Akupunktur bei Migräne: Studien und alternative Ansätze in Aschersleben

Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Beschwerden. Viele Betroffene greifen zur Linderung auf Schmerzmittel zurück. Wer jedoch nicht jedes Mal zu Medikamenten greifen möchte, sucht nach alternativen Behandlungsmethoden und Möglichkeiten zur Vorbeugung. Die Akupunktur, eine traditionelle chinesische Behandlungsmethode, rückt dabei immer wieder in den Fokus.

Kopfschmerzen: Eine Volkskrankheit

Kopfschmerzen sind eine Volkskrankheit. Manche Menschen haben sie nur selten, andere sind oft betroffen. Da kommt schnell einiges zusammen: Hier eine Schmerztablette, dort eine Schmerztablette, um durch den Tag zu kommen.

Alternative Wege zur Schmerzlinderung und Prävention

Wer nicht jedes Mal zu Medikamenten greifen will, der kann auch ohne gegen den Schmerz angehen und dem nächsten Kopfschmerz vorbeugen. Es gibt verschiedene Ansätze, Kopfschmerzen ohne Medikamente zu lindern und vorzubeugen. Dazu gehören Entspannungsverfahren, Stressbewältigungstechniken, sportliche Betätigung und alternative Therapien wie Akupunktur.

Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren, etwa progressive Muskelentspannung nach Jacobson, reduzieren die Schmerzanfälligkeit des ganzen Organismus. Bei der Methode werden verschiedene Muskelgruppen des Körpers für einige Sekunden angespannt und dann gezielt wieder entspannt.

Anspannung frühzeitig bemerken: Wenn Betroffene ein Entspannungsverfahren eingeübt und eine Routine entwickelt haben, spüren sie eine Anspannung viel früher und können ihr durch gezielte Entspannung entgegenwirken. Wichtig ist, das Verfahren mehrmals täglich anzuwenden und nicht bis zum Abend damit zu warten.

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Stressbewältigung

Bei einem Stressbewältigungstraining lernen Patienten, ihre Stressfaktoren zu erkennen und diesen gezielt entgegen zu wirken. Stress ist subjektiv. Entscheidend sind die persönliche Einschätzung einer Situation und die Fähigkeit, damit umgehen zu können. Hilfreich ist auch, jene Ressourcen in sich zu entdecken, die Kraft und Freude schenken. Kopfschmerzpatienten lernen dann, ihre Aufmerksamkeit vom Schmerz weg auf angenehme Dinge zu lenken. Mitunter gelingt es sogar, sich vom Schmerz zu distanzieren und ihn wie unter einem Mikroskop von außen zu betrachten. Studien haben gezeigt, dass Entspannungsverfahren und Stress- und Schmerzbewältigungsprogramme dazu beitragen, den Medikamentenkonsum zu verringern, die Befindlichkeit zu verbessern und die Häufigkeit von Kopfschmerzen zu reduzieren. Migräne und Spannungskopfschmerz können mit den Verfahren gleichsam gut behandelt werden.

Bewegung als Therapie

Körperliches Ausdauertraining wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen wird generell allen Kopfschmerzpatienten empfohlen. Biofeedback nutzt vor allem Patienten mit Spannungskopfschmerzen. Bei diesem Verfahren trainieren sie, wie man die Spannung der Stirnmuskulatur kontrollieren kann. Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Die Methode kann ebenfalls bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden. Ein kleines Gerät schickt bei dieser Methode sanfte Ströme, die nur leicht kribbeln, in den schmerzenden Bereich. So werden Schmerzsignale überlagert und ausgeblendet. Krankengymnastik: Physiotherapeutische Behandlungen wie Krankengymnastik beeinflussen die Funktionsstörungen der Muskeln. Denn diese können eine Mitursache für den Schmerz sein oder die Beschwerden verschlimmern. Auch Kneipp-Anwendungen oder medizinische Bäder können sich positiv auf Migräne oder Spannungskopfschmerz auswirken.

Massage und Akupressur

Sanfte Massagen von Gesicht und Kopfhaut, zum Beispiel vom Partner, können im Einzelfall einen Migräneanfall lindern. Bei Spannungskopfschmerzen muss die Massage auf Nacken und Schultergürtel ausgedehnt werden. Auch Akupressur, bei der Akupunkturpunkte gedrückt werden, können die Beschwerden von Kopfschmerzpatienten lindern.

Akupunktur als Behandlungsoption bei Migräne

Es gibt inzwischen Untersuchungen, die der Akupunktur bei Migräne eine gewisse Wirksamkeit bescheinigen. Häufigkeit und Schwere der Attacken können durch das Nadelsetzen günstig beeinflusst werden.

