Abgelaufener FSME-Impfstoff: Risiken, Vorgehensweise und umfassende Informationen zur FSME-Impfung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die Entzündungen des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks verursachen kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen FSME für Personen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und von Zecken gestochen werden könnten. Doch was passiert, wenn ein abgelaufener FSME-Impfstoff verabreicht wurde? Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, gibt Handlungsempfehlungen und bietet umfassende Informationen zur FSME-Impfung.

Impfungen: Allgemeines und Auffrischungen

Impfungen schützen uns vor Krankheiten, indem sie das Immunsystem anregen, Antikörper zu bilden. Ähnlich wie andere Organe altert auch das Immunsystem im Laufe des Lebens, wodurch der Schutz durch Antikörper abnehmen kann. Daher sind Auffrischimpfungen wichtig, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten.

Warum Impfungen auffrischen?

Das Immunsystem "merkt" sich einige Impfungen besser als andere. Lebendimpfstoffe, wie die gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, schützen in der Regel ein Leben lang, da das Abwehrsystem ähnlich gut reagiert wie nach einer Infektion mit dem echten Erreger, jedoch ohne das Risiko der Krankheit. Bei anderen Impfungen, insbesondere mit Totimpfstoffen, muss das Immunsystem regelmäßig "erinnert" werden.

Auffrischung vs. Grundimmunisierung

Es ist wichtig, zwischen Auffrischimpfungen und der Grundimmunisierung zu unterscheiden. Die Grundimmunisierung besteht aus einer Serie von Impfungen, um auch diejenigen zu schützen, die nach der ersten Impfung noch nicht immun sind. In der Regel sind zwei bis drei Teilimpfungen notwendig, um einen sicheren Impfschutz aufzubauen. Auffrischimpfungen dienen dazu, den bereits aufgebauten Schutz zu erhalten oder zu verstärken.

Kann man Impfungen zu früh oder zu spät auffrischen?

Auffrischungen werden frühestens nach einem Jahr fällig. In der Regel werden Impflinge nach fünf bis zehn Jahren zum Auffrischen gebeten. Ein paar Wochen, Monate oder sogar Jahre früher aufzutauchen, ist unbedenklich und kann sogar Vorteile haben. Eine Ausnahme bildet die Pneumokokken-Impfung, die frühestens nach sechs Jahren aufgefrischt werden sollte, da ansonsten Impfreaktionen stärker ausfallen könnten.

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Falls eine Auffrischimpfung versäumt wurde, sollte sie so bald wie möglich nachgeholt werden. Eine erneute Grundimmunisierung ist in der Regel nicht erforderlich. Es gilt die Regel: Jede Impfung zählt.

Wie oft sollten Impfungen aufgefrischt werden?

Die Häufigkeit der Auffrischimpfungen hängt von der jeweiligen Impfung ab. Gegen Masern besteht beispielsweise ein lebenslanger Schutz, während der Impfschutz gegen Diphtherie und Tetanus mit der Zeit nachlässt. Die Empfehlungen der STIKO, welche Impfung wie oft aufgefrischt werden sollte, hängen von Wohnort, Lebensumständen und Alter ab.

Abgelaufener FSME-Impfstoff: Was tun?

In einigen Fällen ist es in Deutschland zu Impfstoffpannen gekommen, bei denen abgelaufener Covid-19-Impfstoff verimpft wurde. Auch im Zusammenhang mit FSME-Impfungen kam es zu solchen Vorfällen. Was ist in solchen Fällen zu tun?

Risiken und Konsequenzen

Ein abgelaufener Impfstoff kann möglicherweise weniger wirksam sein oder gar keine Schutzwirkung mehr bieten. Die Haltbarkeitszeit der Impfstoffe hängt von der Lagertemperatur ab. Je wärmer sie gelagert werden, desto schneller müssen sie verbraucht werden. Aufgetaute Impfstoffe dürfen nicht wieder eingefroren werden, die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein überlagerter Impfstoff weniger gut vor einer FSME-Infektion schützt.

