ADHS: Die Rolle von Kinderärzten und Neurologen bei Diagnose und Behandlung

Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist eine häufige neurobehaviorale Störung, die Kinder und Jugendliche betrifft. Die Symptome von ADHS umfassen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Diagnose und Behandlung von ADHS erfordert einen multidisziplinären Ansatz, bei dem Kinderärzte, Neurologen und andere Fachkräfte zusammenarbeiten.

Die Rolle des Kinderarztes

Kinderärzte spielen eine entscheidende Rolle bei der ersten Erkennung von ADHS. Sie sind oft die ersten Ansprechpartner für Eltern, die sich Sorgen um das Verhalten ihres Kindes machen. Der Kinderarzt kann eine erste Beurteilung durchführen, um festzustellen, ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Zu den Aufgaben des Kinderarztes gehören:

  • Anamnese: Erhebung der medizinischen und familiären Vorgeschichte des Kindes.
  • Körperliche Untersuchung: Durchführung einer körperlichen Untersuchung, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
  • Verhaltensbeobachtung: Beobachtung des Verhaltens des Kindes in der Praxis.
  • Fragebögen und Checklisten: Verwendung standardisierter Fragebögen und Checklisten, um die Symptome des Kindes zu bewerten.
  • Überweisung: Bei Verdacht auf ADHS Überweisung an einen Spezialisten, z. B. einen Neurologen oder Kinder- und Jugendpsychiater.

Die Rolle des Neurologen

Neuropädiater sind Kinder- und Jugendärzte, die sich auf die Neurologie von Kindern spezialisiert haben. Sie verfügen über Fachkenntnisse in der Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen, einschließlich ADHS.

Zu den Aufgaben des Neurologen gehören:

  • Detaillierte neurologische Untersuchung: Durchführung einer umfassenden neurologischen Untersuchung, um die Gehirnfunktion des Kindes zu beurteilen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Messung der Hirnströme, um Anfallsleiden oder andere neurologische Probleme auszuschließen. EEG-Ambulanzen inklusive Schlaf-EEG ab dem Neugeborenenalter mit simultaner Videoaufzeichnung bei Bedarf.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) eingesetzt werden, um strukturelle Anomalien im Gehirn auszuschließen.
  • Neuropsychologische Tests: Durchführung neuropsychologischer Tests, um die kognitiven Fähigkeiten des Kindes zu beurteilen, einschließlich Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen. Neuropsychologische Testverfahren für Hochbegabung, LRS, Dyskalkulie, ADHS, Autismus etc.
  • Diagnosestellung: Auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse Stellung einer Diagnose.
  • Behandlungsplanung: Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans für das Kind.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose von ADHS basiert auf den Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Um die Diagnose ADHS zu stellen, müssen die Symptome in mehreren Umgebungen (z. B. zu Hause und in der Schule) vorhanden sein und die Funktionsfähigkeit des Kindes beeinträchtigen.

Zu den diagnostischen Verfahren gehören:

  • Klinische Interviews: Durchführung von Interviews mit dem Kind, den Eltern und Lehrern, um Informationen über die Symptome und das Verhalten des Kindes zu sammeln.
  • Verhaltensbeobachtungen: Beobachtung des Verhaltens des Kindes in verschiedenen Umgebungen.
  • Standardisierte Fragebögen und Checklisten: Verwendung standardisierter Fragebögen und Checklisten, um die Symptome des Kindes zu bewerten.
  • Neuropsychologische Tests: Durchführung neuropsychologischer Tests, um die kognitiven Fähigkeiten des Kindes zu beurteilen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Messung der Hirnströme, um Anfallsleiden oder andere neurologische Probleme auszuschließen.
  • EKG (Elektrokardiogramm): Messung der Herztätigkeit.
  • Blutuntersuchungen: Durchführung von Blutuntersuchungen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Behandlungsmethoden

Die Behandlung von ADHS umfasst in der Regel eine Kombination aus pädagogischen Maßnahmen, Verhaltenstherapien und medikamentöser Behandlung.

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Pädagogische Maßnahmen:

  • Individuelle Förderpläne: Entwicklung individueller Förderpläne für das Kind in der Schule.
  • Anpassungen im Klassenzimmer: Anpassungen im Klassenzimmer, um dem Kind zu helfen, sich zu konzentrieren und erfolgreich zu sein.
  • Elterntraining: Schulung der Eltern, um ihnen Strategien zur Bewältigung des Verhaltens ihres Kindes zu vermitteln. Zertifiziertes ADHS-Elterntraining ("Kidis-Schulung").

Verhaltenstherapien:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): KVT hilft dem Kind, seine Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.
  • Soziales Kompetenztraining: Soziales Kompetenztraining hilft dem Kind, soziale Fähigkeiten zu erlernen und zu verbessern.
  • Eltern-Kind-Interaktionstherapie (PKIT): PKIT hilft Eltern, eine positive und unterstützende Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.

Medikamentöse Behandlung:

  • Stimulanzien: Stimulanzien sind die am häufigsten verschriebenen Medikamente für ADHS. Sie helfen, die Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern und Hyperaktivität und Impulsivität zu reduzieren.
  • Nicht-Stimulanzien: Nicht-Stimulanzien sind eine weitere Option für die Behandlung von ADHS. Sie wirken anders als Stimulanzien und können bei manchen Kindern besser geeignet sein.

Zusätzliche Angebote und Spezialisierungen

Einige Praxen bieten zusätzliche Angebote und Spezialisierungen an, die für Kinder mit ADHS von Vorteil sein können. Dazu gehören:

  • Ernährungsberatung: Ernährungsberatung zur Verbesserung der Behandlung bei ernährungsbedingten Erkrankungen und Adipositas sowie zur Vermeidung von Folgeerkrankungen.
  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren zur Stressbewältigung und Förderung der Entspannung. Kursleiterzertifikat.
  • Komplementärmedizin: Angebote im Bereich der Komplementärmedizin wie Ayurveda, Homöopathie und Manualtherapie.
  • Neurostimulationsverfahren: Neurostimulationsverfahren wie TENS-Therapie.
  • Testpsychologische Diagnostik: Testpsychologische Diagnostik bei Lese- und Rechtschreibstörungen (LRS), Dyskalkulie, ADHS und Autismus.
  • Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ): Umfassende Diagnostik und Therapie von Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten.

Interdisziplinäre Kooperation und Netzwerke

Eine erfolgreiche Behandlung von ADHS erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachkräften, einschließlich Kinderärzten, Neurologen, Psychologen, Therapeuten und Lehrern. Interdisziplinäre Kooperation und Netzwerke sind entscheidend, um eine umfassende und koordinierte Versorgung zu gewährleisten. Beispiele hierfür sind Kooperationen in Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Kehl-Korg.

Wichtige Hinweise für Eltern

  • Frühzeitige Diagnose: Bei Verdacht auf ADHS sollte frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, um eine Diagnose zu stellen und mit der Behandlung zu beginnen.
  • Multidisziplinärer Ansatz: Die Behandlung von ADHS erfordert einen multidisziplinären Ansatz, bei dem verschiedene Fachkräfte zusammenarbeiten.
  • Individuelle Behandlung: Jeder Mensch mit ADHS ist anders. Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten sein.
  • Elterliche Unterstützung: Elterliche Unterstützung ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Eltern sollten sich aktiv an der Behandlung beteiligen und ihr Kind unterstützen.

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