Die Auseinandersetzung mit seltenen Erkrankungen und deren Ursachen ist von großer Bedeutung, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und neue Therapieansätze zu entwickeln. Eine solche seltene Erkrankung, die erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben kann, ist die Gehirndysplasie.
Einführung in die Gehirndysplasie
Die Gehirndysplasie ist eine Entwicklungsstörung des Gehirns, die durch eine fehlerhafte Anordnung der Nervenzellen (Neuronen) gekennzeichnet ist. Diese Fehlordnung kann verschiedene Bereiche des Gehirns betreffen und zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen. Die Ursachen für Gehirndysplasien sind vielfältig und oft nicht vollständig geklärt.
Ursachen von Gehirndysplasien
Die Ursachen von Gehirndysplasien sind komplex und können genetische, umweltbedingte oder multifaktorielle Ursachen haben.
Genetische Faktoren
Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Gehirndysplasien. Mutationen in verschiedenen Genen, die für die Entwicklung des Gehirns wichtig sind, können zu einer fehlerhaften Anordnung der Neuronen führen. Einige der Gene, die mit Gehirndysplasien in Verbindung gebracht wurden, sind:
- DCX (Doublecortin): Mutationen in diesem Gen verursachen die X-chromosomale Lissencephalie, eine schwere Form der Gehirndysplasie, bei der die Hirnoberfläche glatt ist.
- LIS1 (Lissencephaly 1): Mutationen in diesem Gen verursachen ebenfalls Lissencephalie.
- ARX (Aristaless-related homeobox): Mutationen in diesem Gen sind mit einer Vielzahl von Gehirndysplasien verbunden, darunter Lissencephalie, Polymikrogyrie und Heterotopien.
- FLNA (Filamin A): Mutationen in diesem Gen können zu periventrikulären Heterotopien führen, bei denen sich Neuronen in der Nähe der Hirnventrikel ansammeln.
Neben diesen bekannten Genen gibt es wahrscheinlich noch viele weitere Gene, die an der Entstehung von Gehirndysplasien beteiligt sind. Die Identifizierung dieser Gene ist ein wichtiges Ziel der Forschung, da sie neue Einblicke in die Mechanismen der Gehirnentwicklung und die Ursachen von Gehirndysplasien liefern kann.
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Umweltbedingte Faktoren
Umweltbedingte Faktoren können ebenfalls zur Entstehung von Gehirndysplasien beitragen. Einige der Umweltfaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Gehirndysplasien in Verbindung gebracht wurden, sind:
- Infektionen während der Schwangerschaft: Infektionen wie Röteln, Zytomegalievirus (CMV) und Toxoplasmose können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und zu Gehirndysplasien führen.
- Alkohol- und Drogenkonsum während der Schwangerschaft: Alkohol- und Drogenkonsum während der Schwangerschaft können das Gehirn des Fötus schädigen und zu Gehirndysplasien führen.
- Mangelernährung während der Schwangerschaft: Mangelernährung während der Schwangerschaft kann die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und zu Gehirndysplasien führen.
- Sauerstoffmangel während der Geburt: Sauerstoffmangel während der Geburt kann das Gehirn des Neugeborenen schädigen und zu Gehirndysplasien führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Gehirndysplasien multifaktoriell bedingt sind, d.h. sie entstehen durch das Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren.
Abbauprozesse bei Gehirndysplasien
Der Abbau von Gehirnstrukturen bei Dysplasien ist ein komplexer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Begriff "Abbau" in diesem Zusammenhang nicht im Sinne einer direkten Zerstörung von Hirngewebe zu verstehen ist, sondern eher als eine Veränderung oder Beeinträchtigung der normalen Gehirnstruktur und -funktion.
Neuronale Migration und Organisation
Eine der Hauptursachen für die Entstehung von Gehirndysplasien ist eine Störung der neuronalen Migration und Organisation während der Gehirnentwicklung. Neuronen, die während der frühen Entwicklungsphasen des Gehirns entstehen, müssen an ihrenBestimmungsort wandern, um die korrekten Verbindungen zu bilden. Bei Gehirndysplasien ist dieser Prozess gestört, was dazu führt, dass Neuronen an falschen Orten im Gehirn liegen oder sich nicht richtig organisieren.