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Vorgehensweise nach Verimpfung eines abgelaufenen FSME-Impfstoffs

  1. Arzt informieren: Kontaktieren Sie umgehend den Arzt, der die Impfung verabreicht hat, und informieren Sie ihn über den Vorfall.
  2. Dokumentation: Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass ein abgelaufener Impfstoff verwendet wurde.
  3. Beratung einholen: Besprechen Sie mit dem Arzt oder einem anderen medizinischen Experten die weiteren Schritte. In der Regel wird eine erneute Impfung mit einem gültigen Impfstoff empfohlen.
  4. Impfschutz überprüfen: Lassen Sie Ihren Impfschutz überprüfen, um sicherzustellen, dass Sie ausreichend geschützt sind.

FSME-Impfung: Detaillierte Informationen

Die FSME-Impfung ist der sicherste Schutz vor der Erkrankung. Die STIKO empfiehlt die Impfung allen Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und von Zecken gestochen werden könnten. Dies gilt auch für Personen, die beruflich gefährdet sind, beispielsweise in der Forst- oder Landwirtschaft.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

FSME tritt vor allem in Bayern und Baden-Württemberg auf. Weitere Risikogebiete finden sich in Thüringen, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht jährlich eine aktuelle Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland.

Aufbau des Impfschutzes (Grundimmunisierung)

Für die Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich. Nach dem üblichen Impfschema wird, je nach verwendetem Impfstoff, zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten Impfung die zweite Impfdosis verabreicht. Eine dritte Impfung erfolgt nach weiteren 5 bis 12 oder nach 9 bis 12 Monaten.

Auffrischimpfungen

Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko wird eine erste Auffrischimpfung nach 3 Jahren empfohlen. Die nachfolgenden Auffrischungen sind alle 5 Jahre erforderlich. Je nach verwendetem Impfstoff sollte die Impfung ab dem Alter von 50 bzw. 60 Jahren alle 3 Jahre aufgefrischt werden.

Schnellschema

Wird ein besonders schneller Schutz benötigt, kann eine Impfung nach dem sogenannten Schnellschema durchgeführt werden. Hierbei hängt das Impfschema vom verwendeten Impfstoff ab. Es sind zwei bis drei Impfungen nötig. Ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre kann damit schon 3 bis 5 Wochen nach der ersten Impfung erreicht werden.

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Mögliche Nebenwirkungen der FSME-Impfung

Als häufigste Impfreaktionen werden Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Impfstelle beschrieben. Innerhalb der ersten vier Tage nach der Impfung können Allgemeinsymptome wie Temperaturerhöhung und Fieber, Kopf-, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden vorkommen. In der Regel klingen die beschriebenen Reaktionen auf die Impfung schnell und folgenlos wieder ab. Schwere Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen sind sehr selten.

FSME: Übertragung, Krankheitsverlauf und Schutzmaßnahmen

FSME-Viren werden durch den Stich von Zecken auf den Menschen übertragen. Sehr selten wird auch über Infektionen durch den Verzehr von Rohmilch von Ziegen, Schafen oder Kühen berichtet.

Die Mehrheit (ca. 70 bis 95 %) bleibt nach einem Stich einer mit FSME-Viren infizierten Zecke beschwerdefrei. Einige entwickeln ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Krankheitszeichen. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es aber nach etwa einer Woche zu einem zweiten Krankheitsgipfel mit Beteiligung des zentralen Nervensystems.

Eine ursächliche Behandlung gegen die FSME gibt es nicht. Es können nur die Krankheitszeichen behandelt werden.

Zusätzlich zur Impfung sollten allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen beachtet werden:

  • Tragen geschlossener Kleidung (lange Hosen und Ärmel, Strümpfe, feste Schuhe, Hosenbeine in die Strümpfe gesteckt) in der Natur
  • Verwendung zeckenabweisender Mittel
  • Sorgfältiges Absuchen von Kleidung und Körper nach dem Aufenthalt im Freien

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