Aktuelle Forschung zu Alzheimer: Ein Überblick über Fortschritte und Herausforderungen

Zum Jahreswechsel gibt es ermutigende Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung: Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die gezielt an einer der Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit markieren die neuen Therapien einen medizinischen Meilenstein - wie die Geschichte des ersten am UKM behandelten Patienten zeigt.

Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung, die sich über einen extrem langen Zeitraum des Lebens zieht. Man spricht da von bis zu dreißig Jahren, in denen sich langsam Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn anreichern. Hauptbestandteile der Eiweißaggregate ist das Amyloid-beta, das im Gehirn verklumpt. Das führt irgendwann zu Nervenzellschädigungen und -untergang. Das Tückische ist, dass es erst dann zu klinischen Symptomen kommt, wenn dieser Prozess weit fortgeschritten ist.

Neue Therapieansätze mit Amyloid-Antikörpern

Funktionsweise von Lecanemab und Donanemab

Lecanemab und Donanemab wurden zugelassen. Beide Antikörper binden an die pathologischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Dadurch wird das Immunsystem des Körpers aktiviert und räumt die Eiweißablagerungen ab.

Für wen sind die Medikamente zugelassen?

Diese Antikörper sind für Menschen mit einer frühen Alzheimer-Krankheit zugelassen, also in einem Stadium, in dem Betroffene bereits kognitive Einschränkungen haben, die man auch objektivieren kann, die sich aber noch nicht einschränkend im Alltag auswirken. Nicht zugelassen sind die Medikamente für das präklinische Stadium, also wenn es noch gar keine Symptome gibt. Und auch bei fortgeschrittener Demenz sind die Wirkstoffe nicht zugelassen.

Wirkung und Nutzen

Die Medikamente bedeuten keine Heilung. Aber ein großer Fortschritt ist, dass wir zum ersten Mal überhaupt Wirkstoffe zur Verfügung haben, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angreifen. Alzheimer-Demenz ist multikausal und es gibt noch weitere Prozesse im Körper, die nicht mit den Eiweiß-Antikörpern außer Kraft gesetzt werden können. Ziel ist im Moment also nur die Verlangsamung des Fortschreitens der kognitiven Einschränkungen. Den Nutzen für die gesamte medizinische Alzheimer-Forschung sehe ich als unglaublich hoch an. Erstmals haben wir Therapeutika in der Hand, die ursächlich ansetzen. Es gibt weitere Amyloid-Antikörper, die sich im Moment in der klinischen Überprüfung befinden. Die Entwicklung geht also weiter. Künftig sind auch Kombinationstherapien denkbar aus mehreren Wirkstoffen, die zusammen mit der Amyloid-Antikörpertherapie vielleicht noch besser wirken. Dazu wird an Biomarker-Tests gearbeitet, die helfen sollen, die Erkrankung vor Ausbruch zu entdecken. Insgesamt ist die Wirkung individuell und nicht prognostizierbar. Einige Patientinnen und Patienten profitieren kaum, andere haben unter der Therapie jahrelang einen stabilen Verlauf.

Lesen Sie auch: Demenzforschung: Aktuelle Entwicklungen

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Unter der Antikörper-Therapie kann es punktuell zu Hirnödemen oder -einblutungen kommen. Diese Nebenwirkung, die üblicherweise im ersten Halbjahr der Behandlung auftritt, gibt es bei etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, deswegen ist ein engmaschiges Monitoring vor allem im MRT notwendig.

Der Fall von Nikolaus Fuhrmann

Nikolaus Fuhrmann heißt der erste Patient, der am UKM (Universitätsklinikum Münster) die Infusionstherapie mit dem Wirkstoff Lecanemab beginnen konnte. Der 75 Jahre alte Münsterländer bekam die Diagnose Alzheimer eher zufällig, als bei ihm mit Verdacht auf Schlaganfall eine Liqourdiagnostik angeordnet wurde. Diese Analytik ergab, dass die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung gestellt wurde. Nur kurze Zeit später zeigten sich bei Fuhrmann die ersten Symptome. Fuhrmann kommt im Moment alle vierzehn Tage für die Lecanemab-Gabe in die Infusionsambulanz des UKM. In engmaschigen MRTs wird er überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen wie fokale Hirnödeme und -blutungen frühzeitig zu entdecken. Er verträgt die Behandlung bisher gut und hofft, durch die neue Therapie wertvolle Zeit zu gewinnen.

