Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Ursachen haben kann. Oftmals werden Kopfschmerzen, insbesondere in Verbindung mit Erkältungssymptomen, als "Nebenhöhlen-Kopfschmerz" diagnostiziert. Allerdings steckt hinter dieser Diagnose nicht selten eine Migräne. Der Zusammenhang zwischen Allergien, Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) und Migräne ist komplex und wird im folgenden Artikel näher beleuchtet.
Abgrenzung: Sinus-Kopfschmerz vs. Migräne
Es ist wichtig, einen Sinus-Kopfschmerz von einer Migräne zu unterscheiden, da die Behandlung unterschiedlich ist. Ein Sinus-Kopfschmerz tritt als Begleiterscheinung einer Rhinosinusitis auf, wobei das Auftreten das wichtigste Diagnosekriterium darstellt. Typisch für einen Sinus-Kopfschmerz ist eitriges Sekret aus der Nase. Eine Migräne hingegen wird oft von Übelkeit oder Erbrechen begleitet und durch Lärm oder Licht verstärkt. Sinus-Kopfschmerzen klingen in der Regel ab, sobald die zugrunde liegende Rhinosinusitis abheilt.
Die Rhinosinusitis: Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen
Zu den Nasennebenhöhlen zählen die Stirnhöhlen, die Kieferhöhlen, die Keilbeinhöhlen und die Siebbeinzellen. Je nachdem, welcher Teil entzündet ist, wird die Sinusitis genauer bezeichnet: Sinusitis maxillaris (Kieferhöhlenentzündung), Sinusitis frontalis (Stirnhöhlenentzündung), Sinusitis ethmoidalis (Siebbeinzellenentzündung) und Sinusitis sphenoidalis (Keilbeinhöhlenentzündung). Eine Stirnhöhlenentzündung kann sich beispielsweise durch pulsierende oder bohrende Kopfschmerzen äußern, die direkt hinter der betroffenen Stirnseite lokalisiert sind.
Eine akute Rhinosinusitis wird meist von Kopfschmerzen begleitet, die je nach Befall unterschiedlich lokalisiert sein können: hinter der Stirn bei Befall der Stirnhöhle, der Siebbeinzellen und der Kieferhöhle. Wenn eine akute Rhinosinusitis nicht richtig ausheilt, wird sie verschleppt. Dann besteht die Gefahr, dass sie in eine chronische Rhinosinusitis übergeht.
Symptome einer Rhinosinusitis
Typische Symptome einer Rhinosinusitis sind:
Lesen Sie auch: Ursachen neurologischer Allergiesymptome
- Verstopfte Nase
- Laufende Nase (wässriges oder zähes Sekret)
- Druckgefühl um die Augen, im Oberkiefer und im Stirnbereich
- Kopfschmerzen, die sich bei Kopfbewegungen verstärken
- Fieber, Halsschmerzen, Husten und Abgeschlagenheit (können begleitend auftreten)
- Reduktion des Geruchssinns oder eine komplette Unfähigkeit zu riechen
Ursachen einer Rhinosinusitis
Eine Rhinosinusitis kann verschiedene Ursachen haben:
- Virale Infekte
- Allergien
- Bakterielle Infekte
- Reduzierte Immunabwehr
- Strukturelle Veränderungen der Nasenhöhle
Behandlung einer Rhinosinusitis
Die Behandlung einer Rhinosinusitis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Heilung zu unterstützen. Dazu gehören:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Stilles Wasser, Früchte- oder Kräutertee helfen, den Schleim zu verflüssigen.
- Schmerzmittel: ASS, Paracetamol oder Ibuprofen können bei akuten Kopfschmerzen helfen.
- Sekretolytika und Mukolytika: Diese Medikamente verflüssigen den Schleim und erleichtern den Abtransport.
- Antibiotika: Bei einer akuten bakteriellen Rhinosinusitis können Antibiotika erforderlich sein.
- Hausmittel: Inhalation mit Salzwasser oder ätherischen Ölen kann die Symptome lindern.
Allergien und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang
Obwohl Migräne keine allergische Erkrankung ist, haben Allergiker häufiger Migräne. Dieser Zusammenhang ist Medizinern seit langem bekannt. Frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass allergische Reaktionen Migräne auslösen können und dass eine Allergiebehandlung die Migräne-Symptomatik verbessern kann.
Neuere Untersuchungen beschäftigen sich mit den häufigen Folgeerkrankungen der Allergie, nämlich dem chronischen Schnupfen (Rhinitis chronica) und dem Asthma. Eine Studie ergab, dass Migränepatienten mit chronischem Schnupfen stärker durch Kopfschmerzereignisse beeinträchtigt waren. Auch Asthma trat bei dieser Patientengruppe häufiger auf. Eine taiwanesische Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte den Zusammenhang zwischen Migräne und Asthma genauer.
