Abdominelle Migräne im Brustkorb: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die abdominelle Migräne, auch Bauchmigräne genannt, ist eine idiopathische, wiederkehrende Störung, die sich vor allem bei Kindern in Form von episodisch auftretenden heftigen, akuten periumbilikalen Schmerzen manifestiert, welche 1-72 Stunden anhalten. Sie kann wie ihre bekanntere Variante im Kopf zu heftigen Beschwerden führen.

Was ist abdominelle Migräne?

Abdominelle Migräne (AM) ist eine Art von Migräne, die sich hauptsächlich durch Bauchschmerzen äußert. Sie ist durch starke paraumbilikale (um den Bauchnabel herum auftretende) Bauchschmerzattacken gekennzeichnet, die zwischen einer Stunde und mehreren Tagen andauern können. Diese Attacken gehen oft mit Anorexie (Appetitlosigkeit), Nausea (Übelkeit), Erbrechen, Cephalgie (Kopfschmerzen), Photophonie oder Blässe einher. Der Stuhlgang ist dabei völlig unauffällig. Zwischen den Attacken gibt es ein schmerzfreies Intervall von circa sechs bis zwölf Stunden.

Ursachen und Auslöser

Die genaue Ursache der abdominellen Migräne ist noch nicht vollständig erforscht. Es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Einige mögliche Auslöser sind:

  • Stress: Stress kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen Migräneattacken auslösen.
  • Schlafmangel: Unzureichender Schlaf kann ebenfalls ein Auslöser sein.
  • Bestimmte Nahrungsmittel: Einige Nahrungsmittel, wie z.B. Schokolade, Käse oder Zitrusfrüchte, können bei manchen Menschen Migräneattacken provozieren.
  • Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus oder der Schwangerschaft Migräneattacken auslösen.

Es ist wichtig, die individuellen Auslöser zu ermitteln, um die Attacken zu vermeiden oder zu reduzieren.

Symptome

Die Hauptsymptome der abdominellen Migräne sind:

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  • Episodisch auftretende, heftige, akute periumbilikale Schmerzen: Die Schmerzen sind typischerweise in der Nabelgegend lokalisiert.
  • Nausea (Übelkeit)
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit (Anorexie)
  • Kopfschmerzen (Cephalgie)
  • Lichtempfindlichkeit (Photophonie)
  • Blässe

Die Symptome können zwischen einer Stunde und mehreren Tagen andauern. Zwischen den Attacken gibt es in der Regel ein schmerzfreies Intervall.

Diagnose

Die Diagnose der abdominellen Migräne basiert in erster Linie auf den klinischen Symptomen. Es gibt keine spezifischen Tests, um die Diagnose zu bestätigen. Der Arzt wird in der Regel eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere mögliche Ursachen der Bauchschmerzen auszuschließen.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, andere Ursachen von Bauchschmerzen auszuschließen, bevor die Diagnose einer abdominellen Migräne gestellt wird. Einige mögliche Differentialdiagnosen sind:

  • Anatomische Malformationen/Fehlbildungen: Z. B. Divertikulitis.
  • Funktionelle Abdominalschmerzen:
  • Gynäkologische Erkrankungen: Z. B. Extrauteringravidität (heterotope Schwangerschaft).
  • Hereditäres Angioödem (HAE): Durch C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH)-Mangel (Blutprotein-Mangel).
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): (Rechts‑)Herzinsuffizienz mit „cirrhose cardiaque“ bzw.
  • Ileus (Darmverschluss): Ggf. mechanisch: von außen (Adhäsionen, Briden, Tumor) oder von innen (Kolonkarzinom, Gallensteinileus Kotsteine), mit Strangulation.
  • Mastozytose: Bei der systemischen Mastozytose treten zudem episodisch gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), (Nausea (Übelkeit), brennende Abdominalschmerzen und Diarrhoe (Durchfall)), Ulkuskrankheit sowie gastrointestinale Blutungen (Magen-Darmblutungen) und Malabsorption (Störung der Nahrungsresorption) auf.
  • Mikroskopische Kolitis oder mikroskopische Colitis (MC): Chronische, etwas atypisch ablaufende Entzündung der Schleimhaut des Kolons (Dickdarm).
  • Porphyrie: Chron. Porphyrie bzw. akute intermittierende Porphyrie (AIP); genetische Erkrankung mit autosomal-dominantem Erbgang.
  • Sekundärer Psoasabszess: Dieser entsteht durch direkte Infektausbreitung benachbarter Organe (80 % der Fälle sind gastrointestinale Ursachen (Appendicitis, Divertikulitis, Kolonkarzinom, Morbus Crohn)).
  • Syndrom der schmerzhaften Rippe: Tietze-Syndrom (Synonyme: Chondroosteopathia costalis, Costochondritis, Morbus Tietze) - seltene idiopathische Chondropathie der Rippenknorpel am Ansatz des Sternums (schmerzhafte Sternalansätze der 2. und 3. Rippe).
  • Toxisches Megakolon: Durch Toxine bedingte Lähmung und massive Dilatation des Kolons (Weitstellung des Dickdarms; > 6 cm), welche mit akutem Abdomen (stärkste Bauchschmerzen), Erbrechen, klinischen Zeichen des Schocks und Sepsis (Blutvergiftung) einhergeht.
  • Ulkus (Geschwür):
  • Yersinieninfektion