Lecanemab im Detail

Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Lecanemab ist ein Antikörper-Wirkstoff, der gezielt eine Vorstufe der für Alzheimer typischen Amyloid-beta-Protein-Plaques im Gehirn bindet. Dadurch wird das körpereigene Immunsystem, die Mikrogliazellen, aktiviert, die die Ablagerungen abbauen oder deren Neubildung hemmen.

Voraussetzungen für die Behandlung mit Lecanemab

Lecanemab ist nur für Menschen mit einer Alzheimer-Diagnose zugelassen, die sich im Stadium eines Mild Cognitive Impairment (MCI, leichte kognitive Beeinträchtigung) oder einer frühen Alzheimer-Demenz befinden. Die Amyloid-beta-Ablagerungen müssen nachgewiesen werden - entweder durch eine Lumbalpunktion oder ein Amyloid-PET. Auch genetische Voraussetzungen spielen eine Rolle: Erkrankte dürfen höchstens eine Kopie des sogenannten ApoE4-Gens tragen. Personen mit zwei Kopien sind wegen des erhöhten Risikos für Hirnblutungen von der Behandlung ausgeschlossen. Leqembi eignet sich außerdem nicht für Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen. In Kombination mit dem Medikament steigt das Risiko für eine Hirnblutung deutlich. Neben den medizinischen Voraussetzungen ist die Teilnahme an einem EU-weiten Register verpflichtend. Vor dem Beginn der Behandlung mit Leqembi wird geprüft, ob die Patientin oder der Patient das so genannte ApoE4-Gen besitzt. Menschen mit einer doppelten Kopie dieses Gens (ApoE4-Homozygote) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen und können deshalb nicht mit Leqembi behandelt werden. Der Gentest macht die Therapie sicherer. Die Behandlung mit Leqembi stellt neue Anforderungen an die ärztliche Versorgung. Sie erfordert eine frühzeitige Diagnose sowie spezialisierte Einrichtungen mit ausreichender personeller und technischer Ausstattung.

Verabreichung und Kontrolle

Leqembi wird als Infusion (Tropf) alle zwei Wochen direkt in die Vene verabreicht. Die Behandlung dauert jeweils etwa eine Stunde. Vor und während der Behandlung sind MRT-Untersuchungen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder kleine Blutungen frühzeitig zu erkennen. Diese Kontrollen erfolgen vor der 5., 7. und 14. Infusion. Werden sie nicht durchgeführt, muss die Behandlung beendet werden. Treten Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Übelkeit auf, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte über weitere Untersuchungen. Nur Patientinnen und Patienten, die alle Voraussetzungen erfüllen, dürfen mit Leqembi behandelt werden. Die Behandlung mit Leqembi wird beendet, wenn sich die Alzheimer-Erkrankung deutlich verschlechtert und in ein mittelschweres Stadium übergeht.

Lesen Sie auch: Einblicke in die Welt der Psychologie

Mögliche Nebenwirkungen von Lecanemab

In Studien wurden bei einem Teil der Teilnehmenden Hirnschwellungen (ARIA-E) und Hirnblutungen (ARIA-H) beobachtet. Diese traten meist ohne erkennbare Symptome auf, wurden aber engmaschig kontrolliert. Das Risiko für solche Nebenwirkungen hängt stark vom ApoE4-Gen ab: Menschen mit zwei Kopien dieses Gens sind besonders gefährdet und daher von der Behandlung ausgeschlossen. Bei den für die EU-Zulassung relevanten Patientengruppen - also bei Menschen mit höchstens einer Kopie des ApoE4-Gens - kam es in rund 13 % der Fälle zu Hirnblutungen und in 9 % zu Hirnschwellungen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen (11 %) und Infusionsreaktionen (26 %). In der Studie wurden drei Todesfälle gemeldet, von denen zwei mit der gleichzeitigen Einnahme von Gerinnungshemmern in Verbindung gebracht wurden. Bei Leqembi gibt es Hinweise aus Studien, dass die Wirksamkeit bei Männern höher sein könnte als bei Frauen. Für Kisunla liegen solche Hinweise auf Geschlechtsunterschiede bislang nicht vor. Es ist noch nicht abschließend erforscht, ob das Geschlecht bei der Wahl einer Therapie künftig eine Rolle spielt.