Apoptose und Zelltod
Apoptose, oder programmierter Zelltod, ist ein normaler Prozess, der während der Gehirnentwicklung stattfindet, um überschüssige oder fehlerhafte Zellen zu entfernen. Bei Gehirndysplasien kann dieser Prozess jedoch gestört sein, was zu einem vermehrten Zelltod und einer Reduktion der neuronalen Anzahl führen kann.
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Entzündungsprozesse
Entzündungsprozesse können ebenfalls eine Rolle beim Abbau von Gehirnstrukturen bei Dysplasien spielen. Chronische Entzündungen im Gehirn können Neuronen schädigen und zum Abbau von Hirngewebe beitragen.
Exzitotoxizität
Exzitotoxizität ist ein Prozess, bei dem Neuronen durch übermäßige Stimulation durch erregende Neurotransmitter wie Glutamat geschädigt werden. Bei Gehirndysplasien kann es zu einer erhöhten Glutamatfreisetzung kommen, was zu Exzitotoxizität und neuronalem Abbau führen kann.
Genetische Faktoren
Genetische Faktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Gehirndysplasien. Mutationen in Genen, die für die Gehirnentwicklung wichtig sind, können zu einer Vielzahl von Fehlbildungen und Funktionsstörungen führen. Einige dieser Mutationen können auch den Abbau von Gehirnstrukturen beschleunigen.
Umweltfaktoren
Umweltfaktoren wie Infektionen, Traumata und toxische Substanzen können ebenfalls den Abbau von Gehirnstrukturen bei Dysplasien beeinflussen. Diese Faktoren können Entzündungsprozesse auslösen, die zu neuronalen Schäden und Abbau führen.
Symptome von Gehirndysplasien
Die Symptome von Gehirndysplasien sind vielfältig und hängen von der Lokalisation und dem Ausmaß der Fehlbildung ab. Einige der häufigsten Symptome sind:
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- Epilepsie: Epilepsie ist ein häufiges Symptom von Gehirndysplasien. Die Fehlordnung der Neuronen kann zu einer erhöhten Erregbarkeit des Gehirns führen, was Krampfanfälle auslösen kann.
- Entwicklungsverzögerung: Gehirndysplasien können die motorische, sprachliche und kognitive Entwicklung beeinträchtigen.
- Geistige Behinderung: Einige Gehirndysplasien können zu einer geistigen Behinderung führen.
- Motorische Defizite: Gehirndysplasien können zu motorischen Defiziten wie Muskelschwäche, Spastik und Koordinationsstörungen führen.
- Verhaltensauffälligkeiten: Gehirndysplasien können zu Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen und Autismus führen.
- Sehstörungen: Einige Gehirndysplasien können zu Sehstörungen führen.
- Sprachstörungen: Einige Gehirndysplasien können zu Sprachstörungen führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Gehirndysplasien die gleichen Symptome haben. Die Symptome können von Person zu Person variieren.
Diagnose von Gehirndysplasien
Die Diagnose von Gehirndysplasien basiert in der Regel auf einer Kombination von klinischer Untersuchung, neurologischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.
- Klinische Untersuchung: Die klinische Untersuchung umfasst die Erhebung der Krankengeschichte und die Beurteilung der körperlichen und neurologischen Funktionen.
- Neurologische Untersuchung: Die neurologische Untersuchung umfasst die Beurteilung der motorischen, sensorischen, kognitiven und Verhaltensfunktionen.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können verwendet werden, um die Struktur des Gehirns zu beurteilen und Fehlbildungen zu identifizieren.
In einigen Fällen kann auch eine genetische Untersuchung durchgeführt werden, um Mutationen in Genen zu identifizieren, die mit Gehirndysplasien in Verbindung gebracht werden.
Behandlung von Gehirndysplasien
Die Behandlung von Gehirndysplasien ist symptomatisch und zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Antiepileptika: Antiepileptika können verwendet werden, um Krampfanfälle zu kontrollieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann verwendet werden, um die motorischen Fähigkeiten zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann verwendet werden, um dieAlltagsfähigkeiten zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann verwendet werden, um die Sprachfähigkeiten zu verbessern.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann verwendet werden, um Verhaltensauffälligkeiten zu behandeln.
- Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Fehlbildung zu korrigieren oder die Symptome zu lindern.
Die Behandlung von Gehirndysplasien erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der die Zusammenarbeit von Neurologen, Neurochirurgen, Pädiatern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und anderen Fachkräften umfasst.
