Die Struma, im Volksmund auch Kropf genannt, bezeichnet eine Vergrößerung der Schilddrüse. Diese Vergrößerung kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Beschwerden verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze der Struma, wobei auch die Rolle des Vagusnervs und des Nervus laryngeus recurrens berücksichtigt wird.
Einführung in die Struma
Die Schilddrüse, lateinisch Glandula thyroidea, ist eine schmetterlingsförmige Drüse, die sich am Hals unterhalb des Kehlkopfes befindet. Sie besteht aus zwei Lappen, die durch eine schmale Gewebebrücke, den Isthmus, miteinander verbunden sind. Ihre Hauptaufgabe ist die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die für die Regulierung zahlreicher Stoffwechselvorgänge im Körper unerlässlich sind. Zudem produziert die Schilddrüse das Hormon Calcitonin, das den Kalziumhaushalt mitreguliert.
Eine Vergrößerung der Schilddrüse, die sogenannte Struma, kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Beschwerden verursachen. Die Struma ist in der Bevölkerung weit verbreitet und kann sowohl gutartige als auch bösartige Ursachen haben.
Ursachen der Struma
Die häufigste Ursache für eine Struma ist Jodmangel. Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Bei Jodmangel versucht die Schilddrüse, diesen Mangel durch Wachstum auszugleichen. Dies führt zu einer Vergrößerung des Organs, dem sogenannten Jodmangelkropf.
Weitere mögliche Ursachen für eine Struma sind:
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- Autoimmunerkrankungen: Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis sind Autoimmunerkrankungen, die die Schilddrüse beeinflussen und zu einer Vergrößerung führen können. Beim Morbus Basedow produziert das Immunsystem Antikörper, die die Schilddrüse stimulieren und zu einer Überfunktion führen. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem die Schilddrüse an und verursacht eine chronische Entzündung, die zu einer Unterfunktion führen kann.
- Entzündungen: Entzündungen der Schilddrüse, wie z.B. die Thyreoiditis de Quervain, können ebenfalls zu einer Struma führen.
- Knoten in der Schilddrüse: Einzelne oder mehrere Knoten in der Schilddrüse können zu einer Vergrößerung des Organs führen. Diese Knoten können gutartig (z.B. Adenome) oder bösartig (Schilddrüsenkrebs) sein.
- Medikamente: Einige Medikamente, wie z.B. Lithium, können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen und zu einer Struma führen.
- Hormonelle Störungen: Hormonelle Störungen, wie z.B. während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, können ebenfalls zu einer Struma führen.
- Schilddrüsenkrebs: Bösartige Neubildungen der Schilddrüse (Schilddrüsenkarzinome) können sich als Struma manifestieren.
Symptome der Struma
Eine Struma kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen. Im weiteren Verlauf können jedoch folgende Beschwerden auftreten:
- Sichtbare Vergrößerung des Halses: Die Struma kann als Verdickung des Halses auffallen.
- Druckgefühl im Hals: Viele Patienten klagen über ein Druck- oder Engegefühl im Hals.
- Schluckbeschwerden: Eine große Struma kann die Speiseröhre einengen und zu Schluckbeschwerden (Dysphagie) führen.
- Atembeschwerden: In seltenen Fällen kann eine Struma die Luftröhre einengen und zu Atemnot (Dyspnoe) führen. Dies kann sich als inspiratorischer Stridor äußern, einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen.
- Heiserkeit: Wenn die Struma auf den Nervus laryngeus recurrens drückt, kann dies zu Heiserkeit führen.
- Symptome einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion: Je nach Ursache der Struma können Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder -unterfunktion (Hypothyreose) auftreten.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):
- Unruhe
- Nervosität
- Reizbarkeit
- Schlafstörungen
- Herzrasen
- Schwitzen
- Wärmeintoleranz
- Gewichtsverlust
- Durchfall
- Haarausfall
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose):
- Müdigkeit
- Abgeschlagenheit
- Gewichtszunahme
- Verstopfung
- Trockene Haut
- Haarausfall
- Kälteempfindlichkeit
- Depressive Verstimmungen
- Muskelschwäche
Diagnose der Struma
Die Diagnose einer Struma umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Symptome, der Einnahme von Medikamenten und des Vorliegens von Schilddrüsenerkrankungen in der Familie.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet die Schilddrüse ab, um ihre Größe, Konsistenz und eventuelle Knoten zu beurteilen. Auch die Halslymphknoten werden abgetastet.
