Krampfanfälle sind ein beängstigendes Ereignis, sowohl für die Betroffenen als auch für die Zeugen. Sie können verschiedene Ursachen haben, von denen einige mit der Verabreichung von Adrenalin in Verbindung stehen. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Ursachen für Krampfanfälle nach Adrenalin, die damit verbundenen Risiken und die notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen.
Einführung
Ein Krampfanfall ist ein plötzliches, unwillkürliches Ereignis mit krampfenden oder zuckenden Bewegungen. Es wird typischerweise durch eine Funktionsstörung von Nervenzellen (Neuronen) in der Hirnrinde hervorgerufen. Etwa 5 Prozent der Menschen haben im Laufe ihres Lebens einmal einen Krampfanfall. Krampfanfälle können verschiedene Ursachen haben, darunter Drogenkonsum, Medikamentenentzug oder eine zugrunde liegende neurologische Erkrankung wie Epilepsie.
Adrenalin: Wirkung und Anwendung
Adrenalin, auch bekannt als Epinephrin, ist ein Hormon, das in Stresssituationen in der Nebenniere gebildet und ins Blut ausgeschüttet wird. Es gehört zur Gruppe der Katecholamine und hat zahlreiche Auswirkungen auf den Körper. Adrenalin erhöht den Blutdruck und die Herzfrequenz, erweitert die Bronchien und steigert den Blutzuckerspiegel.
In der Medizin wird Adrenalin häufig in Notfallsituationen eingesetzt, beispielsweise bei einem Kreislaufschock oder im Zuge einer Herz-Lungen-Wiederbelebung. Es kann auch bei schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxie) verabreicht werden, um die Atemwege zu öffnen und den Blutdruck zu stabilisieren. Darüber hinaus ist Adrenalin aufgrund seiner gefäßverengenden Wirkung in manchen Nasensprays enthalten und wird zur Behandlung von Asthma bronchiale eingesetzt.
Mögliche Ursachen für Krampfanfälle nach Adrenalin
Obwohl Adrenalin lebensrettend sein kann, birgt es auch Risiken. In seltenen Fällen kann die Verabreichung von Adrenalin zu Krampfanfällen führen. Die genauen Mechanismen, die dies verursachen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt mehrere mögliche Erklärungen:
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- Überdosierung: Eine zu hohe Dosis Adrenalin kann das Nervensystem überstimulieren und Krampfanfälle auslösen.
- Wechselwirkungen mit anderen Substanzen: Die gleichzeitige Einnahme von Adrenalin mit bestimmten Medikamenten oder Drogen kann das Risiko von Krampfanfällen erhöhen. Zu diesen Substanzen gehören trizyklische Antidepressiva, nicht-selektive Beta-Rezeptorenblocker, Alpha-Rezeptorenblocker und MAO-Hemmer. Auch Freizeitdrogen können die Gehirnchemie beeinflussen und möglicherweise einen Anfall auslösen.
- Vorerkrankungen: Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z. B. Epilepsie oder Herzerkrankungen, haben möglicherweise ein höheres Risiko für Krampfanfälle nach Adrenalin.
Es ist wichtig zu beachten, dass Krampfanfälle nach Adrenalin selten sind und in den meisten Fällen auf andere Faktoren zurückzuführen sind.
Krampfanfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum
Beim Drogenkonsum kann es zu lebensgefährlichen Notfällen kommen. Krampfanfälle können eine Folge einer Überdosierung von Kokain oder eines Medikamentenentzugs sein. Sie äußern sich durch plötzliches Umfallen, Verkrampfungen der Muskulatur, Muskelzucken und Schaum vor dem Mund. In solchen Fällen ist es wichtig, sofort den Rettungsdienst unter 112 zu rufen und Erste Hilfe zu leisten.
Symptome eines Krampfanfalls
Ein Krampfanfall kann sich durch verschiedene Symptome äußern, die sich je nach Art und Ausprägung des Anfalls unterscheiden:
- Unwillkürliche, krampfende oder zuckende Bewegungen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
- Bewusstlosigkeit
In der Regel ist ein Krampfanfall in weniger als zwei Minuten wieder vorbei; manchmal hält er auch nur einige Sekunden an. Nach längeren, generalisierten Anfällen fühlen sich die Betroffenen häufig erschöpft und brauchen erst einmal Ruhe und Schlaf.
Erste Hilfe bei Krampfanfällen
Wenn Sie Zeuge eines Krampfanfalls werden, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die folgenden Schritte zu unternehmen:
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- Sicherheit gewährleisten: Sorgen Sie für eine sichere Umgebung, indem Sie mögliche Verletzungsquellen aus dem Weg räumen.
- Person auffangen und auf den Boden legen: Versuchen Sie, die krampfende Person aufzufangen und auf den Rücken auf den Boden zu legen.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die krampfende Person festzuhalten oder ihr etwas zwischen die zusammengebissenen Zähne zu pressen, da dies Verletzungs- und Infektionsgefahren mit sich bringt.
- Rettungsdienst rufen: Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112.
- Beobachten: Beobachten Sie die Person genau und achten Sie auf die Dauer des Anfalls und eventuelle Begleitsymptome.
- Nach dem Anfall: Nach dem Anfall legen Sie die Person in die stabile Seitenlage und bleiben Sie bei ihr, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Wann sollte man einen Arzt rufen?
