Kopfschmerzen im Hinterkopf bei Multipler Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das nahezu jeden Menschen gelegentlich betrifft. Obwohl Kopfschmerzen nicht als MS-typisches Symptom gelten, klagen MS-Patienten rund anderthalb Mal so oft über Kopfschmerzen wie der Rest der Bevölkerung. Diese Tatsache wird oft übersehen, obwohl sie seit längerem bekannt ist.

Arten von Kopfschmerzen bei MS

Im Vordergrund stehen Spannungskopfschmerzen und Migräne ohne Aura. Dabei werden Spannungskopfschmerzen - also dumpfe Kopfschmerzen an der Stirn, den Seiten oder am Hinterkopf - eher progredienten Verläufen zugeordnet. Migräne ohne Aura - meist einseitig pochend und oft mit Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit verbunden - tritt etwas häufiger beim schubförmigen MS-Verlauf auf.

Spannungskopfschmerzen

Diese Art von Kopfschmerzen wird oft als dumpf und drückend beschrieben und kann im Bereich der Stirn, der Schläfen oder des Hinterkopfes lokalisiert sein.

Migräne ohne Aura

Migräne ohne Aura zeichnet sich durch einseitige, pochende Kopfschmerzen aus, die von Symptomen wie Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit begleitet sein können.

Zusammenhang zwischen MS und Kopfschmerzen

Kopfschmerzen bei MS können sowohl präklinisch als auch zu Beginn der Erkrankung sowie im weiteren Verlauf auftreten. Sie können, aber müssen nicht mit der MS zusammenhängen; statistisch gesehen haben sie in etwa zwei Drittel aller Fälle nichts mit der MS zu tun. Im Zusammenhang mit Schüben treten Migräneattacken vor allem dann auf, wenn der Hirnstamm betroffen ist.

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Forscher der Universität Rostock haben einen Zusammenhang zwischen MS und Kopfschmerzen entdeckt. Ihre Studie zeigte, dass vor allem junge Frauen mit MS häufig unter Kopfschmerzen leiden. Diese Erkenntnis erweitert die Diagnosemöglichkeiten von MS, da Kopfschmerzpatienten bisher meist nicht auf MS untersucht wurden. Eine frühe Diagnose ist bei MS wichtig, da die Krankheit in ihrer frühen entzündlichen Phase noch gut behandelbar ist.

Es fand sich in rezenten Studien bei MS-Patienten ein Zusammenhang zwischen einem jüngeren Lebensalter sowie einer kürzeren Erkrankungsdauer der MS und häufigen Kopfschmerzen.

Ursachen von Kopfschmerzen im Hinterkopf

Kopfschmerzen im Hinterkopf können verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Verspannungen bis hin zu ernsthaften Auslösern.

Muskelverspannungen

In den meisten Fällen werden Hinterkopfschmerzen durch Muskelverspannungen im Kiefer, Nacken oder Rücken ausgelöst. Diese Verspannungen können durch einseitige Belastungen, mangelnde Bewegung oder Zähneknirschen in der Nacht entstehen.

Einklemmter Nerv

Ein eingeklemmter Hinterkopf-Nerv (Nervus occipitalis major) kann stechende Kopfschmerzen verursachen, die vom Hinterkopf bis zur Kopfmitte ziehen.

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Sekundäre Hinterkopfschmerzen

Treten Kopfschmerzen in Kombination mit Schmerzen an anderen Körperteilen auf, spricht man von sekundären Hinterkopfschmerzen. Oftmals ist eine schmerzhafte Verspannung im Nackenbereich der Auslöser.

Seltene Ursachen

In seltenen Fällen können Hinterkopfschmerzen auch ein Anzeichen für einen Tumor oder einen Schlaganfall sein. Plötzlich auftretende Kopfschmerzen am Hinterkopf, die mit starker Übelkeit, einem steifen Nacken, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen einhergehen, erfordern sofortige ärztliche Abklärung. Auch Stürze und Schläge auf den Hinterkopf können eine Gehirnerschütterung auslösen, die sich durch Kopfschmerzen am Hinterkopf bemerkbar macht.

Medikamentöse Ursachen

Auch verschiedene Wirkstoffe können MS-Kopfschmerzen verursachen. Vor allem sind dies die Interferone (gegenüber Plazebo hatten mehr Patienten diese Nebenwirkung) vor Glatiramerazetat. Die neueren krankheitsmodifizerenden MS-Therapeutika haben Studien zufolge Kopfschmerzen nicht als Nebenwirkung.

Symptome

Kopfschmerzen am Hinterkopf können sich unterschiedlich äußern. Nicht immer breiten sich die Schmerzen im gesamten Hinterkopf aus, auch eine einseitige Belastung ist möglich.

Begleitende Symptome

Es ist wichtig, auf Begleitsymptome wie Übelkeit, Nackensteifigkeit, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen zu achten, da diese auf eine ernstere Ursache hindeuten können.

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Diagnose

Um die Ursache von Kopfschmerzen im Hinterkopf zu ermitteln, ist eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird Fragen stellen wie:

  • Wann treten die Kopfschmerzen auf?
  • Wann sind sie am stärksten?
  • Wo genau treten die Schmerzen auf?
  • Gibt es Begleitsymptome?

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren (z.B. MRT) oder eine Lumbalpunktion erforderlich sein.

