Akupunktur bei Migräne: Erfahrungen, Wirksamkeit und Kosten

Viele Menschen, die unter Migräne leiden, suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungen, um ihre Symptome zu lindern. Akupunktur, eine traditionelle chinesische Therapie, wird oft als eine solche Option in Betracht gezogen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Akupunktur bei Migräne, ihre potenzielle Wirksamkeit und die damit verbundenen Kosten.

Was ist Migräne?

Schon beim Aufwachen kann man das Gefühl haben, Druck auf dem Kopf zu haben. Über den Tag verschlimmern sich die Kopfschmerzen, begleitet von Schwindel und Übelkeit. Die Augen werden zunehmend lichtempfindlicher, und manche Betroffene erleben sogar eine Aura. All dies sind Symptome von Migräneattacken, unter denen in Deutschland rund 18 Millionen Menschen leiden. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzarten. Fast ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland gibt an, darunter zu leiden. Bei der Migräne kommt es zu wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken, die bis zu 72 Stunden anhalten können. Typischerweise haben die Betroffenen mäßige bis starke, einseitig pulsierende Schmerzen, die durch körperliche Aktivität verstärkt werden. Häufig gehen sie mit Übelkeit oder Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm einher.

Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei der Akupunktur werden kleine Nadeln in sogenannte Akupunkturpunkte gesetzt. Keine Sorge, mehr als einen leichten Piks wie eine Feder aus einem Kissen merkt man nicht. Die Akupunkturpunkte sind im Körper mit Meridianen verbunden. Das sind laut TCM Leitbahnen, die durch den Körper laufen. Durch sie fließt laut der traditionell chinesischen Medizin die Lebensenergie, die auch Qi genannt wird. Bei der Akupunktur werden die Meridiane stimuliert und Blockaden gelöst. Die klassische Körperakupunktur ist eine Behandlung aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), bei der feine Nadeln in bestimmte Stellen des Körpers gestochen werden. Nach traditioneller Vorstellung soll die Behandlung Blockaden in sogenannten Leitbahnen (Meridiane) lösen und so Störungen des Energieflusses (Qi) beheben. In der traditionellen chinesischen Medizin existieren knapp 400 Akupunkturpunkte, bei einer Sitzung werden in der Regel bis zu 20 Nadeln gesetzt. Eine Sitzung dauert etwa zwischen 20 und 40 Minuten.

Akupunktur bei Migräne: Hilft es wirklich?

Migräne ist bis heute nicht heilbar. Laut europäischen Studien wirkt Akupunktur aber bei circa 50 Prozent der betroffenen Patientinnen und Patienten. Die Experten des IGeL-Monitors bewerten die Behandlung zur Prophylaxe von Migräne-Attacken durch Akupunktur als tendenziell positiv. Allerdings zeigen Studien auch, dass es sich bei Akupunktur eventuell um einen Placebo-Effekt handelt. Bei diesen Studien wurden Behandlungen an unwirksamen Punkten statt Akupunkturpunkten durchgeführt. Und die Patientinnen und Patienten berichteten dennoch von einem lindernden Effekt. Ganz gleich, ob Placebo oder Einfluss auf die Energieströme: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur im Vergleich zu bewährten medikamentösen Behandlungen eine ähnliche Linderung von Migräneschmerzen bietet. Die Daten zeigen, dass Akupunktur eine wirksame Option sein kann, um Migräneattacken ohne Medikamente vorzubeugen. Neuere Studien würden das bestätigen. Linde sagt deshalb: „Akupunktur ist eine ernst zu nehmende Alternative zu Medikamenten.“ Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen.

Studienlage und wissenschaftliche Bewertung

Die wissenschaftliche Forschung zur Akupunktur ist umstritten und es gibt geteilte Meinungen darüber, wie gut sie funktioniert. Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen und Symptome wirksam sein kann. Der IGeL-Monitor wollte wissen, welchen Nutzen und Schaden die Akupunktur zur Migränevorbeugung hat. In den Studien wurde die Akupunktur mit vorbeugenden Medikamenten, mit einer Scheinakupunktur und keiner vorbeugenden Behandlung verglichen. Anhand der Studienergebnisse ließ sich für die Akupunktur der Hinweis auf einen Nutzen erkennen. Die Akupunktur zeigte Vorteile gegenüber keiner vorbeugenden Behandlung. Verglichen mit vorbeugenden Medikamenten kam die Akupunktur zu gleichwertigen und zum Teil zu besseren Ergebnissen. Hinweise darauf, dass von der Akupunktur das Risiko eines Schadens ausgeht, gab es nicht. Im Vergleich zur vorbeugenden Medikamentengabe wurden sogar weniger Nebenwirkungen beobachtet.

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Akupunkturpunkte bei Migräne

Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen. In der TCM gibt es sogenannte Funktionskreise, die verschiedenen Organen zugeordnet sind und den Körper teilweise oder ganz durchziehen. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen - chinesische Gelehrte sprechen vom inneren Gleichgewicht Ying und Yang. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Vor- und Nachteile der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten

Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kannst du einfach etwas anderes probieren. Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Beispielsweise unterstellen sie den Studien, dass die Teilnehmer schon im Vorfeld von der Methode überzeugt waren und daher eine vorurteilsfreie Bewertung kaum möglich war. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen. Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.

Kosten und Krankenkassen

Laut Deutscher Ärzte­gesellschaft für Akupunktur kostet eine Akupunktur-Behandlung je nach Dauer circa 30 bis 70 Euro. Akupunktur ist eine Selbstzahlerleistung. Sie wird also nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sondern muss aus eigener Tasche gezahlt werden. Viele Betroffene greifen daher oft auf kostengünstigere Alternativen zurück. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen. Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein. Für eine erfolgreiche Behandlung sind bei Migräne im Schnitt 15 Akupunktursitzungen nötig. In manchen Fällen stellt sich die Besserung bei Migräne erst nach 10 bis 40 Akupunktursitzungen ein.

Was ist nach der Akupunkturbehandlung zu beachten?

Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.

Alternativen zur Akupunktur

Um Schmerzen akut, also direkt, zu lindern, helfen häufig nur Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane. Das sind spezielle Migräne-Medikamente. Eine Alternative zur medikamentösen Behandlung bei Migräne ist die Migräne-Spritze mit CGRP-Antikörpern. CGRP ist die Abkürzung für Calcitonin Gene-Related Peptide. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der aus Nervenzellen freigesetzt wird. Während einer Migräne-Attacke sind die CGRP-Werte erhöht. Die Migräne-Spritze wirkt gegen CGRP und kann somit Linderung schaffen. Wird die Migräne durch Verspannungen in den Muskeln im Gesicht, Nacken oder in den Schultern verursacht, kann Botox helfen. Der Stoff dockt dabei an die Nervenenden der Muskeln an. Somit wird die Reizübertragung zwischen Muskeln und Nerven blockiert. Die Muskelaktivität wird vermindert. Dies kann zu einer Linderung der Beschwerden führen. Neben der Akupunktur sind auch Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, und Biofeedback wirksame Alternativen zur Vorbeugung von Migräne.

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