Der Konsum von Alkohol ist in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt. Viele Menschen greifen besonders in stressigen Situationen zu alkoholischen Getränken. Doch welche Auswirkungen hat Alkoholkonsum, insbesondere nach einem Schlaganfall? Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Alkoholkonsum, Schlaganfallrisiko und Therapiemöglichkeiten für Alkoholiker nach einem Schlaganfall.
Alkohol und Schlaganfallrisiko: Ein komplexes Verhältnis
Alkohol hat vielfältige Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei der Zusammenhang mit dem Schlaganfallrisiko oft unterschätzt wird. Es gibt die weit verbreitete Meinung, dass ein gelegentliches Glas Wein oder Bier der Herz-Kreislauf-Gesundheit nicht schadet.
Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko
Das Trinken von Alkohol kann Herzrhythmusstörungen auslösen, sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Patienten mit Vorhofflimmern. Eine große Studie deutet darauf hin, dass Alkoholkonsum, zumindest bei Menschen mit Vorerkrankungen, das Schlaganfallrisiko erhöht. Alkoholkonsum ist mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert. Eine aktuelle Beobachtungsstudie zeigt, dass nicht nur starker, sondern auch mäßiger Alkoholkonsum ein Risikofaktor sein könnte.
Studienergebnisse zum Alkoholkonsum und Schlaganfallrisiko
Eine Studie mit fast 98.000 Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern untersuchte den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Schlaganfallrisiko. Die Patienten wurden je nach Alkoholkonsum in drei Gruppen eingeteilt: Nichttrinker (51%), abstinent gewordene Personen (13%) und Patienten, die weiterhin Alkohol tranken (36%).
Die Ergebnisse zeigten, dass Nichttrinker und abstinent gewordene Personen nach fünf Jahren ein niedrigeres Schlaganfallrisiko hatten als diejenigen, die weiterhin Alkohol tranken. Selbst Personen, die nur wenig Alkohol tranken, hatten im Vergleich zu Nichttrinkern ein signifikant erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall. Die Forscher beobachteten eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Menge des Alkohols und dem Schlaganfallrisiko. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass leichter bis mäßiger Alkoholkonsum zu einem atrialen Remodeling beitragen kann, was mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert ist.
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Empfehlungen zum Alkoholkonsum nach Schlaganfall
Schlaganfallpatienten sollten ihren Alkoholkonsum einschränken, um das Risiko eines weiteren Hirnschlags zu verringern. Es ist nicht unbedingt erforderlich, vollständig auf Alkohol zu verzichten, aber es wird empfohlen, an mindestens 2-3 Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken und an den übrigen Tagen nicht mehr als 1 (Frauen/Divers) bzw. 2 (Männer) Einheiten zu konsumieren. Eine Einheit entspricht beispielsweise 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein.
Alkoholabhängigkeit: Ursachen, Symptome und Folgen
In Deutschland leiden etwa 1,7 Millionen Menschen an Alkoholabhängigkeit, der häufigsten Suchterkrankung.
Ursachen der Alkoholabhängigkeit
Alkoholabhängigkeit hat keine einzelne Ursache, sondern entsteht durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren (psychisch, sozial, körperlich). Gefährdet sind unter anderem Personen, die:
- Positiv auf Alkohol reagieren, ohne negative körperliche Folgen zu spüren
- Bei seelischen Belastungen über Suchtmittel Entspannung suchen
- Im Umfeld von Alkoholherstellung und -vertrieb arbeiten
- Durch Alkoholismus in der Herkunftsfamilie vorbelastet sind
- Alkoholsucht im sozialen Umfeld erfahren
Auch Lernerfahrungen in Kindheit und Jugend sowie spätere kritische Lebensereignisse können zur Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung beitragen.
Symptome der Alkoholabhängigkeit
Nicht jedes regelmäßige oder riskante Trinkverhalten deutet auf eine Alkoholabhängigkeit hin. Es gibt jedoch Kennzeichen, die auf eine Abhängigkeitserkrankung hinweisen:
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- Starker Wunsch/Zwang, Alkohol zu trinken
- Wirkungsverminderung bei gewohnter Alkoholmenge (Toleranzentwicklung)
- Körperliche Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Absetzen des Alkohols
- Kontrollverlust über den Alkoholkonsum
- Vernachlässigung anderer Interessen und Verpflichtungen zugunsten des Alkoholkonsums
- Anhaltender Alkoholkonsum trotz des Wissens um gesundheitliche oder soziale Schäden
Folgen der Alkoholabhängigkeit
Schädlicher Gebrauch liegt vor, wenn trotz gesundheitlicher Schäden der Alkoholkonsum fortgesetzt wird. Gesundheitliche Schäden können körperlicher und psychischer Natur sein:
- Körperliche Schäden: Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Erkrankungen des Gehirns und des Nervengewebes, der Haut und anderer Organe.
- Psychische Schäden: Depressive Erkrankungen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen.
Das Risiko für entsprechende Erkrankungen erhöht sich bereits deutlich bei einem täglichen Konsum von 15 bis 20 Gramm bei Frauen und etwa 30 bis 40 Gramm Alkohol pro Tag bei Männern.
