Alexander UMG Neurologie Forschung: Fortschritte in der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) leistet einen wesentlichen Beitrag zur neurologischen Forschung. Im Fokus stehen dabei die Entwicklung von Biomarkern zur Früherkennung und besseren Verlaufskontrolle von Parkinson, innovative Gentherapien gegen Herzschwäche sowie das Verständnis grundlegender Mechanismen neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Dieser Artikel beleuchtet einige der aktuellen Forschungsprojekte und Errungenschaften der UMG im Bereich der Neurologie.

Parkinson-Forschung: Biomarker, Neuroinflammation und Mikrobiom

Ein Schwerpunkt der neurologischen Forschung an der UMG liegt auf der Entwicklung von Biomarkern zur Früherkennung und besseren Verlaufskontrolle der Parkinson-Erkrankung. Das Team um Brit Mollenhauer arbeitet seit Jahren an der Identifizierung von Biomarkern in verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Liquor, Plasma, Serum, Urin und Nasensekret. Ziel ist es, Marker zu finden, die das Risiko für die Entwicklung von Parkinson widerspiegeln (Trait-Marker), die Manifestation der Erkrankung anzeigen (State-Marker), die Geschwindigkeit des Fortschreitens beschreiben können (Progressions-Marker), das Ansprechen auf Behandlungen erfassen können (Rate-Marker) und eine prädiktive Aussage über den Verlauf der Erkrankung treffen können (Fate-Marker).

Biomarker-Analysen in biologischen Flüssigkeiten

Die Forschung konzentriert sich auf die Quantifizierung von Proteinen in Multiplex-Ansätzen, neuroinflammatorischen Markern, α-Synuklein Seed Amplification Assays und anderen relevanten Substanzen. Dabei werden verschiedene Methoden eingesetzt, darunter konventionelle und digitale ELISA, MSDTM, OLINK®, SomaLogicsTM und "targeted" Massenspektrometrie. Die gewonnenen Daten werden mit dem klinischen Bild, weiteren Markermodalitäten (wie Bildgebung) und dem Verlauf der Parkinsonkrankheit korreliert.

Neuroinflammation bei Morbus Parkinson

Ein weiterer wichtiger Forschungsbereich ist die Untersuchung der Rolle des Immunsystems bei Morbus Parkinson, insbesondere in prodromalen Erkrankungsstadien. Hierzu werden systematische Charakterisierungen zellulärer und humoraler Marker der Inflammation in Proben von klinisch umfangreich phänotypisierten Parkinsonpatienten durchgeführt. Untersucht werden unter anderem PBMC (peripheral blood mononuclear cells) hinsichtlich spezifischer T-Zellaktivierung auf α-Synuklein.

α-Synuklein Seed Amplification Assays

Zur robusten diagnostischen Nachweisung von α-Synuklein Aggregaten im Liquor werden α-Synuklein Seed Amplification Assays eingesetzt. Der Assay der Firma Amprion ist im Labor der UMG etabliert und wird für periphere Flüssigkeiten weiterentwickelt.

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Einfluss des Mikrobioms auf Neuroinflammation

In Zusammenarbeit mit der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel werden gezielte Ernährungsstudien durchgeführt, um den Einfluss des Mikrobioms auf entzündliche Veränderungen bei Parkinson zu untersuchen. Diese Studien erfolgen in enger Kooperation mit Prof. Dr. Paul Wilmes.

Datensammlung und -auswertung

Komplexe klinische und molekulare (cross-omics) Datensammlungen von verschiedenen Kohortenstudien (DeNoPa und anderen) werden unter Nutzung statistischer Modellierung und Machine Learning harmonisiert und ausgewertet. Insbesondere die 2009 etablierte longitudinale DeNoPa Kohorte aus initial de novo Parkinsonpatienten und gesunden Kontrollen sowie Probanden mit isolierter REM Schlaf Verhaltensstörung als Risikokohorte für Parkinson bilden die Basis dieser Projekte.

Rekrutierung von Risikopersonen

Die Paracelsus-Elena-Klinik ist seit 2011 Rekrutierungszentrum der multizentrischen Parkinson Progression Marker Initiative (PPMI) der Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research. Der aktuelle Schwerpunkt liegt in der Rekrutierung von Risikopersonen für die Entwicklung eines M. Parkinson. Im Rahmen des Projekts "Gesund Altern" werden in der Bevölkerung (zwischen 50 und 80 Jahren) in und um Kassel mögliche Risikofaktoren für eine Parkinson- oder Demenzerkrankung erfragt und Risikopersonen weiter untersucht (www.gesundaltern.eu).

