Akupunktur bei Migräne: Erfahrungen, Wirkung und Kosten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen betroffen sind. Viele Betroffene suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, um ihre Beschwerden zu lindern. Eine solche Methode ist die Akupunktur, ein traditionelles chinesisches Heilverfahren. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Akupunktur bei Migräne, ihre Wirkungsweise, Vor- und Nachteile sowie Kosten und gibt Hinweise, was vor und nach einer Akupunkturbehandlung zu beachten ist.

Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist eine etwa 4.000 Jahre alte Behandlungsmethode, die aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) stammt. Sie wird bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, darunter auch Migräne. Das Grundprinzip der Akupunktur beruht auf der Vorstellung, dass durch das Einstechen feiner Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers der gestörte Energiefluss normalisiert werden kann.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Nach der Auffassung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) fließen durch den Körper Leitbahnen, die sogenannten Meridiane, in denen die Lebensenergie (Qi) zirkuliert. Gerät dieser Fluss ins Stocken, können Symptome wie Migräne auftreten. Durch die Stimulation bestimmter Meridianpunkte mit Nadeln sollen Blockaden gelöst werden, sodass die Energie wieder frei fließen und Beschwerden nachlassen können.

Bei der klassischen chinesischen Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne werden Nadeln aus Stahl, Silber oder Gold auf bestimmte Linien (Jing Luo) gesetzt, durch welche die Lebensenergie fließt. Der Akupunkteur sticht die Nadeln senkrecht oder schräg ein und kann diese anschließend drehen, senken oder anderweitig stimulieren.

Varianten der Akupunktur

Der Akupunkteur kann die Methode auch etwas abwandeln:

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  • Wärme: Mithilfe eines chinesischen Heilkrauts, das zu einer Zigarre gepresst wurde, wird die Akupunkturnadel erwärmt.
  • Strom: Der Therapeut verbindet die eingestochene Akupunkturnadel mit einem Stimulationsgerät und reizt mit geringer Stromstärke.
  • Druck: Als Ergänzung oder Unterstützung bieten viele Akupunkteure auch eine Massage der Akupunkturpunkte an, um die Energie zum Fließen zu bringen.

Neben der traditionellen chinesischen Akupunktur gibt es bei Migräne und anderen Kopfschmerzen auch die sogenannte Sham-Akupunktur (Scheinakupunktur). Bei dieser Methode werden die Nadeln nicht direkt auf die klassischen Akupunkturpunkte gesetzt und auch nicht so tief in die Haut gestochen. Stattdessen platziert der Therapeut die Nadeln an anderen Stellen.

Erfahrungen mit Akupunktur bei Migräne

Viele Personen mit Migräne nehmen während der Kopfschmerz-Attacken wiederholt Medikamente ein. Die Hoffnung besteht bei der Akupunktur darin, dass Migräne oder andere Kopfschmerzen weniger häufig auftreten und die Schmerzintensität sinkt. Dadurch müssen im Idealfall auch weniger Arzneien eingenommen werden. Laut Experten ist genau das möglich. Viele Betroffene schwören zur Vorbeugung von Migräne-Attacken auf die Heilkraft der Akupunktur. Tatsächlich nimmt die Migräne-Häufigkeit auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen oft in der ersten Zeit nach einer Akupunkturbehandlung ab. Allerdings ist eine Scheinakupunktur (manche Mediziner sprechen auch von einer Placebo-Behandlung) genauso wirksam. Im Klartext: Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Laut europäischen Studien wirkt Akupunktur aber bei circa 50 Prozent der betroffenen Patientinnen und Patienten. Die Experten des IGeL-Monitors bewerten die Behandlung zur Prophylaxe von Migräne-Attacken durch Akupunktur als tendenziell positiv. Allerdings zeigen Studien auch, dass es sich bei Akupunktur eventuell um einen Placebo-Effekt handelt. Bei diesen Studien wurden Behandlungen an unwirksamen Punkten statt Akupunkturpunkten durchgeführt. Und die Patientinnen und Patienten berichteten dennoch von einem lindernden Effekt. Ganz gleich, ob Placebo oder Einfluss auf die Energieströme: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur im Vergleich zu bewährten medikamentösen Behandlungen eine ähnliche Linderung von Migräneschmerzen bietet.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit

Die wissenschaftliche Forschung zur Akupunktur ist umstritten und es gibt geteilte Meinungen darüber, wie gut sie funktioniert. Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen und Symptome wirksam sein kann.

Ein angesehenes Forschungsnetzwerk ist dieser Frage in einer Übersichtsarbeit nachgegangen. Die Autorinnen und Autoren haben 22 Studien mit knapp 5000 Teilnehmenden ausgewertet. Dabei zeigte sich: Betroffene hatten seltener Kopfschmerzen, wenn sie zusätzlich zur Therapie von Migräneattacken Akupunktur erhielten. „Die Daten zeigen, dass Akupunktur eine wirksame Option sein kann, um Migräneattacken ohne Medikamente vorzubeugen“, sagt der Leiter der Studie, Professor Klaus Linde von der Technischen Universität München. Neuere Studien würden das bestätigen. Linde sagt deshalb: „Akupunktur ist eine ernst zu nehmende Alternative zu Medikamenten.“

Akupunkturpunkte bei Migräne

Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen.

