Aktiv gegen Migräne: Was wirklich hilft

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die gute Nachricht ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, Migräne zu behandeln und ihr vorzubeugen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hausmittel, medikamentöse Behandlungen und präventive Maßnahmen, die Ihnen helfen können, aktiv gegen Migräne vorzugehen.

Hausmittel bei akuten Migräneanfällen

Sobald Sie die ersten Anzeichen einer Migräne bemerken, können Sie mit verschiedenen Hausmitteln Ihre Symptome lindern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass auch Naturheilmittel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können. Sprechen Sie daher immer zuerst mit Ihrem Arzt, bevor Sie Ihre Migräne-Behandlung durch Hausmittel erweitern.

Hier sind einige Tipps, die bei akuten Migräneanfällen helfen können:

  • Ruhe und Dunkelheit: Ziehen Sie sich an einen dunklen und ruhigen Ort zurück. Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit.
  • Kühlung: Eisbeutel oder kühle Auflagen können Linderung verschaffen. Füllen Sie bei einer akuten Migräne-Attacke einen Stoffbeutel mit einem Teil Salz und vier Teilen Eiswürfeln. Drücken Sie diesen auf die pochenden, schmerzenden Schläfen oder legen Sie ihn auf die Stirn. Das Salz stabilisiert das Eis und die Kälte betäubt den Schmerz.
  • Ansteigendes Fußbad: Stellen Sie Ihre Füße in eine kleine Wanne und bitten Sie jemanden, diese mit etwa 32 Grad warmem Wasser aufzufüllen. Im Laufe der nächsten 20 Minuten sollte die Wanne schubweise mit heißem Wasser aufgefüllt werden, bis die Temperatur auf 42 Grad ansteigt. Das warme Wasser wirkt beruhigend und erweitert die Blutgefäße.
  • Aromatherapie: Ätherische Öle wie Pfefferminzöl (zehnprozentige Lösung auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen), Grüner Apfel, Lavendel, Eukalyptus, Rosmarin, Kamille oder Majoran können das Wohlbefinden steigern und Körper und Geist entspannen.
  • Tee: Bestimmte Teesorten können bei Migräne helfen. Geeignet sind Gewürznelkentee, Ingwertee, Kamillentee, Mutterkrauttee, Weidenrindetee, Waldmeistertee, Mädesüßtee und Ginkgotee.

Ernährung und Migräne

Die Ernährung bei Migräne ist ein komplexes Thema und kann Diäten, Fasten, Entgiftungen und Darmreinigungen umfassen. Generell ist es vorteilhaft, den Körper nicht allzu großen Schwankungen auszusetzen. Versuchen Sie deshalb, Blutzuckerschwankungen zu minimieren, regelmäßige Tagesabläufe und Schlafzyklen einzuhalten und Suchtstoffe wie Koffein, Alkohol und Nikotin zu meiden. Ein Verzicht auf Fertigprodukte, Gluten und tierische Lebensmittel hat bei einigen Migräne-Leidenden zu Verbesserungen geführt.

Achten Sie auf jeden Fall auch immer darauf, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

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Verhaltenstherapie und Entspannungsübungen

Durch die starken Schmerzen bei einer Migräneattacke leidet vor allem auch die Psyche. Allein die Angst vor der nächsten Schmerzepisode kann innerlichen Stress auslösen, der ein neuerliches Auftreten von Migräne wahrscheinlicher macht. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann Ihnen helfen, Techniken zu erlernen, die Ihnen in diesen Situationen helfen, nicht in Panik zu verfallen und einen besseren Umgang mit den Schmerzen zu erlernen.

Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder auch Meditation können Ihnen dabei helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Neben einer entspannenden Wirkung wird die Informationsverarbeitung während der Kopfschmerzphase heruntergefahren, was Schmerzen verringern kann.