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Die Ultraschalluntersuchung ist eine schmerzfreie und nicht-invasive Methode, um die Größe der Schilddrüse und die Struktur des Gewebes darzustellen. Sie kann auch zur Beurteilung von Knoten und Zysten in der Schilddrüse verwendet werden.
- Blutuntersuchung: Die Blutuntersuchung dient zur Bestimmung der Schilddrüsenhormonwerte (TSH, fT3, fT4) und zur Feststellung einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion. Zudem können Antikörper gegen die Schilddrüse (z.B. TPO-AK, TRAK) bestimmt werden, um Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow zu diagnostizieren. Die Bestimmung des Calcitonins im Blutserum kann einen Hinweis auf das Vorhandensein eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (C-Zell-Karzinom) liefern.
- Schilddrüsenszintigrafie: Bei der Schilddrüsenszintigrafie wird dem Patienten eine geringe Menge einer radioaktiven Substanz verabreicht, die von der Schilddrüse aufgenommen wird. Mit einer speziellen Kamera wird dann die Verteilung der Radioaktivität in der Schilddrüse dargestellt. Dies ermöglicht die Beurteilung der Funktion des Schilddrüsengewebes und die Unterscheidung zwischen "heißen" (überaktiven) und "kalten" (unteraktiven) Knoten. Kalte Knoten sind verdächtig auf das Vorliegen eines Malignoms.
- Feinnadelpunktion: Bei Knoten in der Schilddrüse kann eine Feinnadelpunktion durchgeführt werden, um eine Gewebeprobe zu entnehmen. Diese Probe wird dann im Labor auf Krebszellen untersucht.
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B. eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT), um die Ausdehnung der Struma und ihre Beziehung zu umliegenden Strukturen zu beurteilen.
Behandlung der Struma
Die Behandlung der Struma richtet sich nach der Ursache, der Größe der Schilddrüse und den vorhandenen Beschwerden. Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
- Jodtherapie: Bei Jodmangelstruma kann die Einnahme von Jodtabletten oder die Verwendung von jodiertem Speisesalz die Schilddrüse verkleinern und die Hormonproduktion normalisieren.
- Hormontherapie: Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird das fehlende Schilddrüsenhormon L-Thyroxin in Tablettenform ersetzt. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion können Medikamente (Thyreostatika) eingesetzt werden, um die Hormonproduktion zu hemmen.
- Radiojodtherapie: Bei der Radiojodtherapie wird dem Patienten radioaktives Jod verabreicht, das sich in der Schilddrüse anreichert und das Schilddrüsengewebe zerstört. Diese Therapie wird häufig bei Schilddrüsenüberfunktion oder bei bestimmten Formen von Schilddrüsenkrebs eingesetzt.
- Operation: Eine Operation (Strumaresektion oder Thyreoidektomie) kann erforderlich sein, wenn die Struma sehr groß ist und Beschwerden wie Schluck- oder Atembeschwerden verursacht, wenn Knoten in der Schilddrüse vorhanden sind, die verdächtig auf Krebs sind, oder wenn eine Schilddrüsenüberfunktion nicht mit Medikamenten kontrolliert werden kann.
Chirurgische Behandlung der Struma
Die operative Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie) ist einStandardverfahren zur Behandlung der Struma. Das Operationsausmaß richtet sich dabei nach der Größe und Verteilung der Knoten. Meistens ist die Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie) zur Verhinderung eines Wiederauftretens (Rezidiv) der Struma notwendig. Bei lokalisiertem (einseitigem) Befall kann die komplette Entfernung der betroffenen Seite (Hemithyreoidektomie) ausreichend sein.
