Faszikulationen, oder Muskelzuckungen, können vielfältige Ursachen haben und sind nicht immer leicht zu diagnostizieren. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Faszikulationen und untersucht, wie Akupunktur als eine mögliche Behandlungsoption in Betracht gezogen werden kann.
Was sind Faszikulationen?
Faszikulationen sind plötzliche, unwillkürliche Muskelkontraktionen, die oft sichtbar und spürbar sind. Sie können in verschiedenen Muskeln des Körpers auftreten, wobei bestimmte Bereiche wie Arme, Beine, Füße, Hände und insbesondere das Augenlid häufiger betroffen sind. Am wohl häufigsten treten Faszikulationen am Augenlid auf. Die Patienten berichten meist von einem schnellen Augenzucken des Ober- oder Unterlids. In der Regel sind diese schnellen Faszikulationen weder für andere sichtbar, noch kann man sie selbst vor dem Spiegel erkennen.
"Benigne" Faszikulationen
Der Begriff "benigne" Faszikulationen bezieht sich auf Muskelzuckungen, die nicht durch eine schwerwiegende Grunderkrankung verursacht werden.
Ursachen von Faszikulationen
Die Ursachen für Faszikulationen können vielfältig sein:
- Stress und psychische Anspannung: Hoher emotionaler oder psychischer Stress ist eine sehr häufige Ursache. Vor allem Stress und psychische Belastung werden heute häufig mit muskulären Faszikulationen in Verbindung gebracht.
- Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente können Faszikulationen als Nebenwirkung haben.
- Neurologische Ursachen: Diese Ursachen sind seltener, gehen aber typischerweise mit weiteren neurologischen Symptomen einher.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Dies ist die Erkrankung, die Patienten mit Faszikulationen am meisten Sorgen bereitet.
- Polyneuropathien: Schädigungen mehrerer peripherer Nerven.
- Radikulopathien / Nervenwurzelreizungen: Eine Reizung oder Kompression einer Nervenwurzel an der Wirbelsäule.
Wo können Faszikulationen auftreten?
Faszikulationen können grundsätzlich an allen Muskeln des Körpers auftreten. Es gibt jedoch Körperregionen, in denen sie deutlich häufiger vorkommen. Dazu gehören vor allem mechanisch stark beanspruchte Muskelregionen wie Arme, Beine, Füße und Hände.
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- Augenlid: Am wohl häufigsten treten Faszikulationen am Augenlid auf. Die Patienten berichten meist von einem schnellen Augenzucken des Ober- oder Unterlids.
- Zunge: Die Zunge besteht hauptsächlich aus Muskeln. Insofern kann es auch an der Zunge zu Faszikulationen kommen.
- Waden: Faszikulationen an den Waden treten verhältnismäßig häufig auf.
Diagnose von Faszikulationen
Faszikulationen sind in der Regel eine Blickdiagnose, wenn sie zum Zeitpunkt der Untersuchung sichtbar sind, oder sie können anhand der Patientenbeschreibung diagnostiziert werden. Unter Umständen kann ein Neurologe Faszikulationen gezielt auslösen, da bei betroffenen Patienten die Reizschwelle der Muskeln deutlich niedriger ist.
- Ultraschall: Im Ultraschall wirken Muskeln, die gerade nicht faszikulieren, völlig unauffällig.
- MRT: Ein MRT der Muskeln wird immer dann benötigt, wenn Faszikulationen nicht erklärbar sind, große Muskeln betroffen sind und diese Faszikulationen über einen langen Zeitraum oder immer wieder auftreten.
Behandlung von Faszikulationen
In aller Regel müssen die reinen Faszikulationen selbst nicht behandelt werden. Sie sind vielmehr ein Symptom einer auslösenden Ursache, die es zu behandeln gilt. So sollte in jedem Fall Stress reduziert werden, denn er ist ein deutliches Zeichen, dass der Betroffene sehr angespannt und psychisch überlastet ist.
Medikamentöse Behandlung
Meistens werden einfache und manchmal auftretende Faszikulationen gar nicht behandelt. Es gibt jedoch Situationen, in denen Patienten einen hohen Leidensdruck erfahren. Dies macht es dann manchmal notwendig, einen Behandlungsversuch mit einem Medikament zu unternehmen. Hier steht zum einen einfaches Magnesium zur Verfügung, das dann einige Tage gegeben werden kann. Weiterhin, und vor allem beim Ausbleiben einer Besserung, werden mitunter auch Medikamente gegen Faszikulationen eingesetzt, die aus der Epilepsiebehandlung bekannt sind.
