Akupunktur zur Beruhigung der Nerven: Eine umfassende Betrachtung

In unserer heutigen, oft hektischen Welt, in der Stress und innere Unruhe allgegenwärtig sind, suchen viele Menschen nach Wegen, um ihr Nervensystem zu beruhigen und innere Balance wiederherzustellen. Neben modernen Methoden erfreuen sich traditionelle Techniken, insbesondere aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), wachsender Beliebtheit. Eine dieser Techniken ist die Akupunktur, die seit Jahrtausenden angewendet wird, um Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Die Grundlagen der Akupunktur und ihre Wurzeln in der TCM

Die Akupunktur ist eine zentrale Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die vor mehr als 2.000 Jahren entwickelt wurde. Die TCM betrachtet den Menschen als ein Wesen, dessen Lebensenergie (Qi) über Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, im Körper verteilt wird. Erkrankungen werden als Störungen des Qi-Flusses angesehen. Das Ziel einer Akupunkturbehandlung ist es, das Qi zu beeinflussen und die Balance wiederherzustellen. Durch das Einstechen von feinen Nadeln in ausgewählte Akupunkturpunkte wird der Energiefluss des entsprechenden Meridians beeinflusst.

Akupunkturpunkte und Meridiane

Laut der TCM liegen die Akupunkturpunkte auf sogenannten Meridianen, also Energieleitbahnen, die Einflüsse auf Körper- und Organfunktionen haben sollen. Es gibt etwa 400 dieser Punkte, die entlang der zwölf Hauptmeridiane angeordnet sind. Diese Meridiane sind mit bestimmten Organen und Körperfunktionen verbunden. Die Akupunkturpunkte befinden sich nachweislich an Stellen im Körper, die eine erhöhte Dichte bestimmter Rezeptoren aufweisen, die empfindlich auf Druck reagieren. Daher ist anzunehmen, dass die Stimulation dieser Punkte einen gewissen Reiz auslöst, der über das Nervensystem weitergegeben wird.

Wie Akupunktur wirkt: Wissenschaftliche Erklärungsansätze

Die heutige, wissenschaftlichere Herangehensweise versteht Akupunktur als lokalen Reiz, der Auswirkungen auf das Nerven- und Hormonsystem des Menschen hat. Fest steht, dass an den Akupunkturpunkten unterschiedliche Strukturen wie Nerven-, Faszien- und Muskelpunkte liegen. Wenn der Stich durch die Haut geht und den Akupunkturpunkt trifft, gibt es eine Ausschüttung von verschiedenen Überträgersubstanzen. Dann wird das Signal weitergeleitet auf Rückenmarksebene. Dort wird der Reiz schon moduliert und es findet die erste schmerzhemmende Reaktion des Körpers statt. Es folgt die zentrale Verarbeitung im Gehirn, wo der Nadelstich in den verschiedensten Zentren der Schmerzbewertung, der Schmerzwahrnehmung und der Schmerzstärke verarbeitet wird - bis hin zu den kortikalen Regionen in der Großhirnrinde. Die Akupunktur hat aber viele weitere Wirkungen. Der Stich rege auch das vegetative Nervensystem an, worauf der Parasympathikus reagiere. Eine hemmende Reaktion, die dazu führe, dass die Patienten zur Ruhe kommen und sich entspannen können. Diese Wirkung halte an und führe bei den Patienten zu besserem Schlaf, weniger Schmerzen, besserer Stimmung - so die Vermutungen.

Es gibt eine starke Sofortwirkung der Akupunktur durch die Endorphin-Ausschüttungen und die Aktivierung der schmerzhemmenden Systeme im Körper. Es gibt bestimmte Botenstoffe im Körper, die auf das vegetative Nervensystem einwirken und so Stress abbauen.

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Akupunktur vs. Akupressur

Sowohl Akupunktur als auch Akupressur sind Methoden der traditionellen chinesischen Medizin, die sich in der Art und Weise der Anwendung unterscheiden. Bei der Akupunktur verwendet der Therapeut feine Nadeln zur Stimulation der Akupunkturpunkte, die für 20 bis 30 Minuten im Körper verbleiben. Im Gegensatz dazu wird bei der Akupressur mit den Fingern sanfter Druck auf bestimmte Körperpunkte ausgeübt. Akupressur können Sie auch selbst ausüben oder Bezugspersonen bitten, die Druckpunkte zu stimulieren. Gerne zeigen wir Ihnen, was Sie zu beachten haben.