Wichtige Aspekte bei der Schilddrüsenoperation:
- Schonung des Nervus laryngeus recurrens: Der Nervus laryngeus recurrens ist ein Ast des Nervus vagus, der die Stimmbänder innerviert. Eine Verletzung dieses Nervs während der Operation kann zu Heiserkeit oder Stimmbandlähmung führen. Um das Risiko einer Nervenverletzung zu minimieren, wird in vielen Kliniken ein Neuromonitoring eingesetzt, bei dem die Funktion des Nervs während der Operation überwacht wird.
- Erhaltung der Nebenschilddrüsen: Die Nebenschilddrüsen liegen in unmittelbarer Nähe der Schilddrüse und sind für die Regulierung des Kalziumhaushaltes im Körper verantwortlich. Eine versehentliche Entfernung der Nebenschilddrüsen während der Operation kann zu einem Kalziummangel führen.
- Lymphknotenentfernung: Bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs werden während der Operation auch die Lymphknoten am Hals entfernt (Lymphadenektomie), da diese von Tumorzellen befallen sein können.
Nachsorge nach der Schilddrüsenoperation:
- Hormonsubstitution: Wenn die gesamte Schilddrüse entfernt wurde, müssen die fehlenden Schilddrüsenhormone in Tablettenform (L-Thyroxin) eingenommen werden. Die richtige Dosis wird durch regelmäßige Kontrollen der Hormonspiegel (TSH, fT3, fT4) im Blut ermittelt.
- Kalziumkontrolle: Nach der Operation wird der Kalziumspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert, um einen Kalziummangel frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Radiojodtherapie: Wenn im Rahmen der Operation Schilddrüsenkrebs festgestellt wurde, kann eine Radiojodtherapie erforderlich sein, um eventuell verbliebene Krebszellen zu zerstören.
Die Rolle des Vagusnervs und des Nervus laryngeus recurrens
Der Vagusnerv (zehnter Hirnnerv) spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung verschiedener Körperfunktionen, darunter auch die Funktion des Kehlkopfes und der Stimmbänder. Ein wichtiger Ast des Vagusnervs ist der Nervus laryngeus recurrens, der die Stimmbandmuskulatur innerviert. Wie bereits erwähnt, verläuft der Nervus laryngeus recurrens auf beiden Seiten des Halses in unmittelbarer Nähe der Schilddrüse. Bei Schilddrüsenoperationen besteht daher das Risiko, diesen Nerv zu verletzen, was zu Heiserkeit oder Stimmbandlähmung führen kann.
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Um das Risiko einer Nervenverletzung zu minimieren, ist eine sorgfältige chirurgische Technik und die Verwendung von Neuromonitoring während der Operation entscheidend.
Gutartige Erkrankungen
Kropf (Struma)
Als Struma bezeichnet man eine Vergrößerung der Schilddrüse über das normale Volumen hinaus. Die Struma ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Man unterscheidet eine unklar umgrenzte (diffuse) von einer knotigen (nodösen) Struma. Da bei der Struma meist noch ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, kommt es nur selten zu einer relevanten Funktionsstörung der Schilddrüse im Sinne einer Unterfunktion.
Ursache für eine Struma ist in der Regel ein ernährungsbedingter Jodmangel. Daher spricht man auch von einer „Jodmangelstruma“. Eine ausreichende Jod-Zufuhr ist die Voraussetzung für die Bildung der Schilddrüsenhormone. Werden aufgrund des Jodmangels zu wenig Hormone gebildet, reagiert die Schilddrüse mit einer Vergrößerung Ihrer Zellen und einer vermehrten Zellteilung, um die notwendigen Hormone produzieren zu können. Hierdurch kommt es zu einer Vergrößerung des gesamten Organs.
Die einfachste und wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Jodmangelstruma ist daher die Verwendung von jodiertem Speisesalz.
Ein aufgrund von Jodmangel bedingter Kropf verursacht bei noch ausreichender Hormonproduktion (Euthyreose) keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann es jedoch durch die Verdrängungseffekte der vergrößerten Schilddrüse zu Schluckbeschwerden (Dysphagie), zu einem Fremdkörpergefühl im Hals (Globusgefühl) und/oder zur erschwerten Atmung mit Luftnot (inspiratorischer Stridor/Dyspnoe) kommen.
