Die Akupunktur, eine Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei der Behandlung verschiedener Beschwerden. Besonders im Fokus stehen die sogenannten GERAC-Studien (German Acupuncture Trials), die die Wirksamkeit der Akupunktur bei Migräne und anderen Schmerzerkrankungen untersucht haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ergebnisse dieser Studien, die Rolle der AOK und die Bedeutung der Akupunktur als alternative Behandlungsmethode bei Migräne.
Was ist Akupunktur?
Akupunktur ist eine Behandlungsmethode, die ihren Ursprung in der Traditionellen Chinesischen Medizin hat. Dabei werden feine, sterile Einmalnadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen, die auf sogenannten Meridianen liegen sollen. Diese Meridiane sind Energiebahnen, durch die das Qi (sprich: Tschi), die Lebensenergie, fließt. Ziel der Akupunktur ist es, Blockaden im Körper zu lösen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Während einer Akupunktursitzung, die etwa 30-45 Minuten dauert, liegt oder sitzt der Patient entspannt. Der Arzt setzt bis zu 20 Nadeln entlang der Energieleitbahnen. Es können maximal zehn Akupunktursitzungen durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wobei die Behandlung innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen sein muss. In Ausnahmefällen können bis zu 15 Behandlungen innerhalb von maximal zwölf Wochen übernommen werden. Die Therapie kann nach zwölf Monaten wiederholt werden.
Neben der klassischen Körperakupunktur gibt es weitere Verfahren wie die Ohrakupunktur oder die Schädelakupunktur. Auch Sonderformen wie die Laserakupunktur sind bekannt. Während der Behandlung können die Nadeln erwärmt oder bewegt werden. Zudem können die Gebiete um die Nadeln massiert oder mit Reizstrom stimuliert werden.
Die GERAC-Studien: Akupunktur bei Migräne und Kopfschmerzen
Die GERAC-Studien wurden im Jahr 2000 vom Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen (GBA) initiiert, um die Wirksamkeit der Akupunktur bei verschiedenen Schmerzerkrankungen zu untersuchen. Ab 2001 wurden in etwa 10.000 Praxen mehr als zwei Millionen Patienten behandelt. Dabei wurde die Körperakupunktur mit der Standardtherapie bei chronischen Rückenschmerzen, Knieschmerzen (Gonarthrose), Migräne und Spannungskopfschmerzen verglichen.
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Ein zentrales Ergebnis der GERAC-Kopfschmerz-Studie war, dass die Akupunktur in ihrer Wirksamkeit gegen Spannungskopfschmerz und Migräne der schulmedizinischen Standardtherapie in nichts nachsteht. An der Studie des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum nahmen 1.369 chronisch schmerzkranke Patienten teil. Es wurde ein signifikanter Rückgang von Migräne und Spannungskopfschmerzen festgestellt. Die Akupunktur-Patienten waren zudem zufriedener als die mit Medikamenten behandelten Schmerzkranken.
In der Studie wurde eine sechswöchige Akupunktur-Therapie mit 10 bis 15 Sitzungen mit der sechsmonatigen Einnahme von Migränemitteln oder Medikamenten gegen Spannungskopfschmerzen verglichen. Die Patienten konnten mit der Akupunktur die Anzahl ihrer Tage mit Schmerzen um durchschnittlich zwei Drittel reduzieren. Bei den Migränekranken fühlten sich 74 Prozent der Akupunktur-Patienten erfolgreich behandelt, bei der medikamentösen Therapie waren es 62 Prozent.
Die GERAC-Studien verglichen Verumakupunktur (nach den Vorgaben der Traditionellen Chinesischen Medizin) mit Shamakupunktur (falsche Punkte, geringe Stichtiefe, keine Nadelstimulation) und mit einer medikamentösen Anfallsprophylaxe. Bei Migräne bewirkten zehn bis 15 Akupunktursitzungen eine Reduktion der Migränetage von 28 Prozent (Sham) bzw. 38 Prozent (Verum). Die medikamentöse Anfallsprophylaxe (überwiegend b-Blocker) erreichte eine Reduktion von 33 Prozent. Alle drei Therapien waren ähnlich effektiv hinsichtlich der Verminderung der Anfallshäufigkeit.
Trotz der belegten Wirksamkeit konnte die Wirkungsweise der Akupunktur nicht vollständig erklärt werden. Dennoch warnte Dr. Bernhard Egger vom AOK-Bundesverband davor, die Ergebnisse als Placebo-Wirkung abzuqualifizieren.
Kritik an den GERAC-Studien
Trotz der positiven Ergebnisse gab es auch Kritik an den GERAC-Studien. Ein Kritikpunkt war, dass das Studiendesign im Internet einsehbar war, was möglicherweise die Ergebnisse beeinflusst haben könnte.
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AOK und Akupunktur
Die AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Akupunkturbehandlungen. Dies ist eine Leistung der AOK Baden-Württemberg, AOK Bayern, AOK Bremen/Bremerhaven, AOK Hessen, AOK Niedersachsen, AOK Nordost, AOK NordWest, AOK PLUS, AOK Rheinland/Hamburg, AOK Rheinland-Pfalz/Saarland und AOK Sachsen-Anhalt.
