Heuschnupfen, auch bekannt als Pollenallergie oder saisonaler allergischer Schnupfen, ist eine weit verbreitete allergische Erkrankung, bei der das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Pflanzenpollen reagiert. Diese Reaktion kann zu einer Reihe unangenehmer Symptome führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Was ist Heuschnupfen?
Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf Pollen, den Blütenstaub von Pflanzen. Fachleute sprechen eher von Pollenallergie, weil tatsächlich Pollen Auslöser der allergischen Reaktion sind. Auch der Begriff saisonaler allergischer Schnupfen wird verwendet, da die Beschwerden meist über eine gewisse Zeit im Jahr auftreten - wenn die Pflanzen blühen. Bestimmte Bestandteile des Pollens, sogenannte Allergene, regen bei manchen Menschen das Immunsystem dazu an, Abwehrstoffe (Antikörper) zu produzieren.
Wie häufig ist Heuschnupfen?
Heuschnupfen ist die häufigste Allergie bei Erwachsenen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Aus Abrechnungsdaten der Krankenkassen geht hervor, dass in Deutschland im Jahr 2019 mehr als sieben Prozent der Menschen wegen Heuschnupfen ärztliche Hilfe suchten. Knapp 15 Prozent der Erwachsenen entwickeln im Laufe ihres Lebens einen ärztlich diagnostizieren Heuschnupfen.
In welchem Alter tritt Heuschnupfen auf?
Ein allergischer Schnupfen kann sich in jedem Alter entwickeln. Oft beginnt er schon in der Kindheit oder im jungen Erwachsenenalter. Die Stärke de Symptome kann sich im Laufe des Lebens ändern - zeitweise können sie auch ganz verschwinden. Am schlimmsten sind die Symptome oft bei Kindern sowie bei Erwachsenen zwischen 30 und 50 Jahren.
Risikofaktoren für Heuschnupfen
Die Neigung zu Allergien wird vererbt. Ist ein Elternteil betroffen, ist das Risiko erhöht, dass das Kind ebenfalls eine Allergie entwickelt. Sind beide Elternteile Allergiker, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenfalls eine Allergie bekommt, bei 50 bis 70 Prozent.
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Weitere Risikofaktoren, die erforscht werden, sind etwa der Einfluss von Rauchen, Luftschadstoffen aus dem Straßenverkehr, verbesserten Hygienestandards und häufigen Atemwegsinfekten.
Auslöser von Heuschnupfen
Heuschnupfen wird durch eine allergische Reaktion auf Pollen verursacht. Zu den wichtigsten Allergieauslösern zählen:
- Gräserpollen
- Kräuterpollen, zum Beispiel Beifuß, Nessel, Wegerich
- Frühblüher-Bäume, wie Hasel, Erle und Birke
- Getreidepollen, wie Roggen
Saisonale Schwankungen der Symptome
Die Beschwerden treten während der Blütezeit der Pflanzen auf, gegen die man allergisch ist.
In Deutschland können Pollen der Frühblüher Hasel und Erle schon im Dezember vorkommen. Birken- und Gräserpollen können ab März hinzukommen. Roggen blüht erst ab Mai, Beifuß und Ambrosia (Traubenkraut) ab Juni.
Die Pollenbelastung der Luft dauert teils mehrere Monate an. Gräserpollen können etwa bis in den Oktober hinein vorkommen, Beifuß und Ambrosia bis in den November. Heuschnupfen ist also auch im Winter möglich.
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Durch den Klimawandel verlängert sich die Pollensaison, da die Pollen früher und länger fliegen. Und auch die Menge der Pollen in der Luft nimmt zu.
Symptome von Heuschnupfen
Heuschnupfen zählt zu den Sofort-Typ-Allergien. Beschwerden treten also schnell auf, nachdem man die Pollen eingeatmet hat.
Mögliche Symptome bei einer Pollenallergie:
- Laufende Nase (Fließschnupfen)
- Verstopfte Nase, erschwerte Nasenatmung
- Niesen
- Juckreiz an der Nase, manchmal auch an Rachen oder Ohren
- Allergische Reaktion der Bindehaut mit juckenden, brennenden und tränenden Augen
Weitere Symptome können Müdigkeit und Erschöpfung sein sowie ein Druckgefühl im Gesicht oder Kopfschmerzen, Heiserkeit, Hustenreiz und begleitende Hautreaktionen, wie eine Schwellung oder Ekzem.
Mögliche Folgen bei Heuschnupfen
- Überempfindlichkeit: Mit der Zeit kann die Nase auch empfindlicher auf nicht-allergische Reize wie kalte Luft und Zigarettenrauch reagieren. Diese Reize können dann ebenfalls Symptome auslösen.
- Kreuzallergie: Allergene in Pollen und Nahrungsmitteln können sich ähneln. Bei einer Kreuzallergie reagiert das Immunsystem dann nicht nur auf die Pollen, sondern erkennt auch das ähnliche Allergen im Essen. Bei einer Baumpollen-Allergie treten häufig Kreuzallergien auf - zum Beispiel gegenüber Apfel, Pfirsich, Sellerie, Haselnuss oder Soja.