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Eine ggf. vorhandene Unterfunktion der Schilddrüse zeichnet sich durch Gewichtszunahme, Verstopfung, Abgeschlagenheit, Haarverlust, Wärmeintoleranz und/oder Verlust der Libido aus.
Eine Schilddrüsenüberfunktion geht häufig mit Symptomen wie Unruhe, Gewichtsverlust, Schwitzen, Herzrasen und Durchfällen einher. Ursächlich für die Überfunktion bei Vorliegen einer Knoten-Struma ist meist ein Schilddrüsenadenom, das unkontrolliert Schilddrüsenhormone produziert und dessen Behandlung je nach Größe des Adenoms und Alter des Patienten entweder durch eine Radio-Jod-Therapie oder durch eine operative Entfernung erfolgen sollte.
Im Rahmen einer Blutuntersuchung lässt sich die Konzentration der Schilddrüsenhormone feststellen. In der Ultraschalluntersuchung kann die Größe der Schilddrüse und ihrer Knoten bestimmt werden.
Zur weiteren Abklärung bei Knoten oder Funktionsstörungen wird die Schilddrüsen-Szintigrafie eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der mit schwach radioaktiven Substanzen die Funktion des Schilddrüsengewebes dargestellt werden kann.
Zum Ausschluss einer bösartigen Schilddrüsenerkrankung besteht auch die Möglichkeit einer Feinnadelpunktion zur Gewinnung einer Gewebeprobe, die im Labor genauer untersucht werden kann.
Eine Schilddrüsen-Unterfunktion bei einer Struma kann durch eine medikamentöse Therapie mit Schilddrüsenhormonen gut behandelt werden. Wenn jedoch durch die vergrößerte Schilddrüse Beschwerden (Luftnot/Schluckstörung) verursacht werden, ist eine chirurgische Entfernung des erkrankten Gewebes erforderlich. Das Operationsausmaß richtet sich dabei nach der Größe und Verteilung der Knoten. Meistens ist die Entfernung der gesamten Schilddrüse (Thyreoidektomie) zur Verhinderung eines Wiederauftretens (Rezidiv) der Struma notwendig. Bei lokalisiertem (einseitigem) Befall kann die komplette Entfernung der betroffenen Seite (Hemithyreoidektomie) ausreichend sein. In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie wird zur Schonung der Stimmbandnerven (Nervus laryngeus recurrens) immer ein spezielles Gerät zur Detektion der Nerven verwendet um das Risiko einer Verletzung des Stimmbandnervs zu minimieren.
Sollte sich in der feingeweblichen Aufarbeitung des entnommenen Schilddrüsenanteils ein bösartiger Tumor herausstellen, muss entsprechend dem Tumortyp und der Tumorgröße innerhalb einer Woche eine weitere Operation mit entsprechender Entfernung der Hals-Lymphknoten einhergehen.
Bei der Nachsorge steht die richtige medikamentöse Einstellung mit Schilddrüsenhormonen (Hormonsubstitution) im Vordergrund. Wenn im Rahmen einer Operation Ihre Schilddrüse vollständig entfernt wurde, müssen Sie künftig die fehlenden Schilddrüsenhormone in Tabletten-Form einnehmen.
Nachdem die feingewebliche Aufarbeitung des entnommenen Materials eine bösartige Erkrankung ausgeschlossen hat, sollten Sie -dem Operationsausmaß angepasst- mit der Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten beginnen. Die richtige Dosis lässt sich durch regelmäßige Kontrollen der Hormonspiegel (TSH, fT3, fT4) im Blut leicht finden.
Entzündungen/Autoimmunerkrankungen
Morbus Basedow
Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunkrankheit. Das körpereigene Abwehrsystem produziert fälschlicherweise stimulierende Antikörper gegen die hormonbildenden Zellen der Schilddrüse. Dies hat sowohl eine Überfunktion als auch eine Vergrößerung der Schilddrüse zur Folge. 1-2 % der Bevölkerung entwickeln einen Morbus Basedow, wobei Frauen fünfmal häufiger als Männer betroffen sind.
Bei etwa 60% der Patienten zeigt sich als typisches Symptom ein Vordrängen der Augäpfel (Exophthalmus).
