Epilepsie und Bildschirmfarben: Was Sie wissen müssen

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch übermäßige Aktivität in bestimmten Hirnbereichen, die zu einer Vielzahl von Symptomen führen können, von Muskelzucken bis hin zu Bewusstlosigkeit. Während Medikamente helfen können, Anfälle zu kontrollieren, sind sie nicht immer wirksam, und viele Betroffene suchen nach zusätzlichen Strategien, um ihr Leben mit Epilepsie besser zu gestalten. Visuelle Reize, insbesondere solche, die von Bildschirmen ausgehen, können bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Epilepsie und Bildschirmfarben, geht auf visuelle Trigger ein und stellt Hilfsmittel wie den Digitalen Epilepsie Notfallausweis (DENA) vor.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der einzelne Hirnbereiche übermäßig aktiv sind und zu viele Signale abgeben. Dies löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus, die sich in Muskelzucken bestimmter Körperregionen äußern können. Manchmal kann aber auch der gesamte Körper krampfen und Bewusstlosigkeit eintreten.

Epilepsie kann in jeder Lebensphase auftreten, von der Kindheit bis ins hohe Alter. Zwischen den Anfällen haben Betroffene in der Regel keine Beschwerden, können aber nie genau vorhersagen, wann der nächste Anfall auftreten wird. Dies kann dazu führen, dass sich Betroffene aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Medikamente können das Auftreten von Anfällen verhindern und die Lebensqualität deutlich steigern. Allerdings wirken sie nicht bei allen Betroffenen. Etwa 30 % der Menschen mit Epilepsie erleiden trotz medikamentöser Behandlung weiterhin regelmäßig Krampfanfälle. Für diese Menschen stellt die Krankheit eine besondere Belastung dar.

Visuelle Trigger und Epilepsie

Visuelle Reize können bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen. Diese Form der Epilepsie wird als photosensible Epilepsie bezeichnet. Bestimmte Muster und Frequenzen von Lichtblitzen können im Gehirn eine übermäßige Aktivität auslösen und so einen Anfall provozieren.

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Welche visuellen Reize sind besonders problematisch?

  • Farbige Lichtblitze: Insbesondere schnelle Intensitätswechsel der Farbe Rot können epileptogene Potentiale im EEG hervorrufen.
  • Kontrastreiche Streifen- und Zickzackmuster: Diese Muster werden häufiger mit Migräne in Verbindung gebracht, können aber auch bei Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen.
  • Flickern und Blitzen: Schnelle Veränderungen in der Helligkeit eines Bildschirms können ebenfalls Anfälle provozieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Mensch mit Epilepsie auf visuelle Reize empfindlich reagiert. Die Empfindlichkeit gegenüber visuellen Triggern ist individuell verschieden.

Beispiele aus der Popkultur

Es gibt einige bekannte Beispiele, bei denen Filme und Fernsehsendungen epileptische Anfälle ausgelöst haben:

  • Pokémon: Eine Folge der japanischen Zeichentrickserie "Dennō Senshi Porigon" führte 1997 bei über 600 Kindern zu Anfällen.
  • Twilight: Breaking Dawn: Eine Szene mit stroboskopischen Lichtwechseln in diesem Film soll ebenfalls Anfälle ausgelöst haben.

Diese Beispiele zeigen, dass visuelle Reize in Medien eine ernsthafte Gefahr für Menschen mit photosensibler Epilepsie darstellen können.

Bildschirme im Alltag

Smartphones, Notebooks und andere Bildschirme sind heute allgegenwärtig. Da wir ständig von Bildschirmen umgeben sind, ist es wichtig, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein und Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu minimieren.

Tipps zum Umgang mit Bildschirmfarben und visuellen Triggern

Obwohl es keine allgemeingültige Lösung gibt, können folgende Tipps helfen, das Risiko von Anfällen durch Bildschirmfarben und visuelle Reize zu reduzieren:

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  • Bildschirmhelligkeit anpassen: Reduzieren Sie die Helligkeit des Bildschirms, um die Belastung für die Augen zu verringern.
  • Blaulichtfilter verwenden: Blaulichtfilter können helfen, die Menge an blauem Licht zu reduzieren, die von Bildschirmen abgegeben wird. Blaues Licht kann besonders anregend wirken und möglicherweise Anfälle auslösen.
  • Flickern vermeiden: Achten Sie auf eine stabile Bildwiederholfrequenz des Bildschirms und vermeiden Sie flackernde Bilder.
  • Kontraste reduzieren: Zu hohe Kontraste können visuelle Reize verstärken. Passen Sie die Kontrasteinstellungen an, um die Augen zu entlasten.
  • Pausen einlegen: Regelmäßige Pausen von der Bildschirmarbeit können helfen, die Augen zu entspannen und die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls zu verringern.
  • Individuelle Trigger identifizieren: Beobachten Sie, welche visuellen Reize bei Ihnen persönlich Anfälle auslösen, und vermeiden Sie diese.
  • Arzt konsultieren: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Empfindlichkeit gegenüber visuellen Triggern und lassen Sie sich beraten, wie Sie diese am besten vermeiden können.