Die Grundlagen der Akupunktur

Das Wort Akupunktur bedeutet im Chinesischen „kleine Öffnung für das Qi“. Die Akupunktur soll bestimmte Energiepunkte durch Nadelstiche, Druck, Massage, Wärme oder Laserstrahlung aktivieren, so dass blockierte Energie - das Qi - wieder besser fließt. Das Verfahren beruht auf der taoistischen Lehre von Yin und Yang, die untrennbar miteinander verbunden und Voraussetzung für alles Leben sind. Solange diese Elemente im Körper im Gleichgewicht sind, ist der Mensch gesund. Dominiert eins, wirkt sich das negativ auf den körperlichen und geistigen Zustand aus. Schmerzen entstehen aus Sicht der TCM, wenn der Energiefluss im Körper gestört ist. Die Energiebahnen im Körper werden Meridiane genannt, jede ist nach dem Organ benannt, durch das sie fließt. Rund 400 Akupunkturpunkte gibt es, die auf den Meridianen liegen. Die zwei bekanntesten Arten sind die Körper- und die Ohr-Akupunktur, erklärt Bernd Ramme, Zweiter Vorsitzender der Deutschen Akademie für Akupunktur (DAA) in München. „Die Ohr-Akupunktur ist eine Mikrosystem-Akupunktur. Bei dieser ist der ganze menschliche Körper, ähnlich eines Hologramms, zum Beispiel im Ohr, abgebildet.“ Die einzelnen Reflexpunkte spiegeln je ein Organ, einen bestimmten Körperabschnitt oder eine Körperfunktion wider.

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Anwendungsbereiche der Akupunktur

Die Akupunktur ist nur ein Teil der chinesischen Medizin, wie die Heilpraktikerin Petra Lehn aus der Nähe von Stuttgart erklärt. Sie wendet in ihrer Praxis häufig Kombinationen chinesischer Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Kräuterheilkunde und Massagen an. „Die chinesische Medizin ist ganzheitlich orientiert und ganz individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten“, sagt sie. Akupunktur soll unter anderem bei Hauterkrankungen, Allergien, Migräne, Blutdruckstörungen, Magen-Darm-Problemen und psychischen Erkrankungen helfen. Der Einsatz der Nadeln hat aber auch Grenzen: zum Beispiel Erbkrankheiten oder schwere psychische Störungen wie Schizophrenie, zählt Ramme auf. Aber eine begleitende Behandlung sei bei vielen schulmedizinisch therapierten Krankheiten möglich.

Wissenschaftliche Evidenz und Kassenleistung

Akupunktur wirkt nicht bei jedem Menschen gleich. Störherde wie Narben oder tote Zähne können die Wirkung negativ beeinflussen, wie Remme betont. „Die Symptomlinderung ist geringer ausgeprägt, nicht so lange anhaltend oder sogar ganz verhindert“, sagt Ramme. Trotzdem berichten viele Patienten Petra Lehn zufolge davon, dass ihre Beschwerden deutlich nachlassen. Seit 2006 ist die Akupunktur zur Behandlung von bestimmten Rücken- und Knieschmerzen auch Kassenleistung, wie Karen Walkenhorst von der Techniker Krankenkasse (TK) erklärt. Doch wissenschaftlich belegen lässt sich die Wirkung der Nadeln bisher kaum: Breit angelegte Studien hätten gezeigt, dass die Erfolgsrate der traditionellen chinesischen Akupunktur bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen nicht wesentlich höher sei als die der Schein-Akupunktur, bei der Ärzte bewusst falsche Punkte stechen. Beide Akupunkturformen zeigten jedoch deutlich bessere Erfolge als die schulmedizinische Behandlung. „Aus Perspektive der Patienten ist zentral, dass die Akupunktur wirkt. Wie sie wirkt, ist eine wissenschaftliche Frage“, erläutert Walkenhorst. Außerdem sei sie für die Patienten nahezu nebenwirkungsfrei.

Qualifikation der Akupunkteure

Nur bestimmte Ärzte dürfen die Akupunkturnadeln setzen, damit die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Nach Angaben der TK müssen sie als Schulmediziner in Deutschland zugelassen sein und eine qualifizierte Zusatzausbildung über 350 Stunden bei einer der anerkannten Akupunkturfachgesellschaften in Deutschland absolviert haben.

Abgrenzung: Kopfschmerz vs. Migräne

Wo Kopfschmerz aufhört und Migräne anfängt, erklärt Charly Gaul von der Deutschen Kopfschmerz- und Migränegesellschaft. Oft sind die Ursachen für Kopfschmerzen nicht klar zu benennen. Aber es gibt Auslöser, sagt Charly Gaul. Das können zum Beispiel Durst, ein Wetterumschwung, zu viel Sonne oder ein Glas Alkohol sein. Kopfschmerzen können zudem das Symptom einer Krankheit sein, etwa von Grippe. Experten sprechen bei normalen Kopfschmerzen eher von Spannungskopfschmerz. Dieser schmerzt häufig auf beiden Kopfseiten drückend. „Da brummt der Schädel, aber meist mehr nicht“, erklärt Gaul. „Manche Patienten empfinden den Schmerz aber auch als stark.“ Anders bei Migräne: Neben sehr starken Schmerzen werden die Anfälle etwa von Übelkeit, intensiver Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und häufig auch Gerüchen begleitet. Meist schmerzt nur eine Seite des Kopfes. Migräne-Attacken können zwischen 4 und 72 Stunden dauern, sagt Gaul.

