Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betrifft. Sie hat viele Gesichter und kann sich durch vielfältige Symptome äußern. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von MS, ihre Symptome, Diagnoseverfahren, Inklusionsmöglichkeiten im Sport und Beruf sowie Unterstützungsangebote für Betroffene.
Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betrifft. Die Erkrankung verläuft individuell und kann sich durch unterschiedliche Symptome äußern. MS kann bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der MS sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Koordinations- und Bewegungsstörungen: Schwierigkeiten beim Gehen, Gleichgewichtsstörungen, Stolpern, Schwindel, unsichere Bewegungen.
- Blasen- oder Darmprobleme.
- Sehstörungen: Eingeschränktes Sehfeld.
- Empfindungsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln (Ameisenlaufen auf der Haut).
- Wortfindungstörungen und Konzentrationsschwächen.
- Starke Müdigkeit (Fatigue).
Diese Symptome können plötzlich auftreten oder sich schleichend entwickeln. Sie können vorübergehend sein (Schübe) oder dauerhaft bestehen bleiben.
Diagnose von Multipler Sklerose
Da die Symptome der MS vielfältig und unspezifisch sein können, ist die Diagnose oft eine Herausforderung. Es gibt keinen einzelnen Test, der MS eindeutig nachweisen kann. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination verschiedener Untersuchungen:
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- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Nervenfunktionen, Reflexe, Koordination und Sensibilität.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung von Entzündungsherden im Gehirn und Rückenmark.
- Lumbalpunktion: Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) auf Entzündungszeichen.
- Evoked Potentials: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Schädigungen der Nervenbahnen festzustellen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Genetische Veranlagung: MS tritt häufiger bei Personen auf, in deren Familie bereits Fälle von MS bekannt sind.
- Umweltfaktoren: Vitamin-D-Mangel, Infektionen mit bestimmten Viren (z. B. Epstein-Barr-Virus), Rauchen.
- Geografische Faktoren: MS tritt häufiger in Regionen auf, die weiter vom Äquator entfernt liegen.
Leben mit Multipler Sklerose
Das Leben mit MS kann mit vielen Einschränkungen verbunden sein. Sandra Josephs, die selbst an MS erkrankt ist, berichtet von Wortfindungstörungen, Konzentrationsschwächen, starker Müdigkeit und Schwindelanfällen. Sie ist seit Herbst 2020 nicht mehr arbeitsfähig und auf Medikamente angewiesen.
Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, die Lebensqualität zu verbessern und aktiv am Leben teilzunehmen.
Inklusion im Sport
Trotz der Einschränkungen durch MS ist es wichtig, körperlich aktiv zu bleiben. Sport kann helfen, die Symptome zu lindern, die Muskelkraft zu erhalten und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
Sportarten für Menschen mit MS
Menschen mit Handicap können heute fast jede Sportart ausüben. Je nach körperlicher Einschränkung gibt es verschiedene Möglichkeiten:
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- Para-Badminton: Im Rollstuhl, im Stehen oder im Sitzen spielbar. Beim Integra-Badminton ist auch ein Doppel von einem Rollstuhlfahrer und einem Nicht-Behinderten möglich.
- Deutsches Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung: Eine Auszeichnung für sportliche Leistungen, die an die individuellen Fähigkeiten angepasst ist.
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen bietet Menschen mit einem dauernden Grad der Behinderung (GdB) von 20 v.H. und mehr sowie Endoprothesenträger/innen die Möglichkeit einer angemessenen sportlichen Betätigung. Voraussetzung ist die Vorlage eines gültigen Bescheides der zuständigen Verwaltungsbehörde oder eines Endoprothesenpasses. Bei Menschen mit geistiger Behinderung/Lernbehinderung ist der Nachweis mittels Schule oder Einrichtung ausreichend.
Prüfungen für das Sportabzeichen:
- Ausdauer-Prüfung
- Kraft-Prüfung
- Schnelligkeits-Prüfung
- Koordinations-Prüfung
- Schwimmfähigkeit
Wichtiger Hinweis: Vor der Teilnahme am Sportabzeichen wird eine Rücksprache mit dem Arzt/Ärztin über die individuelle Eignung empfohlen. Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. Durchblutungsstörungen im Herz, Herzinfarkt, Herzoperationen, Herzschrittmacher, akuten Schüben (Multiple Sklerose, Morbus Bechterew, Mukoviszidose etc.), Netz-Haut-Ablösung am Auge oder Lungen-Tuberkulose, ist der Erwerb des deutschen Sportabzeichens für Menschen mit Behinderung nicht möglich, es sei denn, es wird eine „Fachärztliche Bescheinigung und Haftungserklärung“ zur Teilnahme am Deutschen Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen vorgelegt.
Paralympics
Die Paralympics sind Olympische Spiele für Menschen mit einer Behinderung. In Rheinland-Pfalz können junge Menschen trainieren, um bei den Paralympics mitzumachen. Beispiele für paralympische Sportarten sind:
- Leichtathletik (Laufen, Springen, Werfen)
- Schwimmen
- Tischtennis
- Rollstuhl-Basketball
Weitere Sportangebote
Es gibt zahlreiche weitere Sportangebote für Menschen mit Behinderung, wie z.B.:
- Landes-Schwimm-Fest: Ein Wettkampf im Schwimmen für Menschen mit Lern-Schwäche oder geistiger Behinderung.
- Fußball-Hallen-Turnier: Für Menschen mit Lern-Beeinträchtigung oder geistiger Behinderung.
- Tennis-Turnier: Ein internationales Turnier für Menschen mit Lern-Beeinträchtigung oder geistiger Behinderung.
- Sport- und Spiel-Fest: Für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Lern-Schwäche.