Voraussetzungen für die Kostenübernahme
Die AOK übernimmt die Kosten für Akupunktur bei:
- Chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule, die bis zum Kniegelenk ausstrahlen
- Chronischen Schmerzen im Kniegelenk durch vorzeitigen Verschleiß der knorpeligen Flächen (Gonarthrose)
Voraussetzung ist, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen und die Behandlung von einem zugelassenen Vertragsarzt durchgeführt wird. Der Arzt muss über eine entsprechende Akupunkturzusatzausbildung sowie Qualifikationen in der Schmerztherapie und Psychosomatik verfügen. Zudem muss ein mindestens sechsmonatiges ärztlich dokumentiertes Schmerzintervall im Vorfeld festgestellt werden.
Zusätzliche Leistungen der AOK
Viele AOKs bieten zusätzliche Leistungen im Bereich Akupunktur an. Einige Krankenkassen bezahlen oder bezuschussen Akupunktur auch bei anderen Erkrankungen oder bei der Geburtsvorbereitung. Dies ist dann eine sogenannte freiwillige Satzungsleistung oder geschieht im Rahmen von Bonusprogrammen. Es empfiehlt sich, vor Behandlungsbeginn bei der AOK nachzufragen, welche Leistungen angeboten werden.
AOK-Vize v. Stackelberg betont die Notwendigkeit, die Akupunktur in ein schmerztherapeutisches Gesamtkonzept mit umfassender Qualitätssicherung einzubetten. Er erläutert, dass die Akupunktur allein die meisten schwer schmerzkranken Patienten nicht hinreichend behandeln kann, sondern ein wichtiger Baustein in der Schmerztherapie ist.
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Akupunktur in der Schwangerschaft
Da viele Frauen in der Schwangerschaft lieber auf Medikamente verzichten, suchen sie nach alternativen Heilmethoden wie der Akupunktur, um Beschwerden zu lindern. In der Schwangerschaft soll Akupunktur Beschwerden verringern und - präventiv eingesetzt - den Geburtsvorgang verkürzen. Allerdings bewerten Studien die Wirkung von Akupunktur in der Schwangerschaft als unklar.
Was ist bei einer Akupunkturbehandlung zu beachten?
Bevor man sich für eine Akupunkturbehandlung entscheidet, sollte man den Arzt nach dem möglichen Nutzen dieser alternativen Heilmethode im Vergleich zu anderen Therapieformen fragen. Wenn die Praxis eine kostenpflichtige Akupunktur anbietet, sollte man vorab klären, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt oder einen Zuschuss zahlt. Auch eine vorhandene Krankenzusatzversicherung kann die Kosten möglicherweise übernehmen.
Es ist wichtig, sich vor Behandlungsbeginn zu vergewissern, dass die Praxis die Akupunktur als Kassenleistung abrechnen darf. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung des Bundeslandes kann man erfahren, welche Praxen die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Wenn die Akupunktur selbst bezahlt werden muss, sollte man sich im Vorfeld schriftlich über die Kosten pro Sitzung aufklären lassen und fragen, wie viele Sitzungen nötig sind.
Erfahrene Therapeuten sollten die Akupunktur vornehmen. An der Einstichstelle kann es nach einiger Zeit zu einem Druckgefühl, Schweregefühl, leichtem Ziehen oder Kribbeln kommen, was ein Zeichen für die korrekte Ausführung der Akupunktur ist.
Risiken und Nebenwirkungen der Akupunktur
Akupunktur ist ein sehr sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. Gelegentlich kann es zu leichten Nebenwirkungen kommen, wie:
- Leichte Blutungen oder Hämatome an der Einstichstelle
- Vorübergehende Schmerzen und Taubheitsgefühle an der Einstichstelle
- Müdigkeit nach der Behandlung
- Infektion oder allergische Reaktion an der Einstichstelle
- Vorübergehende Reaktionen wie Schwitzen, Übelkeit, Blutdruckabfall oder Schwindel
Migräne als chronische Erkrankung
Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Zwölf bis 14 Prozent der Frauen und sechs bis acht Prozent der Männer leiden regelmäßig unter pulsierenden Kopfschmerzen, die zwischen vier und 72 Stunden anhalten können. Die internationale Kopfschmerzklassifikation unterscheidet verschiedene Formen der Migräne, wobei etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten von einer sogenannten Aura berichten.
Bei den meisten Betroffenen treten die Kopfschmerzen an einzelnen Tagen im Monat auf. Mediziner sprechen dann von episodischer Migräne, die mit Akutmedikamenten behandelt wird. Zudem werden vorbeugende Maßnahmen wie Sport und Entspannungsübungen empfohlen. Auch das Meiden von Migräne-Triggern wie Stress, Schlafmangel oder bestimmten Lebensmitteln kann helfen.
Einige Betroffene kämpfen mit mehr als 15 Kopfschmerztagen im Monat und mit heftigeren Schmerzen. In Deutschland sind bis zu 1,5 Millionen Menschen von dieser chronischen Migräne betroffen. Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen sind bei chronischer Migräne unter ärztlicher Betreuung auch vorbeugende Medikamente ratsam, welche die Häufigkeit der Anfälle reduzieren können.
Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne
Neben der Akupunktur gibt es weitere alternative Behandlungsmethoden, die bei Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Ausdauersport: Joggen, Radfahren, Walken oder Schwimmen
- Entspannungsübungen: Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung
- Stresstraining: Zum Beispiel mithilfe von Programmen zur Stressbewältigung
- Kognitive Verhaltenstherapie: Hier lernt man Strategien zur Schmerzbewältigung
Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Häufigkeit der Schmerzmittel einzuschränken und Auslöser für Migräneattacken zu identifizieren.
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