Akupunktur zur Beruhigung der Nerven: TCM-Perspektive

Aus Sicht der TCM sind Angstzustände und innere Unruhe Ausdruck einer Dysbalance zwischen Herz, Nieren und Leber. Akupunktur beruhigt das Nervensystem, stärkt das Herz-Qi und harmonisiert den Energiefluss in Leber- und Nierenmeridianen. Shen steht für Bewusstsein, Denkfähigkeit und emotionale Balance. Ist Shen gestört - etwa durch Herz-Blut-Mangel oder Yin-Leere - entstehen Ängste, Unruhe, mentale Erschöpfung und Schlafprobleme. Die Leber steuert den freien Qi-Fluss, und die Milz nährt den Geist. Bei stagnierendem Leber-Qi oder geschwächter Milzenergie entstehen Grübelei, Reizbarkeit und emotionale Labilität.

Akupunkturpunkte zur Beruhigung

Es gibt mehrere Akupunkturpunkte, die besonders wirksam sind, um Stress abzubauen und eine tiefe Entspannung zu fördern:

  • Yintang (zwischen den Augenbrauen): Dieser Punkt ist bekannt für seine beruhigende Wirkung auf den Geist.
  • Shen Men (am Ohr): Shen Men ist ein wichtiger Punkt in der Akupressur, der häufig zur Beruhigung des Geistes und zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet wird.
  • Neiguan (am Handgelenk): Neiguan ist ein wichtiger Punkt, um das Herz zu beruhigen und den Geist zu klären.
  • Baihui (am Kopf): Baihui ist einer der wichtigsten Punkte zur Harmonisierung des gesamten Körpers.
  • Sanyinjiao (am Unterschenkel): Sanyinjiao ist ein zentraler Punkt zur Beruhigung des Geistes und zur Förderung der Entspannung.

Ergänzende Methoden zur Unterstützung der Akupunktur

Ergänzend zur Akupunktur können weitere Methoden aus der TCM eingesetzt werden, um die Nerven zu beruhigen und das Wohlbefinden zu steigern:

  • Ohrakupunktur: Bei der Ohrakupunktur werden Nadeln an fünf Punkten im Ohr gesetzt, um körperliche und seelische Ungleichgewichte zu regulieren.
  • Moxibustion: Bei der Moxibustion werden bestimmte Akupunkturpunkte durch Wärme stimuliert, um den Energiefluss anzuregen.
  • Atemübungen: Bewusstes, tiefes Atmen kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen und Stress abzubauen. Eine einfache Übung ist das Box-Breathing (Vier-Quadrat-Atmung), bei dem man vier Sekunden lang einatmet, vier Sekunden lang die Luft anhält, vier Sekunden lang ausatmet und wieder vier Sekunden lang die Luft anhält.
  • Qi Gong und Yoga: Bewegungsbasierte Entspannungstechniken wie Qi Gong und Yoga können helfen, Stress abzubauen und die innere Balance zu fördern.
  • Kräutermischungen und TCM-Diätetik: Bestimmte Kräutermischungen und eine ausgewogene Ernährung nach den Prinzipien der TCM können ebenfalls dazu beitragen, das Nervensystem zu beruhigen und das Wohlbefinden zu steigern.

Akupunktur in der Praxis: Anwendungsbereiche und wissenschaftliche Erkenntnisse

Die Akupunktur wird in der Praxis zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, darunter:

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  • Angststörungen (generalisierte Angststörungen, Prüfungsangst, Panikattacken)
  • Schlafstörungen
  • Chronischer Stress und Burnout
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Rückenschmerzen
  • Gelenkschmerzen (Arthrose)
  • Übelkeit (z. B. bei Chemotherapie oder in der Schwangerschaft)
  • Allergien und Heuschnupfen
  • Suchtverhalten (z. B. Raucherentwöhnung)
  • Schwangerschaftsbeschwerden (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen)

Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur

Zahlreiche Studien haben die Wirksamkeit der Akupunktur bei verschiedenen Beschwerden untersucht. Einige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Akupunktur bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden hilfreich sein kann:

  • Schmerzen: Es gibt Nachweise, dass durch die Stimulation der Akupunkturpunkte bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden, die schmerzhemmend wirken. Einige Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Akupunktur bestimmte Schmerzen lindern kann, dazu zählen beispielsweise Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen bei Arthritis oder Kopfschmerzen.
  • Depressionen: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur dazu beitragen kann, die Symptome einer Depression zu lindern.
  • Übelkeit: Akupunktur soll Übelkeit lindern können, z. B. bei Krebspatienten oder in der Schwangerschaft.
  • Angststörungen: Studien belegen, dass Akupunktur bei generalisierten Angststörungen, Prüfungsangst oder Panikattacken wirksam ist.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Datenbasis für viele Anwendungsbereiche der Akupunktur noch nicht ausreichend ist. Viele Studien sind zu klein, nicht aussagekräftig oder nicht doppelt verblindet. Daher ist es wichtig, die Ergebnisse kritisch zu bewerten und sich von einem qualifizierten Arzt oder Therapeuten beraten zu lassen.