Seltene Ursachen von Schlaganfällen
Neben den direkten Auswirkungen von Gehirndysplasien auf die Gehirnstruktur und -funktion gibt es auch indirekte Zusammenhänge mit anderen neurologischen Erkrankungen, wie z.B. Schlaganfällen. Obwohl Schlaganfälle in der Regel mit Risikofaktoren wie hohem Blutdruck, Diabetes und Herzerkrankungen in Verbindung gebracht werden, gibt es auch seltene Ursachen, die insbesondere bei jüngeren Patienten eine Rolle spielen können.
Vaskuläre Ursachen
- Dissektionen der Halsarterien: Dissektionen der Halsarterien, insbesondere der A. carotis interna und der A. vertebralis, sind eine häufige Ursache für Schlaganfälle bei jungen Menschen. Diese Dissektionen können spontan oder nach Bagatelltraumen auftreten und zu einer Verengung oder einem Verschluss der Arterie führen, was einen Schlaganfall verursachen kann. In bis zu 15 % der Fälle besteht eine Assoziation zur fibromuskulären Dysplasie, einer nicht-entzündlichen Vaskulopathie.
- Vaskulitiden: Vaskulitiden sind Entzündungen der Blutgefäßwände, die zu Stenosen, Verschlüssen, Aneurysmabildung, Wandeinrissen und Blutungen führen können. Vaskulitiden können das zentrale Nervensystem isoliert betreffen (primäre ZNS-Vaskulitis) oder als Teil einer systemischen Vaskulitis auftreten.
- Cerebral autosomal dominant arteriopathy with subcortical infarcts and leukencephalopathy (CADASIL): CADASIL ist eine hereditäre Mikroangiopathie, die insbesondere die langen Marklagerarterien betrifft. Typische Symptome sind Schlaganfälle in jungem Alter, kognitive Defizite und affektive Störungen.
- Moyamoya-Erkrankung: Die Moyamoya-Erkrankung ist eine Makroangiopathie mit progredienter bilateraler Stenosierung im Bereich der distalen A. carotis interna (ACI). Als Folge der ACI-Verschlüsse entsteht ein charakteristisches Kollateralnetz an der Schädelbasis.
- Sneddon-Syndrom: Das Sneddon-Syndrom ist eine seltene, nicht-vaskulitische Vaskulopathie, die neben zerebrovaskulären Ereignissen durch eine generalisierte Livedo racemosa gekennzeichnet ist.
- Carotid web: Das Carotid web ist dünnes membranöses Gewebe, das meist am Abgang der A. carotis interna von der Gefäßwand ins Lumen reicht und über arterioarterielle Embolien ischämische Schlaganfälle verursacht.
Kardiale Ursachen
- Infektiöse Endokarditis: Die infektiöse Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die zu embolischen Schlaganfällen führen kann. Das Embolierisiko ist bei Erkrankungsbeginn hoch und sinkt innerhalb der ersten beiden Wochen nach Beginn der antiinfektiven Therapie.
Hämatologische Ursachen
- Antiphospholipid-Syndrom: Das Antiphospholipid-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die mit arteriellen und/oder venösen thrombotischen Ereignissen, Schwangerschaftskomplikationen und dem Nachweis von Antiphospholipid-Antikörpern einhergeht.
- Sichelzellanämie: Die Sichelzellanämie ist eine hereditäre Erkrankung, die vor allem im tropischen Afrika, aber auch im Mittelmeerraum verbreitet ist. Bei zerebraler Beteiligung findet sich häufig eine Vaskulopathie großer Gefäße.
- Hereditäre Gerinnungsstörungen: Gerinnungsstörungen, für die ein erhöhtes arterielles Thrombembolierisiko nachgewiesen wurde, sind die Prothrombinmutation und die Hyperfibrinogenämie. Bei Kindern ist darüber hinaus die Protein-C-Defizienz mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert.
- Hyperhomocysteinämie: Milde bis moderate Hyperhomocysteinämien sind mit einem leicht erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert.
Metabolische Ursachen
- Mitochondriale Enzephalomyopathie mit Laktatazidose und schlaganfallähnlichen Episoden (MELAS): MELAS ist durch plötzlich auftretende fokal-neurologische Defizite, epileptische Anfälle, migränöse Kopfschmerzen, Erbrechen und Muskelschwäche gekennzeichnet.
- Morbus Fabry: Der Morbus Fabry ist eine X‑chromosomal vererbte Lysosomenspeichererkrankung mit Akkumulation von Glykosphingolipiden in verschiedenen Organen, einschließlich des Gehirns.