Behandlung

Unabhängig von der Ursache ist es wichtig, Kopfschmerzen zu behandeln, um Schmerzen zu verringern und die Lebensqualität zu steigern.

Medikamentöse Behandlung

Sind Kopfschmerzen MS-bedingt, helfen frei verkäufliche Schmerzmittel manchmal nicht. Unter Umständen müssen spezielle Wirkstoffe eingesetzt werden. Bei Nervenschmerzen helfen gewöhnliche Kopfschmerztabletten in aller Regel nicht.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, Kopfschmerzen zu lindern:

  • Verhaltenstherapie: Diese kann eine geeignete Alternative für MS-Patienten darstellen, da sie darauf abzielt, die psychologischen Veränderungen der MS zu behandeln.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik, Kälte-/Wärmebehandlungen und moderate Sportübungen können Muskelprobleme verbessern.
  • Entspannungstechniken: Stress kann Kopfschmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
  • Massagen und Wärmeanwendungen: Diese können helfen, Muskelverspannungen im Nackenbereich zu lösen.
  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf den Körper und das Nervensystem auswirken.
  • Regelmäßige Bewegung: Mangelnde Bewegung ist eine wesentliche Ursache von Muskelverspannungen. Versuchen Sie, regelmäßig Sport zu treiben oder spazieren zu gehen.
  • Schmerztagebuch: Um die Übersicht über Verlauf, Häufigkeit, Intensität und Dauer Ihrer Schmerzen zu behalten, kann es für Sie hilfreich sein, ein Schmerztagebuch zu führen.

Behandlung spezifischer Ursachen

Wenn die Kopfschmerzen durch eine spezifische Ursache wie einen Tumor oder einen Schlaganfall verursacht werden, ist eine entsprechende Behandlung dieser Grunderkrankung erforderlich.

Gesichtsschmerzen (Trigeminusneuralgie)

Vom Kopfschmerz zu unterscheiden ist der Gesichtsschmerz, auch Trigeminusneuralgie genannt. Er betrifft nur einen Bruchteil der MS-Erkrankten, ist jedoch sehr schmerzhaft und gehört unbedingt behandelt, da er so stark ausgeprägt sein kann, dass die Patienten nicht mehr essen oder sprechen können. Der Trigeminusnerv versorgt weite Bereiche des Kopfes. Eine Schädigung des Nervs durch MS führt zu intensiven Schmerzen in Augen, dem Kiefer, der Stirn, an der Kopfhaut, den Lippen, der Nase und an beiden Seiten des Gesichts. Sie treten unvermittelt auf und werden oft durch ganz normale Alltagstätigkeiten wie z. B.

Migräne und MS

Über die Hälfte aller MS-Betroffenen leidet zusätzlich unter Migräne. Es wird vermutet, dass beide Erkrankungen mit Entzündungen der Nerven einhergehen und durch entzündliche Botenstoffe wie Zytokine und das Darmmikrobiom beeinflusst werden. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt freiverkäufliche Kopfschmerzmittel zur Selbstbehandlung von leichten Attacken. Bei mittelschweren oder schweren Attacken können spezielle Migränemedikamente Linderung verschaffen, die vom Arzt verschrieben werden. Bei häufigen Migräneattacken (mehr als drei Mal pro Monat) ist eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll.

Weitere Schmerzarten bei MS

Schmerzen sind ein häufiges Symptom bei MS und können in neuropathische und nozizeptive Schmerzen eingeteilt werden.

Neuropathische Schmerzen

Diese entstehen als direkte Folge der MS durch eine fehlerhafte Übermittlung der Nervensignale vom und zum Gehirn und Rückenmark. Ein häufiges Schmerzsyndrom ist die Dysästhetische Schmerzen, die als konstante, brennende Schmerzen beschrieben werden, die ohne externe Reize auftreten. Davon sind besonders die Beine und Füße betroffen.

Nozizeptive Schmerzen

Diese entstehen als indirekte Folge durch MS-Symptome durch eine Reizung der Schmerzrezeptoren im Körper. Muskelschmerzen können die Folge von Veränderungen des Bewegungsapparates sein. Schmerzhafte tonische Krämpfe sind eine häufige Beschwerde infolge von Spastik.

Schmerzen im Schub

Nervenentzündungen können ebenfalls Schmerzen im Schub verursachen.

Sehstörungen und Augenschmerzen

Die Sehnerventzündung (Optikusneuritis) bei MS betrifft in mehr als 99 Prozent der Fälle pro Schub nur ein Auge. Sie äußert sich zunächst durch Schmerzen bei der Augenbewegung, die meist hinter dem Augapfel beim Blick in eine bestimmte Richtung auftreten. Meist kommt es nach Stunden bis Tagen zusätzlich zu Sehstörungen, vor allem in der Mitte des Gesichtsfeldes. Die meisten Patient:innen mit Optikusneuritis berichten, dass sie alles dunkler und blasser, teilweise auch unscharf sehen. Manche Betroffene leiden zusätzlich unter Lichtblitzen oder anderen irritierenden Lichterscheinungen. Bei plötzlicher Sehverschlechterung und Augenbewegungsschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden, da dies ein typischer Hinweis für die Diagnose MS sein kann.

Lhermitte-Zeichen

Auch das sogenannte Lhermittezeichen wird oft als schmerzhaft elektrisierend beschrieben. Dies ist ein schmerzhaftes Zeichen, welches häufig bei MS auftritt.

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