Die Anatomie des Nervensystems ist ein komplexes und faszinierendes Gebiet, das für das Verständnis vieler medizinischer Bereiche unerlässlich ist. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die Anatomie des Nervus dorsalis, wobei der Fokus auf seiner Funktion, seinem Verlauf und seiner klinischen Bedeutung liegt.
Einführung
Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk von Nerven und Zellen, die Informationen zwischen verschiedenen Körperteilen übertragen. Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (ZNS), das Gehirn und Rückenmark umfasst, und dem peripheren Nervensystem (PNS), das alle Nerven außerhalb des ZNS umfasst. Der Nervus dorsalis, auch bekannt als Dorsalnerv, spielt eine wichtige Rolle im PNS, insbesondere bei der Innervation der Haut und der Muskeln des Rückens.
Der Plexus brachialis: Anatomische Grundlagen
Um ein fundiertes anatomisches Verständnis für die differenzierte Auswahl des Blockadeortes des Plexus brachialis zu erhalten, ist es wichtig, die grundlegende Anatomie dieses Nervengeflechts zu kennen. Der Plexus brachialis wird aus den ventralen Ästen zervikaler und thorakaler Spinalnerven (C5-Th1) gebildet. Diese Nerven verschalten sich mehrfach und weisen höchst variable Verläufe auf.
Die vier klassischen Zugangswege zum Plexus brachialis sind:
Interscalenär: Dieser Zugang wird häufig für Schulteroperationen verwendet (C5/C6), ist aber bei Operationen am Ellenbogen, Unterarm und Hand (C5-C8) unzuverlässig. Eine unerwünschte Blockade des Nervus phrenicus ist anatomisch bedingt nicht vermeidbar.
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Supraclavikulär: Dieser Zugang eignet sich für Operationen an Schulter und Arm (C5-Th1). Es besteht die Möglichkeit, den Truncus superior gezielt zu blockieren (für bestimmte Schulteroperationen). Alle Trunci können blockiert werden, was Operationen an Arm und Schulter ermöglicht. Der Zugang zu den Nn. supraclaviculares oberhalb der Fascia prävertebralis ist möglich, und der N. suprascapularis wird erreicht. Ein Pneumothorax ist bei "blindem" Kanülenvorschub möglich, und das Risiko arterieller Gefäßverletzungen ist anatomisch betrachtet höher als bei anderen Positionen.
Infraclavikulär: Unterhalb der Clavicula werden die Faszikel des Plexus brachialis erreicht. Die klassische vertikal infraclaviculäre Plexus brachialis-Blockade (ViB oder ViP) mit peripherer elektrischer Nervenstimulation (PNS) ist eine etablierte Technik und anatomisch begründet.
Axillär: In dieser Ebene sind nur noch periphere Nerven vorhanden, es ist kein Plexus mehr im eigentlichen Sinne. Operationen am Ellenbogen, Unterarm und Hand können problemlos mit einer selektiven Blockade der vier relevanten Nerven durchgeführt werden: N. radialis, medianus, ulnaris und musculocutaneus.
Anatomische Übersicht des Plexus brachialis
Der Plexus brachialis wird von zentral nach peripher in folgender Reihenfolge gebildet:
Rami ventrales der Spinalnerven C5-Th1: Die Truncusbildung kann man erkennen, indem man die Rr. ventrales vom Neuroforamen nach kaudal sonographisch darstellt. Der Zusammenschluss der Rr. ventrales aus C5 und C6 zum Truncus superior kann dargestellt werden.
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Trunci (Tr. superior, Tr. medius, Tr. inferior)
Divisiones (anteriores und posteriores)
Fasciculi (Fasc. lateralis, Fasc. medialis, Fasc. posterior)
Nervi peripherici (N. musculocutaneus, N. axillaris, N. radialis, N. medianus, N. ulnaris)
Sonoanatomie des Plexus brachialis
Die Sonoanatomie ist ein wichtiger Aspekt der Regionalanästhesie. Ultraschallbilder ermöglichen die Visualisierung des Plexus brachialis und seiner umgebenden Strukturen, was die Genauigkeit und Sicherheit von Nervenblockaden verbessert.
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Interscalenäre Blockade
Bei der interscalenären Blockade ist der N. phrenicus, in der Regel mit einem Hauptanteil aus C4, in direkter Nähe der Plexusbildung auf dem M. scalenus anterior zu finden. Er liegt wie die Rr. ventrales, die den Plexus bilden, tief zur Fascia praevertebralis. Breitet sich während einer interscalenären Blockade das Lokalanästhetikum nach medial aus, ist eine einseitige N. phrenicus-Blockade die Folge.
Supraclaviculäre Blockade
Bei der klassischen ultraschallgestützten Blockade des Plexus brachialis auf supraclaviculärer Ebene ist die Ultraschallsonden parallel zur Clavicula angelotet und wird in die obere Thoraxapertur geneigt. A. subclavia, 1. Rippe, Pleura und die Divisiones und oder Trunci des Plexus brachialis lateral zur Arterie sind die typischen sonografischen Landmarken.
Infraclaviculäre Blockade
Unterhalb der Clavicula werden die Faszikel des Plexus brachialis erreicht. Je nach Anschnitt sind Rippe(n) und die Pleura erkennbar.
Axilläre Blockade
Eine der sonografischen Landmarken ist die Sehne des M. latissimus dorsi, die den M. teres major bedeckt. Die peripheren Nerven des Plexus brachialis liegen hier oberflächlich zur Sehne, aber unterhalb der Oberarmfaszie.
