Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch Bewegungsstörungen und andere Symptome gekennzeichnet ist. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Therapien helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Aktivierende Therapien, insbesondere die Tanztherapie, haben sich als vielversprechend erwiesen.
Neuroplastizität und Rehabilitation
Unser Gehirn besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, sich bis ins hohe Alter zu verändern und an neue Umstände anzupassen. Dieser Prozess, bekannt als Neuroplastizität, spielt eine entscheidende Rolle bei der Rehabilitation neurologischer Erkrankungen. Motivation, Übungsfrequenz, Ausdauertraining, Stimulation und Konsolidierung sind die Schlüsselelemente zur Förderung der Nachhaltigkeit. Diese Prinzipien werden im Zentrum für klinische Neuroplastizität angewendet, um gezielt auf die Rehabilitation neurologischer Erkrankungen einzugehen.
Die Rolle der Musik und des Rhythmus
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass rhythmusbetonte Bewegungen und Musik bei Parkinsonpatienten zur Verbesserung der Bewegung und Verminderung von Stürzen beitragen. Musik-, Tanz- und Singtherapie sind daher wichtige Bestandteile des Rehabilitationskonzepts für Parkinsonpatienten.
Empfehlungen beinhalten, unmittelbar vor den Therapieeinheiten 20 Minuten der individuellen Lieblingsmusik über Kopfhörer zu hören und dabei dem Rhythmus mit Bewegungen des Rumpfes, der Arme oder Beine zu folgen. Dies ist nicht nur motivationsfördernd, sondern aktiviert und stimuliert nachweislich die Nervenbahnen im Gehirn, deren Funktionen durch den Morbus Parkinson beeinträchtigt sind.
Tanztherapie: Mehr als nur Bewegung
In der Tanztherapie lernen Parkinsonpatienten spielerisch, durch das Üben rhythmusbetonter Schrittfolgen Stürze zu vermeiden. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass lateinamerikanische Tänze wie die Rumba besonders geeignet sind.
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Singen als Therapieform
Auch Singen kann als Therapieform genutzt werden. Rhythmische Bewegungen, wie beim Rasseln, sind gute motorische Übungen. Selbst Musik zu machen, ist ein wichtiger Teil der Therapie.
Aktivierende Therapien als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung
Die medikamentöse Behandlung und die tiefe Hirnstimulation haben in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Trotzdem kommt es bei vielen Betroffenen im Verlauf der Erkrankung zu Störungen von Funktionen wie Gleichgewicht, Gehen, Sprechen und Schlucken. Aktivierende Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Interventionen spielen daher eine wichtige Rolle.
Schon unmittelbar nach der Diagnose ist es wichtig, der zunehmenden Bewegungsverarmung entgegenzuwirken. Auch wenn die Medikamente gut wirken, können schleichende Veränderungen der Beweglichkeit auftreten. Regelmäßiges und intensives körperliches Training kann helfen, die Möglichkeiten der Medikamentenbehandlung voll auszuschöpfen.
Die Bedeutung des Bewegungssinns
Für das Verständnis aktivierender Therapien ist es wichtig zu wissen, dass nicht nur die Bewegung verändert ist, sondern auch die Wahrnehmung der Bewegung, der „Bewegungssinn“. Viele Betroffene merken nicht, wenn sie zu kleine Schritte machen, zu leise sprechen oder den Arm beim Gehen nicht mitschwingen. Trainingsverfahren, bei denen großamplitudige Bewegungen, Bewegungsrhythmus und Schnelligkeit geübt werden, sind besonders geeignet zur Stärkung des Bewegungssinns.
LSVT-LOUD und LSVT-BIG
Das Lee Silverman Voice Training (LSVT-LOUD) ist eine spezifisch für Parkinson-Patienten entwickelte Therapie, bei der in intensiver Einzeltherapie eine Verbesserung der Sprechlautstärke geübt wird. Eine amerikanische Forschungsgruppe hat ausgehend vom LSVT-LOUD das neue Behandlungskonzept LSVT-BIG entwickelt, das speziell auf die Verbesserung der Bewegungen bei Parkinson ausgerichtet ist. Durch intensives Wiederholen der Übungen und kontinuierliche Rückmeldung werden ungenutzte Möglichkeiten aktiviert und ausgebaut.
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Gleichgewichtstraining und Sturzprävention
Gleichgewichtsstörungen gehören zu den Hauptsymptomen der Parkinson-Krankheit. Das Gleichgewichtstraining kann durch Krafttraining der Beinmuskulatur ergänzt werden, um die Balance zu verbessern und das Frakturrisiko bei Stürzen zu verringern.
Individuelle Analyse und Anpassung
Am Anfang dieser Maßnahmen steht die Frage nach den individuellen Gleichgewichtsproblemen. Kommt es zu Stürzen, sollten deren Umstände genau analysiert werden, um auslösende Faktoren vermeiden zu können. Bei sturzgefährdeten Patienten sollte darauf geachtet werden, die Verletzungsmöglichkeiten in der häuslichen Umgebung so gering wie möglich zu halten.
Freezing und Körperhaltung
Unter „Freezing“ versteht man ein plötzliches „Einfrieren“ des Gehens, häufig ausgelöst durch Umgebungsreize oder bestimmte Manöver. Hier ist es Aufgabe des Therapeuten, gemeinsam mit dem Betroffenen Trickmanöver zu entwickeln, durch die sich das Freezing überwinden lässt. Die meist auf Medikation unzureichend ansprechenden Probleme der Körperhaltung machen in der Regel eine intensive, hochfrequente und dauerhafte physiotherapeutische Begleitung erforderlich.
Weitere aktivierende Therapieansätze
Neben den bereits genannten Therapien gibt es weitere Ansätze, die bei Parkinson-Patienten Anwendung finden können:
- TaiJi: TaiJi ist eine Kampf- und Bewegungskunst, die ihren Ursprung im China des 17. Jahrhunderts hat. Sie zielt auf Entschleunigung, Konzentration und Entspannung bei körperlicher Aktivität ab. Mit dieser Technik können Menschen mit Parkinson Körperwahrnehmung und Bewegungskontrolle trainieren.
- Bogenschießen: Es trainiert die Arm-, Hand-, Nacken- und Schultermuskulatur und baut die Rumpfstabilität weiter auf. Erkrankte könnten so ihre Balance verbessern.
- Yoga: Yoga kann die Symptomatik von Parkinson-Betroffenen lindern. Das Training zielt grundsätzlich auf Ausdauer, Kraft und Flexibilität ab. Zudem wird der Fokus auf Gleichgewicht und Koordination gelegt.
Die Bedeutung von Bewegung und Schlaf
Regelmäßige körperliche Aktivität und gesunder Schlaf tragen wesentlich zur Lebensqualität von Betroffenen bei. Bewegung und Sport sind bisher die einzigen Strategien, um das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung abzumildern.
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Schlafstörungen bei Parkinson
Neben den motorischen Symptomen berichten viele Menschen mit Parkinson auch über gravierende Schlafprobleme. Ein erholsamer Schlaf ist nicht nur subjektiv wichtig, sondern auch für die neurobiologische Regeneration des Gehirns entscheidend.
Aktuelle Studien und Forschung
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Bewegung und Sport effektive Möglichkeiten sind, um den Verlauf der Parkinson-Krankheit positiv zu beeinflussen. Eine Meta-Studie hat ergeben, dass Bewegungstherapie sowohl die Motorik als auch die Lebensqualität verbessert. Eine dänische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 unterstreicht, dass hochintensives Training motorische Symptome stärker verbessern kann als moderate Bewegung.
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