Es ist wichtig zu beachten, dass keine der erwähnten Studien die Allergie als Ursache für die Migräne sieht. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass eine Allergie ein Auslöser für eine Migräneattacke sein kann. Eine mögliche Erklärung ist der hohe Energieverbrauch bei einer allergischen Reaktion, der mit vegetativem Stress verbunden ist - und Stress kann wiederum Migräne triggern.
Lesen Sie auch: Allergie als Ursache von Nervenschmerzen
Fehldiagnose: "Nebenhöhlen-Kopfschmerz" als Migräne
Unglücklicherweise werden Kopfschmerzen von Allergiepatienten oft fälschlicherweise als "Nebenhöhlen-Kopfschmerz" diagnostiziert, obwohl in Wirklichkeit eine Migräne dahintersteckt. Eine Studie ergab, dass von den Teilnehmern, die glaubten, an einem Nebenhöhlen-Kopfschmerz zu leiden, tatsächlich 52% eine Migräne und 11% einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz in Zusammenhang mit einer Migräne hatten.
Allergenspezifische Immuntherapie und Migräne
Eine Analyse der medizinischen Universität Cincinnati aus dem Jahr 2010 untersuchte die Wirkung einer allergenspezifischen Immuntherapie bei Migränepatienten. Die Studie zeigte, dass die Patienten, die eine Immuntherapie erhielten, signifikant weniger an Migränebeschwerden litten als die Gruppe, die keine Immuntherapie erhielt.
Kopfschmerzen hinter dem Auge: Mögliche Ursachen
Schmerzen hinter den Augen können verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Sinus-Infektion: Entzündung der Nasennebenhöhlen und Augenhöhlen.
- Trockene Augen: Unzureichende Befeuchtung der Augenoberfläche.
- Stress: Kann die Tränenproduktion verringern und Muskelverspannungen verursachen.
- Allergien: Können den Abfluss von Tränenflüssigkeit blockieren und Entzündungen verursachen.
- Migräne: Neurologische Erkrankung mit schmerzhaften Kopfschmerzen.
- Spannungskopfschmerzen: Muskelverspannungen im Kopf-, Hals- und Gesichtsbereich.
- Verspannungen der Nackenmuskulatur: Druck auf Nerven im Nacken.
- Augeninfektion: Betrifft das Augeninnere und übt Druck auf das Auge aus.
- Cluster-Kopfschmerz: Seltene, aber schwere Kopfschmerzart.
- Bindehautentzündung: Entzündung der Bindehaut.
- Glaukom: Augenerkrankung, die zu einer Schädigung des Sehnervs führt.
Symptome bei Schmerzen hinter dem Auge
Die Symptome bei Schmerzen hinter dem Auge können variieren:
- Klopfende Schmerzen (können auf Sinusitis oder Migräne hindeuten)
- Drückende Schmerzen (können ein Anzeichen für Spannungskopfschmerzen sein)
- Schmerzen im Nackenbereich (können ebenfalls auf Spannungskopfschmerzen hindeuten)
- Sehstörungen
- Kribbeln oder Taubheit
Linderung von Schmerzen hinter dem Auge
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Kopfschmerzen hinter dem Auge zu lindern:
Lesen Sie auch: Epilepsie-Allergie-Verbindung
- Schmerzmittel
- Entspannungstechniken
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Warme oder kalte Kompressen
- Stressabbau
- Augenmassage
- Vermeidung von Koffein und Zigaretten
- Blutdruckkontrolle
- Vermeidung von starkem Licht
Diagnose und Behandlung
Es ist wichtig, bei häufigen Kopfschmerzen hinter dem Auge einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache zu ermitteln. Bei Schmerzen hinter den Augen sollte in jedem Fall ein Augenarzt konsultiert werden. Anhand von verschiedenen Tests kann die Ursache ermittelt werden.
Vorbeugung von Sinusitis-Kopfschmerzen
Es gibt einige Maßnahmen, die helfen können, Sinusitis-Kopfschmerzen vorzubeugen:
- Häufiges Händewaschen: Reduziert das Risiko von Infektionen.
- Vermeidung von Reizungen der Nasennebenhöhlenschleimhaut: Nicht rauchen und Rauch vermeiden, für frische Luft sorgen.
- Ausreichende Luftbefeuchtung: Kann in der Vorbeugung einer Sinusitis wirksam sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Bei neu aufgetretenen Kopfschmerzen im Lebensalter über 50.
- Bei Kopfschmerzen, die von Begleitstörungen wie Gedächtnisreduktion, Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Veränderungen der Sprache, Sehstörungen oder Schwäche begleitet werden.
tags: #allergie #nebenhohlen #migrane