Viele Menschen, die sich für das Gebiet der Neurologie interessieren, gehen davon aus, dass ein Medizinstudium unumgänglich ist. Doch es gibt auch alternative Karrierewege, die einen Einstieg in dieses spannende Feld ermöglichen, ohne dass man zwingend Arzt werden muss. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Möglichkeiten, sich beruflich in der Neurologie zu engagieren, sowohl mit als auch ohne medizinische Ausbildung.
Der klassische Weg: Neurologe/Neurologin
Der traditionelle Weg, um in der Neurologie tätig zu werden, führt über ein Medizinstudium. Dieses gliedert sich in Vorklinik, Klinik und praktisches Jahr.
- Vorklinik: In den ersten beiden Jahren stehen theoretische Grundlagen in Fächern wie Biologie, Chemie und Anatomie auf dem Programm, außerdem ein Pflegepraktikum und eine Ausbildung in erster Hilfe. Vier vierwöchige Praktika, sogenannte Famulaturen, müssen angehende Mediziner in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren. Wer sich für Neurologie interessiert, kann jetzt erstmals in den Alltag einer neurologischen Klinik oder einer neurologischen Arztpraxis schnuppern.
- Klinik: Während der dreijährigen Klinik vervollkommnen Studierende aber auch ihre theoretischen Kenntnisse: etwa in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Chirurgie, und natürlich auch in Neurologie.
- Praktisches Jahr (PJ): Angehende Ärztinnen und Ärzte sammeln jetzt Erfahrungen im Umgang mit Patienten, mit der Arbeit in der Klinik oder der Arztpraxis. Zwei Tertiale des PJ müssen im Fachbereich Innere Medizin und in der Chirurgie absolviert werden.
Nach dem bestandenen Staatsexamen folgt eine fünfjährige Facharztausbildung in Neurologie. In dieser Zeit lernen angehende Neurologen, wie man eine Anamnese erhebt, Patienten untersucht, diagnostiziert und behandelt, wie neurologische Notfälle und palliativmedizinische Patienten versorgt werden und wie man wissenschaftlich begründete Gutachten sowie Rehabilitationspläne erstellt. Dazu müssen sie sechs Monate in der intensivmedizinischen Versorgung neurologischer Patienten ableisten, zwölf Monate in Psychiatrie und Psychotherapie und 24 Monate in der stationären neurologischen Patientenversorgung.
Aufgaben und Tätigkeiten eines Neurologen
Neurologen beschäftigen sich mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Nervensystems, was auch das Gehirn und das Rückenmark beinhaltet. Sie behandeln ein breites Spektrum an Krankheiten, darunter:
- Schlaganfall (Apoplex)
- Gehirntumor
- Wasserkopf (Hydrozephalus)
- Parkinson
- Multiple Sklerose
- Migräne
- Hirnblutungen
- Gehirnentzündung (Meningitis)
Ein Großteil der in Deutschland tätigen Neurologen arbeitet in einem Krankenhaus oder einer Klinik. Sie führen neurologische Untersuchungen durch, veranlassen bildgebende Verfahren wie CT oder MRT und dokumentieren ihre Befunde sorgfältig.
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Gehaltsperspektiven für Neurologen
Assistenzärztinnen und -ärzte in der Neurologie verdienen durchschnittlich 57800 Euro brutto im Jahr. Als Neurologe bedeutet das ein Anfangsgehalt von etwa 4.000 bis 5.000 Euro zu Beginn der Weiterbildung. Als ausgebildeter Facharzt verdienen Neurologen außerordentlich gut. Als alleinige Praxisinhaber kommen Neurologen nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf einen Reinertrag von durchschnittlich 155.000 Euro im Jahr. Die Gehaltsspanne für angestellte Fachärzte für Neurologie bewegt sich insgesamt zwischen 54.000 Euro und 122.000 Euro brutto im Jahr. Pro Monat verdienen Neurologen damit zwischen 4.500 und 10.000 Euro brutto. Das Gehalt in der Klinik hängt von Berufserfahrung und Position ab. Die Karriereleiter beginnt als Assistenzarzt, führt über den Facharzt und den Oberarzt bis zum Leitenden Oberarzt bzw. Chefarzt.
Persönliche Voraussetzungen für den Beruf
Wichtig für den Beruf Neurologe ist auch, dass man sich gut in Menschen hineinversetzen und einfühlsam mit ihnen kommunizieren kann. Schließlich teilt man ihnen manchmal lebensverändernde Diagnosen mit und sollte diese mit entsprechendem Feingefühl anbringen. Ein gutes räumliches Denken und eine ausgeprägte Beobachtungsgabe helfen ebenfalls, genauso wie geschickte Hände und eine gute Selbstorganisation.
Alternative Karrierewege in der Neurologie ohne Medizinstudium
Auch ohne ein abgeschlossenes Medizinstudium gibt es interessante Möglichkeiten, sich in der Neurologie zu engagieren. Diese Berufe tragen auf unterschiedliche Weise zur Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen bei.
Neuropsychologe/Neuropsychologin
Neuropsychologen haben eine abgeschlossene Universitätsausbildung in Psychologie mit anschließender Zusatzausbildung in der Neuropsychologie. Sie diagnostizieren und behandeln seelische und mentale Störungen nach Erkrankungen des Gehirns, z.B. Hirnverletzung, Schlaganfall, entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Ihre Aufgabe ist also die die Diagnostik und Behandlung von seelischen und mentalen Störungen nach Erkrankungen des Gehirns, z.B. Hirnverletzung, Schlaganfall, entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
Psychotherapeut/Psychotherapeutin
Psychotherapeuten haben entweder eine ärztliche oder psychologische Universitätsausbildung absolviert. Die Psychotherapieausbildung beginnt nach Abschluss des Examens. Sie heißen daher entweder psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeut. Sie arbeiten mit verschiedenen Techniken, dazu gehören die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie, die kognitiv-behaviorale Therapie und u.a. Ihre Aufgabe ist die Behandlung von psychischen Störungen, sei es aufgrund privater Konflikte, sei es aufgrund lebensgeschichtlicher Entwicklungen, oder sei es auch nach schweren Erkrankungen.