Migräne-Tagebuch führen

Ein Migräne-Tagebuch hilft dabei, Ihre persönlichen Triggerfaktoren besser kennenzulernen. Durch das regelmäßige Beobachten und Festhalten Ihrer Migräne-Verläufe erhalten Sie wichtige Erkenntnisse, um Migräne-Anfälle zu reduzieren. Wir raten Ihnen dazu, Migräne-Trigger ausgewogen zu steuern, anstatt diese strikt zu vermeiden, denn sonst erzeugen Sie nur unnötigen Stress und damit womöglich die nächste Migräneattacke.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung eines akuten Migräneanfalls kann durch prophylaktische Maßnahmen, die dem Schmerz vorbeugen, ergänzt werden. Bei Verdacht auf eine Migräne, beziehungsweise auch nach Sicherung der Diagnose, sollten Sie sich zunächst in einer ärztlichen Praxis beraten lassen. Die Therapiemethoden sind vielfältig und für verschiedene Menschen eignen sich oft unterschiedliche Ansätze - von Medikation über Prävention bis hin zu Hausmitteln hilft bei Migräne vieles.

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken eignen sich Schmerzmittel wie die Aspirin®-Produkte mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Ebenso ratsam sind Präparate, in denen neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten ist.
  • Triptane: Bei besonders heftigen Migräneattacken sind einfache Schmerzmittel nicht immer ausreichend wirksam. Dann können sogenannte Triptane Abhilfe schaffen. Auch diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.
  • Antiemetika: Da Migränikerinnen und Migräniker oft nicht nur unter den Kopfschmerzen selbst leiden, sondern vor allem auch die Übelkeit schwer erträglich ist, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.
  • Mutterkornalkaloide (Ergotamine): Eine weitere Medikamentengruppe, die bei Migräne helfen kann, sind die sogenannten Mutterkornalkaloide (Ergotamine). Weil sie schlechter - aber länger - wirksam sind als Analgetika und Triptane und zudem vermehrt Nebenwirkungen auslösen, werden sie nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräne-Attacken empfohlen, etwa bei besonders lange anhaltenden Migränebeschwerden.
  • Kortikosteroide (Kortison): Kortikosteroide (umgangssprachlich: Kortison oder Cortison) werden bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräne-Attacke verabreicht. Studien zufolge können Kortikosteroide die Kopfschmerzen verringern und Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren.
  • Monoklonale Antikörper: Wenn die normalerweise gut wirksamen Mittel zur Vorbeugung nicht helfen, nicht vertragen werden oder aus bestimmten Gründen nicht angewendet werden dürfen, kann man seit einiger Zeit auf monoklonale Antikörper zur Vorbeugung von Migräne zurückgreifen. Weil sie nur als Injektionslösung zur Verfügung stehen, spricht man auch von „Anti-Migräne-Spritzen“.

Migräne vorbeugen

Ähnlich wie bei vielen anderen Schmerzerkrankungen ist auch bei der Migräne Prävention möglich. Mit den richtigen Gewohnheiten oder der Einnahme von Medikamenten können Sie also aktiv dazu beitragen, seltener Migräneattacken zu bekommen.

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Welche Maßnahmen helfen können, hängt vor allem von den Migräne-Ursachen ab, die - wie beschrieben - sehr individuell sein können. So können Sie schwere Attacken reduzieren:

  • Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
  • Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
  • Regelmäßig essen
  • Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
  • Bewusste Pausen einplanen

Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.

Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe sind:

  • Regelmäßiger Sport: Laufen, Schwimmen und Fahrradfahren sind ideal.
  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR), kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement) und Biofeedback-Therapie.
  • Akupunktur: Auch Akupunktur kann eingesetzt werden, um die Beschwerden von Migräne sanft zu lindern.
  • Vermeidung von Triggern: Mit Hilfe eines Kopfschmerz-Tagebuches können Betroffene ihre persönlichen Migräneauslöser ermitteln. Sind diese erkannt, können sie größtenteils vermieden werden.

Was tun, wenn nichts hilft?

Leiden Sie trotz geänderter Lebensführung weiterhin unter starken Schmerzen, gibt es weitere Verfahren, die Ihre Beschwerden lindern können. Dazu zählen Akupunktur, das sogenannte Biofeedback-Verfahren gegen Stresssymptome oder eine kognitive Verhaltenstherapie.

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