Die Ursachen des Morbus Basedow sind derzeit noch Gegenstand der Forschung. Vermutet werden jedoch Immunstörungen aufgrund eines genetischen Defektes.
Die mit dem Morbus Basedow einhergehende Überfunktion der Schilddrüse hat zahlreiche Beschwerden wie zum Beispiel Durchfall, Gewichtsverlust, Heißhunger, Wärmeunverträglichkeit, Hitzewallungen, Unruhe, Gereiztheit, Muskelschwäche und Herzrasen zur Folge. Eine massive Überfunktion kann zur sogenannten „hyperthyreoten Krise“ führen, die eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig macht.
Da der Morbus Basedow häufig auch mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergeht, kommt es oft auch zu einem Druckgefühl im Bereich des Halses. Der Immunprozess, der dem Morbus Basedow zu Grunde liegt, kann sich auch in anderen Körperregionen zeigen. Bei etwa 60% der Patienten wird zum Beispiel an den Augen ein typisches Vorwölben der Augäpfel sichtbar (Exophthalmus). Deutlich seltener zeigt sich in der Haut vor dem Schienbein eine nicht eindrückbare Schwellung (prätibiales Myxödem).
Die wichtigsten Bausteine bei der Diagnose eines Morbus Basedow sind die körperliche Untersuchung, das Patientengespräch, eine Blut- sowie eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse.
Die Konzentration der Schilddrüsenhormone sowie der Nachweis bestimmter Antikörper im Blut können mittels einer Blutabnahme bestimmt werden. Dabei geht es nicht nur um den Nachweis von Basedow-typischen Antikörpern, sondern vor allem auch um den Ausschluss anderer Ursachen für die eventuell entzündlich bedingte Schilddrüsenüberfunktion (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis).
Zur weiteren Standarddiagnostik gehört die Sonografie (Ultraschall), mit welcher Veränderungen des Schilddrüsengewebes festgestellt werden können.
Um die Funktion der Schilddrüse beurteilen und die erhöhte Aufnahme eines Indikatorstoffes in die Schilddrüse nachweisen zu können, sollte außerdem die Schilddrüsen-Szintigrafie durchgeführt werden.
Um die Behandlung beim M. Basedow für jeden Patienten zu optimieren, arbeiten wir mit drei Fachbereichen eng zusammen. Zum interdisziplinären Team gehört neben einem Chirurgen und einem Internisten (Endokrinologen) auch ein Nuklearmediziner, so dass für jeden Patienten ein individualisiertes Therapiekonzept entwickelt werden kann.
Die beim Morbus Basedow vorliegende Überfunktion der Schilddrüse muss durch Medikamente behandelt werden, welche den Hormonspiegel senken. Hierfür verwendet man sogenannte Schilddrüsenblocker (Thyreostatika), die die Produktion der Schilddrüsenhormone hemmen.
Eine Therapieoption bei kleinem Schilddrüsenvolumen und stabiler Stoffwechsellage besteht in der Behandlung mit radioaktivem Jod, das das Schilddrüsengewebe zerstören soll.
Eine operative Entfernung der gesamten Schilddrüse wird dann notwendig, wenn mit medikamentösen Mitteln keine Kontrolle über die Stoffwechsellage erreicht werden kann, eine ausgeprägte Augenbeteiligung vorliegt oder die Schilddrüse stark vergrößert ist. Weiterhin stellt die Operation die richtige Therapie dar, falls seitens der Patientin ein Kinderwunsch besteht und sich deshalb eine Radiojodtherapie verbietet. Beim M. Basedow wird immer die komplette Schilddrüse entfernt (Thyreoidektomie).
Bösartige Erkrankungen der Schilddrüse
Schilddrüsenkrebs
Als Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) wird eine bösartige Neubildung der Schilddrüse bezeichnet. Schilddrüsenkarzinome sind die häufigsten endokrinen Karzinome.
In Deutschland erkranken jährlich ca. 5000 Personen an Schilddrüsenkrebs, wobei Frauen insgesamt häufiger betroffen sind als Männer.
