Alkohol beeinflusst das Gehirn auf vielfältige Weise, indem er in die Systeme der Neurotransmitter eingreift. Besonders relevant sind dabei die Wechselwirkungen mit Dopamin und Serotonin, zwei Botenstoffe, die eine entscheidende Rolle für Stimmung, Verhalten und Suchtentwicklung spielen. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum und diesen Neurotransmittern und zeigt, wie diese Interaktionen zu kurzfristigen Effekten wie Entspannung und Wohlbefinden, aber auch zu langfristigen Problemen wie Sucht und Depressionen führen können.
Die Rolle von Dopamin im Belohnungssystem
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird, obwohl er eigentlich eine viel komplexere Funktion hat. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Belohnungssystems im Gehirn und spielt eine entscheidende Rolle bei der Motivation und dem Antrieb. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn wir positive Erfahrungen machen, wie z.B. beim Essen, beim Sport oder bei sozialen Interaktionen. Diese Ausschüttung erzeugt ein Gefühl von Freude und Zufriedenheit und motiviert uns, diese Verhaltensweisen zu wiederholen.
Alkohol wirkt direkt auf das dopaminerge System, indem er die Dopaminausschüttung verstärkt. Dies führt zu einem kurzfristigen Gefühl von Euphorie und Wohlbefinden, das den Alkoholkonsum als "positiv" und belohnend im Gedächtnis verankert. Dieser Effekt ist einer der Hauptgründe, warum Alkohol so suchterzeugend sein kann.
Veränderungen des Dopaminspiegels bei Alkoholabhängigkeit
Bei chronischem Alkoholkonsum kommt es zu Veränderungen im dopaminergen System. Einerseits kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen, bei der das Gehirn weniger empfindlich auf Dopamin reagiert. Das bedeutet, dass immer größere Mengen Alkohol benötigt werden, um den gleichen Effekt zu erzielen. Andererseits können sich die Dopaminrezeptoren im Gehirn verändern, was zu einer gestörten Dopaminfunktion führen kann.
Studien haben gezeigt, dass Alkoholiker in Abstinenzphasen erhöhte Dopaminspiegel in bestimmten Hirnregionen aufweisen, die für die Verhaltenskontrolle wichtig sind. Dies könnte erklären, warum abstinente Alkoholiker oft unter Rastlosigkeit und gestörter Impulskontrolle leiden und warum es so schwierig ist, einen Rückfall zu vermeiden.
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Natalie Hirth und ihre Kollegen verglichen Gehirnproben von verstorbenen Alkoholikern mit denen von Menschen, die wenig oder keinen Alkohol getrunken hatten. Dabei fanden sie Hinweise auf deutlich erhöhte Dopamin-Spiegel in bestimmten, für die Verhaltenskontrolle wichtigen, Bereichen des Gehirns der Alkoholsüchtigen. Durch ergänzende Versuche an alkoholabhängigen Ratten konnten die Forscher die Humanstudien bestätigen und weitere detaillierte Erkenntnisse gewinnen. Es zeigte sich, dass die Dopamin-Mengen im akuten Entzug stark vermindert sind. Doch wenn die Tiere über einen längeren Zeitraum keinen Alkohol erhielten, stiegen die Dopamin-Werte deutlich über das Normalniveau.
Dopamin und Rückfall
Die Forschungsergebnisse von Natalie Hirth und ihren Kollegen legen nahe, dass Dopamin eine wichtige Rolle beim Rückfall in die Alkoholsucht spielt. Der erhöhte Dopaminspiegel in der Abstinenzphase könnte zu einem verstärkten Verlangen nach Alkohol führen und die Impulskontrolle beeinträchtigen. Dies könnte erklären, warum viele Alkoholiker trotz ihres Wunsches nach Abstinenz einen Rückfall erleiden.
Auf diese Befunde aufbauend können nun Verhaltensexperimente entworfen werden, um den Zusammenhang zwischen erhöhtem Dopamin und dem Rückfall in die Alkoholsucht besser zu verstehen.
Serotonin: Mehr als nur ein "Glückshormon"
Serotonin ist ein weiterer wichtiger Neurotransmitter, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stimmung, Schlaf, Appetit und vielen anderen Körperfunktionen. Serotonin wirkt im Gehirn, indem er an verschiedene Serotoninrezeptoren andockt.
