Aggressionen sind allgegenwärtig und können in vielfältiger Form auftreten. Sie reichen von unbedachten Worten bis hin zu körperlichen Angriffen und zielen immer darauf ab, zu verletzen - sei es eine Person oder ein Gegenstand. Aggressionen sind eine Vorstufe der Gewalt und können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden.
Was ist Aggression?
Aggressionen sind Verhaltensweisen, die darauf abzielen, ein Lebewesen oder einen Gegenstand zu schädigen. Diese Schädigung kann auf verschiedene Weisen erfolgen:
- Direkter körperlicher Angriff: Schlagen, Treten oder andere Formen körperlicher Gewalt.
- (Wiederholte) psychische Bedrohung: Einschüchterung, Drohungen oder verbale Angriffe.
- (Bewusst) unterlassene Hilfeleistung: Ignorieren der Notlage einer Person oder Verweigern notwendiger Hilfe.
- Bewusste Verletzung durch Ironie: Sarkastische oder abwertende Bemerkungen, die darauf abzielen, das Gegenüber zu demütigen.
In der Regel sind aggressive Handlungen eine Folge von Ärger oder Feindseligkeit. Die Aggressionsbereitschaft nimmt zu, je stärker der Ärger oder die Feindseligkeit empfunden werden, und je eindeutiger man eine andere Person dafür verantwortlich machen kann.
Aggressionen können sich auf unterschiedliche Weise äußern:
- Offen: Jemand schreit herum oder wird handgreiflich.
- Verdeckt: Gerüchte oder Lästereien werden verbreitet, um jemanden zu schädigen.
- Körperlich: Schlagen oder Treten.
- Nach innen gerichtet (Autoaggression): Nägelkauen oder Haare ausreißen.
- Gesellschaftlich gebilligt und akzeptiert: Handlungen in Notwehr.
- Dissozial: Gesellschaftlich missbilligte Aggressionen, für die Bestrafung gefordert wird (z. B. Mord, Todschlag oder Folter).
Ursachen von Aggression
Aggressionen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Wenn ein Mensch sich in einer für ihn bedeutsamen Situation gestört oder behindert fühlt, kann er aggressiv reagieren. Mögliche Auslöser sind:
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- Zwang: Das Gefühl, zu etwas gezwungen zu werden.
- Beleidigung: Abwertende oder kränkende Äußerungen.
- Überforderung: Das Gefühl, einer Aufgabe oder Situation nicht gewachsen zu sein.
- Ungerechtigkeit: Das Empfinden, unfair behandelt zu werden.
- Normverletzung: Das Gefühl, dass Regeln oder Erwartungen verletzt werden.
- Unnötige Belästigung: Störendes oder ärgerliches Verhalten anderer.
Diese Auslöser können dazu führen, dass sich Menschen beeinträchtigt, geschädigt und extrem angespannt oder übererregt fühlen. Verbunden damit ist oft ein Kraftempfinden, eine Energiegeladenheit. Man hat das Gefühl zu platzen, wenn man sich nicht gegen den Auslöser zur Wehr setzt.
Die Triebtheorie geht davon aus, dass sich Aggressionen im Menschen aufstauen und sich irgendwann Bahn brechen. Bei der klassischen Konditionierung genügt ein Reiz als Auslöser der Aggression. Die Theorie des Lernens am Erfolg verfolgt den Ansatz, dass erfolgreiches Verhalten wiederholt wird. Hat man also durch aggressives Verhalten ein Ziel erreicht, wird man wieder aggressiv, um ein Ziel zu erreichen. Beim Lernen am Modell wird das Verhalten von Vorbildern, z. B. Eltern, Geschwister oder Freunde, beobachtet. Die Frustration-Aggression-Hypothese geht davon aus, dass Aggression durch Frustration entsteht.
Allgemein kann man jedoch sagen, dass ihr immer negative Emotionen zugrundeliegen. Das können neben Frust Gefühle wie Angst, Eifersucht, Hass, Stress, Wut etc. sein.
Auswirkungen von Aggression
Wiederholt aggressives Verhalten führt häufig zu sozialer Isolation. Andererseits ist oft auch soziale Isolation Ursache für erhöhte Aggressionsbereitschaft. Mehr oder weniger ausgeprägte soziale Isolation steht in Zusammenhang mit einem Mangel an Mitgefühl mit anderen. Auffällig bei Menschen, die anderen, meist körperlich Schwächeren Gewalt antun, ist die Unfähigkeit, das Leid des Opfers nachzuempfinden. Dies erlaubt ihnen, sich selbst bei wiederholten Gewalthandlungen Entschuldigungen einzureden, wie etwa:
- "Strafe muss sein, das hat mir doch auch nicht geschadet" als Rechtfertigung für die Misshandlung von Kindern.
- "Das Kind wird doch nicht schlecht behandelt, ich zeige ihm doch nur meine Liebe" als häufige Erklärung nach sexuellem Missbrauch.
- "Im Grunde wollen Frauen doch vergewaltigt werden" oder "Immer wenn Frauen nein sagen, meinen sie doch eigentlich ja!" bei sexueller Belästigung.
Was hilft gegen Aggressionen?
Wer unter aggressivem Verhalten leidet, benötigt häufig Hilfe. Es geht darum herauszufinden, was die Aggressionen auslöst - eine Psychotherapie ist eine Möglichkeit dazu. Aber auch tiefgehende Gespräche mit Eltern, Freunden oder Lehrern sind in manchen Fällen schon hilfreich.
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Es gibt verschiedene Mechanismen, die helfen können, aggressives Verhalten im Alltag zu mindern:
- Problemlösungstechniken erlernen, die helfen, Kontrolle über Aggressionen zu gewinnen.