Hausmittel
- Ausreichend Flüssigkeit trinken: Dehydration kann den Elektrolythaushalt stören.
- Kaliumreiche Ernährung: Führen Sie dem Körper ausreichend Kalium zu.
- Stressmanagement: Reduzieren Sie Stress durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, Achtsamkeitsübungen oder Progressive Muskelentspannung.
- Ausreichender und erholsamer Schlaf: Schlafmangel kann die Reizschwelle der Muskulatur herabsetzen.
- Koffein- und Alkoholreduktion: Der Konsum von Stimulanzien kann die Nerven- und Muskelerregbarkeit erhöhen.
- Regelmäßige, aber moderate Bewegung: Vermeiden Sie extreme körperliche Erschöpfung.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Je nach Empfinden können warme Bäder, Wärmflaschen oder auch kurze Kälteanwendungen.
Übungen gegen Faszikulationen
Welche Übungen gegen Faszikulationen zum Einsatz kommen, hängt zunächst von der Ursache der Faszikulationen ab, zum anderen aber auch davon, welche Muskelgruppen von den Faszikulationen betroffen sind. Man unterscheidet bei den durchzuführenden Übungen muskelaufbauende Übungen von muskeldehnenden Übungen und schließlich muskellockernden Übungen. Dehnungsübungen spielen in der Behandlung von immer wiederkehrenden Faszikulationen eine zentrale Rolle. Dies liegt daran, dass sich verkürzende Muskeln eher zu Faszikulationen neigen.
- Obere Extremität: Ist die obere Extremität betroffen, wäre eine effektive Übung, sich gerade hinzustellen. Die Hand des betroffenen Arms wird auf das Schulterblatt gelegt. Mit der anderen Hand greift man nun den nach oben stehenden Ellenbogen und zieht ihn in Richtung Wirbelsäule. Diese Position sollte einige Sekunden gehalten werden, bevor der Arm wieder locker gelassen wird.
- Untere Extremität: Treten die Faszikulationen im Bereich der unteren Extremität auf, sollte man die Oberschenkelmuskulatur dehnen. Hierfür stellt man sich gerade hin und greift mit einer Hand den Fuß des betroffenen Beins. Sodann zieht man den Fuß in Richtung Gesäß, wodurch ein Ziehen im Bereich des Oberschenkels spürbar wird.
- Waden: Faszikulationen der Waden können durch den sogenannten Zehengang behandelt werden. Dabei stemmt man sich langsam, aber kraftvoll auf die Zehen, abwechselnd mit dem linken und dann rechten Bein. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Ferse nie ganz den Boden berührt.
- Augenlider: Um Faszikulationen der Augenlider zu behandeln, setzt man sich bequem und gerade auf einen Stuhl. Die Arme liegen entspannt an der Seite. Nun sollten beide Augen kräftig zugedrückt werden, sodass das Ziehen der Augenmuskeln seitlich spürbar wird. Nach einigen Sekunden können die Augen wieder geöffnet werden.
Akupunktur als Therapieoption
Die Akupunktur ist eine aus der traditionellen chinesischen Medizin stammende Therapiemethode, mit der energetische Störungen innerhalb des Organismus ausgeglichen werden sollen. Auf der Basis der chinesischen Energielehre reguliert die Akupunktur über das Stechen und die Feinmanipulation von Nadeln in spezifische Punkte die Energie des Körpers.
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Wie wirkt Akupunktur?
Bei der Körperakupunktur werden feine Einmalnadeln in bestimmte Hautpunkte gestochen, was kaum schmerzhaft ist. Viele Akupunkturpunkte befinden sich auf unsichtbaren Energiebahnen, den sogenannten Meridianen/Leitbahnen. Nach dem Verständnis der chinesischen Medizin wird durch den Nadelreiz der Energie(Qi)-Fluss angeregt und reguliert. Blockaden und Störungen lösen sich auf.
Arten der Akupunktur
- Körperakupunktur: Bei der Körperakupunktur werden Akupunkturpunkte auf der Körperoberfläche entlang der Meridiane (Leitbahnen) mit Nadeln gereizt.
- Ohrakupunktur: Auf der Ohrmuschel sind sämtliche Organe des Körpers in Form eines Mikrosystems abgebildet.
- Schädelakupunktur nach Yamamoto (YNSA): Dieses Akupunkturverfahren wurde in den 60er Jahren von Dr. Yamamoto aus Japan entwickelt.