- Etagenwechsel: Die Allergie kann zudem die „Etage wechseln“. Das heißt, die Allergie rutscht sozusagen tiefer und betrifft in Form eines allergischen Asthmas auch die Bronchien, die die Luft in die Lunge leiten. Mögliche Zeichen sind etwa Atemnot und ein trockener Husten. Suchen Sie bei diesen Beschwerden ärztlichen Rat, um die Ursache für die Beschwerden herauszufinden und gegebenenfalls eine geeignete Therapie für das Asthma zu erhalten.
Diagnose von Heuschnupfen
Wenn Sie Symptome einer Pollenallergie bemerken, können Sie zunächst Ihren Hausarzt oder Kinderarzt aufsuchen. Diese werden Sie nach Ihren Beschwerden befragen und Sie untersuchen. Bei Bedarf werden Sie an einen Spezialisten überwiesen, der die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ trägt.
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Um mögliche Allergieauslöser festzustellen, kann ein Prick-Test durchgeführt werden. Dabei werden Lösungen, die das Allergen enthalten, auf die Haut getropft und die Haut oberflächlich angestochen. Bildet sich daraufhin eine Rötung und vor allem eine erhabene Hautstelle (Quaddel), ist der Test positiv. Eventuell wird mittels Bluttest nach Antikörpern gegen verdächtige Allergene gesucht.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein positiver Haut- oder Bluttest lediglich zeigt, dass man für den Allergieauslöser sensibilisiert ist, also eine erhöhte Allergiebereitschaft besteht. Von einer Allergie spricht man erst, wenn entsprechende allergische Symptome auftreten.
Behandlung von Heuschnupfen
Ursächliche Therapie: Hyposensibilisierung
Eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, soll das Immunsystem an das Allergen gewöhnen und die Beschwerden dadurch lindern. So kann auch das Risiko, dass sich ein allergisches Asthma entwickelt, gesenkt werden. Bei der Hyposensibilisierung werden die Betroffenen regelmäßig dem Allergieauslöser ausgesetzt. Sie erhalten das Allergen entweder über Spritzen oder als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Die Therapie dauert etwa ein bis drei Jahre.
Medikamentöse Behandlung
Zur Behandlung von Heuschnupfen gibt es mehrere Wirkstoffe, diese können Allergikerinnen und Allergiker etwa als Nasenspray, Augentropfen oder Tabletten anwenden, um die Beschwerden zu lindern. Nach der Diagnose Pollenallergie kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie zu geeigneten Medikamenten beraten. Manche Präparate kombinieren auch mehrere Wirkstoffe.
- Antihistaminika: Es gibt sie zur örtlichen Behandlung als Nasenspray, Augentropfen oder in Tablettenform. Sie mindern die Wirkung des Botenstoffs Histamin, der an der allergischen Reaktion beteiligt ist. Tabletten wirken meist innerhalb einer Stunde, können aber zum Beispiel müde machen - das ist jedoch abhängig vom Wirkstoff. Als Nasenspray wirken Antihistaminika in der Regel schnell - in weniger als 15 Minuten - und können auch bei Bedarf eingesetzt werden. Augentropfen wirken ebenfalls schnell. Mögliche Nebenwirkung ist unter anderem ein Brennen in den Augen während des Eintropfens.
- Kortison: Bei stärkeren Beschwerden werden häufig Kortisonpräparate als Nasenspray zur örtlichen Anwendung empfohlen. Sie wirken entzündungshemmend und lindern Symptome im Bereich der Nase besser als Antihistaminika, die man als Tablette einnimmt - etwa eine verstopfte Nase. Die Nasensprays wirken meist nach wenigen Stunden, bis der maximale Effekt eintritt, kann es einige Tage dauern. Sie verursachen üblicherweise nur wenige und milde Nebenwirkungen. Möglich ist zum Beispiel Nasenbluten und dass die Schleimhaut austrocknet. Ist die Pollenallergie ärztlich diagnostiziert, dann können sich Patienten entsprechende Präparate auch ohne ärztliche Verschreibung in der Apotheke besorgen.
- Cromone: Sie bremsen die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsstoffen, die an der allergischen Reaktion beteiligt sind. Es gibt sie etwa als Nasenspray und Augentropfen. Sie wirken jedoch nicht so stark wie Antihistaminika oder Kortisonpräparate. Zudem müssen sie mehrfach täglich verabreicht werden und man sollte schon vor dem erwarteten Pollenflug anwenden. Denn die Wirkung tritt erst nach mehreren Tagen ein und ist erst nach ungefähr 14 Tagen vollständig.
- Weitere Maßnahmen: Die Nase mit Salzwasser zu spülen kann unterstützen. Eine Nasenspülung entfernt Pollen aus der Nase und reinigt die Schleimhaut.