Wirksamkeit von Lecanemab

In der medikamentösen Therapie der Alzheimer-Krankheit standen bisher keine Medikamente zur Verfügung, die auf die grundlegenden Mechanismen der Erkrankung einwirken konnten. Leqembi kann Alzheimer weder heilen noch den Krankheitsverlauf aufhalten. Ziel der Behandlung ist es, den geistigen Abbau bei Menschen im frühen Krankheitsstadium zu verlangsamen. In der großen Phase-3-Studie CLARITY AD zeigte sich, dass die Erkrankung bei den Teilnehmenden, die Lecanemab erhielten, langsamer fortschritt als in der Placebo-Gruppe. Wie viele Menschen in Deutschland für die Behandlung infrage kommen, ist noch unklar: Nach einer Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) von Mai 2025 erfüllt etwa 1 von 100 Menschen mit einer Alzheimer-Demenz alle Voraussetzungen für eine Behandlung mit Leqembi, also rund 12.000 Erkrankte. Neuere Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) von August 2025 gehen von bis zu 73.000 Patientinnen und Patienten in Deutschland aus (etwa 6 % der rund 1,2 Millionen Erkrankten). Die Behandlung mit Leqembi wird zunächst von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Apothekenpflichtige verschreibungspflichtige Arzneimittel sind in Deutschland grundsätzlich unmittelbar nach der Zulassung für alle Patientinnen und Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verfügbar. Aktuell wird geprüft, ob die Therapie mit Leqembi einen Vorteil hat gegenüber einer medikamentösen Behandlung, die ausschließlich mit den bisher verfügbaren Antidementiva aus der Gruppe der Acetylcholinesterasehemmer durchgeführt wird. An der CLARITY AD-Studie hatten insgesamt 1.795 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz teilgenommen. Während des 18-monatigen Untersuchungszeitraums wurde in regelmäßigen Abständen kognitive Fähigkeiten, wie das Gedächtnis, die Orientierung oder die Fähigkeit, Probleme zu lösen, von Fachleuten überprüft. Ergebnis der Studie war, dass die Krankheit bei denjenigen, die Lecanemab erhielten, um 27 Prozent langsamer voranschritt als bei der Kontrollgruppe. Trotz der messbaren Wirksamkeit wird die Wirkung von Leqembi von vielen Expertinnen und Experten eher als moderat eingeschätzt. Es ist fraglich, inwieweit die Wirkung für an Alzheimer erkrankte Menschen spürbar ist und im Alltag einen Unterschied macht. Die Studie hat jedoch gezeigt, dass sich der verzögernde Effekt mit der Dauer der Einnahme zunimmt. Das könnte bedeuten, dass eine Einnahme über den Zeitraum der bisher untersuchten 18 Monate hinaus die Wirksamkeit von Lecanemab noch erhöht.

Weitere Forschungsansätze und Therapieentwicklungen

Die Medikamente, die zum Aufhalten oder Verlangsamen der Alzheimer-Demenz in Entwicklung sind, greifen an verschiedenen Stellen in den Krankheitsprozess ein. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die bei Alzheimer auftretenden Plaques zwischen den Nervenzellen wesentlich zum Absterben von Nervenzellen beitragen. Deshalb setzen viele Arzneimittel-Kandidaten an der Substanz an, aus der sie bestehen: dem Beta-Amyloid-Protein. Ein Typ dieser Medikamente enthält gentechnisch hergestellte Antikörper, die sich an das Beta-Amyloid-Protein oder Vorstufen davon heften. Das Immunsystem baut dann das so markierte Protein ab, wodurch der Raum zwischen den Nervenzellen gereinigt wird. Dieser Ansatz wird auch „passive Immunisierung gegen Alzheimer“ genannt. Die Studienergebnisse mit mehreren gegen Beta-Amyloid gerichteten Medikamente belegen, dass Beta-Amyloid-Plaques in der Tat eine relevante Rolle im Krankheitsgeschehen spielen. Wie zentral diese ist, ist damit aber noch immer nicht geklärt. Einige Wissenschaftler:innen weisen seit Jahren darauf hin, dass sich solche Plaques mitunter auch im Gehirn von Menschen finden, die in geistiger Klarheit gestorben sind. Andererseits sind Menschen, die aufgrund einer genetischen Besonderheit kaum Beta-Amyloid-Plaques bilden können, anscheinend vor der Krankheit geschützt.