Infektiöse Ursachen
- Bakterielle Meningitiden: Unter den primär intrakraniellen Infektionen sind bakterielle Meningitiden, insbesondere die Pneumokokkenmeningitis, die häufigste Schlaganfallursache.
Andere seltene Erkrankungen
Es gibt eine Vielzahl von weiteren seltenen Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle einhergehen können. Dazu gehören unter anderem:
- CAD - Cold Agglutinin Disease (Kälteagglutininkrankheit): Eine seltene Autoimmunhämolyse, bei der das Immunsystem bei Kälteeinwirkung Antikörper gegen körpereigene rote Blutkörperchen bildet.
- Dunbar-Syndrom: Seltene chronische Durchblutungsstörung des Darms.
- Hereditäre Fruktoseintoleranz: Sehr seltene, autosomal-rezessiv vererbte Krankheit, die durch einen genetisch bedingten Enzymdefekt verursacht wird.
- MEN (Multiple Endokrine Neoplasie): Eine seltene, erblich bedingte Erkrankung, bei der es durch Genveränderungen zur Bildung mehrerer Tumoren in hormonbildenden Drüsen kommt.
- Phenylketonurie (PKU): Eine seltene, erbliche Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper die Aminosäure Phenylalanin nicht richtig abbauen kann.
- Roberts-Syndrom: Eine sehr seltene genetische Erkrankung, die durch Mutationen im ESCO2-Gen verursacht wird.
- Tay-Sachs-Krankheit: Eine seltene genetische Stoffwechselerkrankung, bei der ein Enzymmangel dazu führt, dass eine Substanz in den Nervenzellen nicht abgebaut werden kann.
- Treacher-Collins-Syndrom: Eine seltene genetische Erkrankung, die das Gesicht und den Schädelknochen betrifft und zu charakteristischen Gesichtszügen führt.
- Turner-Syndrom: Eine seltene genetische Störung, die nur bei Frauen auftritt und durch das Fehlen oder teilweise Fehlen eines X-Chromosoms gekennzeichnet ist.
- Van-der-Woude-Syndrom: Eine seltene genetische Störung, die Fehlbildungen im Gesicht verursacht.
- Leichtketten-Amyloidose: Bei dieser Erkrankung lagern sich körpereigene, aber veränderte Eiweiße kontinuierlich als winzige Eiweißfäden (Amyloidfibrillen) im gesamten Körper ab.
Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT)
Ein weiteres Beispiel für eine seltene neurologische Erkrankung ist die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT), auch bekannt als hereditäre motorisch-sensorische Neuropathie (HMSN). Die HMSN sind die am häufigsten auftretenden erblichen neurologischen Erkrankungen.
Symptome der CMT
Typische Symptome der HMSN sind Muskelschwäche beziehungsweise Lähmungen (Paresen) in den Extremitäten und Muskelschwund (Atrophie), meist beginnend in Fuß und Unterschenkel. Die Unterschenkel verlieren aufgrund des Muskelabbaus an Masse und es kommt zu sogenannten Storchenbeinen. Auch die oberen Extremitäten können betroffen sein, insbesondere die kleinen Handmuskeln. Aufgrund zahlreicher beteiligter Nerven können Empfindungs- sowie Durchblutungsstörungen (sensorische, autonome, vegetative Störungen) auftreten.
Formen der CMT
Es gibt verschiedene Formen der CMT, die sich in ihrem Erbgang, demManifestationsalter und dem Verlauf unterscheiden:
- Typ 1 (HMSN1/CMT1): Die demyelinisierende und häufigste Form entwickelt sich bis zum 35. Lebensjahr und ist durch einen meist langsamen und gutartigen Verlauf gekennzeichnet, der zu teilweise deutlichen Einschränkungen führt, die jedoch nur selten einen Rollstuhl erforderlich machen.
- Typ 2 (HMSN2/CMT2): Die axonale Form ähnelt Typ 1, wobei das Erkrankungsalter höher liegt und sie durch einen noch langsameren Verlauf sowie mögliche Zusatzsymptome gekennzeichnet ist. Die Nervenfaser (der die Signale weiterleitende Teil der Nervenzellen) ist betroffen und stirbt vollständig ab.