Nach einem ersten Krampfanfall - egal ob im Kindes- oder Erwachsenenalter - ist es in jedem Fall sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Nur so lassen sich mögliche Ursachen abklären und eventuelle Grundkrankheiten diagnostizieren. Der zuständige Spezialist für Krampfanfälle ist ein Neurologe.
In folgenden Fällen ist es immer ratsam, einen Arzt zu alarmieren:
- Wenn ein Krampfanfall erstmals auftritt
- Wenn ein Krampfanfall länger als drei Minuten andauert (Gefahr eines sogenannten Status epilepticus)
- Wenn mehrere Krampfanfälle innerhalb von 30 Minuten auftreten
- Wenn der Betroffene sich ernsthaft verletzt hat (z. B. durch einen Sturz)
Diagnose von Krampfanfällen
Um die Ursache eines Krampfanfalls zu ermitteln, wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und den Patienten körperlich untersuchen. Anschließend können verschiedene diagnostische Tests durchgeführt werden, darunter:
- Elektroenzephalografie (EEG): Misst die Hirnströme des Patienten, um eventuelle Auffälligkeiten zu entdecken.
- Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT): Erstellt detaillierte Schnittbilder des Gehirns, um strukturelle Veränderungen (wie durch einen Schlaganfall oder einen Tumor) zu erkennen.
- Blutuntersuchungen: Geben Hinweise auf Stoffwechselstörungen als eventuelle Auslöser von Krampfanfällen.
- Urinuntersuchungen: Können zum Nachweis von konsumierten Drogen verwendet werden.
- Lumbalpunktion: Entnahme und Analyse einer Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit, wenn der Verdacht auf eine Infektion des Gehirns als Ursache von Krampfanfällen besteht.
Behandlung von Krampfanfällen
Die Behandlung von Krampfanfällen richtet sich nach der Ursache. Bei Epilepsie werden in der Regel Medikamente (Antiepileptika) eingesetzt, um die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren. In manchen Fällen kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden.
Wenn ein Krampfanfall durch eine andere Ursache ausgelöst wurde, z. B. eine Überdosierung von Drogen oder einen Medikamentenentzug, muss diese Grunderkrankung behandelt werden.
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Epilepsie: Ein Überblick
Epilepsien sind chronische neurologische Erkrankungen, bei denen Cluster von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn manchmal abnormale Signale aussenden und Anfälle verursachen. Während eines Anfalls feuern (signalisieren) viele Neuronen gleichzeitig - bis zu 500-mal pro Sekunde, viel schneller als normal. Epileptische Anfälle können medikamentös gut gesteuert und gemanaged werden.
Risikofaktoren für Epilepsie
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Epilepsie zu erkranken:
- Fehlende Medikamente: Der häufigste Grund für einen Anfall ist das Vergessen der Einnahme der Antiepileptika oder das absichtliche Unterlassen der Einnahme.
- Alkohol: Übermäßiges Trinken kann einen Anfall auslösen.
- Schlafmangel/Müdigkeit: Dies ist einer der größten Auslöser für Anfälle.
- Dehydrierung: Achten Sie darauf, dass Sie immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.
- Blinkendes/flackerndes Licht: Nur etwa 3 % der Menschen mit Epilepsie sind lichtempfindlich.
Funktionelle Hypoglykämie als Ursache für Krampfanfälle
Ein weiterer möglicher Auslöser für Krampfanfälle, der oft übersehen wird, ist die funktionelle Hypoglykämie. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel nach dem Essen stark absinkt. Dies kann zu Symptomen wie Zittern, Schweißattacken, Angstzuständen und Krampfanfällen führen.
Die funktionelle Hypoglykämie wird oft durch eine verzögerte Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse verursacht. Das Hormon Insulin gibt Muskeln und Fettgewebe die Anweisung, den Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Bei manchen Patient*innen ist die Reaktion allerdings verzögert, ihr Glukosewert sinkt erst nach drei bis vier Stunden.
Synkopen: Kurze Phasen der Bewusstlosigkeit
Kurze Phasen der Bewusstlosigkeit (Synkopen) können ebenfalls zu gefährlichen Stürzen führen und auf gefährliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen hindeuten. Eine ärztliche Abklärung ist notwendig. Bei vorhandener Atmung legen Sie die Patientin bzw. den Patienten auf den Rücken (bei andauernder Bewusstlosigkeit) in die stabile Seitenlage. Verständigen Sie den Rettungsdienst (bundesweit Telefon 112). Überprüfen Sie die Atmung und führen Sie beim Herzstillstand eine Herzdruckmassage durch.
Besonders häufig führen Entgleisungen des Kreislaufs zur plötzlichen Ohnmacht. Angst, Schmerzen oder Stress können zu einer Überreaktion des Nervensystems (einer vasovagalen Synkope) führen. Es kommt zum plötzlichen Blutdruck- und/oder Pulsabfall. Auch beim plötzlichen Aufstehen aus dem Liegen kann das passieren (eine orthostatische Synkope). Hier sind Personen mit sehr niedrigem Blutdruck eher betroffen. Zu wenig Flüssigkeit spielt womöglich auch eine Rolle. Ohnmachtsanfälle können auch auf Herzerkrankungen hindeuten.
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