Tipps für den Alltag mit Heuschnupfen
- Pollenflug checken: Den Kontakt zu Pollen sollten Menschen mit Heuschnupfen möglichst gering halten. Regen wäscht die Pollen aus der Luft - danach kann man zum Beispiel eher rausgehen und lüften. Bei Starkregen und Gewitter kann es hingegen zu Beginn zu stärkeren Symptomen kommen. Blühende Wiesen und Getreidefelder sollten Allergiker und Allergikerinnen besser meiden. Zudem gibt es Smartphone-Apps, die den Pollenflug vorhersagen. Das ermöglicht, das Verhalten anzupassen und bei hoher Pollenbelastung eher drinnen zu bleiben. Es ist auch möglich, in der Hauptblütezeit der Pflanzen, auf die man allergisch reagiert, in pollenärmere Regionen zu verreisen - etwa in Küstenregionen oder ins Hochgebirge. Weitere mögliche Reiseziele hat die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst gesammelt.
- Pollenbelastung senken:
- Haare waschen am besten abends vor dem Zubettgehen. So hängen weniger Pollen in den Haaren, die die Nachtruhe stören könnten.
- Kleidung vor dem Schlafzimmer ausziehen, um daran haftende Pollen draußen zu lassen.
- Wäsche zum Trocknen nicht im Freien aufhängen.
- Bettwäsche und andere Textilien häufiger wechseln.
- Lüften in der Stadt eher in den Morgenstunden, auf dem Land eher am Abend. Dann ist die Pollenkonzentration meistens geringer. Pollengitter an den Fenstern können ebenfalls helfen.
- Staubsauger mit Hepa-Filter verwenden. Am besten täglich saugen.
- Möbel regelmäßig reinigen, um daran haftende Pollen zu entfernen.
- Beim Autofahren Fenster geschlossen halten und einen Pollenfilter montieren.
Allergischer Schnupfen: Eine umfassendere Betrachtung
Die allergische Rhinitis, auch bekannt als allergischer Schnupfen, ist eine entzündliche Erkrankung der Nase, die durch eine Allergie ausgelöst wird. Dabei reagieren die Abwehrzellen des Körpers übermäßig auf an sich harmlose Partikel in der Atemluft, was zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut führt.
Ursachen und Entstehung
Innerhalb weniger Minuten nach dem Einatmen des auslösenden Allergens reagiert der Körper mit einer Entzündung. Die Mastzellen erkennen das Allergen und setzen Histamin und andere Entzündungsstoffe frei, was zur Entzündung der Nasenschleimhaut führt.
Symptome des allergischen Schnupfens
Ein allergischer Schnupfen äußert sich unter anderem durch folgende Symptome:
- Juckende Nase
- Ständiges Niesen
- Kratzen im Hals
- Wässrig-klares Sekret aus der Nase
- Verstopfte Nase
- Juckreiz an Gaumen, Ohren oder Augen
Darüber hinaus können Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Kopfdruck, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit auftreten.
Folgen und Begleiterkrankungen
Eine allergische Rhinitis kann die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die Lebensqualität, den Schlaf und die Tagesaktivitäten der Betroffenen massiv beeinträchtigen. Zudem tritt sie häufig zusammen mit Begleiterkrankungen wie Nasennebenhöhlenentzündung, Nasenpolypen, Bindehautentzündung und Mittelohrentzündung auf. Sie erhöht auch das Risiko, dass sich allergisches Asthma entwickelt.
Diagnose des allergischen Schnupfens
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch ein Gespräch mit dem Arzt (Anamnese), einen Hauttest (Pricktest), eine Blutuntersuchung und gegebenenfalls einen nasalen Provokationstest.
Verlauf und Prognose
Eine allergische Rhinitis beginnt meist im frühen Kindesalter. Die Symptome sind bei Jugendlichen in der Regel am stärksten ausgeprägt und nehmen im Erwachsenenalter oft ab. Mit der richtigen Behandlung können die meisten Betroffenen gut mit ihren Symptomen umgehen.
Dauer des allergischen Schnupfens
Die Dauer der Symptome hängt von der Empfindlichkeit gegenüber dem auslösenden Stoff und der Dauer des Kontakts zum Allergen ab. Man unterscheidet zwischen episodischer (intermittierender) und anhaltender (persistierender) allergischer Rhinitis.
Therapie bei allergischer Rhinitis
Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören:
- Vermeidung des Allergens: Dies ist die wichtigste Maßnahme, um die Symptome zu reduzieren.
- Medikamentöse Behandlung: Antihistaminika, Kortikosteroide und Cromone können die Symptome lindern.
- Hyposensibilisierung (Allergie-Immuntherapie): Diese Behandlung kann das Immunsystem des Betroffenen an das Allergen gewöhnen und die Symptome langfristig reduzieren.
- Weitere Maßnahmen: Nasenspülungen mit Salzwasser können die Nasenschleimhaut befeuchten und von Allergenen befreien.
Abgrenzung zur Erkältung
Die Symptome eines allergischen Schnupfens ähneln denen einer Erkältung. Allerdings treten bei einer Allergie meist langanhaltende, starke Niesattacken und Juckreiz in der Nase, im Mund, am Gaumen und im Rachen auf. Zudem kommen bei einer Erkältung meist Symptome wie Fieber oder Schüttelfrost hinzu.
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