Noch etliche andere Ansatzpunkte für eine Alzheimer-Therapie werden derzeit in klinischen Studien oder bei Tieren erprobt.

Unterstützung der Forschung durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG)

Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) gehört auch die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung. Die DAlzG unterstützt deshalb regelmäßig Forschungsvorhaben im Bereich Demenz. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus. Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise indem sie ihr Expertenwissen in Projektbeiräten zur Verfügung stellt.

Lesen Sie auch: Thieme Neurologie Aktuell

Arbeitsgruppe „Demenz und Forschung“

Im Rahmen des Projektes PraWiDem, wurde eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut. Sie hat das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert. Doch die gemeinsame Arbeit in der AG Demenz und Forschung sollte weitergehen, damit die wertvollen Erfahrungen nicht verloren gehen. Daher entschied sich die AG - gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - die Arbeit fortzuführen.

Weitere Medikamentenzulassungen und Verfahren

Seit 25.09.2025 ist auch ein zweites Antikörper-basiertes Alzheimermedikament in der EU zugelassen. Es enthält den Antikörper Donanemab. Im Dezember 2024 wurde für ein drittes Alzheimermedikament das Zulassungsverfahren eröffnet. Es enthält den chemisch-synthetischen Wirkstoff Blarcamesin.

Misserfolgsquote und neue Definitionen

Vor der Zulassung für Lecanemab gab es über lange Zeit nur Fehlschläge. Eine 2014 publizierte Untersuchung über die von 2002 bis 2012 in klinischen Studien erprobten Medikamente ergab eine Misserfolgsquote von 99,6 %. Viele davon sind Neuentwicklungen, andere sind bereits zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassen (z. B. bei Schlafstörungen oder Bauchspeicheldrüsenkrebs). Viel deutet darauf hin, dass die Behandlung sehr frühzeitig begonnen werden muss, wenn sie noch wirksam ins Krankheitsgeschehen eingreifen soll, und nicht erst, wenn die Alzheimer-Symptome schon ausgeprägt sind. Das ist möglich geworden, weil sich Zeichen der Krankheit (d.h. Beta-Amyloid und Tau-Fibrillen im Gehirn) mittlerweile mit nicht-invasiven bildgebenden Verfahren nachweisen lassen. Das National Institute on Aging and Alzheimer's Association Research Framework empfiehlt deshalb, bei klinischen Studien nur noch mit Patient:innen zu arbeiten, die die für Alzheimer charakteristischen Gehirnveränderungen aufweisen; die dafür anzuwendende biologische (statt Symptom-bezogene) Alzheimer-Definition hat das Research Framework 2018 in der Zeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlicht.

Forschungsprojekte des DZNE gefördert durch die Alzheimer Forschung Initiative (AFI)

Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) fördert vier Forschungsprojekte des DZNE mit insgesamt fast 600.000 Euro.

  • Kann ein Einwirken auf TREM2 die Alzheimer-Krankheit stoppen? Ein Forschungsteam um Prof. Stefan Lichtenthaler (München) befasst sich in diesem Projekt mit TREM2, einem Eiweiß-Molekül, das auf der Oberfläche der Immunzellen des Gehirns vorkommt.
  • Eine Gentherapie zur Prävention sporadischer Alzheimer-Erkrankungen: Im Fokus dieses Projekts steht ApoE3, eine Variante des Gens ApoE, das für den Fettstoffwechsel von Bedeutung ist. Ein Team um Prof. Martin Fuhrmann (Bonn) möchte mit Hilfe eines gentherapeutischen Verfahrens dieses Risiko-Gen verändern und damit das Risiko für Alzheimer senken.
  • Welche Risikofaktoren im Erbgut begünstigen die Frontotemporale Demenz? Ziel dieses Projekts um Prof. Anja Schneider (Bonn) ist es, mittels einer Technik der Erbgutanalyse namens GWAS genetische Risikofaktoren für die Frontotemporale Demenz (FTD) aufzuklären.
  • Kann ein einziger Bluttest das Risiko auf eine Alzheimer-Erkrankung vorhersagen? Prof. Monique Breteler (Bonn) wird gemeinsam mit Fachleuten aus den Niederlanden anhand von Daten aus zwei großen bevölkerungsbasierten Studien untersuchen, inwieweit Bluttests das Alzheimer-Risiko im frühen Stadium zuverlässig abschätzen können.

