Fortgeschrittener Morbus Parkinson: Symptome und Behandlungsansätze

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung treten jedoch oft neue Herausforderungen auf, die eine Anpassung der Behandlung erforderlich machen. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome des fortgeschrittenen Morbus Parkinson und die verschiedenen Behandlungsoptionen, die zur Verfügung stehen.

Was ist Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren, allmählich absterben. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.

Die Ursachen für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse scheinen eine Rolle zu spielen.

Symptome im Frühstadium

Die Parkinson-Erkrankung verläuft schleichend. Oft treten bereits Jahre vor der Diagnose unspezifische Frühsymptome auf, die von den Betroffenen und ihren Angehörigen nicht immer als solche erkannt werden. Zu diesen Frühsymptomen gehören:

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Ausleben von Träumen im Schlaf, verbunden mit unkontrollierten Bewegungen.
  • Riechstörung: Verminderung oder Verlust des Geruchssinns.
  • Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angst und Depression.
  • Obstipation: Verstopfung.

Die motorischen Frühsymptome, die dann meist zur Diagnose führen, sind:

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  • Zittern: Unwillkürliches Zittern, meist in Ruhe.
  • Verlangsamung von Bewegungen (Bradykinese): Schwierigkeiten, Bewegungen auszuführen und zu koordinieren.
  • Muskelsteifigkeit (Rigor): Erhöhte Muskelspannung, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Reduziertes Mitschwingen eines Armes beim Gehen.

Fortschreiten der Erkrankung und neue Symptome

Im Laufe der Zeit schreitet die Parkinson-Erkrankung fort. Die motorischen Symptome verstärken sich, und es können neue Symptome hinzukommen. Dazu gehören:

  • Verkürzte Wirkdauer der Parkinson-Medikamente: Die Medikamente wirken nicht mehr so lange wie zuvor, was zu Wirkungsschwankungen führt.
  • Off-Phasen: Phasen, in denen die Medikamente nicht wirken und die Symptome wieder auftreten. Diese können sich durch Krämpfe, Schmerzen, Schwitzen, kleinschrittigen Gang oder Ängstlichkeit äußern.
  • Dyskinesien: Unwillkürliche Überbewegungen, die als Nebenwirkung der Parkinson-Medikamente auftreten können.
  • Gehblockaden (Freezing): Plötzliches "Einfrieren" beim Gehen, besonders beim Passieren von Türschwellen oder beim Richtungswechsel.
  • Haltungsinstabilität: Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, was zu Stürzen führen kann.
  • Sprechstörungen (Dysarthrie): Schwierigkeiten beim Sprechen, z.B. leise oder monotone Sprache.
  • Schluckprobleme (Dysphagie): Schwierigkeiten beim Schlucken, was zu Husten oder Erstickungsanfällen führen kann.
  • Geistige Veränderungen: Kognitive Beeinträchtigungen, Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit oder Demenz.
  • Psychische Veränderungen: Depressionen, Angstzustände, Halluzinationen oder Psychosen.
  • Schmerzen: Ziehende, brennende, krampfartige oder kribbelnde Schmerzen.
  • Vegetative Störungen: Verdauungsprobleme, Blasenfunktionsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen oder Kreislaufprobleme.
  • Vigilanzstörung: Tagesschläfrigkeit oder plötzliche Schlafattacken.

Atypische Parkinson-Syndrome

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Parkinson-Symptomen an der klassischen Parkinson-Krankheit leiden. In etwa 10 Prozent der Fälle liegt ein atypisches Parkinson-Syndrom vor. Diese Syndrome sprechen oft schlechter auf die Parkinson-Medikamente an und schreiten schneller voran.

Diagnostik im fortgeschrittenen Stadium

Die Diagnose von Morbus Parkinson wird in der Regel anhand der klinischen Symptome gestellt. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache von Komplikationen abzuklären oder die Eignung für bestimmte Therapieoptionen zu prüfen. Dazu gehören:

  • MRT: Um atypische Parkinson-Syndrome zu erkennen oder Begleiterkrankungen auszuschließen.
  • L-Dopa-Test: Um die Wirksamkeit von Levodopa zu überprüfen.
  • Apomorphin-Test: Um die Wirksamkeit von Apomorphin zu testen und die individuelle Dosis zu ermitteln.

Therapieansätze im fortgeschrittenen Stadium

Die Behandlung des fortgeschrittenen Morbus Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Therapie umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

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Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie basiert auf der Gabe von Medikamenten, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Die wichtigsten Medikamente sind:

  • Levodopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus.
  • Dopaminagonisten: Wirken wie Dopamin und stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkdauer von Levodopa.
  • MAO-B-Hemmer: Hemmen den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • Amantadin: Kann Dyskinesien reduzieren.

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es erforderlich sein, die Medikamentendosis anzupassen oder zusätzliche Medikamente einzusetzen, um Wirkungsschwankungen und Dyskinesien zu behandeln.

Nicht-orale Folgetherapien

Wenn Tabletten die Parkinson-Symptome nicht mehr ausreichend kontrollieren, kommen sogenannte nicht-orale Folgetherapien in Betracht. Diese umfassen:

  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Hierbei werden Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert, die dann elektrische Impulse abgeben, um die Symptome zu lindern.
  • Levodopa-Carbidopa- intestinale Gel (LCIG)-Infusion: Hierbei wird Levodopa kontinuierlich über eine Sonde in den Dünndarm infundiert.
  • Apomorphin-Pumpe: Hierbei wird Apomorphin kontinuierlich über eine Pumpe unter die Haut verabreicht.

Die Auswahl der geeigneten Therapie hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Patienten ab.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung des fortgeschrittenen Morbus Parkinson. Dazu gehören:

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  • Physiotherapie: Verbessert die Beweglichkeit, Koordination und das Gleichgewicht.
  • Ergotherapie: Hilft bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten und der Anpassung des Wohnumfelds.
  • Logopädie: Verbessert die Sprech- und Schluckfunktion.
  • Psychotherapie: Hilft bei der Bewältigung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen.
  • Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verlangsamen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann die allgemeine Gesundheit verbessern und die Symptome lindern.
  • Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.

Umgang mit Begleitsymptomen

Neben den motorischen Symptomen treten im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung häufig auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Es ist wichtig, diese Symptome gezielt zu behandeln.

  • Depressionen: Können mit Antidepressiva oder Psychotherapie behandelt werden.
  • Angstzustände: Können mit Medikamenten oder Verhaltenstherapie behandelt werden.
  • Schlafstörungen: Können mit Medikamenten oder Entspannungstechniken behandelt werden.
  • Schmerzen: Können mit Schmerzmitteln, Physiotherapie oder anderen Therapien behandelt werden.
  • Demenz: Kann mit Medikamenten oder nicht-medikamentösen Maßnahmen behandelt werden.
  • Vigilanzstörung: Hier kann eine Umstellung der Medikation auf Piribedil in Erwägung gezogen werden.

Angehörige als wichtige Informationsquelle

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Menschen mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson. Sie können wertvolle Informationen über den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Therapie liefern. Es ist wichtig, dass Angehörige sich vor dem Arzttermin überlegen, welche Veränderungen ihnen bei dem Betroffenen aufgefallen sind.

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