Neurologische Erkrankungen bei Bartagamen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Neurologische Erkrankungen bei Bartagamen können vielfältige Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Da diese Erkrankungen oft lebensbedrohlich sind, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte neurologischer Erkrankungen bei Bartagamen, einschließlich Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Ursachen neurologischer Erkrankungen

Die Ursachen für neurologische Erkrankungen bei Bartagamen sind vielfältig. Im Gegensatz zu Schlangen, bei denen Virusinfektionen häufig eine Rolle spielen, stehen bei Echsen wie Bartagamen andere Ursachen im Vordergrund. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Mangelernährung: Eine unausgewogene Ernährung, insbesondere ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, kann zu neurologischen Problemen führen.
  • Vergiftungen: Chemische Substanzen, wie sie beispielsweise in Milbenbekämpfungsmitteln enthalten sind, können das Nervensystem schädigen. Auch Medikamente oder pflanzliche Alkaloide können zu Vergiftungen führen.
  • Infektionen: Obwohl seltener als bei Schlangen, können auch bakterielle oder virale Infektionen das Gehirn und die Hirnhäute befallen und neurologische Symptome verursachen. Bei Schlangen ist auch an den Paramyxo-Virus und die Einschlusskörperchen-Krankheit zu denken.
  • Metabolische Knochenerkrankung (MBD): Diese Erkrankung, die durch Kalziummangel oder ein Ungleichgewicht von Kalzium und Phosphor verursacht wird, kann zu Verformungen der Knochen und neurologischen Problemen führen.
  • Tumore: Neoplasien (Tumore) können in verschiedenen Organen auftreten, einschließlich des Gehirns, und neurologische Symptome verursachen.
  • Andere Erkrankungen: Erkrankungen wie Gicht, Arteriosklerose und Krebs können ebenfalls neurologische Symptome verursachen.
  • Verletzungen: Verletzungen des Schädels können zu Beeinträchtigungen des Zentralen Nervensystems führen.
  • Haltungsfehler: Überhitzung oder Vitaminmangel können ebenfalls das Gehirn schädigen.

Symptome neurologischer Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen können sich bei Bartagamen auf unterschiedliche Weise äußern. Einige der häufigsten Symptome sind:

  • Auffällige Bewegungen und Körperhaltungen: Dazu gehören beispielsweise ein schief gehaltener Kopf.
  • Koordinationsstörungen: Die Tiere scheinen ihr Gleichgewicht verloren zu haben und taumeln unsicher oder rennen im Kreis.
  • Zuckungen oder Zittern: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder Zittern können auftreten.
  • Lähmungen oder Krämpfe: In schweren Fällen kann es zu Lähmungen einzelner Gliedmaßen oder des gesamten Körpers kommen. Auch Krämpfe können auftreten.
  • Apathie oder Hyperaktivität: Manche Tiere zeigen sich teilnahmslos und apathisch, während andere hyperaktiv und unruhig werden.
  • Desorientierung: Die Tiere wirken verwirrt und finden sich in ihrer Umgebung nicht zurecht.
  • Umkehrreflex: Dreht man das Tier auf den Rücken und es dreht sich nicht zurück, wenn man es loslässt, ist das ein Warnzeichen, das in Richtung Zentrales Nervensystem weist.
  • Sternguckersyndrom: Bei Schlangen ist die ungewöhnliche Drehung des gehobenen Kopfes nach hinten ein erstes Symptom für IBD (Inclusion Body Disease).
  • Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust und Apathie: Dies sind typische Anzeichen für MBD.
  • Erkältungssymptome: Schleim in Nasenlöchern, Maul und Rachen, erschwerte und beschleunigte Atmung können auf eine Virus-Infektion hindeuten.

Diagnose neurologischer Erkrankungen

Die Diagnose neurologischer Erkrankungen bei Bartagamen erfordert eine gründliche Untersuchung durch einen reptilienkundigen Tierarzt. Dazu gehören:

  • Anamnese: Der Tierarzt wird den Halter nach der Krankengeschichte des Tieres, den Haltungsbedingungen und der Fütterung befragen.
  • Allgemeine Untersuchung: Der Tierarzt wird das Tier gründlich untersuchen, um allgemeine Gesundheitsprobleme festzustellen.
  • Neurologische Untersuchung: Eine spezielle neurologische Untersuchung kann helfen, die Art und den Ort der neurologischen Schädigung zu bestimmen.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Vergiftungen zu identifizieren. Hier ist immer eine Abklärung der Nierenfunktion wichtig. Dies kann durch eine blutchemische Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchung der Nieren erfolgen.
  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können helfen, Knochenverformungen oder andere strukturelle Veränderungen zu erkennen. Dorsoventrale Aufnahme einer Griechischen Landschildkröte mit reduzierter Knochendichte (blasige Knochenstruktur). Laterolaterale Aufnahme einer Griechischen Landschildkröte.
  • Kotuntersuchung: Eine Kotuntersuchung kann helfen, Parasitenbefall festzustellen. Wichtig: Vor jedem Winterschlaf sollte IMMER eine Kotprobe auf Parasiten untersucht werden! Reptilien im Winterschlaf können sich aufgrund des verminderten Stoffwechsels nicht gegen Parasiten wehren und sind ihnen somit schutzlos ausgeliefert. Mit der Kotuntersuchung kann 4-6 Wochen vor dem Winterschlaf am besten noch eine Blutuntersuchung gemacht werden.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.