Während Bewegung eine Migräne-Attacke häufig nur schlimmer macht, kann etwas Aktivität bei Spannungskopfschmerzen helfen. Pfefferminzöl aufzutragen, kann den Schmerz ebenfalls lindern. Frei erhältliche Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Kombinationen mit Acetylsalicylsäure, Koffein und Paracetamol wären der nächste Schritt. Bei eher leichten Kopfschmerzen könne man aber häufig auf sie verzichten, sagt Gaul. „Ein Migräne-Anfall ist ein Signal des Gehirns, dass es Rückzug und Ruhe braucht“, erklärt der Fachmann. Sich in einen abgedunkelten Raum zurückziehen, ist der erste, richtige Schritt. Betroffene können frei verkäufliche Schmerzmittel nehmen. Manchmal helfen diese bei Migräne aber nicht. Für den Fall gibt es Triptane. Diese speziellen Schmerzmittel wirken auch gegen die Begleiterscheinungen der Migräne-Attacke. „Zwei Triptane sind in Deutschland frei verkäuflich.“ Nichtsdestotrotz sollte man mit einem Arzt Rücksprache halten. Manche Leute bekommen schon von einem Glas Rotwein Kopfschmerzen oder gar Migräne. Bemerkt man solche Auslöser, sollte man sie meiden - in diesem Fall verzichtet man lieber auf Alkohol.

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Der Deutsche Schmerzkongress in Mannheim und die Multimodale Schmerztherapie

Die Multimodale Therapie, an der neben Ärzten auch Psychologen, Pflegende und Physiotherapeuten mitwirken, gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Schmerztherapie der letzten 25 Jahre. Über ihre Ausgestaltung aber auch ihre Kehrseiten diskutieren mehr als 2.000 Teilnehmer beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim (5. bis 8. Oktober 2011, Congress Center Rosengarten). Zum Kongress, den die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. Zu den Forschungsthemen gehört diesmal unter anderem die Interaktion zwischen Schmerz und Schlaf. Erstaunlich wenig ist darüber bisher bekannt, obwohl feststeht, dass Schmerz den Schlaf beeinträchtigt und Schlafmangel wiederum die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Beim Kongress stehen neue Forschungsansätze und neue Behandlungsstrategien aber auch die Präsentation gemeinsamer neurobiologischer Grundlagen auf dem Programm. Neue Medikamente, aber auch Probleme bei der Medikamentenverordnung wie missbräuchliche oder falsche Einnahme sowie ungünstige Medikamenten-Kombinationen werden diskutiert. Besonders am Herzen liegt den Spezialisten in diesem Jahr der Akutschmerz. In der Natur ist er überlebenswichtig – im Krankenhaus aber offensichtlich nicht. Funktionierende Konzepte gegen den akuten Schmerz sind entwickelt und erprobt – nur werden sie bisher zu wenig eingesetzt. Mehr als 80 Prozent der Krankenhauspatienten erleiden unnötige Schmerzen. Wie sich das ändern lässt, diskutieren die Experten beim Schmerzkongress. Die Konsequenzen und der praktikable Umgang mit den jüngst verabschiedeten Leitlinien ist ein weiteres zentrales Thema. Der Multimodale Behandlungsansatz bestimmt dieses Jahr das Motto des Schmerzkongresses „Alles multimodal? – Chancen und Grenzen“. Multimodale Konzepte bezieht alle Aspekte der Schmerzkrankheit – biologische, psychische und soziale – mit ein. Inzwischen gibt es multimodale Behandlungsansätze nicht mehr nur gegen Rücken- und sonstige Bewegungsschmerzen, sondern auch für viele andere Krankheitsbilder. Die Teilnehmer des Kongresses diskutieren aber auch die Kehrseiten und Lücken der multimodalen Vorgehensweise. So ist es z.B. nicht immer einfach, in traditionell hierarchischen Klinikstrukturen echte Teamarbeit zu etablieren. Der Erfolg kann viele Väter haben, daraus resultiert im Team üblicherweise kein Problem – aber wie geht man mit Misserfolgen um, wenn mehrere verantwortlich sind? Mit mehr als 50 wissenschaftlichen Symposien, darunter Pflegesymposien, sowie 36 Praktiker-Seminaren und Workshops, deckt der Schmerzkongress das gesamte Themenspektrum der Schmerzdiagnostik und -therapie ab. Mehr als 2.000 Teilnehmer – Mediziner verschiedener Fachgebiete, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten und andere – werden erwartet. Neben dem Studententag, an dem Studierende die Grundlagen der Schmerzdiagnostik und -therapie erlernen können (Samstag, 8.10.), findet ein Nachwuchssymposium statt (Samstag, 8.10.). Zudem werden beim Kongress die Förderpreise für Schmerzforschung und die DGSS-Nachwuchsstipendien verliehen (Donnerstag, 6.10.). Patienten fragen – Experten antworten: Wenn Nerven schmerzen.

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