigt und der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, zu denken, zu fühlen, zu atmen oder andere lebensnotwendige Funktionen auszuführen.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirntod

Dem Hirntod liegt immer eine Schädigung der Gehirnzellen zugrunde. Diese Schädigung kann durch verschiedene Auslöser verursacht werden, die alle zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Gehirns führen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Schwere Schädel-Hirn-Traumata
  • Hirnblutungen
  • Hirntumore
  • Herz-Kreislauf-Stillstand
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie)

In über der Hälfte aller Fälle ist eine Hirnblutung die Ursache für den Hirntod. Da der knöcherne Schädel sich nicht ausdehnen kann, steigt der Druck auf das Gehirn durch die Blutung zunehmend an, wodurch die Gefäße, die das Gehirn mit Blut versorgen, eingeengt werden, bis schließlich kein Blut mehr das Gehirn erreicht.

Die zweithäufigste Ursache sind Hirnschäden durch Durchblutungs- oder Sauerstoffmangel, die jedoch sekundär bedingt sind. Das bedeutet, dass eine andere Ursache indirekt eine Mangeldurchblutung oder einen Sauerstoffmangel hervorgerufen hat, wie etwa ein Herz-Kreislaufstillstand oder Herzrhythmusstörungen.

Lesen Sie auch: Der Mythos der 10%-Gehirnnutzung

An dritter Stelle der Hirntod-Ursachen stehen Unfälle mit Schädel-Hirn-Verletzungen. Weitere Ursachen sind Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall), Tumore, Hirnentzündungen und das Auftreten eines Wasserkopfs (Hydrocephalus).

In all diesen Fällen werden die Gehirnzellen durch den Sauerstoffmangel geschädigt und schwellen an. Hirnschwellung und mangelnde Blutversorgung verstärken sich gegenseitig und tragen dazu bei, dass der Druck innerhalb des Schädels zunimmt.

Hirntod durch Alkohol

Eine Alkoholvergiftung kann in extremen Fällen zu einem hypoxischen Hirnschaden führen. Dies geschieht, wenn der Alkohol die Atmung so stark beeinträchtigt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Die Nervenzellen des Gehirns, vor allem die für höhere Funktionen des Bewusstseins wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Koordination zuständigen und besonders empfindlichen Zellen an der Oberfläche des Großhirns, sterben aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Minuten ab. Da sich diese Nervenzellen nicht wieder nachbilden, wird das Gehirn irreparabel geschädigt und es entsteht ein hypoxischer Hirnschaden.

Besonders gefährlich ist der Konsum von gepanschtem Alkohol, der mit Methanol versetzt sein kann. Methanol ist ein hochgiftiger Alkohol, der bereits in geringen Mengen zu schweren Vergiftungen führen kann. Die Abbauprodukte von Methanol - Formaldehyd und Ameisensäure - schädigen das Nervensystem und das Gehirn, es kann zum Atemstillstand kommen. Typisch ist nach einer Methanolvergiftung auch Blindheit durch eine Schädigung des Sehnervs. Der Alkohol schädigt Nieren, Leber, Herz und andere Organe und eine Vergiftung führt unbehandelt regelmäßig zum Tod.

Ein tragisches Beispiel für die Folgen von gepanschtem Alkohol ist der Tod der Brüder Lukas B. (19) und Felix B. (21) in Indonesien. Sie starben vermutlich an den Folgen einer Vergiftung mit gepanschtem Alkohol. Felix wurde auf dem Heimflug für hirntot erklärt.

Lesen Sie auch: Was steckt hinter dem Mythos der 10-Prozent-Gehirnnutzung?

Symptome und Diagnose des Hirntods

Eine hirntote Person zeigt keine Schmerzreaktionen und hat keinen Atemantrieb. Die Reflexe des Hirnstamms, wie der Würge- und Hustenreflex, sind ebenfalls ausgefallen. Auch der Verlust von Augenreflexen kann auf einen Hirntod hinweisen.

Die Hirntoddiagnostik umfasst verschiedene Untersuchungen, mit deren Hilfe geprüft wird, ob die gesamten Hirnfunktionen unumkehrbar erloschen sind. Wurde bei einer Person der Hirntod festgestellt, ist damit der Tod dieser Person nachgewiesen. Die medizinische Behandlung wird dann eingestellt.