Akupunktur auf Rezept: Kostenübernahme durch Krankenkassen

Unter gewissen Voraussetzungen ist in Deutschland Akupunktur auf Rezept verfügbar. Die Kosten werden also für einige Erkrankungen von den Krankenkassen übernommen, darunter verschiedene Formen der Arthrose wie beispielsweise Kniearthrose. Auch bei Rückenschmerzen, die z. B. auf Haltungsstörungen, Skoliose, Osteochondrose, Wirbelgleiten oder andere Erkrankungen zurückzuführen sind, zählt die Akupunktur mittlerweile zu den Kassenleistungen. Viele Krankenkassen übernehmen darüber hinaus auch für andere Schmerzzustände und Beschwerden die Akupunkturkosten oder zahlen zumindest einen Zuschuss. Dazu zählt beispielsweise Akupunktur zur Geburtsvorbereitung oder bei Schwangerschaftsübelkeit. Klären Sie eine mögliche Kostenübernahme für die Akupunktur mit Ihrer Krankenkasse, bevor Sie die Behandlung beginnen.

Akupunktur sicher anwenden: Worauf Sie achten sollten

Die Akupunktur ist bei richtiger Anwendung ein risikoarmes Verfahren. Dennoch gibt es einige Punkte, die Sie beachten sollten, um die Behandlung sicher und effektiv zu gestalten:

  • Qualifikation des Therapeuten: Achten Sie darauf, dass der Akupunkteur eine fundierte medizinische Ausbildung hat und über eine Zusatzausbildung in Akupunktur verfügt. Auf den Homepages der großen Akupunktur-Gesellschaften finden sich ausgebildete Akupunkteure, sortiert nach Postleitzahlen.
  • Sterile Einmalnadeln: Die Akupunkteure sollten nur sterile Einmalnadeln verwenden, um Infektionen zu vermeiden.
  • Individuelle Beratung: Vor der Behandlung sollte eine ausführliche Anamnese und Beratung erfolgen, um die individuellen Bedürfnisse und Beschwerden des Patienten zu berücksichtigen.
  • Kontraindikationen: Schwangere, Patienten mit Herzschrittmachern oder Prothesen sowie Menschen, die Blutverdünner nehmen, sollten Nutzen und Risiken einer Akupunkturbehandlung zusammen mit ihrem Arzt abwägen.
  • Nach der Behandlung: Nach der Behandlung sollten Sie viel trinken, aber kein Koffein. Wer danach müde ist, sollte einfach noch liegen bleiben und nicht gleich Autofahren.

Weitere Tipps zur Beruhigung der Nerven im Alltag

Neben Akupunktur und TCM gibt es viele weitere Möglichkeiten, um die Nerven im Alltag zu beruhigen und Stress abzubauen:

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  • Vagusnerv-Stimulation: Der Vagusnerv ist der längste unserer zwölf Hirnnerven und spielt eine wichtige Rolle bei der Entspannung und Erholung. Er kann durch verschiedene Übungen stimuliert werden, z. B. durch tiefes Durchatmen, Gurgeln, Singen, Kältereize, Akkommodation (Scharfstellen der Augen) oder Selbstmassage des Halses.
  • Akupressur: Die Anwendung von Akupressur zum Stressabbau kann ein einfacher, aber wirkungsvoller Teil deiner täglichen Routine werden. Nutze Arbeitspausen oder Wartezeiten, um Akupressurpunkte zu stimulieren.
  • Lavendelöl: Ätherisches Lavendelöl hilft in stressigen Zeiten, abzuschalten. In Ihrer Apotheke gibt es aus dem Arzneilavendel Lavendelöl in Kapseln zum Einnehmen. Eine fertige ölige Lavendellösung zum Einreiben bekommen Sie ebenfalls bei uns. Dafür einige Tropfen auf die Handgelenke oder auf die Brust auftragen und einatmen.
  • Feste Tagesstrukturen: Feste Tagesstrukturen können helfen, Stress zu reduzieren und ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu vermitteln.
  • Digitale Entlastung: Regelmäßige Pausen von digitalen Medien können helfen, die Reizüberflutung zu reduzieren und das Nervensystem zu entlasten.
  • Regelmäßige warme Mahlzeiten: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen warmen Mahlzeiten kann dazu beitragen, den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und das Wohlbefinden zu steigern.
  • Schlafhygiene: Ausreichend Schlaf ist essentiell für die Regeneration des Nervensystems. Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene, indem Sie beispielsweise vor dem Schlafengehen auf elektronische Geräte verzichten, für eine angenehme Raumtemperatur sorgen und eine entspannende Routine entwickeln.
  • Achtsamkeitsübungen: Achtsamkeitsübungen können helfen, den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und Stress abzubauen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, Stresshormone abzubauen und die Stimmung zu verbessern.

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