Ein Mangel an Serotonin im Gehirn wurde in der Medizin und in der Psychologie bereits mit Depressionen in Verbindung gebracht und galt lange als Ursache für das Auftreten dieser Erkrankung. Inzwischen wurde durch weitere Forschungen aber deutlich, dass die Monoamin-Hypothese entweder zu einfach oder möglicherweise sogar falsch ist. Zwar wirken bei vielen Menschen Antidepressiva, die den Anteil des Serotonins im Gehirn erhöhen, die Wirkung ist laut Studien aber nur geringfügig besser als bei einem Placebo. Erklärt wird dies damit, dass Depressionen nicht ausschließlich durch einen Mangel an Serotonin entstehen können.
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Der Einfluss von Alkohol auf den Serotoninspiegel
Alkohol beeinflusst den Serotoninspiegel im Gehirn auf komplexe Weise. Unmittelbar nach dem Alkoholkonsum kommt es zu einer erhöhten Serotoninausschüttung, was zu einem Gefühl von Entspannung, Wohlbefinden und gesteigertem Antrieb führen kann. Dieser Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer.
Langfristig kann Alkoholkonsum zu einer Störung des Serotoninsystems führen. Alkohol zerstört Serotonin. Man könnte auch sagen: Alkohol macht einen Serotonin-Mangel. Alkohol zerstört aber nicht nur Serotonin, sondern es kann bekanntlich auch abhängig machen. Die enorme Suchtwirkung liegt ebenfalls an der Wirkung von Alkohol auf Serotonin. Es kommt dabei zu einem regelrechten Suchtkreislauf. Nach dem Trinken von Alkohol wird Serotonin ausgeschüttet, sodass man sich zunächst einmal besser als vorher fühlt. Es kommt dabei zu einem regelrechten Suchtkreislauf. Nach dem Trinken von Alkohol wird Serotonin ausgeschüttet, sodass man sich zunächst einmal besser als vorher fühlt. Bei Menschen, die unter einer Alkoholsucht leiden, soll die Niedergeschlagenheit durch den Mangel an Serotonin durch mehr Alkohol ausgeglichen werden. Manche trinken dann sogar schon wieder, wenn der „Kater“ nach dem letzten Alkoholexzess noch nicht wieder nachgelassen hat. Da es jedoch verschiedene Formen der Alkoholsucht gibt, lässt sich dies nicht verallgemeinern.
Serotoninmangel und Depressionen bei Alkoholabhängigkeit
Ein chronischer Serotoninmangel kann zu Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen führen. Alkohol zerstört Serotonin - aus diesem Grund geht eine Alkoholsucht auch nicht selten mit einer Depression einher, die weitere Alkoholexzesse ermöglicht. Wie bereits erklärt, hat die Depression auch andere Ursachen als einen Serotonin-Mangel bedingt durch Alkohol. Er zerstört das Serotonin zwar, aber Alkohol löst auch nachweislich Entzündungen im Körper aus und er verändert die Darmflora zum Nachteil der Gesundheit. Es gibt also gleich mehrere Gründe für das Auftreten einer Depression im Zusammenhang mit Alkohol.
Studien haben gezeigt, dass Alkoholiker häufig niedrigere Serotoninspiegel im Gehirn aufweisen als nicht-alkoholabhängige Menschen. Dies könnte erklären, warum Depressionen bei Alkoholikern so häufig vorkommen.
Und noch etwas passiert, wenn Alkoholiker die Serotoninaktivität dauerhaft künstlich hochhalten: Die serotonergen Neurone im Hirnstamm können geschädigt werden. Dadurch drohen Verluste auf Seiten der sogenannten Serotonintransporter. Diese wiederum ermöglichen den Transport des Neurotransmitters in die Zelle. Fehlen diese Transporter oder sind sie in zu geringer Zahl vorhanden, kann das Symptome einer Depression auslösen4.
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Die Rolle von GABA
Alkohol hat einen erheblichen Einfluss auf zahlreiche Körperfunktionen. Unter anderem kommt es unter Alkoholeinfluss zu Störungen bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen, für die die sogenannten Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin oder GABA zuständig sind. GABA ist ein sogenannter inhibitorischer Neurotransmitter. Das heißt, er hemmt die Aktivität der Nervenzellen und wirkt auf diese Weise beruhigend und entspannend. Alkohol fördert die Bildung von GABA und kann an selbst ebenfalls an den GABA-Rezeptoren andocken. Das ist der Grund, warum man sich unter Alkoholeinfluss entspannter und gelassener fühlt. Mit anderen Worten: Alkohol verstärkt die GABA-Wirkung, die je nach Alkoholmenge bis zur Sedierung reichen kann.