Bei Schilddrüsenkarzinomen werden vier Haupttypen unterschieden, von denen der häufigste Typ oft im mittleren Erwachsenenalter auftritt:
- Papilläres Karzinom (66%), Altersgipfel 40.-50. Lebensjahr
- Follikuläres Karzinom (27%), Altersgipfel 50.-60. Lebensjahr
- Anaplastisches Karzinom (4%), Altersgipfel > 60. Lebensjahr
- Medulläres Karzinom oder C-Zell Karzinom (3%)
Die genaue Entstehung von Schilddrüsenkarzinomen ist noch nicht eindeutig geklärt.
Bei den familiär gehäuft auftretenden medullären Schilddrüsenkarzinomen spielen genetische Faktoren eine entscheidende Rolle.
Die Einwirkung radioaktiver Strahlung, besonders in der Kindheit, wird als gesicherter Risikofaktor für die Entstehung eines Schilddrüsenkrebses gesehen.
Häufig fallen Schilddrüsenkarzinome erstmals durch eine rasch wachsende Knotenbildung im Bereich der Schilddrüse auf. Weitere wichtige Symptome sind vergrößerte Halslymphknoten, Schluckstörungen, Heiserkeit und eine derbe Konsistenz der Schilddrüse.
Besteht bei Ihnen der Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom so wird zunächst im Rahmen der körperlichen Untersuchung Ihre Schilddrüse abgetastet. Hierbei sind derbe, nicht schluckverschiebliche Knoten sowie begleitend geschwollene Hals-Lymphknoten verdächtig auf eine bösartige Neubildung der Schilddrüse. Zur weiteren Standarddiagnostik gehört die Sonografie (Ultraschall), mit welcher Veränderungen des Schilddrüsengewebes festgestellt werden können.
Mit der Bestimmung der Werte der Schilddrüsenhormone im Blut kann die Schilddrüsenfunktion überprüft werden. Die Bestimmung des Calcitonins im Blutserum liefert einen Hinweis auf das Vorhandensein eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (C-Zell-Karzinom).
Zur weiteren Abklärung bei Knoten wird die Szintigrafie eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der mit schwach radioaktiven Substanzen die Funktion des Schilddrüsengewebes dargestellt werden kann. In der Szintigrafie sind kalte Knoten in 3% der Fälle ein Karzinom.
Bei Verdacht auf eine bösartige Schilddrüsenerkrankung (kalter Knoten) ist unter Umständen auch eine Feinnadelpunktion zur Gewinnung von Gewebe, welches dann im Labor genauer untersucht werden kann, notwendig.
Ein Schilddrüsen-Karzinom kann allerdings abschließend nur durch eine operative Entfernung der fraglich bösartigen Schilddrüsenanteile mit anschließender histologischer Beurteilung des entfernten Gewebes ausgeschlossen werden. Daher kann auch ohne eine Feinnadelpunktion bei Knoten direkt operiert werden.
Das wichtigste Verfahren bei der Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms ist die Operation. In der Regel wird hierbei die gesamte Schilddrüse entfernt (Thyreoidektomie). Im Rahmen der Operation werden meist auch die Lymphknoten am Hals entfernt (Lymphadenektomie), da diese Lymphknoten von Tumorzellen befallen sein können. Insbesondere bei dieser Operation muss auf die vorsichtige Darstellung und Schonung der Stimmbandnerven geachtet werden. Deshalb setzen wir bei allen Schilddrüsenoperationen mit einem Neuromonitoring-Gerät, das durch die Messung der Nervenfunktion eine intraoperative Verletzung eines Stimmbandnerven (N. recurrens) weitgehend ausschließen kann. Außerdem achten wir bei der Operation auf die Erhaltung der Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen), damit es nach der Operation nicht zu Kalziumstoffwechselstörungen mit Kribbeln insbesondere im Bereich des Mundes und der Hände kommt.
Bereits am Abend der Operation dürfen Sie in der Regel bereits wieder trinken und flüssige Nahrung zu sich nehmen. Nach einer abschließenden Untersuchung der Stimmbandfunktion können Sie bei einem unkomplizierten Verlauf das Krankenhaus bereits am 3.-5. Tag nach der Operation verlassen.