Weitere neurologische Forschungsbereiche an der UMG

Neben der Parkinson-Forschung werden an der UMG auch andere wichtige neurologische Forschungsbereiche bearbeitet:

Teamwork im Innenohr

Forschern am Göttingen Campus ist es erstmals gelungen, die winzigen Synapsen im Innenohr - die Kontaktstellen zwischen den Haarsinneszellen und den Hörnervenzellen - auf molekularer Ebene zu untersuchen.

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Gentherapie gegen Herzschwäche

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickeln eine neuartige Gentherapie zur Wiederherstellung der elektrischen Erregungsleitung im geschwächten Herzen.

Koordiniertes Zusammenwirken von Nervenzellen

Forschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben herausgefunden, dass Nervenzellen im Auge natürliche optische Reize aus der Umgebung häufig gemeinsam in Zellgruppen und aufeinander abgestimmt verarbeiten.

Echtzeit-MRT enthüllt die Bewegungsdynamik des Stotterns

Forschenden der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften (MPI-NAT) ist es gelungen, die Bewegungsmuster der inneren Sprechmuskeln eines stotternden Patienten mittels Echtzeit-Magnetresonanztomografie (MRT) darzustellen.

Neue Erkenntnisse über die Schallkodierung beim Hören

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen, des Exzellenzclusters Multiscale Bioimaging und des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften haben neue Details zum Prozess des Botenstoffaustauschs zwischen Sinnes- und Nervenzellen im Ohr entdeckt.

Neuroimmunologie und Multiple Sklerose

Das Institut für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung (IMSF) an der UMG konzentriert sich auf die Untersuchung der Pathogenesemechanismen der Multiplen Sklerose. Gegründet im Jahr 2004 mit Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, hat das IMSF unter der Leitung von Prof. Alexander Flügel bedeutende Fortschritte im Verständnis dieser komplexen Erkrankung erzielt. Die Forschung umfasst die Untersuchung von T-Zell-vermittelten Autoimmunreaktionen im Gehirn und die Rolle von Autoantikörpern bei der Auslösung von Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems.

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Auszeichnungen und Ehrungen für UMG-Forscher

Die hohe Qualität der neurologischen Forschung an der UMG wird durch zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen für ihre Forscher belegt:

  • Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose-Forschung: Dieser Preis, der von der Firma Biogen Idec gestiftet wird, würdigt Forschungsarbeiten über die Ursachen und neue Behandlungsstrategien bei Multipler Sklerose.
  • Preis zur Förderung der interdisziplinären Altersforschung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie: Dr. Dr. Miroslava Valentova wurde für ihre Forschung zum Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Gebrechlichkeit im Alter ausgezeichnet.
  • Best-Paper-Preis der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Dr. Christoph Leiskau erhielt den Preis für seine Arbeit zu schweren akuten Leberentzündungen im Kindesalter.
  • Roemer-Forschungspreis für Psychosomatik: Dr. Monika Sadlonova wurde für ihre Forschung im Bereich der Psychokardiologie ausgezeichnet.
  • Wissenschaftspreis der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Dr. Matthias Kettwig wurde für seine Arbeit im Bereich der Neuropädiatrie ausgezeichnet.
  • ERC Grant für Hörforscher Tobias Moser: Prof. Dr. med. Tobias Moser erhielt einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) für sein Forschungsvorhaben zur Entschlüsselung der Lautstärke-Verarbeitung in der Hörschnecke.
  • Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM): Dr. Stefanie Meyer wurde für ihr Engagement in der Forschung zu Sport bei Patient*innen mit erblichen Muskelerkrankungen ausgezeichnet.
  • Sobek-MS-Forschungspreis: Prof. Dr. Alexander Flügel wurde für seine herausragenden Beiträge zur MS-Forschung ausgezeichnet.
  • ERC Proof of Concept Grant für Tobias Moser: Hörforscher und Neurowissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen erhält Förderung des Europäischen Forschungsrats für das Projekt „Opto-Wave“ zur Optimierung des optischen Cochlea Implantats für die Anwendung bei Hörgeschädigten.
  • Europäische Spitzenförderung für Rubén Fernández Busnadiego: Der Experte für Kryo-Elektronenmikroskopie an der Universitätsmedizin Göttingen erhält Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats zur Erforschung der Membranarchitektur von Nervenzellen und deren pathologischen Veränderungen bei Axonopathien.

Kliniken und Abteilungen der Neurologie an der UMG

Die neurologische Forschung an der UMG wird von verschiedenen Kliniken und Abteilungen getragen, darunter:

  • Klinik für Neurologie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Mathias Bähr)
  • Institut für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung (Direktor: Prof. Dr. Alexander Flügel)
  • Abteilung Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
  • Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Klinik für Geriatrie

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