- Typ 3 (Déjérine-Sottas-Krankheit): Die demyelinisierende und seltene Form entwickelt sich bereits in den ersten zehn Lebensjahren und schreitet rasch voran. Sie ist oft mit einer verzögerten motorischen Entwicklung verbunden. Lähmungen der Extremitäten und ein allgemeiner Reflexverlust sowie ausgeprägte Empfindungsstörungen sind typisch, ebenso Pupillenstörungen und Skelettveränderungen. Häufig treten schmerzhafte Missempfindungen auf. Möglich sind wiederkehrende (rezidivierende) Verläufe.
- Hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Druckläsionen (HNPP): Die seltene Form kann klinisch der HMSN1 nahezu gleichen und beginnt im frühen Erwachsenenalter, meist nach dem 20. Lebensjahr. Sie ist durch eine erhöhte wiederkehrende (rezidivierende) Empfindlichkeit der peripheren Nerven gegenüber minimalem Druck, beispielsweise durch längere knieende Haltung, gekennzeichnet.
Multiple Sklerose (MS) und MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Immunzellen aus dem Blut in das Gehirn einwandern und dort zu Entzündungen führen. Die Entzündungen, Läsionen genannt, haben meist einen Durchmesser von 5-10mm und stören die Leitung der Nervenimpulse in den Nervenfasern. Die häufigsten Symptome sind Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen. Die Schubtherapie wird wie bei Erwachsenen mit Cortison durchgeführt, das über 3-5 Tage intravenös verabreicht wird.
Die MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen das Myelinscheidenprotein Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG-AK) gebildet werden. Die Antikörper wandern über die Bluthirnschranke in das Gehirn ein und führen zu 1-5 cm großen Entzündungsherden, Läsionen genannt. Die Entzündung, die zu einem Abbau der Myelinschicht der Nervenzellen führt, stört die Weiterleitung der Nervenimpulse in den Nervenfasern.
Frühgeborene und neurologische Probleme
Eine physiologische Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Kommt ein Kind vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt, ist es ein Frühgeborenes. In Deutschland werden 10% der Kinder zu früh geboren. Durch die Frühgeburtlichkeit können verschiedene neurologische Probleme auftreten, wie z.B. PVL (periventrikuläre Leukomalazie) und Hirnblutungen.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Bei der Frontotemporalen Demenz (FTD) sterben Nervenzellen im Frontallappen (Stirnlappen) und Temporallappen (Schläfenlappen) im Gehirn ab. Diese Hirnregionen steuern Gefühle, Sozialverhalten und Sprache. Die Verhaltensvariante der Frontotemporalen Demenz (bvFTD) zeigt sich durch tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit. Die Primär Progressive Aphasie (PPA) zeigt sich in drei verschiedenen Formen, je nachdem, welche sprachlichen Fähigkeiten am stärksten eingeschränkt sind: Semantischer Typ, Unflüssiger/agrammatischer Typ und Logopenischer Typ.
Amyloidose
Amyloidose ist eine Erkrankung, bei der sich abnormale Proteinablagerungen, sogenannte Amyloide, in verschiedenen Organen und Geweben des Körpers ansammeln. Diese Ablagerungen können die normale Funktion der Organe beeinträchtigen und zu einer Vielzahl von Symptomen führen. Die Leichtketten-Amyloidose ist eine Form der Amyloidose, bei der sich körpereigene, aber veränderte Eiweiße kontinuierlich als winzige Eiweißfäden (Amyloidfibrillen) im gesamten Körper ablagern.
Angeborene Störungen der Blutbildung
Angeborene Störungen der Blutbildung umfassen ein weites Spektrum sehr seltener Krankheitsbilder. So können Funktion oder Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, der Gerinnungsfaktoren im Blutplasma oder der Blutzellen selbst beeinträchtigt sein.
Tropenerkrankungen
Die Zuordnung viraler, bakterieller und parasitärer Erkrankungen zu den "Tropen" und "Subtropen" ist in unserer globalisierten Welt nicht mehr einfach. Patienten, die an "tropischen" Infektionserkrankungen leiden, suchen Hilfe weit außerhalb der "Tropen" und "Subtropen": Reiserückkehrer und Menschen, die in den "Tropen" und "Subtropen" geboren und aufgewachsen sind und ihren neuen Lebensmittelpunkt in unseren Breiten gefunden haben.
Endokrinopathien
Endokrinopathien bezeichnen Krankheitsbilder, die durch eine gestörte Funktion der Hormondrüsen oder die fehlerhafte Wirkung der Hormone ausgelöst werden. Insgesamt kommen jährlich rund 2.500 Kinder in Deutschland mit einer angeborenen Endokrinopathie auf die Welt.