- Chinesische Schädelakupunktur: Die wichtigsten Anwendungsbereiche erklären sich durch die Nähe der Punkte zu Hirnrindenarealen und die reflektorische Wirkung auf die Hirnrindenareale.
- Elektroakupunktur: Niederfrequente Wechselstromimpulse erzeugen einen über die Akupunkturnadel geleiteten Reizstrom am Akupunkturpunkt.
- Laserakupunktur: Mittels Laser werden Akupunkturpunkte ohne den Schmerz eines Nadelstiches oberflächlich gereizt.
- Triggerpunkt-Akupunktur: Die moderne Triggerpunktakupunktur behandelt schmerzhafte, strangartig verkürzte Muskelfaserbündel, die zu Schmerzen im Muskel selbst oder in nahe gelegenen Sehnen und Gelenken geführt haben.
- Moxibustion: Hierbei werden Akupunkturpunkte oder Körperareale entweder direkt über eine Akupunkturnadel oder indirekt ohne Nadel erwärmt.
- Schröpfen: Das Aufsetzen von Schröpfgläsern auf die Haut ist eine traditionelle Therapiemethode der Chinesischen Medizin zur Bewegung des Qi entlang der Meridiane und wird als angenehm entspannend empfunden.
- Akupressur: Akupressur ist die Reizung eines Akupunkturpunktes durch Fingerdruck und ist weniger wirksam als die Akupunktur.
Triggerpunkt-Akupunktur bei Faszikulationen
Die Triggerpunkt-Akupunktur ist eine besondere Form der Akupunktur, die jene Punkte behandelt, von denen die Schmerzen ausgehen. Die Ursachen der Entstehung der Triggerpunkte sind vielfältig, wie Zerrungen, Prellungen, Aufprallverletzungen, Überanstrengung, Blutergüssen, Stress, psychosomatischer Verspannung, schlechter Haltung, Zugluft und nasskaltes Wetter. Triggerpunkte, die neben der Wirbelsäule und über den Nervenwurzeln liegen, können durch Druck auf Nervenwurzeln Organfunktionen beeinträchtigen.
Ablauf einer Triggerpunkt-Akupunktur
- Zunächst muss der schmerzhafte Muskelknoten lokalisiert werden.
- Die Akupunkturnadel wird im Zentrum des Knotens, als am besten an der Stelle, die am druckempfindlichsten ist, platziert und die Muskulatur an der entsprechenden Stelle gereizt.
- Damit die Behandlung die bestmögliche Wirkung entfalten kann, bleibt die Nadel für 20-30 Minuten im Gewebe.
- Durch den Impuls der Akupunkturnadel wird ein Prozess in Gange gesetzt, der nach und nach die Verkrampfung im Muskel löst.
Mögliche Nebenwirkungen der Akupunktur
Eine fachgerecht durchgeführte Akupunktur hat extrem selten Nebenwirkungen. Die Akupunktur setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, deren Aktivierung kann gelegentlich zu Beginn der Therapie einzelne Symptome kurzfristig verstärken (Erstreaktion). Blutergüsse und blaue Flecken kommen gelegentlich vor.
Was ist vor einer Akupunkturbehandlung zu beachten?
Vor der eigentlichen Behandlung befragt der Arzt den Patienten ausführlich. Wichtig sind dabei, neben den üblichen schulmedizinischen Daten, Angaben über die Qualität des Schlafs, des Appetits, der körperlichen Belastbarkeit, der seelischen Stimmungslage, über Urin, Stuhlgang und Verdauungsbeschwerden, auch berufliche oder familiäre Belastungen, Menstruationsunregelmäßigkeiten, Hitze- oder Kälteabneigung.
Wann spürt man eine Besserung und wie lange hält der Therapieerfolg an?
Bei chronischen Erkrankungen (Krankheiten und Beschwerden, die länger als drei bis sechs Monate andauern), spürt man in der Regel zwischen der dritten und sechsten Sitzung eine positive Veränderung. Die Schmerzen lassen nach, der Schlaf wird tiefer und ruhiger, das Allgemeinbefinden und die seelische Stimmungslage verbessern sich.
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Wer kann eine Akupunkturbehandlung erhalten?
Für eine Akupunkturtherapie gibt es keine Altersgrenze, auch hochbetagte Menschen können von ihr profitieren. Babys und Kleinkinder reagieren oft sogar besonders sensibel, hier genügt manchmal schon sanfte Massage entlang der Akupunkturpunkte (Akupunktmassage) oder eine schmerzlose Laserakupunktur.
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