Alpha-Rhythmus: Funktion und Bedeutung für das Gehirn

Die Gehirnwellen, die vor etwa 100 Jahren entdeckt wurden, sind elektrische Schwingungen, die vom Gehirn erzeugt werden und in einem Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar gemacht werden können. Diese Schwingungen werden je nach Rhythmus mit unterschiedlichen Funktionen und Bewusstseinszuständen assoziiert. Unter den verschiedenen Arten von Gehirnwellen spielen die Alpha-Wellen eine besondere Rolle.

Was sind Alpha-Wellen?

Alpha-Wellen sind Signale im Frequenzbereich zwischen 8 und 12 Hz. Sie treten vor allem bei entspannter Wachheit mit geschlossenen Augen auf und werden durch Beta-Wellen ersetzt, wenn die Augen geöffnet werden (Berger-Effekt). Ein erhöhter Anteil an Alpha-Wellen wird mit leichter Entspannung oder entspannter Wachheit in Verbindung gebracht.

Funktion und Wirkung von Alpha-Wellen

Wenn wir uns entspannen, setzen unsere Gehirne Alpha-Wellen frei. Diese Wellen haben eine beruhigende und entspannende Wirkung auf den Körper. Sie helfen uns, uns von äußeren Einflüssen abzuschirmen und uns auf unsere Innenwelt zu konzentrieren. Im Alphazustand denken wir tendenziell weniger und analysieren nicht mehr so viel.

Die Alpha-Aktivität spielt auch eine Rolle bei der Verarbeitung von Sinnesinformationen. Neurowissenschaftler der Forschungsgruppe Auditive Kognition an der Universität zu Lübeck und am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben herausgefunden, dass die Stärke der Alpha-Wellen die Höranstrengung des Zuhörers anzeigt. "Die Größe der Alpha-Wellen erhöht sich jeweils auf der Seite im Gehirn, auf der zu hören ist, was wir als wichtig erachten", erklärt Studienleiter Malte Wöstmann. "Der Unterschied im Ausschlag der Alpha-Wellen zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte verrät also, ob ein Zuhörer die Aufmerksamkeit nach links oder rechts richtet."

Alpha-Wellen und Lernen

Eine Studie eines Forscherteams aus Berlin, Bochum und Leipzig hat gezeigt, dass die Alpha-Aktivität auch eine Rolle beim Lernen spielt. Die Wissenschaftler trainierten den Tastsinn von Studienteilnehmern, indem sie die Haut an der Hand wiederholt elektrisch stimulierten. Vor und nach dieser Stimulation testeten sie die Zwei-Punkt-Diskriminationsschwelle, ein Maß für die Sensibilität des Tastsinns. Weiterhin zeichneten sie das spontane EEG der Probanden auf und identifizierten diejenigen Komponenten der Hirnaktivität, die mit einer Verbesserung beim Diskriminationstest zusammenhingen. Entscheidend waren die Alpha-Wellen. Die Ergebnisse zeigten: Je höher die Alpha-Aktivität vor dem passiven Training, desto besser lernten die Probanden. Außerdem lernten sie umso leichter, je mehr die Alpha-Aktivität während des passiven Trainings abnahm. Diese Effekte traten über dem somatosensorischen Kortex auf, also dort, wo der Tastsinn im Gehirn verortet ist.

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Wie können wir Alpha-Wellen beeinflussen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Alpha-Aktivität im Gehirn zu beeinflussen. Dazu gehören:

  • Entspannungstechniken: Meditation, Yoga und autogenes Training können helfen, den Geist zu beruhigen und die Alpha-Wellen zu fördern.
  • Musik: Bestimmte Arten von Musik, insbesondere solche mit einer Frequenz von 8-12 Hz, können die Alpha-Aktivität stimulieren.
  • Neurofeedback: Neurofeedback ist eine Technik, bei der man lernt, die eigenen Gehirnwellen zu beeinflussen, indem man Echtzeit-Feedback über die eigene Hirnaktivität erhält.
  • Hirnstimulationsverfahren: Transkranielle Magnetstimulation (TMS) und transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) sind nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren, die eingesetzt werden können, um die Hirnaktivität zu modulieren.

Alpha-Wellen in der Therapie

Die Beeinflussung von Hirnwellen, einschließlich der Alpha-Wellen, kann bei der Behandlung verschiedener Erkrankungen helfen. So wird beispielsweise die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass die EKT bei mehr als der Hälfte der Patienten, die auf Medikamente nicht oder kaum ansprechen, einen antidepressiven Effekt erzielt. Eine der positiven Wirkungen ist offenbar eine zwischen den Hirnarealen verbesserte Verbindung und Kommunikation. Für diese spielen Oszillationen, Hirnwellen, eine wichtige Rolle.

Weitere Gehirnwellen

Neben den Alpha-Wellen gibt es noch weitere Arten von Gehirnwellen, die mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen und mentalen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden:

  • Delta-Wellen (weniger als 4 Hz): Tiefer, traumloser Schlaf und sehr tiefe Entspannung.
  • Theta-Wellen (4-8 Hz): Leichter Schlaf, Meditation, tiefe Entspannung und kreatives Denken.
  • Beta-Wellen (13-30 Hz): Wachzustand und Verarbeitung äußerer Informationen.
  • Gamma-Wellen (30-140 Hz): Lernen, Erinnerung und Bewusstsein.

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