Alkohol zur Emotionsregulation
Alkohol kann entspannend und stimmungsaufhellend wirken und soziale Interaktionen erleichtern. Manche Menschen setzen ihn gezielt zur Belohnung und zum Stressabbau ein, aber auch um mit negativen Gefühlen besser umzugehen zu können. In vielen Kulturen gehört er als Genussmittel bei geselligen Anlässen dazu. Alkohol wirkt auf verschiedene Botenstoffe im Gehirn und hat dämpfende Effekte auf das zentrale Nervensystem. Es kommt beim Alkoholkonsum zur Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin, was das Wohlbefinden steigern kann. Kurzfristig wird durch Alkohol die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reduziert, was entspannend wirkt.
Risiken und Folgen des Alkoholkonsums
Der Konsum von Alkohol birgt zahlreiche Risiken und kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Neben der Suchtentwicklung und Depressionen kann Alkoholkonsum zu Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Hirnschäden führen.
Vorzeitiges Altern des Gehirns
Schon eine Flasche Bier am Tag lässt die graue sowie die weiße Substanz im Gehirn schrumpfen, wenn Sie über einen langen Zeitraum regelmäßig konsumieren. Die Veränderungen, die Alkohol in den Gehirnsubstanzen verursacht, sind jedoch nicht linear: Je mehr man trinkt, desto schneller schrumpft das Gehirn. Ein Beispiel: Erhöht eine 50-jährige Person ihren täglichen Alkoholkonsum von einem 0,25l Glas Bier auf eine 0,5l Flasche Bier, entsprechen die Veränderungen im Gehirn einer Alterung von zwei Jahren.
Die Folgen der Hirnalterung machen sich vor allem durch ein geschwächtes Erinnerungsvermögen bemerkbar. So kann es häufiger dazukommen, dass sie Kleinigkeiten wie Ihren Hausschlüssel vergessen oder immer öfter mehr als einmal auf Ihre Einkaufsliste schauen müssen. Aber der Alkohol beeinträchtigt auch andere kognitive Fähigkeiten: Aufmerksamkeit, Orientierung oder die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung.
Erhöhtes Demenzrisiko
Im Gehirn verursacht ein regelmäßiger Konsum hoher Alkoholmengen außerdem Veränderungen, die das Risiko einer Demenzerkrankung stark erhöhen. Studien zeigen, dass sich das Demenzrisiko deutlich erhöht, wenn man regelmäßig viel Alkohol trinkt. Personen ab 45 Jahren, die mehr als 24 Gramm reinen Alkohol (ca. 250 ml Wein) am Tag trinken, sind besonders gefährdet.
Alternativen zum Alkoholkonsum
Es gibt viele gesunde Alternativen zum Alkoholkonsum, um Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu steigern. Dazu gehören Sport, Entspannungsübungen, soziale Aktivitäten und Hobbys.
Hier ein paar Tipps, wie Sie besser abschalten und mit den Herausforderungen des Alltags gelassener umgehen können:
- Bewegung macht den Kopf frei. Machen Sie nach der Arbeit einen schönen Spaziergang, eine kleine Radtour oder gehen Sie ins Fitnessstudio.
- Fahren Sie mit dem Rad zur Arbeit. So können Sie schon auf dem Nachhauseweg durch die körperliche Betätigung Stress abbauen.
- Nehmen Sie sich mehr Zeit für sich und gönnen Sie sich regelmäßige Pausen im Alltagsstress.
- Haben Sie ein Hobby, das Sie schon länger vernachlässigen? Nehmen Sie es wieder auf. Oder versuchen Sie ein Neues, wie meditatives Malen. Spezielle Malbücher für Erwachsene helfen bei der achtsamkeitsbasierten Stressbewältigung.
- Trainieren Sie Übungen zur Achtsamkeit und bauen Sie diese in Ihren Arbeitsalltag ein.
- Versuchen Sie es bei Stress und Anspannung mit einem Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelentspannung oder mit Autogenem Training.
Fazit
Der Zusammenhang zwischen Alkohol, Dopamin und Serotonin ist komplex und vielschichtig. Alkoholkonsum kann kurzfristig zu positiven Effekten wie Entspannung und Wohlbefinden führen, langfristig aber schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Insbesondere die Störung des Dopamin- und Serotoninsystems kann zu Sucht, Depressionen und anderen psychischen Problemen führen. Es ist daher wichtig, den Alkoholkonsum zu reduzieren oder ganz zu vermeiden und gesunde Alternativen zur Stressbewältigung zu finden.