- Bundes-Jugend-Spiele: Auch Kinder mit Behinderungen können an den Bundes-Jugend-Spielen der Schulen mitmachen.
Inklusion im Beruf
Die ShapeMS-Lernplattform bietet Informationen, Materialien und Schulungsvideos zu Arbeitsmöglichkeiten und zur Gestaltung eines integrativen Arbeitsumfelds für Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Ziel ist es, Ressourcen, Informationen und Werkzeuge bereitzustellen, damit junge Erwachsene mit MS so lange wie möglich im Berufsleben bleiben können, und das Bewusstsein zu schärfen, ihre Arbeitgeber aufzuklären und ihnen beizubringen, wie sie die entsprechenden Vorkehrungen treffen können.
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Unterstützungsangebote für Betroffene
Selbsthilfegruppen
Sandra Josephs sucht andere Betroffene, um eine Gruppe für MS-Kranke zu gründen. Ziel ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, auszutauschen und neue tragbare Kontakte zu knüpfen. Interessierte können sich direkt bei Sandra Josephs unter 0151-40123291 oder im Haus der Familie unter 05423-930208 melden.
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG)
Die DMSG bietet vielfältige Informationen und Unterstützung für Menschen mit MS und ihre Angehörigen. Dazu gehören:
- ms-wissen.de: Eine Webseite mit umfassenden Informationen rund um das Thema MS.
- MS Connect: Eine Plattform für den Austausch mit anderen Betroffenen.
- MS-Forum: Ein Online-Forum, in dem sich Menschen mit MS austauschen und gegenseitig unterstützen können.
- DMSG Coaches: Interaktive Trainings (Coachings) zu verschiedenen Themen rund um MS.
Datenschutz
Die DMSG legt großen Wert auf den Schutz der persönlichen Daten ihrer Mitglieder und Nutzer. In der Datenschutzerklärung werden Art, Umfang und Zweck der erhobenen, genutzten und verarbeiteten personenbezogenen Daten erläutert.
Komplementerkrankungen
Das Komplementsystem ist ein Teil des Immunsystems, das eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielt. Komplementerkrankungen sind seltene Erkrankungen, bei denen die Steuerung des Komplementsystems gestört ist.
Funktion des Komplementsystems
Das Komplementsystem ist ein Netzwerk aus zahlreichen Proteinen, das als Teil der Immunabwehr ab der Geburt aktiv ist. Zu den Funktionen gehören:
- Markierung und Zerstörung von Krankheitserregern
- Entzündungsreaktionen
- Beseitigung von Immunkomplexen
Ursachen von Komplementerkrankungen
Komplementerkrankungen entstehen, da die fein regulierte Steuerung des Komplementsystems an verschiedenen Stellen gestört sein kann. Dies kann zu einer übermäßigen oder unzureichenden Aktivierung des Immunsystems führen.
Beispiele für Komplementerkrankungen
- Atypisches Hämolytisch-Urämisches Syndrom (aHUS): Eine übermäßige Komplementaktivierung schädigt Gefäßwände und führt zu Organschäden.
- Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH): Rote Blutkörperchen fehlen Schutzproteine und werden vom Komplementsystem angegriffen.
- Generalisierte Myasthenia gravis (gMG) und Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD): Autoantikörper aktivieren das Komplementsystem und schädigen körpereigene Strukturen.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose von Komplementerkrankungen kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind. Moderne Medizin ermöglicht detaillierte Testung auf komplement-vermittelte Erkrankungen. Komplementinhibitoren können eine übermäßige Aktivierung verhindern und die Kaskade unterbrechen.
Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) liegt vor, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produziert.
Ursachen
- Primäre Unterfunktion: Hormonmangel aufgrund einer Schädigung des Schilddrüsengewebes.
- Sekundäre Unterfunktion: Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziert zu wenig TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).
- Tertiäre Unterfunktion: Der Hypothalamus produziert zu wenig TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon).
Symptome
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können vielfältig sein und schleichend auftreten:
- Verstopfung
- Bewegungsmangel
- Trinkfaulheit
- Länger anhaltende Gelbsucht bei Säuglingen
- Verlangsamter Stoffwechsel
- Müdigkeit
- Gewichtszunahme
- Kälteempfindlichkeit
- Depressive Verstimmungen
Folgen
Schwere Folgen einer Schilddrüsenunterfunktion sind selten. In der Schwangerschaft kann eine unbehandelte Unterfunktion jedoch Komplikationen und Beeinträchtigungen des Kindes zur Folge haben.
Para-Triathlon: Klassifizierung von Athleten
Die Klassifizierung von Athlet/innen ist eines der Hauptmerkmale des Sports für Menschen mit Behinderung. Alle Para-Triathletinnen und Para-Triathleten, die an nationalen sowie internationalen Meisterschaften teilnehmen möchten, müssen zuvor die Klassifizierung durchlaufen. Dabei werden verschiedene Tests wie beispielsweise Muskelfunktionstests und triathlonspezifische Techniktests absolviert und Punktwerte erzielt.
Startklassen im Para-Triathlon
- PTWC1: Athletinnen und Athleten mit Bewegungseinschränkungen, die ein konventionelles Fahrrad nicht sicher fahren können. Sie verwenden ein Liege-Handbike und einen Rennrollstuhl.
- PTWC2: Ähnlich wie PTWC1, aber mit weniger starken Bewegungseinschränkungen.
- PTS2-PTS5: Athletinnen und Athleten mit Bewegungseinschränkungen, die Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und in der Laufdisziplin nutzen.
- PTVI: Athletinnen und Athleten mit Sehbehinderung. Die Benutzung eines Tandems ist verpflichtend, und ein Guide ist während des gesamten Rennens obligatorisch.