Klinische Bedeutung
Die Kenntnis der Anatomie des Plexus brachialis ist entscheidend für die Durchführung von Regionalanästhesien. Eine präzise Nervenblockade ermöglicht eine effektive Schmerzlinderung und reduziert den Bedarf an Opioiden.
Regionalanästhesie
Die Regionalanästhesie des Plexus brachialis wird häufig für Operationen an der oberen Extremität eingesetzt. Die Wahl des Zugangswegs hängt von der Art der Operation und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab.
Schmerztherapie
Die Blockade des Plexus brachialis kann auch zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt werden, z. B. bei neuropathischen Schmerzen oder komplexen regionalen Schmerzsyndromen (CRPS).
Der Nervus laryngeus recurrens und seine Bedeutung bei Schilddrüsenoperationen
Ein wichtiger Aspekt der Anatomie des Halses ist der Nervus laryngeus recurrens, der eine entscheidende Rolle bei Schilddrüsenoperationen spielt. Dieser Nerv, der aus dem Nervus vagus entspringt, innerviert die meisten Muskeln des Kehlkopfes und ist somit für die Stimmfunktion von großer Bedeutung.
Anatomischer Verlauf
Der Nervus laryngeus recurrens verläuft auf beiden Seiten des Halses unterschiedlich. Auf der rechten Seite umrundet er den Truncus brachiocephalicus, während er auf der linken Seite den Aortenbogen umrundet. Anschließend steigt er in der Rinne zwischen der Trachea und dem Ösophagus (Sulcus tracheooesophageus) zum Kehlkopf auf.
Gefahren bei Schilddrüsenoperationen
Bei Schilddrüsenoperationen besteht die Gefahr, dass der Nervus laryngeus recurrens verletzt wird. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu Heiserkeit oder sogar zum Verlust der Stimme führen. Um das Risiko einer Verletzung zu minimieren, ist es wichtig, den anatomischen Verlauf des Nervs genau zu kennen und ihn während der Operation sorgfältig zu schonen.
Intraoperatives Neuromonitoring (IONM)
Das intraoperative Neuromonitoring (IONM) ist eine Technik, die während Schilddrüsenoperationen eingesetzt wird, um die Funktion des Nervus laryngeus recurrens zu überwachen. Dabei werden Elektroden am Kehlkopf angebracht, um die Nervenaktivität zu messen. Wenn eine Veränderung der Nervenaktivität festgestellt wird, kann der Chirurg sofort Maßnahmen ergreifen, um eine Verletzung des Nervs zu vermeiden.
Varianten des Nervus laryngeus recurrens
In einigen Fällen kann der Nervus laryngeus recurrens eine ungewöhnliche Anatomie aufweisen. Eine solche Variante ist der Nervus recurrens non recurrens, bei dem der Nerv nicht um den Truncus brachiocephalicus oder den Aortenbogen verläuft, sondern direkt zum Kehlkopf aufsteigt. Diese Variante tritt häufig in Verbindung mit einer Arteria lusoria auf, einer Fehlbildung der Aorta.
Der Ramus externus nervi laryngei superioris
Ein weiterer wichtiger Nerv im Zusammenhang mit der Schilddrüsenchirurgie ist der Ramus externus nervi laryngei superioris. Dieser Nerv versorgt den Musculus cricothyroideus, einen Muskel, der für die Spannung der Stimmbänder und somit für die Produktion hoher Töne verantwortlich ist. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu einer Beeinträchtigung der Stimme führen, insbesondere beim Singen oder Sprechen in hohen Tonlagen.
Weitere wichtige Nerven im Halsbereich
Neben dem Nervus laryngeus recurrens und dem Ramus externus nervi laryngei superioris gibt es noch weitere wichtige Nerven im Halsbereich, die bei Operationen gefährdet sein können:
Nervus accessorius: Dieser Nerv innerviert den Musculus trapezius und den Musculus sternocleidomastoideus. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu einer Schwäche oder Lähmung dieser Muskeln führen.
Nervus hypoglossus: Dieser Nerv innerviert die Zungenmuskulatur. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken führen.
Nervus phrenicus: Dieser Nerv innerviert das Zwerchfell. Eine Verletzung dieses Nervs kann zu Atemproblemen führen.
Die Schilddrüse: Anatomie und Funktion
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich im unteren Halsbereich vor der Trachea befindet. Sie produziert die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die eine wichtige Rolle bei der Regulation des Stoffwechsels spielen.
Entwicklung der Schilddrüse
Die Schilddrüse entwickelt sich während der Embryonalentwicklung am Zungengrund und wandert dann nach kaudal an ihren endgültigen Ort vor der Trachea. Entlang dieser Wanderung können sich Zysten bilden, die als Thyreoglossuszysten bezeichnet werden.
Blutversorgung der Schilddrüse
Die Schilddrüse ist ein stark durchblutetes Organ. Sie wird von der Arteria thyroidea superior und der Arteria thyroidea inferior versorgt. Die Arteria thyroidea superior entspringt meistens aus der Arteria carotis externa, während die Arteria thyroidea inferior meistens aus dem Truncus thyreocervicalis entspringt. In seltenen Fällen kann es eine Arteria thyroidea ima geben, die direkt vom Aortenbogen abgeht.
Nebenschilddrüsen
In der Nähe der Schilddrüse befinden sich die Nebenschilddrüsen, kleine Organe, die das Parathormon produzieren. Das Parathormon spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Kalziumspiegels im Blut. Bei Schilddrüsenoperationen ist es wichtig, die Nebenschilddrüsen zu schonen, um eine Hypoparathyreoidismus zu vermeiden.