In Deutschland wird die Hirntod-Diagnostik gemäß dem Transplantationsgesetz (TPG) im Detail von der Bundesärztekammer geregelt. Mit genauen und strengen Regeln sollen Unsicherheiten beim medizinischen Personal, aber vor allem auch Ängste und Sorgen von Angehörigen reduziert werden.

Bei der Hirntod-Diagnostik muss ein genau geregelter Ablauf befolgt werden. Wird den Vorschriften genau Folge geleistet, gilt die Hirntod-Diagnostik als sicher. Ziel der ausführlichen Untersuchung ist die Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls der Funktionen des Großteils des Gehirns, insbesondere des Großhirns, Kleinhirns und des Hirnstamms.

Zwei qualifizierte Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Die Hirntod-Diagnostik soll nur von erfahrenen und besonders qualifizierten Ärzten (Intensivmedizin, Anästhesie, Neurologie oder Neurochirurgie) durchgeführt werden. Mindestens einer der Ärzte muss Neurologe oder Neurochirurg mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Intensivmedizin und Hirntod-Diagnostik sein.

Lesen Sie auch: Gehirngewicht: Was ist normal?

Der Prozess der Hirntod-Feststellung ist durch ein Protokoll genau geregelt und erfolgt in drei Schritten:

  1. Liegen die Voraussetzungen für einen unumkehrbaren Hirnfunktionsausfall vor?
  2. Feststellung der klinischen Symptome als Hirntodkriterium
  3. Feststellung der Unumkehrbarkeit

Zu den klinischen Symptomen gehören:

  • Zustand der Bewusstlosigkeit (Koma)
  • Lichtstarre beider mittel- bis maximal weiten Pupillen (ohne weitstellendes Medikament)
  • Fehlen des sogenannten okulo-zephalen bzw. vestibulo-okulären Reflexes
  • Ausfall des Hornhautreflexes an beiden Augen
  • Fehlen jeglicher Schmerzreaktionen im Bereich des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus)
  • Kein Husten- und Würgereflex (Pharyngeal- /Trachealreflex)
  • Vollständiger Ausfall der selbstständigen Atmung

Um die Unumkehrbarkeit festzustellen, können apparative Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, wie z.B.:

  • Elektroenzephalografie (EEG)
  • Evozierte Potenziale
  • Feststellung des Blutzirkulationsstillstands im Gehirn mit CT-Angiografie, Positronenemissionstomographie (PET) oder Doppler-Ultraschall

Behandlung und Prognose

Nach dem heutigen Stand der medizinischen Forschung ist, abgesehen von dem intensivmedizinischen Erhalt entscheidender Körperfunktionen und des Kreislaufs, keine Behandlung des Hirntods möglich. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen, da Enzyme das Gehirngewebe zunehmend zersetzen.

Obwohl der Kreislauf und damit die Sauerstoffversorgung der Organe durch maschinelle Beatmung und Medikamente für eine gewisse Zeit künstlich aufrechterhalten werden können, zersetzen Enzyme das Gehirngewebe zunehmend. Eine Rückkehr ins Leben ist ausgeschlossen.

Die Todeszeit wird als die Uhrzeit festgehalten, zu der die Diagnose und die Dokumentation des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls abgeschlossen sind.

Organspende nach Feststellung des Hirntods

Nach der Feststellung des Todes eines potenziellen Organspenders dürfen Organe unter dem Vorbehalt einer Zustimmung gemäß den strengen Regelungen des Transplantationsgesetzes (TPG) entnommen werden. Wenn die Entscheidung für eine Organspende getroffen wurde, wird die maschinelle und medikamentöse Unterstützung des Kreislaufs bis zur Organentnahme aufrechterhalten.

Andernfalls werden nach der Feststellung des Hirntods alle medizinischen Maßnahmen eingestellt. Auf den Hirntod folgen unweigerlich der Herzstillstand und der Ausfall aller übrigen Organe.

tags: #ab #wieviel #gehirn #versoffen