Adrenalin, Dopamin, Serotonin, Oxytocin, Vasopressin: Die Chemie der Liebe und ihre Unterschiede

Die Liebe, ein Gefühl, das Dichter und Denker seit jeher beschäftigt, ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Goethe nannte sie „Glück ohne Ruh“, Rilke ein „Leuchten mit unerschöpflichem Öle“ und Platon etwas weniger romantisch „eine Geisteskrankheit“. Doch was steckt wirklich hinter diesem intensiven Gefühl? Die Antwort liegt in der Chemie unseres Gehirns, genauer gesagt in den Hormonen und Neurotransmittern, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Liebe eine entscheidende Rolle spielen.

Liebe beginnt im Gehirn

Liebe ist mehr als nur ein Gefühl; sie ist ein komplexer Prozess, der im Gehirn beginnt und sich im ganzen Körper auswirkt. Ob wir frisch verliebt sind oder eine tiefe Verbundenheit empfinden, Hormone sind die Regisseure dieses emotionalen Schauspiels. Sie interagieren mit anderen Boten- und Signalstoffen und entstehen im Kopf. „Was im Körper passiert, wenn wir lieben, ist ein so komplexer Prozess. Er gibt der Wissenschaft noch viele Rätsel auf“, sagt Professorin Dr. Dagmar Führer-Sakel.

Die drei Phasen der Liebe

Man unterscheidet im Allgemeinen drei Phasen der Liebe:

  1. Verliebtsein: Diese erste Phase ist oft von kurzer Dauer und wird von intensiven Gefühlen und einem Ausnahmezustand des Körpers geprägt.
  2. Leidenschaftliche Liebe: In dieser Phase entwickelt sich eine tiefere Verbundenheit und Intimität.
  3. Kameradschaftliche Liebe: Diese dritte Stufe zeichnet sich durch Vertrautheit, Geborgenheit und eine stabile Bindung aus.

Die Hauptakteure: Hormone und Neurotransmitter

Zu den wichtigsten Botenstoffen, die an der Liebe beteiligt sind, gehören Hormone und Neurotransmitter. Sexualhormone wie Testosteron und Östrogen sind zwar für die körperliche Entwicklung und die sexuelle Lust unerlässlich, aber Liebe ist mehr als nur Sex. Sie ist Hochgefühl, Kribbeln, Leidenschaft, Vertrauen und sogar eine Art Sucht. Unter den Botenstoffen, die all das bewerkstelligen, spielen Dopamin, Oxytocin und Serotonin eine zentrale Rolle. Dazu kommen Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin.

Dopamin: Das Glückshormon

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn als Belohnungssignal fungiert. Es wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Angenehmes erleben, beispielsweise beim Essen, beim Sex oder beim Erreichen eines Ziels. Dopamin erzeugt Gefühle von Euphorie, Motivation und Antrieb. Wenn man verliebt ist, kann bereits das Sehen der geliebten Person das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren und so zu einer Dopaminausschüttung führen. Dopamin ist eines der zentralen „Glückshormone“, es macht euphorisch und bei einem Mangel wird man antriebslos.

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Adrenalin: Der Aufputscher

Adrenalin ist ein Stresshormon, das in den Nebennieren produziert wird. Es wird in Situationen ausgeschüttet, die als bedrohlich oder aufregend wahrgenommen werden. Adrenalin erhöht den Puls, fördert die Durchblutung der Muskulatur und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. In der ersten Phase des Verliebtseins ist auch das Aufputschhormon Adrenalin besonders präsent. Es ist mitverantwortlich für die Ruhelosigkeit, das Kribbeln und die scheinbar endlose Kraft, die Verliebte in sich spüren. Liebe ist Aufregung und Aufregung ist Adrenalin: Das Stresshormon wird in den Nebennieren hergestellt. Es erhöht den Puls, fördert die Durchblutung der Muskulatur und ist als Fluchthormon womöglich schuld daran, wenn man vor lauter Verliebtheit manchmal davonrennen möchte.