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In der TCM gibt es sogenannte Funktionskreise, die verschiedenen Organen zugeordnet sind und den Körper teilweise oder ganz durchziehen. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen - chinesische Gelehrte sprechen vom inneren Gleichgewicht Ying und Yang. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Wichtig: Die Nadeln sollten während der Anwendung nicht stören, sodass der Patient voll entspannen kann. Probier einfach aus, ob die Akupunktur dir gut tut.

Akupunktur als Teil eines multimodalen Therapieansatzes

„Besonders wirksam ist es, wenn Kopfschmerzpatientinnen und -patienten Entspannung, Sport, Medikamente und eine Anpassung des Lebensstils - zum Beispiel genug Schlaf - kombinieren“, sagt Gaul. Akupunktur kann in den beschwerdefreien Intervallen sehr gut zur Migräne-Vorbeugung eingesetzt werden. Akupunktur hilft vielen Migräne -Patienten, die Häufigkeit der Kopfschmerz-Attacken zu vermindern und die Schmerzintensität bei Anfällen zu reduzieren. „Akupunktur kann in den beschwerdefreien Intervallen sehr gut zur Migräne-Vorbeugung eingesetzt werden. Die prophylaktische Wirkung ist mit der Wirkung vorbeugender Medikamente vergleichbar und daher eine wirksame Alternative“, rät Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld. Weil Medikamente gegen Migräne oft Nebenwirkungen haben und manchmal selbst Ursache für anhaltende Kopfschmerzen sein können, wenn sie übermäßig eingenommen werden, ist die Anwendung anderer Therapieverfahren bei chronischen Kopfschmerzen auf jeden Fall zu empfehlen“, ergänzt der Experte.

Vor- und Nachteile der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten

Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kannst du einfach etwas anderes probieren.

Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Beispielsweise unterstellen sie den Studien, dass die Teilnehmer schon im Vorfeld von der Methode überzeugt waren und daher eine vorurteilsfreie Bewertung kaum möglich war. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen.

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Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.

Was gilt es im Vorfeld einer Akupunkturbehandlung zu beachten?

Bevor du einen Akupunkteur aufsuchst, solltest du folgende Dinge klären:

  • Diagnose: Du hast die Bestätigung, dass du an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest, von einem Arzt erhalten. Das ist wichtig, denn wenn du beispielsweise Cluster-Kopfschmerzen hast, kann eine Akupunktur sogar auslösend wirken.
  • Innere Haltung: Am besten ist es, du glaubst an die Effekte einer Akupunktur. Wenn du hingegen der Meinung bist, dass es sowieso nichts bringt, wird sich eventuell kein Erfolg einstellen.
  • Experten finden: Bei der Akupunktur kann viel falsch gemacht werden. Such dir daher einen Fachmann, der sich mit TCM nachweislich auskennt, also eine Weiterbildung oder ein Diplom vorweisen kann. Für dich als Laie ist es schwer nachvollziehbar, ob du wirklich richtig akupunktiert wirst.

Sicherheit der Akupunktur

In den Händen eines qualifizierten und erfahrenen Akupunkteurs ist die Akupunktur in der Regel sicher. Die Verwendung steriler Nadeln minimiert das Infektionsrisiko.

Nebenwirkungen sind auch bei der Akupunktur möglich, etwa ein blauer Fleck oder Schmerzen beim Einstich mit der feinen Nadel. Zudem könnte der Stich eine Infektion begünstigen. Wird die Nadel im Brustkorb zu tief eingestochen, kann sie die Lunge oder schlimmstenfalls das Herz verletzen. Aber: „Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten“, sagt Neurologin Theis.

Kosten und Dauer der Akupunktur bei Migräne

Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Nichtbehandlung zwar nachgewiesen, gegenüber einer Scheinakupunktur jedoch nicht bestätigt ist. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen. Laut Deutscher Ärzte­gesellschaft für Akupunktur kostet eine Akupunktur-Behandlung je nach Dauer circa 30 bis 70 Euro. Akupunktur ist eine Selbstzahlerleistung. Sie wird also nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sondern muss aus eigener Tasche gezahlt werden.

Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein. Für eine erfolgreiche Behandlung sind bei Migräne im Schnitt 15 Akupunktursitzungen nötig. In manchen Fällen stellt sich die Besserung bei Migräne erst nach 10 bis 40 Akupunktursitzungen ein. Experten empfehlen eine Auffrischung der Therapie nach drei Monaten. Diese soll den Langzeiterfolg sichern.

Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.

Was ist nach der Akupunkturbehandlung zu beachten?

Wichtig: Die Nadeln sollten während der Anwendung nicht stören, sodass der Patient voll entspannen kann. Probier einfach aus, ob die Akupunktur dir gut tut.

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