Die zahnärztliche Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson erfordert ein besonderes Augenmerk auf die individuellen Bedürfnisse und potenziellen Risiken. Die Wahl des geeigneten Lokalanästhetikums und die Berücksichtigung möglicher Wechselwirkungen mit der Parkinson-Medikation sind entscheidend für eine erfolgreiche und sichere Behandlung.
Einführung
Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt sind für alle Menschen wichtig, aber für Parkinson-Patienten kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. Da die Wissenschaft davon ausgeht, dass Parkinson im Darm beginnt und der Weg dorthin über die Mundhöhle führt, sind eine gesunde Mundflora und gesunde Zähne von großer Bedeutung.
Mundgesundheit bei Parkinson
Die Mundflora, die Gesamtheit aller Mikroorganismen in der Mundhöhle, spielt eine wichtige Rolle beim Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen und der Aufrechterhaltung der Mundgesundheit. Bei Parkinson-Patienten kann die Zahnpflege jedoch durch motorische Störungen wie Rigor und Tremor erschwert sein. Dies erhöht das Risiko für Karies, Parodontitis und Zahnverlust.
Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) und ein Mangel an Speichel (Xerostoma), bedingt durch seltenes Schlucken, können die Mundgesundheit zusätzlich beeinträchtigen. Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Depressionen können dazu führen, dass die tägliche Zahnhygiene vernachlässigt wird.
Tipps zur Verbesserung der Mundhygiene bei Parkinson
- Verwendung einer Zahnbürste mit großem Griff und weichen Borsten oder einer elektrischen/Ultraschallzahnbürste.
- Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide.
- Zähneputzen nach jeder Mahlzeit für drei Minuten.
- Verwendung von Zahnpflegekaugummis zur Förderung der Speichelproduktion.
- Mundspülungen ohne Alkohol, z.B. mit Chlorhexidin oder Fluorid, bei Schluckstörungen nur, wenn keine Aspiration droht.
- Reinigung von Zahnersatz nach jeder Mahlzeit.
Zahnärztliche Behandlung von Parkinson-Patienten
Der Zahnarzttermin sollte in einer Phase der guten Beweglichkeit (ON) des Patienten liegen. Bei starken Überbewegungen oder Kopftremor kann nach Rücksprache mit dem Neurologen ein Beruhigungsmittel verabreicht werden. Der Zahnarzt sollte über Schluckstörungen und die Einnahme von Rasagilin oder Selegilin informiert werden, um mögliche Wechselwirkungen mit der Anästhesie zu vermeiden.
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Es empfiehlt sich, bereits in frühen Krankheitsstadien eine umfassende Zahnsanierung vornehmen zu lassen. Nach größeren Eingriffen unter Anästhesie kann mehr Zeit für die Erholung eingeplant werden. Pflegebedürftige haben Anspruch auf zahnärztliche Vorsorgeleistungen, die die Erfassung des Mundgesundheitsstatus, Beratungsleistungen und die Entfernung von harten Zahnbelägen umfassen.
Lokalanästhesie bei Parkinson-Patienten
Die Lokalanästhesie ist ein wesentlicher Aspekt der zahnärztlichen Behandlung, um den Komfort für Patienten und Zahnarzt zu erhöhen. Bei Parkinson-Patienten ist die Auswahl des geeigneten Lokalanästhetikums und die Dosierung von besonderer Bedeutung.
Adrenalin und seine Auswirkungen
Der Zusatz von Adrenalin zu Lokalanästhetika führt immer zu einer Herzbelastung, da Puls und Blutdruck steigen. Bei kardialen Risikopatienten kann dies zu einem massiven Blutdruckanstieg führen, insbesondere wenn gleichzeitig stress- oder schmerzbedingt endogen mehr Adrenalin ausgeschüttet wird. Bei Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion kann die Reaktion auf Adrenalin verstärkt sein, und bei erhöhtem Augeninnendruck kann Adrenalin einen Glaukomanfall auslösen.
Alternativen zu Adrenalin
Bei bestimmten Patientengruppen, wie älteren Menschen, kardial vorbelasteten Patienten und Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen, sollte eine adrenalinreduzierte oder adrenalinfreie Lokalanästhesie verwendet werden. Als Vasokonstriktor zweiter Wahl kann Felypressin verwendet werden, obwohl auch hier relevante unerwünschte systemische Nebenwirkungen existieren.
Articain und seine Besonderheiten
Articain wird im Gegensatz zu anderen Amid-Lokalanästhetika nur in geringem Maße in der Leber abgebaut, was zu einer sehr kurzen Plasmahalbwertszeit führt. Bei älteren gesunden Patienten kann Articain daher in fast der gleichen Dosierung wie bei jüngeren Patienten gegeben werden.
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Kontraindikationen für Adrenalin
Absolute Kontraindikationen für Adrenalin sind schwere Störungen des Reizbildungs- oder Reizleitungssystems, schwere Hypertonie und Allergien gegen Inhaltsstoffe. Relative Kontraindikationen sind Diabetes mellitus, Asthma, Schilddrüsenerkrankungen und die Einnahme von Antikoagulanzien oder Antihypertensiva.
Praktische Tipps für den Zahnarztbesuch
- Abklärung, ob bisherige örtliche Betäubungen gut vertragen wurden.
- Nachfragen nach kardiovaskulären Erkrankungen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems.
- Ausführliche Aufklärung über Risiken, insbesondere bei einer geplanten Leitungsanästhesie.
- Lückenlose und nachvollziehbare Dokumentation.
- Bevorzugung von adrenalinreduzierten oder adrenalinfreien Lokalanästhetika.
- Dosierte und langsame Injektion unter stetiger Aspiration.
- Patienten nach einer Lokalanästhesie nie alleine lassen.
- Funktionstüchtige Notfallausrüstung in der Zahnarztpraxis.
Parkinson-spezifische Aspekte bei der Lokalanästhesie
Bei Parkinson-Patienten können bestimmte Medikamente wie Beta-2-Sympathomimetika, Antiparkinson-Mittel, Guanethidin, Digoxin und Digitoxin die Adrenalinwirkung verstärken. Bei Einnahme von Rasagilin oder Selegilin sind Wechselwirkungen mit der Anästhesie möglich.
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