Therapie der Alkoholabhängigkeit nach Schlaganfall
Die Therapie der Alkoholabhängigkeit teilt sich üblicherweise in zwei Phasen: Entgiftung und Entwöhnung.
Entgiftung
Die Entgiftung dauert in der Regel sieben bis 14 Tage und bildet die Basis für die Entwöhnung von der Alkoholsucht. Sie ist der medizinisch begleitete körperliche Entzug vom Alkohol und findet in einem Krankenhaus statt. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
Entwöhnung
Die mehrmonatige Entwöhnung hat das Ziel, den Betroffenen dauerhaft von seiner Alkoholsucht zu lösen. Sie kann ambulant in einer Beratungsstelle, ganztägig ambulant in einer Tagesklinik oder stationär in einer Fachklinik durchgeführt werden. Für die Kosten kommt in der Regel der Rentenversicherer auf.
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Der Schwerpunkt der Behandlung liegt zum einen in der Gruppentherapie, ergänzt durch indikative Gruppen, Einzeltherapien, Sport- und Bewegungsangeboten, Ergotherapie, und zum anderen in Bausteinen wie der möglichen Einbeziehung von Angehörigen. Ziel der Behandlung ist die Abstinenz. In der Therapie wird das Wissen um die Erkrankung, deren Ursachen und die Möglichkeiten eines suchtmittelfreien Lebens vermittelt.
Integrierte stationäre Behandlung Abhängigkeitskranker (ISBA)
Um zwischen diesen Phasen Rückfälle zu vermeiden, wurde von Alkoholismus-Experten ein neuartiges Therapiekonzept entwickelt: ISBA, die Integrierte stationäre Behandlung Abhängigkeitskranker. Nach dem Alkoholentzug folgt unmittelbar die Entwöhnungsphase in derselben Einrichtung.
Spezielle Aspekte der Therapie nach Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall ist die Therapie der Alkoholabhängigkeit oft komplexer und erfordert eine individuelle Anpassung.
Neurologische Veränderungen
Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass Veränderungen in bestimmten Bereichen des Gehirns nach einem Schlaganfall dazu führen können, dass die Betroffenen verstärkt Alkohol zu sich nehmen. Diese Erkenntnisse sind wichtig, da immer mehr Menschen einen ersten Schlaganfall überleben und sich davon erholen.
Berücksichtigung von Begleiterkrankungen
Bei der Therapie von Alkoholikern nach einem Schlaganfall müssen Begleiterkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Schlafapnoe berücksichtigt werden. Auch Zahnfleischentzündungen und Parodontitis sind mit einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen assoziiert.
Rehabilitation
Neben der Suchttherapie ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die durch den Schlaganfall verursachten körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen zu behandeln. Herzkreislauftraining und Muskeltraining haben in Studien vielfältige positive Effekte gezeigt und schützen vor weiteren Schlaganfällen und Herzinfarkten.
Das Korsakow-Syndrom
Das Korsakow-Syndrom ist meist die Folge eines jahrelangen, exzessiven Alkoholkonsums. Es kommt zu einer Hirnschädigung, die mit Symptomen wie Gedächtnis- und Orientierungsproblemen einhergehen kann. Charakteristisch sind insbesondere Gedächtnisstörungen, Desorientierung und Verhaltensauffälligkeiten wie Lügen (Konfabulationen). Da es zu irreversiblen Hirnschädigungen kommt, lässt sich die Erkrankung nicht heilen. Grundsätzlich hängt die Lebenserwartung vom Grad der Schädigung des Hirns und der konsequenten Alkoholabstinenz Betroffener ab. Insbesondere bei fehlender Behandlung ist die Prognose schlecht.
Ursachen und Risikofaktoren
Das Korsakow-Syndrom entsteht aufgrund eines Mangels an Vitamin B1 (Thiamin). Insbesondere ein langjähriger Alkoholmissbrauch geht oft mit einem Vitaminmangel einher.
Symptome
Besonders typisch sind Störungen des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit. Betroffene leiden mitunter an verschiedenen Formen des Gedächtnisverlustes (Amnesie):
- Anterograde Amnesie: Neue Informationen können sich Betroffene nur schlecht merken.
- Retrograde Amnesie: Auch viele Dinge aus der Zeit vor der Hirnschädigung fallen Patient*innen nicht mehr ein.
Aufgrund der Gedächtnisstörungen kommt es bei Betroffenen oft zu weiteren Verhaltensänderungen und Symptomen:
- Konfabulationen: Betroffene füllen Gedächtnislücken spontan durch eigene Fantasien auf.
- Orientierungsstörungen: Auch Störungen der Orientierung und Vergesslichkeit sind typisch.
Therapie und Prävention
Ist das Korsakow-Syndrom voll ausgeprägt, geht es in der Therapie vor allem darum, die Symptome zu lindern. Durch die Gabe von Vitamin B1 und strikter Alkoholabstinenz kann sich der Zustand einiger Patient*innen leicht verbessern. Ein voll ausgeprägtes Korsakow-Syndrom führt jedoch in der Regel zu bleibenden Hirnschäden.
Hauptrisikofaktor für die Erkrankung ist ein chronischer Alkoholismus. Daher gilt: Wer dem Korsakow-Syndrom vorbeugen möchte, sollte auf regelmäßigen, übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.
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