Neue Perspektiven: Neuronale Resilienz und NAD⁺-Homöostase

Die neue Studie entwickelt einen konzeptionell neuen Blick auf die Alzheimer-Krankheit als eine prinzipiell reversible Störung der neuronalen Resilienz. Im Zentrum steht die Wiederherstellung der NAD⁺-Homöostase. In einer Publikation berichten Forschende aus den USA von der pharmakologische Umkehrung einer fortgeschrittenen Alzheimer-Erkrankung in zwei komplementären Mausmodellen. Sie konnten zudem potenzielle therapeutische Anknüpfpunkte im menschlichen Gehirn identifizieren. Mit dieser Forschung rückt der Verlust neuronaler Resilienz in den Mittelpunkt der Pathophysiologie. In ihrer Arbeit zeigen die Forschenden, dass der Schweregrad der Erkrankung tatsächlich eng mit einer progressiven Störung der NAD⁺/NADH-Balance im Gehirn einhergeht. Bemerkenswert ist, dass durch die Gabe des niedermolekularen Wirkstoffs P7C3‑A20 selbst bei bereits ausgeprägter Pathologie eine umfassende funktionelle und molekulare Erholung beobachtet wird.

Prävention und Lebensstil

Unabhängig von neuen Antikörper-Medikamenten setzt Thorsten Bartsch auf Prävention durch eine Veränderung des Lebensstils. Auch andere Risikofaktoren für eine Demenz sind beeinflussbar: Diabetes und Übergewicht lassen sich ebenso behandeln wie Bluthochdruck und ein erhöhter Cholesterinspiegel. Hörgeräte sorgen für soziale Teilhabe - auch das ein wichtiger Faktor, um die grauen Zellen fit zu halten. Darüber hinaus gibt es eine weitere Möglichkeit, das Risiko für eine Demenz zu reduzieren: Die Impfung gegen Gürtelrose-Viren.

Bewegung als Schutzfaktor

Eine Studie hat gezeigt, dass bereits ein moderates Maß an körperlicher Aktivität, das auch ältere Personen schaffen können, ausreicht, um Alzheimer entgegenzuwirken. Bewegungsmangel ist ein etablierter Risikofaktor für die Alzheimererkrankung. Erstmals zeige diese Studie Effekte auch bei Menschen, die bereits Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn haben. Körperliche Aktivität scheint demnach die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen und die mentale Leistungsfähigkeit zu schützen. Eine umfassende, die Sinnesreize anregende Bewegung ist besonders förderlich. Neben ausreichender Bewegung ist ein insgesamt gesunder Lebensstil wichtig, zu dem auch ausgewogene Ernährung, geistige Aktivität und soziale Kontakte gehören. Damit würde auch anderen Krankheiten vorgebeugt.

Herausforderungen und Ausblick

Alzheimer ist eine äußerst komplexe Krankheit. Viele der Prozesse, die im Gehirn ablaufen, sind noch immer nicht vollständig verstanden. Hinzu kommt: Alzheimer beginnt lange bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Wenn das Gedächtnis nachlässt, sind die Schäden im Gehirn meist bereits weit fortgeschritten und der Krankheitsprozess nicht mehr umkehrbar.

Doch es gibt Hoffnung. Erste Medikamente greifen gezielt in den Krankheitsverlauf ein, und Therapien können das Leben von Menschen mit Demenz bereits heute spürbar verbessern, indem sie den Alltag erleichtern, Fähigkeiten länger erhalten und die Lebensqualität steigern.

Wohin führt die Forschung?

Forschende weltweit arbeiten daran, Alzheimer eines Tages zu stoppen oder zu heilen und dadurch das Leben künftiger Generationen entscheidend zu verändern.

tags: #aktuelle #infos #alzheimer