Behandlung

Die Behandlung der abdominellen Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Die Behandlung kann medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze umfassen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Vermeidung von Auslösern: Es ist wichtig, die individuellen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Dies kann bedeuten, bestimmte Nahrungsmittel zu meiden, Stress zu reduzieren oder für ausreichend Schlaf zu sorgen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßige Mahlzeiten können helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Ausreichend Flüssigkeit kann helfen, Dehydration zu vermeiden, die ein Auslöser für Migräneattacken sein kann.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Bei akuten Attacken können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Antiemetika: Antiemetika können helfen, Übelkeit und Erbrechen zu reduzieren.
  • Triptane: Triptane sind Medikamente, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie können helfen, die Schmerzen und andere Symptome der Migräne zu lindern.
  • Prophylaktische Medikamente: Wenn die Attacken häufig auftreten, kann der Arzt prophylaktische Medikamente verschreiben, um die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Einige mögliche prophylaktische Medikamente sind Betablocker, Antidepressiva oder Antikonvulsiva.

Abdominelle Migräne bei Kindern

Bei Kindern äußern sich akute Bauchschmerzen meist durch Weinen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen oder Durchfall. Das Baby krümmt sich evtl., reagiert empfindlich auf Berührung des Bauches und will nicht essen. Ältere Kinder können Bauschmerzen meist gut beschreiben. Oft sind Magen-Darm-Infekte die Ursache. Bei wiederkehrendem Fieber, Gewichtsverlust oder Gedeihstörungen sollte immer der Kinder- und Jugendarzt aufgesucht werden. Bauchmigräne oder abdominelle Migräne ist in vielen Fällen eine Vorstufe zur Migräne. Kinder sind dabei von regelmäßig auftretenden Bauchschmerzattacken betroffen, die von Übelkeit, Erbrechen, Blässe und/oder Appetitlosigkeit sowie evtl. Lichtscheu begleitet werden. Die Schmerzen zentrieren sich um den Bauchnabel. Eine Bauchmigräne kann später in eine „Kopfmigräne“ übergehen. Wird eine Bauchmigräne vermutet, ist es wichtig, die Auslöser zu ermitteln, wie beispielsweise Stress und Schlafmangel. Schätzungsweise 1 bis 4% aller Kinder leiden unter einer abdominellen Migräne - vorwiegend im Grundschulalter.

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Psychische Aspekte und Komorbiditäten

Migräne kommt nicht immer allein. Tatsächlich können viele Patienten weitere Erkrankungen, in der Fachsprache Komorbiditäten genannt, entwickeln. Zum einen haben Menschen mit Migräne ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen wie für Depressionen, generalisierte Angststörungen oder bipolare Störungen. Zum anderen steht Migräne schwach mit Epilepsie in Verbindung. Studien haben gezeigt, dass für Migräne-Patienten ein erhöhtes Risiko für Depressionen besteht, besonders für Frauen mit einer Migräne mit Aura. Generalisierte Angststörungen und Migräne können sich gegenseitig bedingen - Migräne-Patienten haben ein vierfach erhöhtes Risiko für eine generalisierte Angst. Vor allem wenn Menschen unter chronischer Migräne leiden, besteht die Gefahr, dass sie Ängste vor der nächsten Attacke entwickeln.

Reizdarm und Migräne

Immer mehr Studien zeigen, dass auch ein Reizdarmsyndrom womöglich mit Migräne in Verbindung steht. Laut einer Studie besteht für Menschen mit Migräne ein 1,95-fach erhöhtes Risiko, das Reizdarmsyndrom zu entwickeln.

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