- Selbstsicherheit aufbauen.
- Kontrolle über sich selbst erlangen.
- Kooperativer Umgang mit anderen Menschen erlernen.
- Aktivitäten zum Abreagieren suchen - beispielsweise Sportarten wie Boxen.
Kurzfristige Maßnahmen zur Aggressionsbewältigung
- Sich oder andere ablenken: Ein Raumwechsel oder ein Themenwechsel kann helfen, die aufgestaute Wut zu unterbrechen.
- Kontrollierte Atmung: Bewusstes Atmen kann helfen, den Körper in Einklang zu bringen und den Blutdruck zu senken.
- Sport: Sportliche Betätigung kann helfen, überschüssige Energie abzubauen und Aggressionen zu kanalisieren.
Langfristige Strategien zur Aggressionskontrolle
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Aggressionen zu erkennen und zu bearbeiten.
- Anti-Aggressions-Training: In einem Anti-Aggressions-Training werden Strategien erlernt, um aggressive Impulse zu kontrollieren und konstruktive Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen und die innere Ruhe zu fördern.
- Meditation: Meditation kann helfen, den Geist zu beruhigen und die Selbstwahrnehmung zu verbessern.
Umgang mit Jähzorn
Jähzorn ist ein unkontrolliertes Zorngefühl, bei dem Menschen jäh vor Zorn platzen, um die Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Jähzorn schwächt, während mitgeteilter Ärger und Wut uns stärken. Trotzdem: Jähzorn ist ein Versuch, das Gefühlsleben wieder in Fluss und Balance zu bringen.
Was tun bei Jähzorn?
- Jähzorn eingestehen: Der erste Schritt ist, sich den Jähzorn einzugestehen.
- Auslöser erkennen: Es ist wichtig zu wissen, wie und wann sich der Jähzorn immer wieder zeigt.
- Maßnahmen kultivieren: Psychotherapie, Musikmachen, Sport, Meditation und innere Selbstwahrnehmung können helfen, den Jähzorn zu lindern.
- Gefühle äußern: Die eigenen Gefühle offen und ehrlich äußern, anstatt sie herunterzuschlucken, zu verdrängen oder abzuwürgen.
- Kindliche Wurzeln: In einer Psychotherapie können die Lebensbedingungen, unter denen wir aufgewachsen sind, hinterfragend geklärt werden, um die unbewussten Gefühle und Motivationen wahrzunehmen.
Aggressionen bei Kindern
Aggressives Verhalten bei Kindern ist für Pädagoginnen und Pädagogen oftmals eine große Herausforderung. Es gilt, die Ursachen für das aggressive Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Gefühle wie Wut, Ärger, Ohnmacht oder Trauer lassen Kinder schneller zu Aggressionen greifen.
Wie mit Aggressionen bei Kindern umgehen?
- Situation einschätzen: Durch sensible Beobachtung einschätzen, ob ein Eingreifen notwendig ist.
- Situation begleiten: Verstehen, was die Kinder brauchen und welche Bedürfnisse verletzt oder unerfüllt sind.
- Situation besprechen und lösen: Wenn sich ein Kind sicher und wohlfühlt, die Situation mit den Kindern besprechen und lösen.
- Achtsamkeit: Regelmäßig Momente der Achtsamkeit in den Alltag und den der Kinder einbauen.
Formen von Aggression
Es existieren viele verschiedene Formen von Aggression:
- Autoaggression: Gegen die eigene Person gerichtetes, selbstverletzendes Verhalten.
- Appetitive Aggression: Geplant und zielgerichtet jemand anderem Schaden zufügen. Führt zu positiver Erregung bei dem Täter.
- Erleichternde Aggression: Gegen andere Person gerichtet, um dieser zu schaden. Zielt darauf ab, den aversiven Zustand des Täters zu reduzieren.
- Heiße Aggression: Die Selbststeuerung des Täters ist in diesem Zustand beeinträchtigt, sein Herzschlag ist erhöht, seine Muskeln sind angespannt, er schreit. Eskalation mit einem Wutausbruch.
- Indirekte Aggression: Wegen innerer Hemmung des Täters oder äußerer Hindernisse kommt es zu keinem direkten körperlichen Angriff, sondern einer Schädigung wie Mobbing oder Diebstahl.
- Instrumentelle Aggression: Dient einer Zielerreichung und ist geplant. Der Täter erhält eine positive Verstärkung.
- Kalte Aggression: Ist gesteuert und rational. Zur Zielerreichung werden Emotionen abgespalten.
- Konstruktive Aggression: Dient einer Zieleerreichung und schadet weder der eigenen noch einer anderen Person.
- Negative Aggression: Eine Aggression, die von der Gesellschaft missbilligt wird.
- Offene Aggression: Körperlicher oder verbaler Angriff auf ein Opfer.
- Passive Aggression: Auf indirektem Weg geäußert, durch unkooperatives Verhalten oder Manipulation.
Wann ist professionelle Hilfe notwendig?
Nicht jede Form von Aggression führt zu der Notwendigkeit einer Therapie. Kommt es jedoch zur Gefährdung der eigenen oder anderer Personen, Strafanzeigen oder anderen Konsequenzen, so empfiehlt sich eine Vorstellung bei einem Psychiater und/oder Psychologen.
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Medikamentöse Therapie
Grundsätzlich werden Aggressionen mit einer Psychotherapie behandelt. Diese kann zeitweilig auch von Medikamenten begleitet werden. Jedoch gibt es kein Medikament, dass explizit für die Behandlung von Aggressivität entwickelt wurde.
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