Der Digitale Epilepsie Notfallausweis (DENA)

Die neuraxFoundation gGmbH hat in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessen der Deutschen Epilepsievereinigung e. V. DENA den ersten Digitalen Epilepsie Notfallausweis entwickelt. Dieser Ausweis im Scheckkartenformat soll Betroffenen während eines epileptischen Anfalls in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit oder auf Reisen schnelle und angemessene Hilfe ermöglichen.

Was leistet der DENA?

  • Erste-Hilfe-Anleitung: Der Ausweis enthält eine Erste-Hilfe-Anleitung, die auch unerfahrenen Ersthelfern hilft, Ruhe zu bewahren und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
  • Relevante medizinische Informationen: Der Ausweis enthält wichtige medizinische Informationen zum Karteninhaber, die auch für Mediziner nützlich sind.
  • Digitaler Zugriff auf Informationen: Über einen QR-Code auf dem Ausweis können Ersthelfer und Mediziner weitere Informationen abrufen, die der Karteninhaber hinterlegt hat.

Wie funktioniert der DENA?

  1. QR-Code scannen: Im Notfall kann der QR-Code auf der Vorderseite des Ausweises mit der Kamera eines Smartphones oder Tablets gescannt werden.
  2. Informationen abrufen: Nach dem Scannen des QR-Codes wird ein Link eingeblendet, der zu einer Webseite mit den hinterlegten Informationen führt.
  3. Zugriff auf wichtige Daten: Auf der Webseite finden Ersthelfer und Mediziner wichtige Informationen zur Anfallsart, Kontaktpersonen, Medikation und dem behandelnden Facharzt.

Wie erhalte ich den DENA?

Der DENA kann nicht direkt bei der neuraxFoundation gGmbH angefordert werden. Die Ausweise werden über Kooperationspartner, wie die Deutsche Epilepsievereinigung Landesverband Hessen e.V. und Fachärzte, kostenfrei an Betroffene mit epileptischen Anfällen ausgegeben. Sprechen Sie Ihren Arzt auf den Digitalen Epilepsie Notfallausweis an.

Datenschutz und Sicherheit

Die neuraxFoundation gGmbH verwaltet die Daten, die zur Zweckerfüllung des Digitalen Epilepsie Notfallausweises nötig sind, online, ohne sie an Dritte weiterzugeben. Für die Registrierung muss der Nutzer der Verwendung seiner personenbezogenen Daten zustimmen.

Epilepsiealarme für mehr Sicherheit

Viele Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen fühlen sich unsicher, insbesondere nachts. Epilepsiealarme können hier eine zusätzliche Sicherheit bieten.

Wie funktionieren Epilepsiealarme?

Epilepsiealarme sind Geräte, die Anfälle erkennen und Angehörige oder Pflegepersonal alarmieren. Die Epi-Care Technologie basiert beispielsweise darauf, Bewegungen zu erkennen, die typisch für einen tonisch-klonischen Anfall sind.

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Datenschutz bei Epilepsiealarmen

Da persönliche Daten wie Telefonnummern eingespeichert werden und Informationen zu Anfällen aufgezeichnet werden, spielen Datenschutz und Sicherheit eine große Rolle bei Epilepsiealarmen. Achten Sie darauf, dass die Daten nicht in einer Cloud gespeichert werden und unbefugte Dritte keinen Zugriff darauf haben.

Die Deutsche Epilepsievereinigung Landesverband Hessen e.V.

Die Deutsche Epilepsievereinigung Landesverband Hessen e. V. (DE LVH) ist ein Zusammenschluss von Menschen mit Epilepsie und deren Angehörigen. Sie setzt sich für eine Verbesserung der Lebens- und Behandlungssituation von Epilepsie-Betroffenen in Deutschland ein.

Ziele der DE LVH

  • Interessenvertretung von Menschen mit Epilepsie
  • Unterstützung von Betroffenen und ihren Angehörigen
  • Förderung des Wissens über Epilepsie in der Öffentlichkeit

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