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Neuroradiologe/Neuroradiologin
Neuroradiologen sind Spezialisten für die Bildgebung des Gehirns und des Rückenmarks. Sie haben eine Facharztausbildung zum Radiologen absolviert und sich anschließend auf die Neuroradiologie spezialisiert. Sie führen diagnostische Verfahren durch und können auch nicht-operative Behandlungen von Gefäßmissbildungen oder Gefäßeinengungen vornehmen (interventionelle Neuroradiologie).
Neurobiologe/Neurobiologin
Neurobiologen sind Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung des Nervensystems beschäftigen. Das Fach der Neurobiologie ist allerdings viel zu umfangreich, als dass eine einzige Person dieses ganzheitlich abdecken könnte. Aus diesem Grund geht die Arbeit als Neurobiologe stets mit einer Spezialisierung auf einen kleineren Teilbereich einher. Beispielhafte Fragestellungen sind etwa das Verhältnis von neuronalen Netzwerken zu Verhaltensabläufen, der Ablauf von Wahrnehmungs- und Lernprozessen auf Hirnebene oder auch die Rolle von Nervenentwicklungen bei der Evolutionsbiologie. Ihre Arbeit umfasst Forschung, Lehre und die Präsentation von Ergebnissen in wissenschaftlichen Artikeln und auf Fachkonferenzen. Obwohl Neurobiologen primär Grundlagenforschung betreiben, können ihre Erkenntnisse beim Verständnis von neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer von großem Nutzen sein.
Andere Berufe im Gesundheitswesen
Neben den genannten Spezialisierungen gibt es weitere Berufe im Gesundheitswesen, die einen Bezug zur Neurologie haben können, ohne dass ein Medizinstudium erforderlich ist:
- Ergotherapeuten: Sie unterstützen Patienten mit neurologischen Erkrankungen dabei, ihreAlltagsfähigkeiten wiederzuerlangen oder zu verbessern.
- Logopäden: Sie behandeln Sprach-, Sprech-, Schluck- und Stimmstörungen, die durch neurologische Erkrankungen verursacht sein können.
- Physiotherapeuten: Sie helfen Patienten, ihre Beweglichkeit und Koordination nach neurologischen Schädigungen wiederherzustellen.
- Pflegekräfte: Sie betreuen und pflegen Patienten mit neurologischen Erkrankungen in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken oder zu Hause.
Karriere außerhalb von Klinik und Praxis
Wer sich nach seiner Approbation gegen eine Facharztausbildung entscheidet, hat trotzdem gute Chancen, Karriere zu machen. Besonders außerhalb von Klinik oder Praxis gibt es interessante Berufsfelder, bei denen nicht zwingend ein Facharztabschluss benötigt wird. In Bereichen wie Forschung, Industrie, Wirtschaft, Behörden und Versicherungen zählen oft andere Qualifikationen mehr. Zertifikate und Kurse zum Beispiel in Public Health, Medizinrecht, Gesundheitsökonomie oder Medizininformatik können in verschiedenen Berufsfeldern besonders gefragt sein.
Medizinjournalismus
Medizinjournalisten recherchieren und schreiben medizinisch-wissenschaftliche Artikel für Print- und Internet-Medien, erstellen Beiträge für Radio- und Fernsehsendungen oder publizieren Bücher. Sie arbeiten in Verlagen, Redaktionen, Presseagenturen oder Sendeanstalten. Voraussetzung für die Tätigkeit als Medizinjournalist sind ein abgeschlossenes Studium, gute Allgemeinbildung, Fremdsprachenkenntnisse und Kommunikationsbereitschaft.
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Public Health
Im Bereich Public Health arbeitet der Arzt im interdisziplinären Team mit Psychologen, Pädagogen, Wirtschaftswissenschaftlern oder Juristen. Tätigkeitsfelder sind zum Beispiel die epidemiologische Forschung, die Entwicklung von Gesundheitsförderprogrammen für Betriebe und Schulen, die Gesundheitsberatung oder das Management von Entwicklungshilfeprojekten.
Management und Wirtschaft
Medical Manager, Health Manager, Gesundheitsmanagement, Krankenhauscontrolling und anderes - die Liste der Begriffe, die zwei bisher verschiedene Disziplinen in einem Beruf vereinen, ließe sich noch verlängern. In diesen Kursen werden Grundlagen aus der Betriebswirtschaftslehre, wie beispielsweise Controlling, Qualitätsmanagement und Recht, vermittelt sowie Inhalte aus Management und Medizininformatik gelehrt. Berufliche Perspektiven sind unter anderem Führungspositionen im Krankenhaus und dem dortigen Qualitätsmanagement, im Controlling und Consulting.
Medizinische Informatik
Durch die Verbreitung der Krankenhaus-Informationssysteme (KIS) und die rasante Entwicklung ins „e-health“-Zeitalter ist der Medizininformatiker (MI) aus dem Gesundheitsbereich nicht mehr wegzudenken. Ebenso gefragt sind Ärzte mit der Zusatzqualifikation „medizinische Informatik“. Diese umfasst die Grundlagen der Informatik, des Datenschutzes und der Betriebswirtschaftslehre sowie Kenntnisse der gängigen Informationssysteme, der Bildverarbeitung, der Biometrie und wissensbasierter Systeme.
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