Behandlung neurologischer Erkrankungen

Die Behandlung neurologischer Erkrankungen bei Bartagamen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Einige der möglichen Behandlungsansätze sind:

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  • Anpassung der Haltung und Fütterung: Bei Mangelernährung oder MBD ist eine Anpassung der Haltung und Fütterung unerlässlich. Das wichtigste ist eine Haltungs- und Fütterungsanpassung. Am häufigsten sehen wir MBD bei Europäischen Landschildkröten die in Terrarien drinnen gehalten werden. Dies ist keinerlei artgerecht, sie benötigen IMMER ein Außengehege mit Schutzhaus und Wärme-/UV-Lampen. Außerdem werden bei Terrarientieren oftmals eine nicht ausreichende UVB-Lampe verwendet. Hier werden die BesitzerInnen oftmals schon in den Zooläden falsch beraten. Die derzeit besten und langlebigsten UVB-Lampen auf dem Markt sind Metalldampflampen mit speziellen Vorschaltgeräten. Außerdem benötigen Reptilien mit MBD eine tägliche Kalziumsupplementierung mit adäquater UVB-Beleuchtung.
  • Medikamentöse Behandlung: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika eingesetzt werden. Bei Virusinfektionen gibt es oft keine spezifische Behandlung, aber unterstützende Maßnahmen können helfen, die Symptome zu lindern. Zusätzliche Wärme, in diesem Fall nicht nur von oben am Sonnenplatz, sondern auch von unten per Heizmatte oder ähnlichem, kann die Genesung unterstützen.
  • Entgiftung: Bei Vergiftungen ist es wichtig, das Gift so schnell wie möglich aus dem Körper zu entfernen. Zur Deaktivierung oral aufgenommener Gifte (z.B. Medikamente oder pflanzliche Alkaloide) wird in Wasser gelöste Aktivkohle oral per Einwegspritze (ohne Kanüle) verabreicht - nach Möglichkeit innerhalb der ersten Stunde. Dosierung: 0,5-1 g/kg Körpergewicht. Um der Gefahr eines Darmverschlusses vorzubeugen, ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Ist keine Aktivkohle zur Hand, kann alternativ Heilerde (Reformhaus) verwendet werden. Provoziertes Erbrechen und Magenspülung werden aufgrund neuerer Untersuchungen nicht als Behandlungsmethode empfohlen. Kohle-Lösung ist nicht geeignet bei Vergiftung mit ätzenden Substanzen oder Tensiden.
  • Chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen, beispielsweise bei Tumoren, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.
  • Unterstützende Maßnahmen: Unabhängig von der Ursache der neurologischen Erkrankung können unterstützende Maßnahmen wie eine angepasste Umgebungstemperatur, ausreichend Flüssigkeit und eine gute Ernährung helfen, die Genesung zu fördern. Bei einer chronischen Erkrankung kann eine Infunsionsgabe mit Zwangsfütterung nötig sein. Außerdem ist eine blutchemische Untersuchung anzuraten, um evt. eine Nierentherapie anzuschließen, bzw.
  • Quarantäne: Um Milbenbefall oder eine Ausbreitung zu vermeiden, ist Quarantäne das A und O der Vorsorge. Auch hier sind Quarantäne, Sanierung des Terrariums und peinliche Sauberkeit ein Muss.

Vorbeugung neurologischer Erkrankungen

Einige neurologische Erkrankungen bei Bartagamen lassen sich durch eine gute Haltung und Fütterung vermeiden. Dazu gehören:

  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe enthält, ist entscheidend für die Gesundheit des Nervensystems.
  • Artgerechte Haltung: Eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz, Wärme und UV-Licht ist wichtig für das Wohlbefinden der Tiere.
  • Vermeidung von Giftstoffen: Der Kontakt mit giftigen Substanzen sollte vermieden werden. Zur Desinfektion des Terrariums sollten nur Substanzen eingesetzt werden, die für Reptilien geeignet sind.
  • Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Regelmäßige tierärztliche Kontrollen können helfen, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Prognose

Die Prognose für Bartagamen mit neurologischen Erkrankungen hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Einige Erkrankungen, wie beispielsweise Mangelernährung, können bei frühzeitiger Behandlung geheilt werden. Andere Erkrankungen, wie beispielsweise Tumore oder schwere Virusinfektionen, haben oft eine schlechte Prognose. Die Prognose ist bei MDB häufig schwierig und bei bestehender Nierenerkrankung oftmals auch schlecht. Sollte die Nierenfunktion noch unbeeinträchtigt sein und die BesitzerInnen die Haltung sofort anpassen kann sich das Reptil nach einer langen Zeit auch wieder erholen.

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