Serotonin: Zwischen Glück und Zwang

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielt. Es wirkt beruhigend und ausgleichend. Interessanterweise haben Verliebte nahezu kein Serotonin im Körper, obwohl dieses ebenfalls als „Glückshormon“ bekannt ist und für innere Ausgeglichenheit sorgt. Der Serotoninspiegel von Verliebten ist sogar vergleichbar mit dem eines Menschen mit Zwangsstörungen. Sinkender Serotoninspiegel macht liebeskrank: Gleichzeitig sinkt der Serotoninspiegel und erreicht ähnlich niedrige Werte wie bei Zwangskranken. Wahrscheinlich ist dieses Phänomen verantwortlich für das bei frisch Verliebten auch manchmal quälende Gefühl, immer an ihn oder sie denken zu müssen, im Sinne von „krank vor Liebe sein“.

Oxytocin: Das Kuschelhormon

Oxytocin ist ein Hormon, das im Hypothalamus produziert wird. Es wird bei Körperkontakt, insbesondere bei Berührungen, Küssen und Umarmungen, ausgeschüttet. Oxytocin fördert Gefühle von Vertrauen, Geborgenheit und Bindung. Das wohl wichtigste Hormon des Verliebtseins ist jedoch das Oxytocin. Das ist das sogenannte Kuschelhormon und auch für eine langfristige Bindung zuständig. Das Kuschelhormon ist ein kleines Eiweiß, das im Zwischenhirn entsteht und in Gehirn und Körper wirkt. Es senkt Blutdruck und Stresslevel und fördert bei Schwangeren die Wehentätigkeit. Besonderes Interesse gilt der verstärkenden Wirkung auf soziale Bindungen.

Vasopressin: Das Treuehormon

Vasopressin ist ein Hormon, das ebenfalls im Hypothalamus produziert wird. Es ähnelt in seiner Wirkung dem Oxytocin und spielt eine wichtige Rolle bei der Bindung und Treue in Beziehungen. Physiologisch gesehen sorgt Oxytocin für die Muskelkontraktionen während des Orgasmus, aber auch der Geburt. Vasopressin moduliert den Druck in den Gefäßen so, dass die Geschlechtsorgane optimal mit Blut versorgt werden und verhilft nach dem Orgasmus zu einem tiefen Schlaf.

Die dunkle Seite der Liebeshormone

Obwohl die genannten Hormone und Neurotransmitter überwiegend positive Gefühle auslösen, können sie auch negative Auswirkungen haben. So kann ein Überschuss an Adrenalin zu Stress und Angstzuständen führen, während ein Mangel an Serotonin Depressionen und Zwangsstörungen begünstigen kann. Auch Oxytocin hat eine dunkle Seite: Psychologische Tests an gesunden Männern wiesen darauf hin, dass Oxytocin zwar die Bindung zur eigenen sozialen Gruppe verstärkt. Gleichzeitig erhöht das Hormon aber die Bereitschaft, Außenstehende zurückzuweisen oder ihnen aggressiv zu begegnen.

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Kann man Liebe künstlich erzeugen?

Die Frage, ob man Liebe durch einen Hormoncocktail künstlich erzeugen kann, ist Gegenstand aktueller Forschung. Wissenschaftler experimentieren bereits mit Oxytocin-Nasensprays, um das Vertrauen zwischen Menschen zu stärken. Ob daraus jedoch echte Liebe entstehen kann, ist fraglich. Denn die Biochemie der Liebe ist ein äußerst fein regulierter Komplex, der sich aus zahlreichen Komponenten zusammensetzt und den nicht allein ein Hormoncocktail stimulieren kann.

Wege zum Glück: Natürliche Glücksbooster

Glücklicherweise gibt es viele natürliche Wege, um die Ausschüttung von Glückshormonen anzuregen. Alles, was Begeisterung auslöst, setzt im Gehirn Regelkreisläufe in Gang, die nicht nur Hochgefühle bescheren, sondern auch Gesundheit. Dazu gehören:

  • Sport und Bewegung: Sportliche Aktivitäten, insbesondere in der Natur, können die Ausschüttung von Dopamin, Serotonin und Endorphinen fördern.
  • Soziale Kontakte: Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, stärkt die Bindung und fördert die Ausschüttung von Oxytocin.
  • Achtsamkeit und Meditation: Mentales Training kann Stress reduzieren und die Ausschüttung von Serotonin fördern.
  • Kreative Tätigkeiten: Malen, Musizieren, Schreiben oder andere kreative Aktivitäten können die Ausschüttung von Dopamin anregen.
  • Kulinarische Genüsse: Ein mit Freude gekochtes Essen, insbesondere mit Tryptophan-haltigen Lebensmitteln wie Hühnchen, Soja oder Avocado, kann die Serotoninproduktion ankurbeln.

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