Das weibliche Gehirn: Fakten, Forschung und Perspektiven

Männer und Frauen denken anders - eine Beobachtung, die durch langjährige wissenschaftliche Forschung untermauert wird. Das weibliche Gehirn weist eindeutige Unterschiede zum männlichen Gehirn auf, was sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen widerspiegelt. Dieser Artikel beleuchtet die Fakten über das weibliche Gehirn, aktuelle Forschungsergebnisse und die Bedeutung dieser Erkenntnisse für das Verständnis von Geschlechterunterschieden und die Frauengesundheit.

Anatomische und funktionelle Unterschiede

Untersuchungen zeigen, dass Männer in bestimmten Hirnregionen, wie der Hirnrinde, tendenziell mehr Nervenzellen haben als Frauen. Frauen scheinen jedoch ihre Rindenzellen effizienter zu nutzen und können den Verlust von Nervenzellen durch Verletzungen oder Krankheiten besser kompensieren. Im Bereich der Hörinformationsverarbeitung verfügen Frauen über mehr Nervenzellen, was ihnen hilft, sich Wörter besser zu merken. Männer hingegen zeigen in der Regel eine höhere Treffsicherheit beim Werfen und eine bessere räumliche Orientierung.

Eine Studie von Bianca Serio und Sofie Valk vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und dem Forschungszentrum Jülich deutet darauf hin, dass Geschlechtsunterschiede in der funktionellen Organisation des Gehirns eher auf kleine Unterschiede in den Netzwerken und den Verbindungen dazwischen zurückzuführen sind. Entgegen den Erwartungen konnten sie nicht feststellen, dass Unterschiede in der Gehirngröße, Mikrostruktur und dem Abstand der funktionellen Verbindungen entlang der kortikalen Oberfläche die funktionellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern erklären.

Serotonin, Hormone und psychische Gesundheit

Neuere Studien deuten darauf hin, dass Frauen weniger Serotonin im Gehirn produzieren und daher anfälliger für Depressionen, Essstörungen und Migräne sind, wenn das Serotoninsystem gestört ist.

Hormonelle Schwankungen, denen Frauen im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sind - Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft oder Menopause - können sich ebenfalls auf Gedächtnisleistung, Wahrnehmung und psychische Gesundheit auswirken. Insbesondere das weibliche Geschlechtshormon Östradiol scheint die kognitive Leistungsfähigkeit von Frauen je nach Lebensphase unterschiedlich stark zu beeinflussen.

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Schwangerschaft und Veränderungen im Gehirn

Eine Schwangerschaft ist ein faszinierender Prozess, der auch das weibliche Gehirn beeinflusst. Forschende haben herausgefunden, dass die graue Masse im Gehirn während und nach der Schwangerschaft abnimmt. Eine Studie der Universität Barcelona ergab, dass das Hirnvolumen bei schwangeren Teilnehmerinnen abnahm. Diese Veränderungen waren so deutlich, dass ein Computeralgorithmus automatisch erkennen konnte, ob eine Frau zwischen den beiden Untersuchungen schwanger gewesen war oder nicht.

Obwohl schwangere Frauen häufig über Vergesslichkeit klagen, konnten die Forschenden keine Veränderungen kognitiver Funktionen feststellen. Sie vermuten, dass es sich um einen Anpassungsprozess handelt, der mit einer besseren Erkennung der Bedürfnisse des Kindes verbunden ist. Es wird angenommen, dass im Gehirn von Schwangeren ein ähnlicher Prozess abläuft wie bei Jugendlichen in der Pubertät, bei dem wenig genutzte Nervenverbindungen abgebaut und häufig gebrauchte Verbindungen gestärkt werden.

Die starken hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft könnten ebenfalls Auswirkungen auf das Gehirn haben. Studien haben gezeigt, dass das Gehirn der Mütter auch zwei Jahre nach der Geburt des Kindes noch kleiner war als vor der Schwangerschaft, was darauf hindeutet, dass der Effekt anhält, da in der Kleinkindphase das Wohlergehen des Kindes besonders stark von der Bindung an die Mutter abhängig ist. Eine Studie aus Amsterdam ergab jedoch, dass sich das Hirnvolumen der Schwangeren zu großen Teilen wieder in den Zustand von vor der Schwangerschaft ausgedehnt hatte.

Sexualhormone und Gehirnstruktur

Eine Studie von Rachel Zsido und Julia Sacher zeigte, dass das weibliche Gehirn auf einen ständigen Rhythmus der Hormone eingepegelt ist. Svenja Küchenhoff und Sofie Valk untersuchten, inwieweit Sexualhormone die Gehirnstruktur beeinflussen. Sexualhormonrezeptoren sind sowohl in Neuronen als auch in Gliazellen weit verbreitet, was es ihnen ermöglicht, über verschiedene molekulare Mechanismen mit den wichtigsten Zellgruppen des Gehirns zu interagieren. Diese Mechanismen führten zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Gehirnstruktur sowie zu hormonbedingter Plastizität im Gehirn.

Alzheimer und das weibliche Gehirn

Die Neurologin Prof. Lisa Mosconi betont, dass zwei Drittel aller Alzheimerpatienten Frauen sind. Das Risiko einer Frau, in ihren Sechzigern Alzheimer zu bekommen und daran zu sterben, ist doppelt so hoch wie das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Mosconi forscht dazu, wie Frauen das weibliche Gehirn resistenter machen können. Sie vermutet, dass die hormonellen Veränderungen, die Absenkung des Östrogenlevels in den Wechseljahren eine große Rolle spielen.

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Mosconi fordert Frauen auf, selbst die Initiative zu ergreifen und ihr Gehirn als einen Muskel zu betrachten, den sie stärken können - durch richtige Ernährung, Training und Stimulation.

Mütterliches Verhalten und Neuverdrahtung des Gehirns

Eine aktuelle Studie von Forschenden des Francis Crick Institute in London zeigte, dass ein kleines Areal im Gehirn trächtiger Tiere durch bestimmte Schwangerschaftshormone so beeinflusst wird, dass es zu einer teilweise permanenten Neuverdrahtung der betroffenen Neuronen kommt. Die Hormone Östrogen und Progesteron sind für die Verhaltensänderung verantwortlich. Östrogen hemmt die Aktivität der Neuronen und macht sie empfindlicher, während Progesteron für eine erhöhte Rekrutierung von Eingängen an den Synapsen sorgt.

Die Forschenden gehen davon aus, dass es vor allem während der späten Schwangerschaft eine kritische Phase gibt, in der die fraglichen Hormone die Verhaltensänderung auslösen. Die Veränderungen im Gehirn sind von unterschiedlicher Dauer. Während manche Effekte bis mindestens einen Monat nach der Geburt anhalten, sind andere offenbar permanent.

Die Bedeutung der Forschung und der Abbau von Stereotypen

Die Neurowissenschaftlerin Iris Sommer gibt einen Einblick in das weibliche Gehirn und beschreibt seine Besonderheiten und Stärken. Sie betont, dass das weibliche Gehirn anders ist als das männliche, aber längst nicht alle Unterschiede und schon gar nicht die bekannten Stereotype und die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen lassen sich darauf zurückführen. Um Gleichberechtigung zu erreichen, müssen wir lernen, zwischen tatsächlichen biologischen Unterschieden und (veränderbaren) Stereotypen zu differenzieren.

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